Campylobacter

Campylobacter ist ein Bakterium, das beim Menschen eine Krankheit hervorrufen kann, die als Campylobakteriose bezeichnet wird. Mit jährlich mehr als 190.000 Fällen beim Menschen ist diese Krankheit die am häufigsten gemeldete lebensmittelbedingte Erkrankung in der Europäischen Union (EU). Es wird davon ausgegangen, dass die tatsächliche Zahl von Fällen bei etwa neun Millionen pro Jahr liegt. Die Kosten, die durch Campylobakteriose für die öffentlichen Gesundheitssysteme und aufgrund des Produktivitätsverlusts in der EU entstehen, werden von der EFSA auf etwa 2,4 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt.

Um Verbraucher vor dieser Bedrohung der öffentlichen Gesundheit zu schützen, verfolgt die EU einen integrierten Ansatz im Bereich der Lebensmittelsicherheit, vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Dieser Ansatz umfasst Maßnahmen sowohl zur Risikobewertung als auch zum Risikomanagement und schließt alle maßgeblichen Akteure mit ein: die EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission, das Europäisches Parlament, die EFSA und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Unterstützt wird der Ansatz durch zeitnahe und effektive Aktivitäten im Bereich der Risikokommunikation.

Die EFSA übernimmt eine wichtige Rolle beim Schutz der Verbraucher vor dieser Bedrohung der öffentlichen Gesundheit, indem sie unabhängige wissenschaftliche Unterstützung und Beratung im Hinblick auf diejenigen Aspekte im Zusammenhang mit Campylobacter bietet, die die menschliche Gesundheit und die Lebensmittelsicherheit betreffen.

Die Campylobakteriose zählt zu den Zoonosen – Infektionen oder Erkrankungen also, die direkt oder indirekt zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Übliche Symptome sind Fieber, Durchfall und Bauchkrämpfe. Rohes Geflügelfleisch ist oft mit Campylobacter kontaminiert, da das Bakterium in den Eingeweiden gesunder Vögel leben kann. Es findet sich aber auch bei Schweinen und Rindern. Der Verzehr von halbgarem Hühnerfleisch oder verzehrfertigen Lebensmitteln, die in Kontakt mit rohem Hühnerfleisch waren, ist die häufigste Infektionsquelle. In ihrer Bewertung gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass Hühner und Hühnerfleisch für 20-30% der Campylobakteriose-Fälle beim Menschen direkt verantwortlich sein könnten.

Eine vorsichtige Handhabung von rohem Fleisch und sonstigen rohen Lebensmittelzutaten, gründliches Durchgaren sowie eine gute Küchenhygiene können dem Risiko, das von kontaminierten Lebensmitteln ausgeht, vorbeugen oder es senken.

Die EFSA leistet unabhängige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung, indem sie Daten zur Prävalenz von Campylobacter erhebt und auswertet sowie die von dem Bakterium ausgehenden Risiken bewertet; darüber hinaus berät sie im Hinblick auf mögliche Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen.
Die Erkenntnisse der EFSA helfen Risikomanagern in der EU und den Mitgliedstaaten bei der politischen Entscheidungsfindung und der Festlegung möglicher Kontrollmaßnahmen und Reduktionsziele für Campylobacter in der Lebensmittelkette.

Jährliche Überwachung von Campylobacter bei Tieren und in Lebensmitteln

EU-weit werden Daten über das Vorkommen von Campylobacter in der Lebensmittelkette sowie die Prävalenz von Infektionen bei Tieren und Menschen erhoben und in den jährlichen EU-Kurzberichten, die von der EFSA und dem ECDC erstellt werden, ausgewertet. Die Überwachungsdaten dienen zusammen mit anderen Informationen der Bewertung des Fortschritts, den die EU-Mitgliedstaaten bei der Eindämmung der Bakterien erzielt haben.

EU-weite Erhebungen zur Prävalenz von Campylobacter

Die EFSA führt Grundlagenerhebungen über die Prävalenz von Campylobacter bei zur Lebensmittelerzeugung gehaltenen Tieren (z.B. Hühnern) sowie über die Risikofaktoren durch, die zur Prävalenz von Campylobacter in Tierpopulationen beitragen. Die Befunde werden von Risikobewertern, wie etwa dem Gremium für biologische Gefahren der EFSA, zur Risikoabschätzung verwendet und dienen Risikomanagern zur Festlegung möglicher Kontrollmaßnahmen und/oder Reduktionsziele.

Risikobewertungen und Empfehlungen

Das Gremium für biologische Gefahren der EFSA bewertet die von Campylobacter ausgehenden Risiken für die Lebensmittelsicherheit und gibt auf Ersuchen von Risikomanagern bzw. in Eigeninitiative wissenschaftliche Empfehlungen zu Kontrollmaßnahmen ab. Im Rahmen ihrer Bewertungen hat die EFSA unter anderem festgestellt, dass sich durch das Erreichen der festgelegten Reduktionsziele für Campylobacter in den Hühnerbeständen der EU das Risiko einer Übertragung auf den Menschen erheblich verringern ließe.

Neben dem Wissenschaftlichen Gremium für biologische Gefahren, das sich aus 21 unabhängigen Sachverständigen für biologische Gefahren in der Lebensmittelkette zusammensetzt, erhält die EFSA bei ihrer Arbeit Unterstützung von der Taskforce „Datenerhebung zu Zoonosen“, einem europaweiten Netzwerk nationaler Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, weiterer Bericht erstattender Länder sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE).

Zusammenarbeit der EFSA mit maßgeblichen Akteuren zur Reduzierung von Campylobakteriose bei Menschen

Im April 2005 veröffentlichte die EFSA ein Gutachten zu Campylobacter bei Tieren und in Lebensmitteln, in dem Geflügelfleisch als eine Hauptquelle von Campylobakteriose genannt wird.
 
2007 schlug die Taskforce „Datenerhebung zu Zoonosen“ der EFSA auf Ersuchen der Europäischen Kommission ein koordiniertes EU-weites Überwachungsprogramm für Campylobacter in Hühnerfleisch vor.
 
Unter Verwendung der von der EFSA-Taskforce vorgelegten technischen Spezifikationen wurde 2008 eine EU-weite Grundlagenerhebung zu Campylobacter bei Hühnern in Schlachthöfen durchgeführt.
 
Die EFSA analysierte und veröffentlichte die Ergebnisse der Erhebung im Jahr 2010: Das Bakterium wurde bei mehr als 75% der Hühner nachgewiesen.
 
Die Sachverständigen der EFSA kamen zu dem Schluss, dass Handhabung, Verarbeitung und Verzehr von Hühnerfleisch für 20-30% der Campylobakteriose-Fälle beim Menschen direkt verantwortlich sein könnten.
 
Im Jahr 2011 gibt das Gremium für biologische Gefahren der EFSA Empfehlungen zur Reduktion von Campylobacter in Hühnerfleisch ab. Diese beinhalten: Maßnahmen vor der Schlachtung, die das Risiko für die öffentliche Gesundheit um 50% senken könnten; Maßnahmen bei der Fleischproduktion, die das Risiko für die öffentliche Gesundheit um mindestens 90% senken könnten; sowie eine Einschätzung der Wirksamkeit im Falle des Erreichens der festgelegten Reduktionsziele.
 
Die EFSA wird auch weiterhin Risikomanager auf europäischer und nationaler Ebene bei der Überwachung und Bewertung der Prävalenz von Campylobacter unterstützen sowie auf Ersuchen wissenschaftliche Beratung zu Lebensmittelsicherheitsrisiken und Maßnahmen zur Eindämmung künftiger Risiken zur Verfügung stellen.

 

Die Überwachung und Kontrolle von lebensmittelbedingten Erkrankungen sowie Hygienevorschriften für Lebensmittel und Kriterien für die Lebensmittelsicherheit sind durch EU-Recht geregelt. Näheres zum regulatorischen Rahmen finden Sie unter dem Thema lebensmittelbedingte Zoonosen.