Threshold of Toxicological Concern

Introduction

Aufgrund verbesserter Analyseverfahren lassen sich mittlerweile immer mehr Substanzen nachweisen, die in niedrigen und sehr niedrigen Konzentrationen in Lebens- und Futtermitteln vorkommen. Für viele dieser Substanzen stehen jedoch wenige oder gar keine toxikologischen Daten zur Verfügung. Somit wird es zunehmend wichtiger, die potenzielle Bedeutung dieser zuvor nicht nachweisbaren Spurenstoffe für die Gesundheit zu bewerten, wobei es jedoch nicht immer möglich ist, toxikologische Daten für jede einzelne Substanz in der Nahrung zu generieren. Das „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC)-Konzept wurde entwickelt, um das Risiko durch Substanzen, die in kleinen Mengen in der Nahrung vorkommen, qualitativ zu bewerten. Es bietet sich für eine erste Bewertung von Substanzen an, um zu ermitteln, ob eine umfassende Risikobewertung erforderlich ist. Das Konzept stellt einen wichtigen wissenschaftsbasierten Ansatz dar, um chemische Stoffe mit geringer Exposition, für die weitere Daten benötigt werden, gegenüber solchen zu priorisieren, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie kein nennenswertes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen.
Tweets

1. Was versteht man unter „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC)?

Aufgrund verbesserter Analyseverfahren lassen sich mittlerweile immer mehr Substanzen nachweisen, die in niedrigen und sehr niedrigen Konzentrationen in Lebens- und Futtermitteln vorkommen. Für viele dieser Substanzen stehen jedoch wenige oder gar keine toxikologischen Daten zur Verfügung. Somit wird es zunehmend wichtiger, die potenzielle Bedeutung dieser zuvor nicht nachweisbaren Spurenstoffe für die Gesundheit zu bewerten, wobei es jedoch nicht immer möglich ist, toxikologische Daten für jede einzelne Substanz in der Nahrung zu generieren.

Das „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC)-Konzept wurde entwickelt, um das Risiko durch Substanzen, die in kleinen Mengen in der Nahrung vorkommen, qualitativ zu bewerten. Es bietet sich für eine erste Bewertung von Substanzen an, um zu ermitteln, ob eine umfassende Risikobewertung erforderlich ist. Das Konzept stellt einen wichtigen wissenschaftsbasierten Ansatz dar, um chemische Stoffe mit geringer Exposition, für die weitere Daten benötigt werden, gegenüber solchen zu priorisieren, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie kein nennenswertes Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen.

2. Wie funktioniert der Ansatz?

Ist die chemische Struktur eines Stoffes bekannt, kann das wahrscheinlich von ihm ausgehende Gesundheitsrisiko anhand generischer Schwellenwerte für die menschliche Exposition („TTC-Werte“) bewertet werden. Die TTC-Werte wurden auf der Grundlage umfassender veröffentlichter toxikologischer Daten für Stoffe mit ähnlicher chemischer Struktur und Toxizitätswahrscheinlichkeit festgelegt. Die Strukturen werden in drei weit gefasste Kategorien eingeteilt, die als wenig, mäßig oder hoch toxisch definiert sind. Einem konservativen Ansatz folgend werden Substanzen durch Vergleichen des entsprechenden TTC-Werts mit zuverlässigen Daten zur menschlichen Exposition bewertet. Sind Menschen einer Substanz unterhalb des TTC-Werts ausgesetzt, geht man davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit negativer Auswirkungen sehr niedrig ist.

3. Wo wird das TTC-Konzept bei der EFSA aktuell und in Zukunft angewendet?

Derzeit verwendet die EFSA den TTC-Ansatz durchgängig lediglich bei der Beurteilung von Aromastoffen (anhand von Bewertungsgrundsätzen, die in der EU-Verordnung zu Aromastoffen festgelegt sind) sowie von Pestizidmetaboliten im Grundwasser. Der wissenschaftliche Ausschuss der EFSA hat jedoch die Relevanz und Zuverlässigkeit des TTC-Konzepts bei der Bewertung möglicher Risiken für die menschliche Gesundheit durch eine niedrige Exposition gegenüber einem breiteren Spektrum an Substanzen in Lebens- und Futtermitteln geprüft. Der Ausschuss erörterte die Anwendung des TTC-Konzepts für diverse Bereiche im Aufgabengebiet der EFSA, darunter: Lebensmittelkontaktmaterialien; Verunreinigungen und Abbau-/Reaktionsprodukte in Lebens- und Futtermittelzusatzstoffen; Pflanzenmetaboliten und Abbauprodukte von Pestiziden; Metaboliten von Futtermittelzusatzstoffen; technologische Futtermittelzusatzstoffe; und Aromastoffe in Futtermitteln.

4. Könnte sich der TTC-Ansatz zu einem verkürzten Verfahren für die Genehmigung von Pestiziden, Lebensmittelzusatzstoffen und anderen regulierten Substanzen entwickeln?

Der TTC-Ansatz ist kein Ersatz für die Risikobewertung von regulierten Produkten, wie Pestiziden oder Lebens- und Futtermittelzusatzstoffen, wenn vom Gesetzgeber die Vorlage toxikologischer Daten gefordert wird. Außerdem wurde der Einsatz des TTC-Konzepts für eine Reihe von Stoffkategorien ausgeschlossen: hochwirksame Kanzerogene (d.h. Aflatoxin-ähnliche, Azoxy- oder N-Nitroso-Verbindungen), anorganische Substanzen, Metalle und Organometalle, Proteine, Steroide und Substanzen, die sich bekanntermaßen oder voraussichtlich anreichern (bioakkumulieren), Nanomaterialien, radioaktive Substanzen und Gemische von Substanzen, die sowohl bekannte als auch unbekannte chemische Strukturen enthalten.

5. Findet das TTC-Konzept breite wissenschaftliche Unterstützung?

Der TTC-Ansatz wurde über die letzten 25 Jahre von Wissenschaftlern entwickelt, die auf die chemische Risikobewertung spezialisiert sind und von denen viele für Regulierungsbehörden arbeiten. Einige Menschen und Organisationen sind der Meinung, dass jeder einzelne chemische Stoff in Lebens- oder Futtermitteln Toxizitätstests und einer anschließenden Risikobewertung auf der Basis von Daten aus Tierversuchen unterzogen werden sollte. Behörden sind jedoch dazu verpflichtet, beim Schutz der öffentlichen Gesundheit auf das angesammelte wissenschaftliche Wissen zur Toxizität chemischer Stoffe zurückzugreifen. Dank dieses Wissens können Wissenschaftler Risikomanagern auch Beratung leisten, wenn nur wenige Toxizitätsdaten zur Verfügung stehen. Es erlaubt Risikobewertern zudem, ihre Aufmerksamkeit auf jene Stoffe zu richten, die wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellen, und kann den Bedarf an Tierversuchen verringern.

6. Ist die EFSA, die einzige Organisation, die das TTC-Konzept anwendet?

Nein. Der TTC-Ansatz wird/wurde unter anderem von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelüberwachung (FDA), dem gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA), dem früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss (SCF) der Europäischen Kommission sowie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) verwendet.

7. Es gibt Stimmen, denen zufolge der TTC-Ansatz untauglich für die Bewertung endokrin wirksamer Substanzen ist, einschließlich solcher, die so genannte Wirkungen im Niedrigdosisbereich haben könnten. Wie steht die EFSA dazu?

Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA hat die Anwendbarkeit des TTC-Konzepts bei endokrin wirksamen Substanzen, einschließlich solcher mit möglichen „Niedrigdosis-Effekten“, eingehend geprüft. Er kam zu folgendem Schluss:

  • Wenn Daten vorliegen, die zeigen, dass eine endokrin wirksame Substanz schädliche Wirkungen hat, sollte der TTC-Ansatz nicht zur Anwendung gelangen, sondern eine vollständige Risikobewertung auf Grundlage dieser Daten durchgeführt werden.
  • Wenn Daten vorliegen, die zeigen, dass eine Substanz endokrine Wirkung hat, deren Relevanz für die menschliche Gesundheit jedoch unklar ist, sollten Risikobewerter auf Einzelfallbasis entscheiden, ob der TTC-Ansatz anzuwenden ist.
  • Es laufen derzeit umfangreiche Arbeiten auf EU-Ebene zur Frage, wie Wissenschaftler endokrin wirksame Substanzen definieren und bewerten sollten; sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, wird zu prüfen sein, inwiefern sie sich auf die Anwendung des TTC-Konzepts auswirken.

8. Bietet der TTC-Ansatz angemessenen Schutz für Säuglinge und Kinder?

Die EFSA gelangte zu dem Schluss, dass der TTC-Ansatz Säuglingen und Kindern angemessen Schutz bietet. Grob gesprochen ist dies darauf zurückzuführen, dass die TTC-Werte sich auf das jeweilige Körpergewicht beziehen und somit dem geringeren Körpergewicht von Säuglingen und Kindern Rechnung tragen.

Die EFSA stellte ferner fest, dass Kleinkinder bereits in den ersten Lebenswochen in der Lage sind, Stoffe zu metabolisieren und auszuscheiden, insbesondere wenn die Exposition niedrig ist, und dass die diesbezüglichen Unterschiede zwischen Säuglingen, Kindern und Erwachsenen so gering sind, dass sie der Anwendung des TTC-Konzepts nicht entgegenstehen.

Allerdings empfiehlt die EFSA, dass, wenn die geschätzte Exposition im Bereich des TTC-Werts für Kleinkinder liegt, weitere Aspekte – wie die voraussichtliche Verstoffwechslung, Häufigkeit und Dauer der Exposition – zu berücksichtigen sind, um im jeweiligen Einzelfall zu bestimmen, ob der TTC-Ansatz verlässlich ist.

9. Wie geht es weiter?

Seit der ursprünglichen Entwicklung und Anwendung des TTC-Konzepts im Lebensmittelbereich hat sich die Wissenschaft weiterentwickelt, was bedeutet, dass der Ansatz möglicherweise einer Aktualisierung bedarf. Daher haben die EFSA und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) damit begonnen, das TTC-Konzept zu überarbeiten. Im Rahmen dieses Projekts fand Ende 2014 ein von EFSA und WHO ausgerichteter Workshop unter Einbeziehung von Interessengruppen und wissenschaftlichen Experten statt.