Chemische Stoffe in Lebensmitteln
Chemische Stoffe sind die Grundbausteine für alles in der Welt. Sämtliche Lebewesen – einschließlich Menschen, Tieren und Pflanzen – bestehen daraus. Auch alle Lebensmittel setzen sich aus chemischen Stoffen zusammen. Diese sind in der Regel unschädlich und oftmals sogar erwünscht – so etwa Nährstoffe wie Kohlenhydrate Gruppe von Nährstoffen, zu denen Zucker, Stärke und Ballaststoffe zählen, Proteine, Fette und Ballaststoffe, die ebenfalls aus chemischen Verbindungen bestehen. Viele dieser Stoffe kommen natürlich vor und tragen zu einer ausgewogenen Ernährung Die Ernährungswissenschaft befasst sich mit der Frage, wie Ernährung und lebensnotwendige Bedürfnisse des Körpers zusammenhängen und unserem Esserlebnis bei.
Chemische Stoffe können jedoch eine Vielzahl toxikologischer Eigenschaften haben, von denen sich einige auf Mensch und Tier auswirken können. Meist sind diese nicht schädlich, sofern wir ihnen nicht für lange Zeit und in hohen Dosen ausgesetzt sind. Die Wissenschaft trägt zum Schutz vor diesen schädlichen Wirkungen bei, indem sie sichere Grenzwerte ermittelt. Diese wissenschaftliche Beratung dient als Informationsgrundlage für Entscheidungsträger, welche die Verwendung chemischer Stoffe in Lebensmitteln regulieren bzw. versuchen, deren Vorkommen in der Lebensmittelkette zu begrenzen.
Überblick
Chemische Stoffe können in der Lebensmittelproduktion und bei der Konservierung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle spielen. Lebensmittelzusatzstoffe können zum Beispiel die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern oder Lebensmitteln ein ansprechenderes Aussehen verleihen, wie im Falle von Lebensmittelfarbstoffen. Aromastoffe sollen Lebensmittel schmackhafter machen. Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel, das konzentrierte Mengen von Nährstoffen oder anderen Stoffen enthält, die als Ergänzung der normalen Ernährung dienen sollen. werden als Nährstoffquellen eingesetzt.
Lebensmittelverpackungen und -behältnisse wie Flaschen, Becher und Teller, welche die Handhabung und den Transport von Lebensmitteln erleichtern sollen, können chemische Verbindungen wie Kunststoffe enthalten, aus denen Bestandteile in die Lebensmittel übergehen können. Andere chemische Stoffe können eingesetzt werden, um Erkrankungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren oder Kulturpflanzen zu bekämpfen, oder finden sich infolge von Herstellungsprozessen wie Erhitzen und Kochen oder aufgrund von Behandlungen zur Dekontamination mitunter in Lebensmitteln.
Einige Pflanzen und Pilze produzieren natürliche Giftstoffe, die Kulturpflanzen kontaminieren und bedenklich für die Gesundheit von Mensch und Tier sein können. Menschen können sowohl natürlich vorkommenden als auch künstlich hergestellten chemischen Verbindungen ausgesetzt sein, die in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt vorhanden sind, wie etwa im Boden, im Wasser und in der Luft. Hierzu gehören zum Beispiel industrielle Schadstoffe wie Dioxine und PCB. Eine Reihe von Metallen kann natürlich oder infolge menschlicher Aktivitäten in der Umwelt vorkommen.
Aktuelles
Am 1. Januar 2026 trat das Paket „Ein Stoff, eine Bewertung“ (one substance, one assessment, OSOA) in Kraft. Als eines der wichtigsten Ergebnisse der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit wird es die Bewertung von Chemikalien in den EU-Rechtsvorschriften einheitlicher, transparenter und effizienter gestalten und Produkte wie Spielzeug, Lebensmittel, Kosmetika, Arzneimittel, Pestizide und Biozide einbeziehen. Der neue Rahmen wird auch dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen und erforderlichenfalls raschere Maßnahmen zu ermöglichen. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einem besseren und schnelleren Schutz der Gesundheit der Menschen und der Umwelt.
Ein zentrales Ergebnis ist eine neue gemeinsame Datenplattform für Chemikalien, die bis 2028 in Betrieb genommen werden soll. Diese für alle zugängliche Plattform wird als zentrale Anlaufstelle dienen, die Daten zu Chemikalien zusammenführt, die nach verschiedenen EU-Rechtsvorschriften erhoben wurden. Dadurch können Behörden Informationen über Chemikalien leichter wiederverwenden, was eine bessere Entscheidungsfindung ermöglicht.
Die neuen Maßnahmen werden zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Chemikalienagenturen der EU führen, indem die Aufgabenteilung geklärt, Doppelarbeit verringert und wissenschaftliche und technische Aufgaben konsolidiert werden. Mit dem OSOA-Paket wird auch ein Überwachungs- und Prospektivrahmen eingeführt, mit dem neu auftretende chemische Risiken früher erkannt werden sollen. Durch die systematische Erhebung von Daten und den Einsatz von Indikatoren und Frühwarnsystemen wird die EU besser gerüstet sein, um neue Probleme zu erkennen und bei Bedarf rasch zu handeln.
Laufende oder abgeschlossene Bewertungen
Verfolgen Sie die Arbeit der EFSA
Rolle der EFSA
Die EFSA leistet den Risikomanagern der Europäischen Union (Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten) wissenschaftliche Beratung in Form von Risikobewertungen sowie sonstige technische Unterstützung im Zusammenhang mit chemischen Stoffen in Lebens- und Futtermitteln. Die Risikomanager berücksichtigen die wissenschaftliche Beratung der EFSA zusammen mit anderen Faktoren, wenn sie eine Entscheidung über die Sicherheit dieser Stoffe für die Gesundheit von Mensch und Tier und die Umwelt treffen.
- Genehmigung für das Inverkehrbringen von chemischen Stoffen, die in der Lebensmittelkette verwendet werden. Bevor chemische Stoffe in der EU zur Verwendung in Lebens- und Futtermitteln zugelassen werden können, führt die EFSA strenge Risikobewertungen durch, um zu ermitteln, welche Stoffe sicher und in welchen Konzentrationen verwendet werden können.
- Risikobewertungen werden auch in Bezug auf Kontaminanten Alle in Lebensmitteln zu findenden Stoffe, die nicht absichtlich zugesetzt wurden. Kontaminanten können auf Verpackung, Lebensmittelverarbeitung und -transport, landwirtschaftliche Praktiken oder den Einsatz von Tierarzneimitteln zurückzuführen sein. Der Begriff deckt nicht die Kontamination durch Insekten oder Nagetiere ab vorgenommen, die als möglicherweise bedenklich für die Gesundheit von Mensch und/oder Tier erachtet werden. Risikomanager können Maßnahmen ergreifen, um die Exposition Konzentration oder Menge eines bestimmten Stoffs, die von einem Menschen, einer Population oder einem Ökosystem mit einer bestimmten Häufigkeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg aufgenommen wird von Menschen und Tieren gegenüber solchen Stoffen zu begrenzen, wenn die EFSA auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen hinweist.
Aktivitäten
Die EFSA unternimmt Risikobewertungen zu einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe, einschließlich solcher, die Lebens- und Futtermitteln bewusst beigefügt werden, chemischer Rückstände, die infolge von Produktion, Vertrieb, Verpackung oder Zubereitung in Lebens- und Futtermitteln vorkommen können, sowie Stoffen, die durch Kontakt mit der Umwelt vorhanden sein könnten.
Regulierte Lebensmittelzutaten
Einige chemische Stoffe werden Lebensmitteln aus unterschiedlichen technischen Gründen beigefügt, etwa um sie schmackhafter, haltbarer oder nahrhafter zu machen.
Rückstände in der Lebensmittelkette
Mitunter befinden sich aufgrund von Verfahren zur Lebensmittelerzeugung und -zubereitung unbeabsichtigter Weise Spuren chemischer Stoffe in Lebensmitteln, wie etwa Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Zusatzstoffe, die in der Tierernährung eingesetzt werden. Geringe Spuren von chemischen Stoffen aus Verpackungen und anderen Lebensmittelkontaktmaterialien können ebenfalls unabsichtlich in Lebensmittel gelangen.
Kontaminanten in Lebens- und Futtermitteln
Natürlich vorkommende chemische Verbindungen wie Metalle und Nitrate sind in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt zu finden, z. B. im Boden, im Wasser und in der Luft. Infolge von menschlichen Aktivitäten wie Landwirtschaft und Industrie, durch Autoabgase oder bedingt durch Verfahren der Lebensmittelproduktion wie das Erhitzen bei hohen Temperaturen können sie auch als Rückstände in Lebensmitteln vorkommen. Menschen können solchen Schadstoffen über die Umwelt oder die Aufnahme Menge eines Stoffs (z.B. eines Nährstoff oder einer Chemikalie), der von einem Menschen oder einem Tier über die Nahrung aufgenommen wird von belasteten Lebensmitteln bzw. kontaminiertem Wasser ausgesetzt sein.
Bewertung chemischer Stoffe in Lebensmitteln
Die Hauptaufgabe der EFSA besteht in der Durchführung wissenschaftlicher Risikobewertungen zu möglichen Gefahren im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette, wozu auch potenzielle Risiken durch chemische Stoffe in Lebensmitteln gehören. Unsere Wissenschaftler stützen sich bei ihren Risikobewertungen chemischer Stoffe auf international anerkannte Ansätze, um die Gesundheit von Verbrauchern und Tieren zu schützen und zum Schutz der Umwelt beizutragen. Wir haben ein umfassendes Paket zur guten Praxis bei der Risikobewertung Spezialgebiet der angewandten Wissenschaften, in dem wissenschaftliche Daten und Studien ausgewertet werden, um die mit bestimmten Gefahren einhergehenden Risiken zu beurteilen. Dies umfasst vier Schritte: Gefahrenidentifizierung, Gefahrencharakterisierung, Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung von Chemikalien entwickelt, das unseren Sachverständigen als Leitlinie dient, damit unsere Bewertungen höchsten wissenschaftlichen Maßstäben genügen. Dazu gehören u.a. folgende Themen:
Ein Stoff, eine Bewertung
Im Dezember 2019 veröffentlichte die Europäische Kommission den Europäischen Grünen Deal, in dem eine Nachhaltigkeitsstrategie für Chemikalien angekündigt wurde. Die Kommission untersuchte , wie der Rechtsrahmen vereinfacht und gestärkt werden und die Agenturen und wissenschaftlichen Einrichtungen der EU besser genutzt werden können, um zu dem Ansatz „Ein Stoff – eine Bewertung“ (OSOA) überzugehen. An der Initiative sind neben der EFSA auch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), die Europäische Umweltagentur (EUA), die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OHSA) und die Europäische Kommission beteiligt.
Die EFSA und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) haben ein gemeinsames Positionspapier zum Konzept „Ein Stoff, eine Bewertung“ für Chemikalien erstellt. Darin werden die bestehende Situation analysiert und Lösungen vorgeschlagen, um die Vereinfachung, Kosteneinsparungen und eine bessere regulatorische Vorhersehbarkeit zu fördern. Die wichtigsten Vorschläge waren ein zentraler Koordinierungsmechanismus, eine bessere Koordinierung oder Verteilung der Aufgaben (auch in Bezug auf chemische Gemische) zwischen den Agenturen sowie der Zugang zu allen verfügbaren Daten im gleichen strukturierten Format.
- Arbeiten zur Unterstützung der EU-Nachhaltigkeitsstrategie für Chemikalien: Ein Stoff, eine Bewertung
- Grüner Deal:Kommission verabschiedet neue Chemikalienstrategie für eine schadstofffreie Umwelt
Am 1. Januar 2026 traten neue Rechtsvorschriften zur Unterstützung des OSOA-Pakets in Kraft. In zwei Verordnungen wurden der EFSA neue Aufgaben übertragen:
- Verordnung (EU) 2025/2455 vom 26. November 2025 zur Einrichtung einer gemeinsamen Datenplattform für Chemikalien. Sie legt Regeln fest, die sicherstellen sollen, dass die Daten auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar sind, und schafft einen Rahmen für die Überwachung und Prognose im Bereich Chemikalien.
- Verordnung (EU) 2025/2457 vom 26. November 2025 (zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 über das Lebensmittelrecht) im Hinblick auf die Neuzuweisung wissenschaftlicher und technischer Aufgaben und die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Agenturen der Union im Bereich Chemikalien.
In der Praxis liegt der unmittelbare Schwerpunkt auf der Entwicklung der gemeinsamen EU-Datenplattform für Chemikalien (EU Common Data Platform on Chemicals, EU-CDPC). Die ECHA hat die Aufgabe, den EU-CDPC mit Unterstützung der anderen Agenturen, einschließlich der EFSA, einzurichten. Die Plattform muss bis Ende 2028 betriebsbereit sein und die Mindestdatensätze enthalten. Die vollständige Integration aller vorhandenen und neu generierten Daten muss innerhalb von 10 Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung, d. h. bis Ende 2036, abgeschlossen sein.
Die Datenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der EFSA arbeiten daran, sicherzustellen, dass ihre zahlreichen chemikalienbezogenen Datensammlungen (z. B. Chemikalienüberwachung, Studienmeldungen, Daten zu chemischen Gefahren, Anwendungen in der Lebensmittelkette) so früh wie möglich in die EU-CDPC aufgenommen werden können. Eine wichtige neue Aufgabe, die der ECHA und der EFSA in Zusammenarbeit mit der EUA übertragen wurde, ist die Beauftragung einer Human-Biomonitoring Direkte Messung der Konzentrationen toxischer chemischer Verbindungen im Körper. Erfolgt häufig unter Verwendung von Blut oder Urin-Studie, die alle EU-Mitgliedstaaten umfasst.
- Europäische Kommission: Neue Vorschriften zur Vereinfachung der Bewertung von Chemikalien treten in Kraft
- Europäische Chemikalienagentur ECHA übernimmt zusätzliche Aufgaben zur Stärkung der Chemikaliensicherheit in Europa.