Neu auftretende Risiken und strategische Früherkennung („Horizon Scanning“)

Ein neu auftretendes Risiko ist ein Risiko, das von einer neu erkannten Gefahr ausgeht, gegenüber der es zu einer signifikanten Exposition kommen kann, oder das sich aus einer unerwarteten neuen oder erhöhten signifikanten Exposition bzw. Vulnerabilität gegenüber einer bekannten Gefahr ergibt.
Die erfolgreiche und frühzeitige Erkennung neu auftretender Risiken im Bereich der Lebensmittelsicherheit ist für die bestmögliche Einsatzbereitschaft entscheidend.

  • Diese Früherkennung unterstützt die Politik bei der rechtzeitigen Erkennung von Risiken und der Ergreifung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen zum Schutz der Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt.
  • Sie trägt zudem dazu bei, die Fähigkeit von wissenschaftlichen Risikobewertern wie der EFSA zur Bewältigung künftiger Herausforderungen zu verbessern, z. B. durch die Erschließung neuer Datenquellen, die Entwicklung neuer Analysewerkzeuge und -methoden sowie die Ausweitung von Wissenschaftsnetzwerken.

Zu den Faktoren, die neue Risiken begünstigen, zählen u. a. die Globalisierung, der internationale Handel, die Urbanisierung, das Bevölkerungswachstum, der Klimawandel, wissenschaftliche Entdeckungen, Ressourcenknappheiten, ökologische und landwirtschaftliche Herausforderungen, Konzentrationseffekte in Lieferketten, Preisschwankungen, sich wandelnde Ernährungsgewohnheiten und Antibiotikaresistenzen.

Die Rolle der EFSA

Gemäß den Artikeln 23 und 34 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 über die EFSA und das Lebensmittelrecht ist die EFSA zu Folgendem verpflichtet:

  • mögliche bisher nicht ausreichend erfasste oder sich abzeichnende Herausforderungen in den Bereichen Lebens- und Futtermittelsicherheit, Tiergesundheit, Pflanzengesundheit sowie Umweltaspekte im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ zu erkennen, zu identifizieren und zu analysieren;
  • Informationen über neu auftretende Risiken oder schwache Signale zu ermitteln, zu bewerten und zu verbreiten sowie für die Abstimmung mit einschlägigen Netzwerken und internationalen Organisationen zu sorgen;
  • die Ermittlung von Datenquellen und die Datenerhebung und/oder Datengenerierung zu als vorrangig eingestuften, neu auftretenden Themen oder schwachen Signalen zu fördern;
  • die erhobenen Informationen zu evaluieren und neu auftretende Risiken und schwache Signale zu identifizieren;
  • die Zusammenarbeit bei der Vorausschau und der strategischen Früherkennung mit Akteuren des Wissensökosystems zur Lebensmittelsicherheit in der EU und darüber hinaus zu stärken, damit die Tätigkeiten der EFSA weiterhin ihrer Zweckbestimmung entsprechen.

Die Tätigkeiten der EFSA im Bereich der Analyse neu auftretender Risiken und der strategischen Früherkennung werden vom Referat Wissens-, Innovations- und Partnerschaftsmanagement und vom Büro des leitenden Wissenschaftlers der EFSA geleitet.

Seit 2002 hat die EFSA mehrere konkrete Maßnahmen zur Erkennung neu auftretender Risiken ergriffen:

  • die Entwicklung eines methodischen Rahmens zur Festlegung der Vorgehensweise zur Ermittlung, Bewertung und Kommunikation neu auftretender Risiken;
  • die Einführung operativer Verfahren, die die kontinuierliche Überwachung und strukturierte Bewertung neuer Signale unterstützen;
  • die Ermittlung und Bewertung der wichtigsten Informationsquellen, damit zeitnah auf relevante Daten zugegriffen werden kann;
  • die Entwicklung und Erprobung von Tools für die Sammlung und Filterung relevanter Informationen;
  • die Zusammenarbeit mit anderen Interessenträgern, die auf dem Gebiet der neu auftretenden Risiken und strategischen Früherkennung tätig sind.

Die EFSA legt jedes Jahr einen Bericht vor, in dem sie ausführlich ihre Strategie und ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit neu auftretenden Risiken für Lebens- und Futtermittel beschreibt.

Aktuelles

Der neueste Jahresbericht der EFSA über neu auftretende Risiken und strategische Früherkennung („Horizon Scanning“) wurde im Mai 2025 veröffentlicht und deckte das Jahr 2024 ab. Darin erfasste EFSA insgesamt 65 neu auftretende Problembereiche, von denen 38 eingehender beschrieben und sieben als neu auftretende Risiken identifiziert wurden. Die meisten Risiken, die einer weiteren Untersuchung bedurften, betrafen die Bereiche Schadstoffe und biologische Gefahren.

Meilensteine

  1. 2025

    August

    Ein Pilotprojekt der EFSA in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission befasst sich mit der Vorsorge für Sicherheitsbewertungen neuer Lebens-/Futtermittelquellen und Produktionstechnologien.

  2. Juni

    Die vollständige Version der EFSA-Plattform für die Analyse neu auftretender Risiken (Emerging Risk Analysis Platform, ERAP) geht an den Start.

  3. Februar

    Die EFSA entwickelt ein Rechenmodell für die Aufdeckung von Lebensmittelbetrug – ein wichtiger Faktor für neu auftretende Risiken für die Lebensmittelsicherheit.

  4. 2024

    Oktober

    Die EFSA beleuchtet in einem neuen Bericht mit dem Titel „Navigating Tomorrow’s Tide“ (etwa: „Den Stürmen von morgen standhalten“) die Zukunft der Meeresressourcen und deren Auswirkungen auf die Lebens- und Futtermittelsicherheit.
     

  5. August

    Die EFSA legt einen Fachbericht vor, der einen Überblick über die Tätigkeiten der EFSA im Zusammenhang mit neu auftretenden chemischen Risiken in Lebens- und Futtermitteln in den Jahren 2020 bis 2023 bietet.
     

  6. 2022

    Juni

    Die EFSA organisiert einen Vorausschau-Workshop zum Thema „Kreislauforientierte Zukunft: neu auftretende Futtermittelquellen und -technologien und damit verbundene Risiken“.

    Die zweite Phase des EuroCigua-Projekts beginnt. (Weitere Informationen finden Sie in unserem Themenbereich „Ciguatoxine und andere marine Biotoxine“.)
     

  7. 2021

    Die erste Phase des EuroCigua-Projekts wird mit einer Reihe von vier externen wissenschaftlichen Berichten über Ciguatera-Vergiftungen in Europa abgeschlossen.

  8. 2020

    Die EFSA veröffentlicht die Ergebnisse des Projekts CLEFSA (siehe auch gesonderter Themenbereich) mit der Vorstellung einer Methodik zur Identifizierung und Beschreibung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf neu auftretende Risiken im Bereich der Lebensmittelsicherheit und führt eine Informationsveranstaltung durch.

  9. 2019

  10. 2018

  11. 2017

  12. 2016

    Die EFSA erprobt ein Text-Mining-Tool zur Identifizierung neu auftretender Risiken, ein Tool zur Medienbeobachtung namens MedISys, um Bedrohungen der Pflanzengesundheit zu überwachen, und ein Verfahren zur Identifizierung neu auftretender chemischer Risiken in der Lebensmittelkette. Siehe auch: Aktivitäten der EFSA zu neu auftretenden Risiken im Jahr 2016

  13. 2015

    Im Rahmen eines von der EFSA finanzierten Projekts werden cyanobakterielle Toxine in Lebensmitteln überprüft und analysiert, während die EFSA ihre Verfahren und ihre künftige Ausrichtung in Bezug auf die Identifizierung neu auftretender Risiken bewertet. Siehe auch: Aktivitäten der EFSA zu neu auftretenden Risiken im Jahr 2015

  14. 2014

    Die EFSA schließt ein systematisches Verfahren für die Identifizierung neu auftretender chemischer Risiken in der Lebens-/Futtermittelkette ab und identifiziert Einflussfaktoren und Wechselwirkungen neu auftretender biologischer Risiken. Siehe auch: Aktivitäten der EFSA zu neu auftretenden Risiken im Jahr 2014

  15. 2012

    Juli und Januar

    Die EFSA führt ein neues Verfahren zur Identifizierung neu auftretender Risiken als Pilotprojekt durch und bewertet ein System für das Scannen von Eurostat-Daten zur Erkennung von Trends im Handel.

  16. Januar

    Die EFSA unterstützt ein Projekt zur Modellierung, Vorhersage und Erfassung des Auftretens von Aflatoxinen in Getreide in der EU, das auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Siehe auch: Aktivitäten der EFSA zu neu auftretenden Risiken in den Jahren 2012–2013

  17. 2011

    Beim 15. Wissenschaftlichen Kolloquium der EFSA werden die Arbeiten der Behörde zu neu auftretenden Risiken präsentiert, während das 16. Wissenschaftliche Kolloquium neu auftretenden Risiken für die Pflanzengesundheit gewidmet ist.

  18. 2010

    Die EFSA hat IT-Tools für die Identifizierung neu auftretender Risiken durch die routinemäßige Analyse von Daten aus dem Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) der Europäischen Kommission und aus Datenbanken mit Handelsstatistiken der EU-Datenbank Comtext und der UN-Datenbank Comtrade entwickelt.

  19. 2009

    Die EFSA hat IT-Tools entwickelt, um die Entwicklung von Systemen für die Internetbeobachtung zum Zweck der Identifizierung neu auftretender Risiken zu unterstützen.

  20. 2007

  21. 2006

    Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA verabschiedet ein Gutachten zur frühzeitigen Identifizierung neu auftretender Risiken.

Wichtigste Konzepte

Bei den folgenden Konzepten handelt es sich um die wichtigsten Konzepte für die Analyse neu auftretender Risiken und die strategische Früherkennung:

Neue auftretende Risiken, d. h. Risiken, die von einer neu erkannten Gefahr ausgehen, gegenüber der es zu einer signifikanten Exposition kommen kann, oder die sich aus einer unerwarteten neuen oder erhöhten signifikanten Exposition bzw. Vulnerabilität gegenüber einer bekannten Gefahr ergeben.

Umweltbeobachtung, d. h. die Beobachtung aktueller Entwicklungen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen, ökologischen, politischen, rechtlichen und ethischen Faktoren (aufgrund der Anfangsbuchstaben der entsprechenden englischen Begriffe als „STEEPLE“-Analyse bezeichnet). Diese Faktoren, die unsere unmittelbare Umwelt betreffen, sich jedoch unserer Kontrolle entziehen, können sich auf die Fähigkeit der EFSA auswirken, ihren Auftrag zu erfüllen.

Die strategische Früherkennung („Horizon Scanning“) zielt darauf ab, schwache Signale frühzeitig zu erkennen, die sich in Zukunft zu neuen Problembereichen entwickeln könnten, in der aktuellen Forschung oder den Medien jedoch noch nicht behandelt werden. Diese auftretenden Problembereiche können sich im Laufe der Zeit entweder als Trends verfestigen, die womöglich tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen, oder auch wieder abklingen.

Vorausschau bedeutet, dass die Zukunft als etwas verstanden wird, das sich gerade erst herausbildet und in der Gegenwart nur teilweise erkennbar ist, und nicht als vorherbestimmtes Schicksal, das im Vorhinein vollständig bekannt ist (und vorhergesagt werden kann). Das Ziel besteht demnach nicht darin, „die Zukunft richtig vorherzusagen“, sondern in der Erweiterung und Neudefinition der möglichen Entwicklungen, die berücksichtigt werden müssen, damit eine Vorbereitung auf künftige Herausforderungen möglich ist, für Widerstandsfähigkeit gesorgt werden kann und bereits heute Maßnahmen zur proaktiven Zukunftsgestaltung ergriffen werden.

Netzwerke

Die Ermittlung neu auftretender Risiken ist ein komplexer Prozess, der umfangreiches Fachwissen und die enge Zusammenarbeit mit Mitgliedstaaten, Interessengruppen, EU-Einrichtungen und internationalen Stellen erfordert. Die Bereitschaft der EFSA beruht auf unserer weltweiten Zusammenarbeit mit wichtigen Wissensnetzwerken und Partnern:

Diese eigens hierzu eingerichteten Netzwerke und Partnerschaften bieten die für den Austausch von Erfahrungen, Methoden und Daten und für die Einschätzung neu auftretender Probleme erforderlichen Strukturen.

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