Antibiotikaresistenz

Einleitung

Antimikrobielle Wirkstoffe wie Antibiotika sind Substanzen, die eingesetzt werden, um Mikroorganismen abzutöten oder deren Wachstum und Vermehrung zu stoppen. In der Human- und Veterinärmedizin werden sie üblicherweise zur Bekämpfung einer Vielzahl von Infektionskrankheiten verwendet.

Unter Antibiotikaresistenz versteht man die Fähigkeit von Mikroorganismen, antimikrobiellen Behandlungen zu widerstehen. Auftreten und Verbreitung solch resistenter Mikroorganismen werden auf eine übermäßige oder falsche Anwendung antimikrobieller Wirkstoffe zurückgeführt. Diese hat zur Folge, dass Antibiotika-Behandlungen wirkungslos bleiben, was ein ernst zu nehmendes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt. Ein bekanntes Beispiel für ein Bakterium, das inzwischen gegen mehrere Antibiotika resistent ist, ist das Methicillin-resistente Bakterium Staphylococcus aureus (MRSA).

Resistente Bakterien können sich über verschiedene Wege ausbreiten. Tritt die Antibiotikaresistenz bei Zoonose-Bakterien auf, die in Tieren und Lebensmitteln vorkommen, kann sie auch die wirksame Behandlung infektiöser Erkrankungen beim Menschen beeinträchtigen.

Die für die Lebensmittelsicherheit zuständigen politischen Entscheidungsträger haben die Aufgabe, Verbraucher vor Risiken im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette zu schützen sowie bestmögliche Kontrollmaßnahmen zur Minderung solcher Risiken festzulegen. Um die Entscheidungsträger wissenschaftlich adäquat zu beraten, untersuchen Wissenschaftler und Risikobewerter die Faktoren, die zum Vorkommen antibiotikaresistenter Bakterien in Lebensmitteln und bei Tieren beitragen.

Interactive infographic: Antimicrobial resistance in Europe

Meilensteine

Oktober 2017 – Die EFSA, die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erarbeiten eine Reihe von Indikatoren zur Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten bei der Bewertung ihrer Fortschritte im Hinblick auf die Reduzierung des Einsatzes antimikrobieller Mittel.

Juli 2017 Ein von EFSA, EMA and ECDC erstellter Bericht, in dem neue Daten zu Antibiotikaeinsatz und Antibiotikaresistenz präsentiert werden, spiegelt die verbesserte europaweite Überwachung wider. Der Bericht bestätigt den Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und Antibiotikaresistenz bei Menschen und Lebensmittel liefernden Tieren.

Januar 2017 Sachverständige von EFSA und EMA bewerten die in der EU ergriffene Maßnahmen zur Reduzierung des Einsatzes antimikrobieller Mittel bei Tieren und betonen, dass es keine Patentlösung gibt. Erfolgreiche Strategien verfolgen einen integrierten, mehrdimensionalen Ansatz, der die lokalen Tierhaltungssysteme berücksichtigt und alle maßgeblichen Akteure mit einbezieht.

Interaktive Infografik: Wie können wir den Einsatz von Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren reduzieren?
 

Januar 2015 EFSA, ECDC und EMA veröffentlichen die erste integrierte Analyse von Human- und Tierdaten. Sie kommen zu dem Schluss, dass der Einsatz bestimmter antimikrobieller Mittel bei Tieren und Menschen mit Resistenzen in Zusammenhang steht.

2011 – Seit 2011 erstellen EFSA und ECDC einen gemeinsamen Bericht zu Antibiotikaresistenzen bei Zoonose-Bakterien, die Menschen, Tiere und Lebensmittel befallen. Dieser jährliche Bericht leistet einen wichtigen Beitrag zur Arbeit auf europäischer Ebene und unterstützt die Europäische Kommission bei der Ausarbeitung von Vorschlägen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen.

März 2009 Die EFSA bewertet die Bedeutung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) bei Tieren und in Lebensmitteln für die öffentliche Gesundheit. Sie kommt zu dem Schluss, dass nur ein geringer Anteil aller in der EU gemeldeten MRSA-Infektionen auf die Viehwirtschaft entfällt und dass innerhalb der EU erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten bestehen.

April 2008 EFSA-Sachverständige untersuchen, wie Lebensmittel zu Vehikeln für die Übertragung von resistenten Bakterien auf den Menschen werden können und geben Empfehlungen zur Verhinderung bzw. Bekämpfung der Übertragung. Die EFSA veröffentlicht weitere Spezifikationen für die harmonisierte Überwachung von Antibiotikaresistenzen bei Escherichia coli und Enterokokken in Lebensmitteln sowie bei Tieren.

2007 Die EFSA veröffentlicht Spezifikationen für die harmonisierte Überwachung von Antibiotikaresistenzen bei Salmonella und Campylobacter, zwei wichtigen Zoonose-Bakterien, die in Lebensmitteln und bei Tieren vorkommen.

Rolle

Die EFSA bietet Risikomanagern unabhängige wissenschaftliche Unterstützung und Beratung zu den Risiken für die menschliche und tierische Gesundheit, die mit dem möglichen Auftreten, der Ausbreitung und Übertragung von Antibiotikaresistenzen in der Lebensmittelkette und in Tierpopulationen zusammenhängen. Da antimikrobielle Resistenzen die gesamte Lebensmittelkette betreffen, verfolgt die EFSA bei ihrer Arbeit einen integrierten Ansatz, der eine Reihe ihrer Wissenschaftlichen Gremien und Referate mit einbezieht.

Dabei arbeitet die EFSA eng mit anderen maßgeblichen EU-Agenturen wie dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zusammen.

Überwachung und Analyse antimikrobieller Resistenzen in der Lebensmittelkette

Die EFSA überwacht und analysiert die europaweite Lage in Bezug auf antimikrobielle Resistenzen in Lebensmitteln und bei Tieren. Unterstützt wird die Behörde dabei von der Taskforce „Datenerhebung zu Zoonosen“, einem gesamteuropäischen Netzwerk, das sich aus nationalen Vertretern von EU-Mitgliedstaaten, anderer Bericht erstattender Länder sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) zusammensetzt.

Auf Grundlage der von den EU-Mitgliedstaaten erhobenen Daten erstellt die EFSA in Zusammenarbeit mit dem ECDC jährliche Kurzberichte der Europäischen Union zu Zoonose-Infektionen, lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen und Antibiotikaresistenzen, die die diesbezügliche Lageentwicklung in Europa beschreiben. Außerdem veröffentlicht die EFSA Grundlagenerhebungen über das Auftreten antimikrobieller Resistenzen bei bestimmten Tierpopulationen in der EU, beispielsweise von MRSA bei Schweinen, und gibt den nationalen Behörden Leitlinien für deren Überwachungstätigkeiten und Berichterstattung an die Hand.

Die Wissenschaftlichen Gremien der EFSA sichten die jährlichen Berichte und geben Empfehlungen zu Präventions- und Reduzierungsmaßnahmen.

Risikobewertungen und Empfehlungen

Die Wissenschaftlichen Gremien der EFSA bewerten die Risiken, die von antimikrobiellen Resistenzen ausgehen, und leisten auf Anfrage von Risikomanagern oder auf eigene Initiative wissenschaftliche Beratung zu Kontrollmöglichkeiten. Diese Tätigkeit umfasst u.a. die Risikobewertungen des Gremiums für biologische Gefahren zu antimikrobiellen Resistenzen in der Lebens- und Futtermittelkette sowie zur gesundheitspolitischen Bedeutung von MRSA in Nahrungsmitteln und Tieren mit besonderem Schwerpunkt auf dem spezifischen Typ von MRSA, der bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren nachgewiesen wurde. Das Gremium für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Stoffe in der Tierernährung bewertet die Sicherheit von Futtermittelzusatzstoffen, einschließlich der mit Antibiotikaresistenzen verbundenen Risiken im Falle der Beteiligung von Mikroorganismen.

EFSA, ECDC und EMA sowie der Wissenschaftliche Ausschuss für neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken (SCENIHR) der Europäischen Kommission haben außerdem ein gemeinsames wissenschaftliches Gutachten zu antimikrobiellen Resistenzen veröffentlicht, das sich schwerpunktmäßig mit Infektionen befasst, die von Tieren auf Menschen übertragen werden (Zoonosen), auch über Lebensmittel.

EU-Rechtsrahmen

Zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der eine Vielzahl unterschiedlicher Bereiche mit einbezieht (Human- und Tiermedizin, Forschung, Vieh- und Landwirtschaft, Umwelt, Handel und Kommunikation).

Der 2011 erstellte Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Abwehr der zunehmenden Gefahr durch Antibiotikaresistenzen enthält zwölf Maßnahmen zur gemeinsamen Umsetzung mit den EU-Mitgliedstaaten und nennt sieben Bereiche, in denen der Handlungsbedarf am dringendsten ist. Aus einem im Februar 2015 veröffentlichten Fortschrittsbericht zum AMR-Aktionsplan geht der aktuelle Stand der Maßnahmen zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen hervor.

Eine Reihe von Risikomanagementmaßnahmen zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette wurde bereits ergriffen. Die EU-Rechtsvorschriften zu Zoonosen (Tierkrankheiten bzw. -infektionen, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind) verpflichten die Mitgliedstaaten zur Überwachung von Tendenzen hinsichtlich antimikrobieller Resistenzen bei Zoonose- und anderen Erregern, die eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen können.

Auf internationaler Ebene arbeiten die Länder im Rahmen einer zwischenstaatlichen Taskforce zur Antibiotikaresistenz zusammen, die der Codex-Alimentarius-Kommission berichtet. Zudem haben die EU und die Vereinigten Staaten eine transatlantische Taskforce zu Fragen der Antibiotikaresistenz ins Leben gerufen.

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