PLS: Der Zoonosenbericht „One Health 2024“ der Europäischen Union

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Hintergrund

  • Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten (zoonotische Mikroorganismen) zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können.
  • Diese Mikroorganismen können Menschen durch kontaminierte Nahrung und Wasser, Kontakt mit infizierten Tieren, Vektoren (z. B. Mücken, Zecken) oder eine kontaminierte Umgebung infizieren.
  • Gemäß der Richtlinie 2003/99/EG ist die EFSA verpflichtet, Daten zu Zoonosen aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zu untersuchen und in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), das für die Überwachung übertragbarer Krankheiten beim Menschen zuständig ist, einen Jahresbericht über die Ausbreitung von Krankheiten durch Zoonoseerreger zu erstellen.
  • Diese Berichte geben einen Überblick über das Auftreten von Zoonoseerregern bei Menschen, Tieren und in Lebensmitteln und liefern wertvolle Informationen für Veterinär- und Lebensmittelsicherheitsbehörden. Sie helfen ihnen dabei, Maßnahmen zur Bekämpfung des Auftretens von Zoonosen bei Tieren und in der Umwelt zu planen und damit die Zahl der Fälle beim Menschen zu senken.

Wie sind die EFSA und das ECDC bei dieser Arbeit vorgegangen, und welche Daten wurden herangezogen?

  • Die EFSA und das ECDC verwendeten Überwachungs- und Beobachtungsdaten aus den Mitgliedstaaten zum Auftreten von Zoonosen bei Menschen, von Zoonoseerregern bei Tieren, in Lebensmitteln und in der Umwelt sowie von mikrobiologischen Kontaminanten in Lebensmitteln.
  • Die Daten wurden analysiert, um Zusammenfassungen zu erstellen und Trends zu ermitteln, wobei die Datenqualität und die Probenahmestrategien für Lebensmittel und Tiere berücksichtigt wurden.

Was waren die wichtigsten Ergebnisse?

  • Im Jahr 2024 waren die fünf am häufigsten gemeldeten Zoonosen beim Menschen die folgenden:
    • Campylobakteriose mit 168 396 Fällen (55,3 Fälle pro 100 000 Personen)
    • Salmonellose mit 79 703 Fällen (18,6 Fälle pro 100 000 Personen)
    • Infektionen mit Shiga-Toxin bildenden Escherichia coli (STEC) mit 11 738 Fällen (3,5 Fälle pro 100 000 Personen)
    • Listeriose mit 3 041 bestätigten invasiven Fällen von Listeria monocytogenes beim Menschen (0,69 Fälle pro 100 000 Personen)
    • Echinokokkose mit 984 Fällen (0,22 Fälle pro 100 000 Personen)
  • Die Zahl der in den letzten fünf Jahren gemeldeten Fälle zeigte einen erheblichen Anstieg von Brucellose, Campylobakteriose, Listeriose, Salmonellose und durch STEC verursachten Infektionen. Bei der Listeriose könnte der Aufwärtstrend auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen sein, darunter demografische Veränderungen und sich wandelnde Ernährungsgewohnheiten, während der Anstieg bei STEC mit empfindlicheren Tests zusammenhängt. Bei den anderen Zoonosen sind die höheren Zahlen in erster Linie auf pandemiebedingte Störungen bei der Überwachung von und der Berichterstattung über Seuchen zurückzuführen.
  • Die Zahl der im Jahr 2024 gemeldeten lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche (6 558) stieg im Vergleich zu 2023 um 14,5 %, ebenso wie die Zahl der gemeldeten Fälle beim Menschen (62 481) und der Krankenhausaufenthalte (3 336), die um 19,7 % bzw. 15,2 % zunahmen. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Todesfälle (53) im Jahr 2024 um 18,5 % zurückgegangen.
  • Salmonella spp., Noroviren und Campylobacter waren die häufigsten ermittelten Ursachen für lebensmittelbedingte Ausbrüche im Jahr 2024. Die Zahl der von ihnen verursachten Ausbrüche stieg im Vergleich zu 2023 an.
  • Salmonellen verursachten in Kombination mit „Eiern und Eiprodukten“ die meisten Ausbrüche und Krankenhausaufenthalte und rangierten bei der Gesamtzahl der Fälle von lebensmittelbedingten Ausbrüchen an vierter Stelle. In Kombination mit „Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnissen“ oder „Gemüse und Säften und anderen daraus hergestellten Erzeugnissen“ rangierten Salmonellen unter den zehn häufigsten Paarungen von Erregern und Lebensmittelüberträgern. Die meisten Fälle wurden von Noroviren in Kombination mit „gemischten Lebensmitteln“ verursacht.
  • Salmonellen wurden mit den meisten länderübergreifenden lebensmittelbedingten Ausbrüchen in Verbindung gebracht.
  • Die Zahl der Länder, die alle festgelegten Ziele zur Verringerung von Salmonellen in Geflügelpopulationen erfüllen, ging zurück, wobei im Jahr 2024 nur 14 Mitgliedstaaten die vollständige Einhaltung erreichten, verglichen mit 15 im Jahr 2023 und 19 im Jahr 2022. In den letzten 10 Jahren wurde auf EU-Ebene ein signifikanter Anstieg der Prävalenz von Salmonella spp. und der Geflügelherden mit Salmonellen-Zielserovaren bei Zuchthühnern (Gallus gallus) und Zuchttruthühnern beobachtet. Bei der letzteren Geflügelkategorie war dieser Aufwärtstrend bereits in den letzten fünf Jahren zu beobachten.
  • Der Anteil der positiven Proben für Salmonella spp. und der positiven Proben für Campylobacter spp. in Schlachthöfen fiel bei den amtlichen Kontrollen der Mitgliedstaaten höher aus als bei den Eigenkontrollen der Lebensmittelunternehmen. Außerdem überschritten diese positiven Proben den Prozesshygienegrenzwert von 1 000 KBE/g. (CFU steht für „colony-forming unit“ (koloniebildende Einheit) und wird verwendet, um die Konzentration lebensfähiger Mikroorganismen in einer Probe zu quantifizieren).
  • Im Jahr 2024 wurden mit L. monocytogenes die meisten Krankenhausaufenthalte und Todesfälle unter den Ausbruchsfällen (72,1 % bzw. 8,3 %) und den nicht mit Ausbrüchen zusammenhängenden Infektionen (97,3 % bzw. 15,6 %) in Verbindung gebracht. Statistiken zu positiven Proben für L. monocytogenes ergaben, dass der Anteil der Proben verzehrfertiger Lebensmittel, bei denen der Lebensmittelsicherheitsgrenzwert von 100 KBE/g überschritten wurde, in allen Kategorien verzehrfertiger Lebensmittel entweder null oder weniger als 1 % betrug, mit Ausnahme von „Erzeugnissen aus Fleisch, fermentierte Wurstwaren“. In dieser Lebensmittelkategorie lag der Anteil der positiven Proben über 100 KBE/g bei 3,0 % und war damit deutlich höher als 2023.
  • In Bezug auf die zoonotische Tuberkulose hatten 17 Mitgliedstaaten im Jahr 2024 den Status „seuchenfrei“. Zehn Mitgliedstaaten sowie Nordirland unterlagen einem Tilgungsprogramm oder hatten Gebiete, die davon betroffen waren. In diesen Ländern/Gebieten war in den letzten fünf Jahren insgesamt ein leichter Anstieg der Zahl positiver Bestände zu beobachten.
  • Im Jahr 2024 wurden in der EU keine Ausbrüche von Brucellose beim Menschen gemeldet. Es gab 22 Mitgliedstaaten mit dem Status „seuchenfrei“ in Bezug auf Brucellose bei Rindern und 21 Mitgliedstaaten mit dem Status „seuchenfrei“ bei Schafen und Ziegen, zusätzlich zu Nordirland, das in Bezug auf beide Tierpopulationen keine Brucellose-Fälle meldete. In Gebieten, die einem Tilgungsprogramm unterlagen, blieb die Zahl der positiven Rinderbestände konstant. Bei Schafen und Ziegen ging die Prävalenz der Bestände mit Brucellose weiter zurück und lag bei 0,04 %.

Welche Einschränkungen/Unsicherheiten gab es?

  • Die Hauptunsicherheit betraf die Vergleichbarkeit bestimmter Daten, die von einigen Mitgliedstaaten vorgelegt wurden (z. B. lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche, amtliche Kontrollproben zur Überprüfung der Anwendung der Lebensmittelsicherheitskriterien durch Lebensmittelunternehmen usw.).
  • Wenn die Daten zwischen den Mitgliedstaaten nicht vergleichbar waren, wurde bei der Interpretation der Ergebnisse auf EU-Ebene äußerst vorsichtig vorgegangen.

Haftungsausschluss

  • Diese Zusammenfassung in vereinfachter Sprache ist eine leicht verständliche Version des Zoonosenberichts „One Health 2024“ der Europäischen Union der EFSA und des ECDC. Den vollständigen wissenschaftlichen Bericht finden Sie hier.
  • Zweck dieser Zusammenfassung in vereinfachter Sprache ist es, die Transparenz zu erhöhen und interessierte Kreise über die Arbeit der EFSA und des ECDC zu diesem Thema zu informieren, indem die wichtigsten Ergebnisse in leicht verständlicher Sprache vorgestellt werden.
     

Referenz

Zoonosenbericht „One Health 2024“ der Europäischen Union

doi: https://doi.org/10.2903/j.efsa.2025.9759

ISSN: 1831-4732

© Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 2025.

Nachdruck mit Quellenangabe gestattet.