Listerien
Einleitung
Bei Listerien handelt es sich um eine Familie von Bakterien mit zehn Spezies. Eine davon, Listeria monocytogenes, ist der Erreger der Krankheit Listeriose.
Die Listeriose tritt zwar selten auf, nimmt aber oft einen schweren Verlauf, der stationärer Behandlung bedarf und mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden ist. In der EU wurden 2017 etwa 2 400 Infektionen gemeldet.
Wenn Menschen an Listeriose erkranken, dann in der Regel, weil sie kontaminierte Lebensmittel gegessen haben.
Die Bakterien lassen sich durch Kochen bei über 65 °C abtöten. Lebensmittel können jedoch auch nach der Herstellung mit Listerien kontaminiert werden (beispielsweise nach dem Erhitzen, noch vor dem Verpacken). Im Gegensatz zu anderen durch Lebensmittel übertragenen Bakterien tolerieren Listerien salzige Umgebungen und können sich selbst bei niedrigen Temperaturen (zwischen +2 °C und +4 °C) vermehren.
Aufgrund der Widerstandsfähigkeit dieser Bakterien in Verbindung mit der hohen Sterblichkeitsrate bei Menschen ist zur Gewährleistung der öffentlichen Gesundheit eine sichere Handhabung von Lebensmitteln äußerst wichtig.
Die Symptome bei infizierten Menschen variieren und reichen von leichten grippeartigen Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, bis hin zu schweren Infektionen, beispielsweise Hirnhautentzündung, sowie anderen potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen. Die Krankheit befällt hauptsächlich Ältere, Schwangere, Neugeborene sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Listeria monocytogenes findet sich in vielen Lebensmitteln, unter anderem in Räucherfisch, Fleisch, Käse (insbesondere Weichkäse) und rohem Gemüse.
Wichtig zur Vermeidung von Listeriose sind das Befolgen einer guten Herstellungs- und Hygienepraxis sowie wirksame Temperaturkontrollen entlang der gesamten Produktions-, Transport- und Lagerungskette von Lebensmitteln – auch zu Hause. Verbrauchern wird daher geraten, die Kühlschranktemperatur niedrig zu halten, um das potenzielle Wachstum von möglicherweise in verzehrfertigen Lebensmitteln enthaltenen Bakterien wie Listerien zu begrenzen.
Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation empfehlen zur Kühlung von Lebensmitteln eine Temperatur unter 5 °C.
Aktuelles
Die Zahl der Listeriose-Fälle bei Menschen nahm 2017 leicht ab: Nachdem die Zahl der gemeldeten Fälle 2016 bei 2 509 lag, waren es im Jahr 2017 nur noch 2 480 Fälle. Allerdings ist die Tendenz seit fünf Jahren ansteigend. Dies ist eines der Ergebnisse des letzten Jahresberichts zu Tendenzen und Ursachen von Zoonosen, den die EFSA und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht haben.
Die 2017 am stärksten von der Krankheit betroffene Gruppe waren ältere Menschen, insbesondere über 84 Jahre. In dieser Altersgruppe lag die Sterblichkeit bei Listeriose bei 24 %; insgesamt verlief die Infektion in der EU bei jedem zehnten Patienten tödlich.
Am häufigsten wurde L. monocytogenes in Fisch und Fischereierzeugnissen nachgewiesen (6 %), gefolgt von verzehrfertigen Salaten (4,2 %).
Meilensteine
Juni 2018 – Die EFSA leistet wissenschaftliche und technische Unterstützung in Bezug auf Probenahme- und Teststrategien für den Nachweis von L. monocytogenes in Verarbeitungsbetrieben für Tiefkühlgemüse.
Januar 2018 – Sachverständige leisten wissenschaftliche Beratung zu Listeria monocytogenes und Risiken für die öffentliche Gesundheit durch den Verzehr von kontaminierten verzehrfertigen Lebensmitteln. Sie kommen zu dem Schluss, dass zwischen 2008 und 2015 die Zahl der Listeria-Fälle bei zwei Bevölkerungsgruppen zugenommen hat: bei Personen über 75 und Frauen zwischen 25 und 44 Jahren (bei letzterer Gruppe wird angenommen, dass die Mehrzahl der Fälle in Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auftrat).
Juni 2013 – Der erste Teil der EFSA-Analyse einer EU-weiten Grundlagenerhebung zu Listeria monocytogenes liefert wertvolle Einblicke hinsichtlich des Vorkommens dieser Bakterien in bestimmten verzehrfertigen Lebensmitteln (Fisch, Wurstwaren und Weichkäse). Der Anteil der Lebensmittelproben, bei denen der lebensmittelrechtliche Grenzwert überschritten wurde, war gering. Angesichts der Beliebtheit dieser Lebensmittel und der gravierenden Folgen, die eine Listeriose für die menschliche Gesundheit haben kann, ist jedoch insgesamt Wachsamkeit im Hinblick auf das mögliche Vorkommen dieser Bakterien in Lebensmitteln geboten.
Januar 2008 – Wissenschaftler der EFSA aktualisieren ihre Empfehlungen zu Risiken durch Listerien in Lebensmitteln. Sie empfehlen, dass sich die Bemühungen zur Verringerung von Risiken für die menschliche Gesundheit auf Maßnahmen zur Risikominderung während der Herstellung von verzehrfertigen Lebensmitteln sowie zu Hause seitens der Verbraucher konzentrieren sollten.
Rolle
Die EFSA bewertet die von Listerien ausgehenden Risiken für die Lebensmittelsicherheit sowie für die Gesundheit des Menschen und berät politische Entscheidungsträger in Bezug auf entsprechende wissenschaftlich fundierte Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen. Dies geschieht durch:
- das jährliche Monitoring hinsichtlich des Vorkommens von Listeria monocytogenes in der Lebensmittelkette in den EU-Mitgliedstaaten
- die EU-weite Bewertung der Prävalenz und Konzentration von Listeria monocytogenes in bestimmten verzehrfertigen Lebensmitteln (beispielsweise in Weichkäse, Wurstwaren und Fisch)
- die Analyse der Risikofaktoren, die für das Vorkommen und Wachstum von Listeria monocytogenes in Lebensmitteln verantwortlich sind
EU-Rechtsrahmen
Die Überwachung und Kontrolle lebensmittelbedingter Krankheiten sowie die Anforderungen an die Lebensmittelhygiene und die Kriterien für die Lebensmittelsicherheit sind durch EU-Rechtsvorschriften geregelt.
Die Verordnung (EG) Nr. 2073/2005 der Kommission über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel legt Lebensmittelsicherheitskriterien für bestimmte wichtige, durch Lebensmittel übertragene Bakterien, darunter Listeria monocytogenes, fest.
- Mikrobiologische Kriterien – Europäische Kommission
