Lebensmittelbedingte Zoonosen

Einleitung

Zoonosen werden von Infektionen verursacht, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Die Schwere dieser Erkrankungen beim Menschen kann leicht bis lebensbedrohlich sein.

Lebensmittelbedingte Zoonosen werden durch den Verzehr von Lebensmitteln oder Trinkwasser übertragen, die mit pathogenen (krankheitserregenden) Mikroorganismen, wie etwa Bakterien, Viren oder Parasiten kontaminiert sind. In den Körper gelangen sie über den Magen-Darm-Trakt, wo häufig auch die ersten Symptome auftreten. Viele dieser Mikroorganismen sind häufig in den Eingeweiden von gesunden, zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren zu finden. Die Risiken einer Kontamination bestehen auf allen Stufen der Lebensmittelkette, vom Erzeuger bis zum Verbraucher, und erfordern daher Prävention und Kontrolle entlang der gesamten Kette.

Die häufigsten lebensmittelbedingten Zoonosen werden von Campylobacter, Salmonella, Yersinia, E. coli und Listeria verursacht. Lebensmittelbedingte Zoonosen stellen weltweit eine erhebliche und weit verbreitete Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. In der Europäischen Union werden jährlich mehr als 350 000 Fälle beim Menschen gemeldet, aber die tatsächliche Zahl dürfte noch höher sein.

Um Verbraucher zu schützen, verfolgt die EU einen integrierten Ansatz im Bereich der Lebensmittelsicherheit, vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Dieser Ansatz umfasst eine Risikobewertung (z. B. Datenerhebung, Datenanalyse, Empfehlungen) sowie Maßnahmen zum Risikomanagement (z. B. Legislativmaßnahmen, Reduktionsziele) und wird durch zeitnahe und effektive Aktivitäten im Bereich der Risikokommunikation unterstützt.

Wie werden Lebensmittel kontaminiert?

Die Kontamination kann an jedem Punkt entlang der Lebensmittelkette – in landwirtschaftlichen Betrieben, bei der Schlachtung, bei der Verarbeitung oder bei der Zubereitung – auftreten. Lebensmittel können auch zu Hause kontaminiert werden, wenn sie falsch gehandhabt oder gekocht werden.

Hauptursachen auf Betriebsebene

  • Futtermittel, die mit Bakterien kontaminiert sind, die Infektionen bei Tieren hervorrufen.
  • Parasiten, die zur Lebensmittelerzeugung genutzte Tiere infizieren.
  • Milch, die durch den Kontakt mit Kot oder Staub aus der Umwelt kontaminiert ist.
  • Tierhäute und -felle, die durch Kot und die Umwelt kontaminiert sind.

Bei der Schlachtung

  • Fleisch, das mit Darminhalt kontaminiert ist.

Bei der Verarbeitung

  • Lebensmittel, die durch Mikroorganismen kontaminiert sind, die sich in anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen oder auf Oberflächen befinden, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.
  • Lebensmittel, die von infizierten Personen gehandhabt werden.

Zubereitung

  • Unsachgemäße Benutzung von Geräten oder Küchenoberflächen, was zur Ausbreitung von Bakterien beitragen kann. Eine vorsichtige Handhabung von rohem Fleisch und sonstigen rohen Lebensmittelzutaten, gründliches Durchgaren sowie eine gute Küchenhygiene können dem Risiko, das von diesen Mikroorganismen ausgeht, vorbeugen oder es senken.

Siehe auch:

Was sind die häufigsten Ursachen für lebensmittelbedingte Erkrankungen?

Die meisten lebensmittelbedingten Erkrankungen werden durch Campylobacter, Salmonella, Yersinia, E. coli und Listeria verursacht.

Bakterien

  • Campylobacter, Salmonella, Listeria, pathogene Escherichia coli (E. coli), Yersinia

Bakterielle Toxine

  • Toxine von Staphylococcus aureus, Clostridium perfringens, Clostridium botulinum und Bacillus cereus

Viren

  • Calicivirus (einschließlich Norovirus), Rotavirus, Hepatitis-A-Virus, Hepatitis-E-Virus

Parasiten

  • Trichinella, Toxoplasma, Cryptosporidium, Giardia

Die Rolle der EFSA

Die EFSA arbeitet mit ihrer Schwesteragentur, dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), und den EU-Mitgliedstaaten zusammen, um Entscheidungsträgern auf nationaler und europäischer Ebene unabhängige wissenschaftliche Beratung zu lebensmittelbedingten Zoonosen bereitzustellen.

Datenerhebung und Datenanalyse

Die EFSA analysiert in Zusammenarbeit mit dem ECDC Überwachungsdaten über Zoonosen, zoonotische Mikroorganismen bei Menschen und Tieren und in Lebens- und Futtermitteln sowie über lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche.

Auf der Grundlage der von den EU-Mitgliedstaaten erhobenen Daten erstellt die EFSA in Zusammenarbeit mit dem ECDC jährlich zusammenfassende Berichte über Zoonosen und lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche.

Die EFSA stellt den nationalen Behörden auch Leitlinien für die Durchführung von Überwachungs- und Berichterstattungstätigkeiten in Bezug auf Zoonosen, lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche und Antibiotikaresistenz zur Verfügung.

Die EFSA erstellt Berichte zu Grundlagenerhebungen über die Prävalenz von zoonotischen Mikroorganismen in Lebensmitteln und bestimmten Tieren in der EU. Die Befunde werden von Risikobewertern, wie etwa dem Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ-Gremium) der EFSA, zur Risikoabschätzung verwendet und dienen Risikomanagern zur Festlegung möglicher Kontrollmaßnahmen oder Reduktionsziele.

Wissenschaftliche Beratung

Das BIOHAZ-Gremium der EFSA bietet wissenschaftliche Beratung zu biologischen Gefahren im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit, einschließlich lebensmittelbedingter Zoonosen. Es bewertet die Risiken, die von einem bestimmten Krankheitserreger ausgehen, und bietet Beratung zu möglichen Kontrolloptionen.

Die Arbeit des Gremiums im Bereich der Risikobewertung bildet eine solide Grundlage für europäische politische Maßnahmen und Rechtsvorschriften und unterstützt Risikomanager bei Entscheidungen zum Schutz der Verbraucher.

EU-Rechtsrahmen

Die Lebensmittelhygienevorschriften der EU enthalten Anforderungen an Lebensmittelerzeuger und -unternehmer sowie Vorschriften für amtliche Kontrollen von frischem Fleisch, Milch und anderen Lebensmitteln.

Die Rechtsvorschriften der EU regeln die Überwachung und Kontrolle von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Die EU verfügt über ein System für die Erhebung und Analyse von Daten aus den Mitgliedstaaten über die Anzahl der Fälle bei Menschen und die Prävalenz von Zoonoseerregern in verschiedenen Lebensmitteln und Tieren. Die Daten bilden eine Grundlage für die Umsetzung und Überwachung von Kontrollmaßnahmen zur Verhütung und Verringerung der Präsenz dieser Mikroorganismen in der Lebensmittelkette.

Die EU ergreift auch Maßnahmen zur Kontrolle bestimmter lebensmittelbedingter Zoonoseerreger, wie etwa Salmonella. Dazu gehören obligatorische Fleischuntersuchungen und Handelsbeschränkungen für Eier und lebendes Geflügel aus Drittländern. Darüber hinaus legt die Europäische Kommission Ziele fest, die von den Mitgliedstaaten einzuhalten sind, um Salmonella in verschiedenen Tieren, unter anderem Hühnern und Puten, zu reduzieren.

Für bestimmte häufig vorkommende Bakterien und deren Toxine, die über bestimmte Lebensmittel übertragen werden können, darunter Salmonella und Listeria, wurden Lebensmittelsicherheitskriterien festgelegt. Anhand dieser Kriterien führen Lebensmittelunternehmer und nationale Lebensmittelsicherheitsbehörden Tests durch, um die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln zu gewährleisten. Letztendlich muss die Sicherheit von Lebensmitteln durch einen präventiven Ansatz gewährleistet werden, bei dem international anerkannte Standards wie gute Hygiene- und Herstellungspraxis (GHP und GMP) und HACCP-Grundsätze (Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte) angewandt werden. Diese Standards müssen von den Lebensmittelunternehmern auf jeder Stufe der Erzeugung, der Verarbeitung und des Vertriebs von Lebensmitteln angewandt werden.

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