Lebensmittelkontaktmaterialien

Introduction

Unter Lebensmittelkontaktmaterialien versteht man alle Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, wie Verpackungen und Behälter, Küchenutensilien, Besteck und Geschirr. Diese können aus einer Vielzahl von Materialien bestehen, wie Kunststoff, Gummi, Papier und Metall.

Dazu zählen auch Materialien, die in Verarbeitungsgeräten – beispielsweise Kaffeemaschinen – oder in Produktionsanlagen sowie Transportbehältern Verwendung finden. Die europäischen Gesetzesvorschriften für Lebensmittelkontaktmaterialien erfassen ferner Materialien, die mit Wasser in Berührung kommen, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist (z.B. Flaschen), was Anlagen für die ortsfeste öffentliche oder private Wasserversorgung jedoch nicht mit einschließt.

Die Sicherheit von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, muss bewertet werden, da chemische Stoffe von den Materialien in Lebensmittel übergehen können. Die Lebensmittelkontaktmaterialien müssen in Übereinstimmung mit den EU-Rechtsvorschriften, einschließlich jenen zur guten Herstellungspraxis, hergestellt werden, so dass ein etwaiger möglicher Übergang in Lebensmittel keine Sicherheitsbedenken aufwirft, die Zusammensetzung der Lebensmittel nicht in inakzeptabler Weise verändert sowie den Geschmack und/oder Geruch der Lebensmittel nicht beeinträchtigt.

Im Juli 2017 erhielt die EFSA von der Europäischen Kommission das Mandat zur Aktualisierung ihrer Gutachten von 2005 über die Sicherheitsbewertung von drei Phthalaten – Dibutylphthalat (DBP), Benzylbutylphthalat (BBP) und Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) –, die derzeit für die Verwendung in Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff zugelassen sind.

Diesem Mandat ging die Veröffentlichung eines Gutachtens der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zu DBP, BBP und DEHP sowie Diisobutylphthalat (DIBP) im März 2017 voraus, das voraussichtlich zu einem Vorschlag zur Änderung von Anhang XVII der REACH-Verordnung führen wird, worin Beschränkungen für die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe, Gemische und Erzeugnisse aufgeführt sind.

Auf der Grundlage von Daten, die auch von der ECHA verwendet wurden, prüft eine eigens hierzu eingerichtete Arbeitsgruppe der EFSA, ob die von ihr 2005 erstellten Gutachten zu den drei Phthalaten noch gültig sind. Das neue Gutachten soll 2018 fertig gestellt werden und wird der Europäischen Kommission als Informationsgrundlage für ihre Entscheidungen bezüglich dieser Stoffe dienen.

Die generelle Aufgabe der Bewertung von Stoffen, die zur Verwendung in Lebensmittelkontaktmaterialien bestimmt sind, sowie die Durchführung zusätzlicher Risikobewertungen im Zusammenhang mit Lebensmittelkontaktmaterialien fällt in den Aufgabenbereich des Gremiums für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF).

Die Tätigkeit des Gremiums besteht im Wesentlichen in der Sichtung und Auswertung wissenschaftlicher Informationen und Daten, die von den Antragstellern vorgelegt werden. Die EFSA hat Leitlinien für die Einreichung von Anträgen auf Sicherheitsbewertung von Stoffen, die zur Verwendung in Lebensmittelkontaktmaterialien bestimmt sind, veröffentlicht. Außerdem hat die Behörde spezifische Leitlinien für die Einreichung von Anträgen im Zusammenhang mit aktiven und intelligenten Verpackungen sowie für Verfahren zum Recycling von Kunststoffen, die in Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden, entwickelt.

Das CEF-Gremium beantwortet auch Ad-hoc-Ersuchen der Europäischen Kommission um Überprüfung bestimmter Lebensmittelkontaktmaterialien in Anbetracht neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder veränderter Verwendungsbedingungen.

Wichtigste laufende Arbeiten

Die EFSA verabschiedet und veröffentlicht wissenschaftliche Gutachten und leistet Risikomanagern wissenschaftliche Beratung zur Sicherheit von Stoffen, die bei der Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden bzw. dazu bestimmt sind sowie zur Sicherheit der diesbezüglichen Verfahren (z.B. Recycling von Kunststoffen).

Die allgemeinen Anforderungen für sämtliche Lebensmittelkontaktmaterialien sind in der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 festgelegt. Die Regeln guter Herstellungspraxis für Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, werden in Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 beschrieben. Für bestimmte Materialien – wie Keramik, regenerierte Zellulose-Folie, (wiederverwertete) Kunststoffe sowie aktive und intelligente Materialien – gibt es spezifische EU-Verordnungen. Außerdem existieren Richtlinien zu einzelnen Stoffen bzw. Stoffgruppen, die bei der Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden. Die Bestandteile von Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, dürfen nicht in inakzeptablen Mengen in Lebensmittel übergehen (Migration). Dies hängt davon ab, inwiefern gewährleistet ist, dass während des Kontakts kein Übergang von gefährlichen Konzentrationen chemischer Stoffe aus dem Material auf Lebensmittel stattfindet. Im Rahmen eines europäischen Netzwerks betreibt die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission ein EU-Referenzlabor für Lebensmittelkontaktmaterialien. Dieses unterstützt mit seiner wissenschaftlichen Arbeit die Politik der EU im Bereich Lebensmittelsicherheit, indem es Forschungsergebnisse und Analysedaten zu Lebensmittelkontaktmaterialien zur Verfügung stellt.

Published

13. Januar 2017
Scientific Opinion