Süßungsmittel

Einleitung

Bei Süßungsmitteln handelt es sich um Lebensmittelzusatzstoffe, die Verwendung finden:

  • um Lebensmitteln einen süßen Geschmack zu verleihen
  • als Tafelsüßstoff

Wie alle Lebensmittelzusatzstoffe sind Süßstoffe regulierte Substanzen, die vor der Marktzulassung einer Sicherheitsbewertung unterzogen werden In der Europäischen Union (EU) wird die Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen durch die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den Europäischen Rat reguliert; insbesondere entscheiden die Kommission und die Mitgliedstaaten darüber, welche Zusatzstoffe in welchen Mengen in Lebensmitteln verwendet werden können. Sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe sind auf der Liste der Inhaltsstoffe auf den Verpackungen von Lebensmitteln anzugeben; auf dem Etikett muss sowohl die Funktion des Zusatzstoffs im fertigen Lebensmittel (z. B. Süßungsmittel) als auch die konkrete verwendete Substanz mit der entsprechenden E-Nummer bzw. dem Namen (etwa E 954 für „Saccharin“) angegeben werden.

Aktuelles

Die EFSA führt vom 5. Juli bis zum 6. September 2019 eine offene Konsultation zum Entwurf eines Protokolls für die Risikobewertung von Süßungsmitteln durch. Interessierte Parteien und die Wissenschaft werden gebeten, sich über den ersten Teil des EFSA-Konzepts für die Neubewertung der Sicherheit von Süßungsmitteln zu äußern. Eine zweite Konsultation über die Bewertung der Exposition von Verbrauchern gegenüber Süßungsmitteln wird im weiteren Verlauf des Jahres 2019 folgen.

  • Öffentliche Konsultation: Öffentliche Konsultation zum Entwurf eines Protokolls für die Gefahrenidentifizierung und Gefahrenbeschreibung von Süßungsmitteln

Vorausgegangen waren zwei Aufforderungen zur Einreichung wissenschaftlicher Daten über Süßungsmittel in den Jahren 2017 und 2019, als die EFSA interessierte Parteien und Interessenträger aufforderte, veröffentlichte, nicht veröffentlichte oder neu gewonnene Informationen vorzulegen, die für die Neubewertung zugelassener Süßungsmittel relevant sind.

Meilensteine

2013 – Die EFSA veröffentlicht ihre erste vollständige Risikobewertung von Aspartam. Die Sachverständigen gelangen zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte für die allgemeine Bevölkerung (einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren) unbedenklich sind.

2013 – Die Sachverständigen der EFSA gelangen zu dem Schluss, dass Advantam und seine Metaboliten bei den vorgesehenen Verwendungen und Verwendungsmengen als Süßungsmittel keine Sicherheitsbedenken für Verbraucher darstellen. Sie legen einen ADI-Wert von 5 mg/kg KG/Tag fest.

2011 – Die EFSA wird von der Europäischen Kommission ersucht, die vollständige Neubewertung der Sicherheit von Aspartam, die ursprünglich für 2020 vorgesehen war, vorzuziehen.

2011 – Die EFSA überprüft ihre 2010 vorgenommene Bewertung von Steviolglycosiden und gelangt zu dem Schluss, dass die Möglichkeit besteht, dass Erwachsene und Kinder mit einem hohen Konsum an Lebensmitteln, die Steviolglycoside enthalten, den 2010 festgelegten ADI-Wert überschreiten, wenn das Süßungsmittel in den vorgeschlagenen Höchstmengen verwendet würde. Die Antragsteller ändern die vorgeschlagenen Verwendungsmengen und der Lebensmittelzusatzstoff wird mit der Nummer „E 960“ in die offizielle EU-Liste zulässiger Lebensmittelzusatzstoffe aufgenommen.

2010 – Die EFSA gelangt zu dem Schluss, dass Steviolglycoside weder genotoxisch noch karzinogen sind und legt – entsprechend der 2008 erteilten Empfehlung des Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschusses für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) – einen ADI-Wert von 4 mg/kg KG/Tag fest.

FAQ

1. Wurde Aspartam von der EFSA neu bewertet?

Aspartam (E 951) ist ein kalorienarmes, intensives künstliches Süßungsmittel. In Europa ist Aspartam als Lebensmittelzusatzstoff in Nahrungsmitteln sowie für die Verwendung als Tafelsüßstoff zugelassen. Im Mai 2011 wurde die EFSA von der Europäischen Kommission ersucht, die für 2020 vorgesehene vollständige Neubewertung der Sicherheit von Aspartam vorzuziehen. Im Dezember 2013 veröffentlichte die EFSA ihre erste vollständige Risikobewertung zu Aspartam. Das Gutachten gelangte zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte für die allgemeine Bevölkerung (einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren) unbedenklich sind. Weitere Informationen finden Sie unter dem Thema „Aspartam“:

2. Wie bewertet die EFSA Advantam?

Advantam ist ein intensives künstliches Süßungsmittel, das aus Isovanillin und Aspartam gewonnen wird. Die chemischen Eigenschaften des Advantam-Moleküls unterscheiden sich von denen Aspartams. Je nach Art seiner Verwendung kann Advantam hunderte, mitunter sogar tausende Male süßer sein als Zucker oder andere intensive Süßungsmittel. Für die Verwendung in aromatisierten Getränken würde beispielsweise 50-mal weniger Advantam als Aspartam benötigt.

Die Sachverständigen der EFSA gelangten im Juli 2013 zu dem Schluss, dass Advantam und seine Metaboliten weder genotoxisch noch karzinogen sind und bei den vorgesehenen Verwendungen und Verwendungsmengen als Süßungsmittel keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken für Verbraucher geben. Entsprechend der vom Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) 2013 festgelegten zulässigen täglichen Aufnahmemenge legte das ANS-Gremium einen ADI-Wert von 5 mg/kg KG/Tag fest. Die konservativen Schätzungen des Gremiums hinsichtlich der Advantam-Exposition liegen unter Annahme hoher Verzehrsmengen für die vorgesehenen Verwendungsmengen bei Erwachsenen und Kindern erheblich unter dem ADI-Wert.

3. Hat die EFSA die Sicherheit von Steviolglycosiden bewertet?

Steviolglycoside (E 960) finden als Süßungsmittel Verwendung und werden aus den Blättern der Stevia-Pflanze extrahiert. Dieses Süßungsmittel ist bis zu 300-mal süßer als Zucker, hat aber so gut wie keine Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Es wird daher von einigen als attraktiver Zuckerersatz angesehen.

Die EFSA gelangte 2010 zu dem Schluss, dass Steviolglycoside weder genotoxisch noch karzinogen sind, und legte – entsprechend der 2008 erteilten Empfehlung des Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschusses für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) – einen ADI-Wert von 4 mg/kg KG/Tag fest. Das ANS-Gremium wies darauf hin, dass dieser ADI-Wert sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern überschritten werden könnte, wenn dieses Süßungsmittel in den von den Antragstellern vorgeschlagenen Höchstmengen verwendet würde. Daraufhin änderten die Antragsteller die Verwendungsmengen.

Mit der Verordnung (EU) Nr. 1131/2011 wurde die Verwendung von Steviolglycosiden als Süßungsmittel in Lebensmitteln genehmigt und der Lebensmittelzusatzstoff erhielt die Nummer „E 960“. Seitdem wurde die EFSA ersucht, die Sicherheit der vorgeschlagenen Änderungen der Spezifikationen zum Lebensmittelzusatz zu bewerten.

4. Hat die EFSA gesundheitsbezogene Angaben im Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln bewertet?

Im Jahr 2011 bewertete das NDA-Gremium der EFSA die Absicherung von Angaben im Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln und bestimmten vorgeschlagenen gesundheitsfördernden Wirkungen. Das Gremium gelangte zu dem Schluss, dass ausreichende wissenschaftliche Hinweise zur Untermauerung von Angaben vorliegen, denen zufolge intensive Süßungsmittel – wie alle Zuckerersatzstoffe – einen geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten zur Folge haben sowie die Zahnmineralisierung erhalten, indem sie die Zahndemineralisierung verringern, wenn sie jeweils anstelle von Zuckern verzehrt werden. Die Sachverständigen der EFSA konnten hingegen keinen eindeutigen Kausalzusammenhang zur Absicherung von Angaben feststellen, denen zufolge intensive Süßungsmittel bei Verwendung als Zuckerersatz einen normalen Blutzuckerspiegel erhalten oder ein normales Körpergewicht erhalten bzw. das Körpergewicht normalisieren.

Rolle

Das Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromastoffe (FAF-Gremium) der EFSA nimmt Risikobewertungen vor und leistet wissenschaftliche Beratung zu Lebensmittelzusatzstoffen, die als Süßungsmittel verwendet werden. Das Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (NDA-Gremium) der EFSA ist zuständig für die Überprüfung der wissenschaftlichen Absicherung gesundheitsbezogener Angaben in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln und mutmaßlichen positiven Auswirkungen für Verbraucher.

Die EFSA hat drei Hauptaufgaben im Bereich der Risikobewertung von Süßungsmitteln:

  • die Sicherheitsbewertung neuer Süßungsmittel, bevor diese für die Verwendung in der EU zugelassen werden können
  • die Neubewertung aller bereits vor dem 20. Januar 2009 zugelassenen Süßungsmittel in der EU
  • die Beantwortung von Ad-hoc-Ersuchen der Europäischen Kommission um Überprüfung bestimmter Süßungsmittel angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder veränderter Verwendungsbedingungen

Im Rahmen ihrer Sicherheitsbewertungen von Lebensmittelzusatzstoffen legt die EFSA, wenn möglich (d. h., wenn genügend Informationen vorliegen), für jeden Lebensmittelzusatzstoff bzw. jede Gruppe von Zusatzstoffen mit ähnlichen Eigenschaften eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) fest. Beim ADI-Wert handelt es sich um die Menge eines Stoffs, die ein Mensch lebenslang täglich zu sich nehmen kann, ohne dass ein nennenswertes Risiko für seine Gesundheit besteht. ADI-Werte werden gewöhnlich in Milligramm oder Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (mg/kg oder μg/kg KG/Tag) angegeben. Bei der Neubewertung von früher zugelassenen Zusatzstoffen kann die EFSA nach Auswertung aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse einen bestehenden ADI-Wert bestätigen, ändern oder sogar zurückziehen.

Im Bereich der gesundheitsbezogenen Angaben bewertete die EFSA zudem einige Angaben hinsichtlich eines gesundheitlichen Nutzens für Verbraucher in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln.

EU-Rechtsrahmen

Sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe müssen vor ihrer Genehmigung durch die EU-Risikomanager (Europäische Kommission, Mitgliedstaaten und Europäisches Parlament) einer Sicherheitsbewertung seitens der EFSA unterzogen werden. Mit der Verordnung (EG) Nr. 1331/2008 wurde ein einheitliches Zulassungsverfahren für Lebensmittelzusatzstoffe, Lebensmittelenzyme und Aromastoffe eingeführt. Die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe, die im Januar 2010 in Kraft trat, legte eine Liste der in der EU genehmigten Lebensmittelzusatzstoffe fest. Diese Gemeinschaftsliste – in der die Bezeichnungen der Lebensmittelzusatzstoffe und ihre E-Nummern, die Lebensmittel, in denen sie zum Einsatz kommen dürfen, sowie ihre Verwendungsbedingungen aufgeführt sind – wurde in der Verordnung (EU) Nr. 1129/2011 veröffentlicht und trat am 1. Juni 2013 in Kraft.

Laut Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 muss die EFSA alle Lebensmittelzusatzstoffe, die vor dem 20. Januar 2009 zur Verwendung in der EU genehmigt wurden, einer neuen Risikobewertung unterziehen. In der Verordnung (EU) Nr. 257/2010 wird ein Programm zur Neubewertung zugelassener Lebensmittelzusatzstoffe aufgestellt; Details hierzu finden sich in Anhang II der Verordnung. Die Fristen für die Neubewertungen variieren je nach Stoffgruppe. Da Süßungsmittel zuletzt vor 2009 bewertet wurden, stellen sie die letzte Gruppe der bis 2020 neu zu bewertenden Lebensmittelzusatzstoffe dar. Der Zeitplan kann angepasst werden, sollten Sicherheitsbedenken für einen bestimmten Zusatzstoff aufkommen und/oder neue wissenschaftliche Daten vorliegen, die eine neuerliche Überprüfung vor der vereinbarten Frist erfordern. Alle nach früheren Rechtsvorschriften (Richtlinie 94/35/EG über Süßungsmittel) genehmigten Süßstoffe sind bis zum Abschluss ihrer Überprüfung zulässig.

Der Zeitplan für die Neubewertung von Lebensmittelzusatzstoffen ist unter dem Thema Lebensmittelzusatzstoffe näher aufgeführt.

Gesundheitsbezogene Angaben

Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 legt harmonisierte, EU-weit geltende Regeln für die Verwendung gesundheits- oder nährstoffbezogener Angaben zu Lebensmitteln auf der Grundlage von Nährstoffprofilen fest. Nach diesen Rechtsvorschriften ist die EFSA für die Überprüfung der wissenschaftlichen Absicherung der beantragten Angaben zuständig. Die wissenschaftliche Beratung seitens der EFSA dient der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten als Grundlage bei ihrer Entscheidung hinsichtlich der Genehmigung besagter Angaben.