Chemische Gemische
Einleitung

Menschen, Tiere und Umwelt können einer Vielzahl von chemischen Stoffen aus den verschiedensten Quellen ausgesetzt sein. Die EFSA hat bereits einige Ansätze zur Bewertung der kombinierten Exposition gegenüber mehreren Pestiziden und Kontaminanten bei Menschen sowie mehreren Pestiziden bei Bienen entwickelt. Derzeit befassen sich unsere Wissenschaftler mit der Weiterentwicklung neuer Ansätze und Instrumente für die Harmonisierung der Bewertung der Risiken, die von mehreren chemischen Stoffen in der Lebensmittelkette für Mensch und Umwelt ausgehen: „chemische Gemische” und ihre „Cocktail-Effekte”.
Aktuelles
September 2019 Die EFSA führt eine öffentliche Konsultation zu ihren Pilotbewertungen der Risiken durch, die von den Rückständen mehrerer Pestizide in Lebensmitteln für den Menschen ausgehen.
Interessierte Parteien können sich bis zum 15. November zu zwei Bewertungen äußern: Während bei der ersten Bewertung die chronischen Auswirkungen auf das Schilddrüsensystem untersucht werden, bezieht sich die zweite Bewertung auf die akuten Auswirkungen auf das Nervensystem.
Tätigkeiten
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA hat Leitlinien zur kombinierten Exposition gegenüber mehreren Chemikalien entwickelt. Diese Initiative der EFSA heißt MixTox.
Die EFSA unternimmt bzw. unterstützt mehrere Forschungsaktivitäten, die zur Entwicklung solcher Leitlinien beitragen sollen. Diese umfassen:
- die Erhebung und Analyse von Daten zur kombinierten Toxizität mehrerer chemischer Stoffe, die für die EFSA im Bereich der Human-, Tier- und Umwelttoxikologie relevant sind;
- die Entwicklung von Instrumenten zur Modellierung (mehrstufige Ansätze, Populationsdynamik, Variabilität des Menschen) im Hinblick auf die Bewertung der Risiken für Mensch und Umwelt durch einzelne und mehrere chemische Stoffe.
Meilensteine
2019 Die EFSA schließt ihre MixTox-Leitlinie ab, die ihre Wissenschaftler mit Methodiken und Mitteln zur Bewertung der kombinierten Exposition gegenüber mehreren Chemikalien ausstattet und zugehörige Empfehlungen für Methoden zur Bewertung der Gentoxizität von Substanzen in chemischen Gemischen bietet.
2019 Eine Forschungsstudie der EFSA von 2018 zeigt, dass in der EU das Bewusstsein der Öffentlichkeit für chemische Gemische insgesamt recht gering ist.
2018 Die EFSA befragt die Öffentlichkeit zu ihrem Entwurf der MixTox-Leitlinien für harmonisierte Methodiken zur Bewertung der Risiken für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, die durch die kombinierte Exposition gegenüber mehreren Chemikalien entstehen.
2018 Partner der EFSA – das niederländische nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) und die Universität Wageningen – veröffentlichen ein Datenmodell für die probabilistische Bewertung der kumulativen ernährungsbedingten Exposition gegenüber Pestiziden.
2017 Start der „OpenFoodTox”-Datenbank mit zusammenfassenden Statistiken zu chemischen Gefahren und Links zum eChemPortal der OECD. Schrittweise Ansätze zur Bewertung von Risiken für Mensch und Umwelt durch chemische Gemische anhand von OpenFoodTox-Daten bieten Alternativen zu Tierversuchen bei toxikologischen Bewertungen.
2016 Öffentliche Konsultation über die Vorschläge bezüglich des Rahmens und der Ziele von MixTox.
2016 Gemeinsames Symposium der EFSA und des niederländischen nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) über die Zukunft der Risikobewertung und der Toxizitätsprüfung bei chemischen Gemischen.
2016 In einer von RIVM und EFSA durchgeführten Pilotstudie wird das Risikobewertungsinstrument „Monte Carlo“ für die Bewertung der Exposition gegenüber mehreren Pestiziden getestet.
2015 Abschluss der Datenerhebung zu toxikokinetischen und toxikodynamischen Wechselwirkungen chemischer Gemische im Hinblick auf die Bewertung von Risiken für den Menschen sowie zur kombinierten Toxizität mehrerer chemischer Stoffe im Hinblick auf die Bewertung von Risiken für die Tiergesundheit und die Umwelt.
2014 Die EFSA organisiert in Edinburgh ein wissenschaftliches Kolloquium über die Harmonisierung der Bewertung von Risiken für Mensch und Umwelt durch die kombinierte Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen.
2013 Die EFSA stellt eine Methodik zur Einordnung von Pestiziden in kumulative Bewertungsgruppen vor.
2013 Wissenschaftlicher Bericht über internationale Rahmenkonzepte zur Bewertung von Risiken für den Menschen durch die kombinierte Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen, der einen Überblick über aktuelle Ansätze gibt und künftige Prioritäten darlegt.
2008 Evaluierung bestehender Methodiken zur Ermittlung neuer Ansätze für die Bewertung kumulativer und synergistischer Risiken für die menschliche Gesundheit durch Pestizide.
2006 Wissenschaftliches Kolloquium über die kumulative Risikobewertung von Pestiziden im Hinblick auf die menschliche Gesundheit.
Rolle
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA entwickelt harmonisierte Risikobewertungsmethodiken zu wissenschaftlichen Fragen horizontaler Art in Tätigkeitsbereichen der EFSA, in denen noch keine EU-weiten Verfahren festgelegt sind. Der Wissenschaftliche Ausschuss ist der Auffassung, dass die Entwicklung von Leitlinien für harmonisierte Methodiken zur Bewertung der kombinierten Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen eine Priorität für die EFSA darstellt.
Die EFSA bewertete existierende internationale Rahmenkonzepte zur Bewertung von Risiken für den Menschen durch die kombinierte Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen und befragte ihre Sachverständigengremien und Mitarbeiter über laufende Aktivitäten der EFSA in diesem Bereich. Der Wissenschaftliche Ausschuss empfahl eine Reihe weiterer Arbeiten, die in ein zukünftiges Leitliniendokument zu diesem Themenkomplex einfließen könnten.
Das Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände der EFSA ist zuständig für die Erarbeitung einer allgemeinen Methodik zur Einordnung von Pestiziden in kumulative Bewertungsgruppen. Bei der vom Gremium entwickelten Methodik kommen für die Zusammenfassung von Pestiziden in Gruppen umfassende Kriterien zur Anwendung, um den Schutz der Verbraucher zu maximieren.
FAQ
1. Wie bewerten Wissenschaftler chemische Gemische?
Bei einem einzelnen chemischen Stoff werten Wissenschaftler die vorliegenden Toxizitätsdaten aus, um einen für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt sicheren Wert zu bestimmen. Diesen vergleichen sie mit der Exposition gegenüber dem betreffenden Stoff (zum Beispiel über die Nahrung), um potenzielle Risiken vorhersagen zu können. Bei mehreren chemischen Stoffen haben Wissenschaftler Methoden entwickelt, die auf denselben Grundsätzen beruhen. Sie bewerten die Toxizität der Gruppe von chemischen Stoffen, indem sie ermitteln, wie diese Substanzen im Körper verstoffwechselt werden und wie sie ihre Toxizität entfalten könnten, d.h. welche „Wirkungsweise“ sie haben. Anschließenb werden die Informationen zur Toxizität mit den Informationen über die Exposition kombiniert, um mittels Annahmen über die kombinierte Toxizität mögliche gesundheitliche Risiken zu bewerten. Die am häufigsten verwendeten Annahmen sind Dosisaddition, Wirkungaddition und Wechselwirkung.
2. Was ist Dosisaddition?
Bei angenommener Dosisaddition geht man davon aus, dass die einzelnen chemischen Stoffe in dem Gemisch eine ähnliche Toxizität aufweisen, weshalb man bei der Risikobewertung die Dosen addiert und dann mit der Exposition kombiniert.
3. Was ist Wirkungsaddition?
Bei angenommener Wirkungsaddition berücksichtigen die Wissenschaftler die toxischen Wirkungen jeder einzelnen Substanz im Gemisch und beziehen diese alle zusammen in die Risikobewertung mit ein.
4. Was ist unter Wechselwirkungen zu verstehen? Was sind „synergistische“ und „antagonistische“ Effekte?
Wechselwirkungen sind komplexer. Einige chemische Stoffe können in Kombination toxischer werden. Dies wird als „Synergismus“ bezeichnet. Andere chemische Stoffe hingegen können, wenn sie kombiniert werden, weniger toxisch sein; in diesem Fall spricht man von „Antagonismus“. Die Mechanismen, die Synergismus und Antagonismus zugrunde liegen, sind komplex. Zwei wichtige Mechanismen sind die Zu- oder Abnahme der Fähigkeit des Körpers, die chemischen Verbindungen zu entgiften und auszuscheiden, sowie die Zu- oder Abnahme der Toxizität eines oder mehrerer der chemischen Stoffe. Wenn Hinweise auf solche Wechselwirkungen vorliegen, tragen die Wissenschaftler die entsprechenden Daten zusammen, um diese Wirkungen bei der Risikobewertung zu berücksichtigen.
