Kunststoffe und Kunststoffrecycling

Introduction

Unter Lebensmittelkontaktmaterialien versteht man alle Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, wie Verpackungen und Behältnisse, Küchenutensilien, Besteck und Geschirr. Kunststoffe zählen in der Europäischen Union zu den am meisten verwendeten Lebensmittelkontaktmaterialien. Diese können vollständig aus Kunststoff oder auch aus einem anderen Material bestehen, wie Metall oder Papier, das mit Kunststoff beschichtet ist. Auch recycelte Kunststoffe dürfen unter bestimmten Voraussetzungen als Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden.

Die Sicherheit von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, muss bewertet werden, da chemische Stoffe von den Materialien in Lebensmittel übergehen können. Die Lebensmittelkontaktmaterialien sollten in Übereinstimmung mit den EU-Rechtsvorschriften – einschließlich guter Herstellungspraktiken – hergestellt werden, so dass ein etwaiger Übergang in Lebensmittel keine Sicherheitsbedenken aufwirft und weder die Zusammensetzung der Lebensmittel in inakzeptabler Weise verändert noch die Qualität der Lebensmittel (etwa in Bezug auf Geschmack und/oder Geruch) beeinträchtigt.

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Im Februar 2015 veröffentlichte die EFSA ein wissenschaftliches Gutachten zur Sicherheitsbewertung von zwei Verfahren, die angewandt werden, um Plastikflaschen aus „Polyethylen hoher Dichte“ (HDPE) für die Verwendung als Lebensmittelkontaktmaterialien zu recyceln. Die EFSA-Sachverständigen gelangten zu dem Schluss, dass die Verfahren im Hinblick auf die Verwendung von recyceltem HDPE in Schalen für getrocknetes ganzes Obst und Gemüse (einschließlich Pilze) unbedenklich sind. Sie stellten jedoch auch fest, dass die vorliegenden Daten nicht ausreichten, um über die Sicherheit dieser Verfahren hinsichtlich der hauptsächlichen Verwendung dieser Materialien in Kunststoff-Milchflaschen und -Schalen für tierische Erzeugnisse zu befinden. Die Sachverständigen forderten zusätzliche Daten an, um die Sicherheit des Verfahrens eingehender zu prüfen, betonten jedoch zugleich, dass dies nicht bedeute, dass Flaschen aus besagtem Recyclingmaterial unsicher seien.

Hinweis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Gutachten über Kunststoffrecyclingverfahren

Die EFSA erstellt zu jedem Recyclingverfahren, für das ein gültiger Zulassungsantrag eingereicht wurde, ein Gutachten. Gemäß ihrer Gründungsverordnung veröffentlicht die Behörde ihre Gutachten zeitnah nach deren Annahme. Die Reihenfolge, in der die Gutachten zu den Verfahren veröffentlicht werden, hängt vom Arbeitsprogramm der EFSA ab, das auf Basis der eingehenden Anträge erstellt wird. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Gutachten hat also nichts mit deren Priorität zu tun und sagt auch nichts über die Qualität derjenigen Verfahren aus, deren Sicherheit die EFSA noch nicht bewertet hat.

Laufende Arbeiten

Alle eingegangenen Anträge können im Online-Register der Anfragen (Register of Questions) der EFSA eingesehen werden:

Kunststoffrecyclingverfahren

Im Jahr 2008 erstellte die EFSA einen Leitfaden, in dem dargelegt ist, welche administrativen und technischen Daten Antragsteller für die Sicherheitsbewertung eines Kunststoffrecyclingverfahrens vorzulegen haben.

Nach Veröffentlichung der Leitlinien erhielt das Gremium für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF) der EFSA eine beträchtliche Zahl an Anträgen auf Bewertung von Verfahren zur Gewinnung von recyceltem Polyethylenterephthalat (PET) zur Verwendung in Lebensmittelkontaktmaterialien. Daraufhin veröffentlichte das Gremium ein Gutachten, in dem der Ansatz für die Sicherheitsbewertung von PET-Recyclingverfahren näher beschrieben ist, einschließlich der Bewertungskriterien, die im Rahmen dieses Ansatzes zur Anwendung kommen.

Das CEF-Gremium bewertet derzeit Anträge zu bestehenden wie neuen Verfahren für sämtliche Arten von recyceltem Kunststoff, die in Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden. Bei bestehenden Verfahren handelt es sich um jene, die bereits vor dem 17. April 2008, als die Verordnung über Materialien aus recyceltem Kunststoff in Kraft trat, zur Anwendung kamen. Neue Verfahren sind solche, die erst nach diesem Datum eingeführt wurden.

Die allgemeinen Anforderungen an alle Lebensmittelkontaktmaterialien sind in der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 festgelegt. Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 enthält Regelungen für eine gute Herstellungspraxis in Bezug auf Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen.

Im Jahr 2011 wurden die bestehenden EU-Rechtsvorschriften für in Lebensmittelkontaktmaterialien verwendete Kunststoffe in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 zusammengeführt. Diese Verordnung legt einen Gesamtmigrationsgrenzwert fest und enthält eine Liste der zur Herstellung von Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff zugelassenen Stoffe sowie deren jeweilige spezifische Migrationsgrenzwerte:

  • Gesamtmigrationsgrenzwert – 10 mg der Stoffe je dm² (Quadratdezimeter) der mit Lebensmitteln in Berührung kommenden Fläche für alle Stoffe, die von den Lebensmittelkontaktmaterialien in Lebensmittel übergehen können; in einigen Fällen ist der Gesamtmigrationsgrenzwert als 60 mg/kg Lebensmittel angegeben
  • Spezifischer Migrationsgrenzwert (SML) für einzelne zugelassene Stoffe, der auf der Grundlage einer toxikologischen Bewertung und ausgehend von einer Standardexposition festgesetzt wird

Diese Grenzwerte basieren auf der Annahme, dass eine Person mit einem Körpergewicht von 60 kg im Laufe ihres gesamten Lebens täglich 1 kg Lebensmittel verzehrt, die in Kunststoffen verpackt sind, welche den betreffenden Stoff in der zulässigen Höchstmenge enthalten.

Recycelte Kunststoffe

Materialien und Gegenstände, die teilweise oder vollständig aus recyceltem Kunststoff hergestellt sind und mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sollten nur über Verfahren gewonnen werden, die von der EFSA einer Sicherheitsbewertung unterzogen und von der Europäischen Kommission zugelassen wurden. Verordnung (EG) Nr. 282/2008 legt Regelungen für die Zulassung von Verfahren zur Wiederverwertung solcher Materialien fest.

Sobald die EFSA alle ihre Gutachten zu diesen Recyclingverfahren veröffentlicht hat, entscheiden die Kommission und die Mitgliedstaaten im Rahmen einer ersten Zulassungsphase, ob die bewerteten Recyclingverfahren zugelassen werden. Danach dürfen recycelte Kunststoffe, die in Lebensmittelverpackungen, Lebensmittelbehältern und sonstigen Lebensmittelkontaktmaterialien verwendet werden, nur noch über Verfahren gewonnen werden, die von der EFSA einer Sicherheitsbewertung unterzogen und von den Risikomanagern zugelassen wurden. Die Europäische Kommission wird anschließend ein Register der zugelassenen Verfahren erstellen.

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