Nanotechnologie
Einleitung

Die Nanotechnologie ist ein Fachgebiet der angewandten Wissenschaften und Technologien, das sich mit der gezielten Beeinflussung von Materie auf atomarer und molekularer Ebene, normalerweise im Bereich von unter 100 Nanometern, befasst. Nanomaterialien können ganz andere physikalische und chemische Eigenschaften aufweisen als dieselben Stoffe in normalen Abmessungen, z. B. eine erhöhte chemische Reaktivität aufgrund der größeren spezifischen Oberfläche.
Nanotechnologien ermöglichen die Modifikation und Steuerung der Aufnahme von Lebensmittelinhaltsstoffen auf molekularer Ebene. Nanotechnologische Erzeugnisse könnten in der Zukunft einen erheblichen Einfluss auf den Lebens- und Futtermittelsektor haben, da sie potenziell Vorteile für Industrie und Verbraucher bieten. Dennoch dürfen mögliche Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt erforschen und entwickeln derzeit Anwendungen auf Gebieten wie etwa der Beeinflussung der mechanischen und sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln – z. B. um deren Geschmack oder Beschaffenheit zu verändern – sowie der Veränderung des Nährwerts. Die Nanotechnologie kann aber auch bei der Lebensmittelverpackung eingesetzt werden, beispielsweise um Lebensmittel besser zu schützen oder um zu erkennen, wie frisch ein Lebensmittel ist. Die spezifischen Eigenschaften und Merkmale von Nanomaterialien müssen auf sämtliche potenziellen Gesundheitsrisiken hin untersucht werden.
Aktuelles
Im November 2020 veröffentlichte die EFSA einen externen Bericht, in dem alle verfügbaren Informationen - bestehende Leitlinien und andere veröffentlichte Quellen - zusammengestellt wurden, die für die Umweltrisikobewertung von Nanomaterialien relevant sind. Der Bericht wird die Grundlage für Teil zwei der EFSA-Leitlinien zur Bewertung der Risiken aus der Anwendung von Nanowissenschaft und Nanotechnologie in der Lebens- und Futtermittelkette bilden. Teil eins der im Juli 2018 veröffentlichten Leitlinien befasste sich mit der Gesundheit von Mensch und Tier. Der zweite Teil wird sich auf die Risiken für die Umwelt konzentrieren.
Maßnahmen
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA bietet wissenschaftliche Beratung zur Bewertung von Anträgen von Lebensmittelunternehmen auf Anwendung von technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) in Lebensmittelzusatzstoffen, Enzymen, Aromen, Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, neuartigen Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Futtermittelzusatzstoffen und Pestiziden. In den Leitlinien werden potenzielle Risiken von ENM und anderen nicht technisch hergestellten Nanopartikeln für die Gesundheit von Mensch und Tier berücksichtigt, die in der Nahrungskette vorhanden sein könnten. In Zukunft wird diese Beratung auch auf die Bewertung der Umweltauswirkungen von Nanopartikeln ausgeweitet werden.
Die wissenschaftlichen Gremien der EFSA befassen sich auch mit der Sicherheit spezifischer Nanomaterialien, z. B. in den Bereichen Lebensmittelzusatzstoffe, neuartige Lebensmittel und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.
Das Nano-Netzwerk der EFSA dient der Förderung von Zusammenarbeit und der Vernetzung mit den Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Nanowissenschaft und Nanotechnologie im Zusammenhang mit Risikobewertungen zur Lebens- und Futtermittelsicherheit. Durch das Netzwerk werden der Austausch von Informationen und Fachwissen gefördert, der Dialog verbessert und ein gegenseitiges Verständnis der Grundsätze der Risikobewertung zwischen der EFSA und den Mitgliedstaaten aufgebaut. Über die Tätigkeiten des Netzwerks veröffentlichen wir einen Jahresbericht.
Meilensteine
2020 Die EFSA bittet um Rückmeldung zum Entwurf von Leitlinien zu technischen Anforderungen für Anträge auf die Zulassung von regulierten Lebens- und Futtermitteln zur Feststellung, ob kleine Partikel einschließlich Nanopartikeln vorhanden sind.
2020 Ein wissenschaftliches Kolloquium zum Thema „A coordinated approach to assess the human health risks of micro- and nanoplastics in food“ (Ein koordinierter Ansatz zur Bewertung der Gesundheitsrisiken von Mikro- und Nanokunststoffen in Lebensmitteln) ist für 2020 geplant, wurde jedoch wegen der COVID-19-Pandemie auf den 6./7. Mai 2021 verschoben.
2018 Neue Leitlinien zur Bewertung der Sicherheit von Anwendungen der Nanowissenschaft und Nanotechnologie für Mensch und Tier werden veröffentlicht. Sie enthalten praktische Ratschläge zu den Tests und den anzuwendenden Methoden.
2016 Die Wissenschaftler der EFSA geben einen Überblick über den Stand der Wissenschaft im Bereich Mikro- und Nanokunststoffe als Kontaminanten in Lebensmitteln.
2011 In einem Leitliniendokument wird erläutert, wie die EFSA-Gremien potenzielle Risiken im Zusammenhang mit bestimmten lebensmittelbezogenen Anwendungen der Nanotechnologie bewerten sollten.
2010 Der Beirat der EFSA richtet das Nano-Netzwerk ein, um die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Mitgliedstaaten im Bereich der Nanowissenschaften auszubauen.
2009 Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten zu Nanowissenschaften und Nanotechnologien im Zusammenhang mit der Lebens- und Futtermittelsicherheit.
Rolle
Seit 2006 verfolgt die EFSA im Rahmen ihres Aufgabenbereichs – der Bereitstellung unabhängiger wissenschaftlicher Beratung und technischer Unterstützung für Risikomanager – die Entwicklungen in der Nanotechnologie und überprüft kontinuierlich den aktuellen Kenntnisstand und die neuesten Entwicklungen in der Nanotechnologie im Hinblick auf Futter- und Lebensmittel.
EU-Rechtsrahmen
Die Europäische Union hat sich für einen „integrierten, sicheren und verantwortungsvollen Ansatz“ bei der Entwicklung von Nanotechnologien entschieden. Dies umfasst:
- die Überarbeitung und Anpassung der EU-Rechtsvorschriften
- die Überwachung der Sicherheit
- den Dialog mit nationalen Behörden, Interessengruppen und Bürgern
- Nanotechnologie - Europäische Kommission, GD Gesundheit und Verbraucher
- Auf dem Weg zu einer europäischen Strategie für Nanotechnologie – Europäische Kommission, GD Forschung
- Regelungsaspekte bei Nanomaterialien – Europäische Kommission
