Campylobacter
Einleitung

Campylobacter ist ein Bakterium, das eine Krankheit hervorrufen kann, die als Campylobakteriose bezeichnet wird. Mit jährlich mehr als 246 000 Fällen beim Menschen ist diese Krankheit die am häufigsten gemeldete lebensmittelbedingte Erkrankung in der EU. Es wird davon ausgegangen, dass die tatsächliche Zahl von Fällen bei etwa neun Millionen pro Jahr liegt. Die Kosten, die durch Campylobakteriose für die öffentlichen Gesundheitssysteme und aufgrund des Produktivitätsverlusts in der EU entstehen, werden von der EFSA auf etwa 2,4 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt.
Die Campylobakteriose zählt zu den Zoonosen – Infektionen oder Erkrankungen also, die direkt oder indirekt zwischen Tier und Mensch übertragen werden können.
Übliche Symptome sind Fieber, Durchfall und Bauchkrämpfe. Rohes Geflügelfleisch ist oft mit Campylobacter kontaminiert, da das Bakterium in den Eingeweiden gesunder Vögel leben kann. Es findet sich aber auch bei Schweinen und Rindern. Der Verzehr von halbgarem Hühnerfleisch oder verzehrfertigen Lebensmitteln, die in Kontakt mit rohem Hühnerfleisch waren, ist die häufigste Infektionsquelle. Die EFSA gelangte in ihren Bewertungen zu dem Schluss, dass Hühner und Hühnerfleisch für 20-30 % der Campylobakteriose-Fälle beim Menschen direkt verantwortlich sein könnten.
Eine vorsichtige Handhabung von rohem Fleisch und sonstigen rohen Lebensmittelzutaten, gründliches Durchgaren sowie eine gute Küchenhygiene können dem Risiko, das von kontaminierten Lebensmitteln ausgeht, vorbeugen oder es mindern.
- Fact Sheet: Die EFSA erklärt Zoonosen – Campylobacter
- Fünf Schlüssel zu sicheren Lebensmitteln – Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Aktuelles
Laut dem jüngsten EU-Zoonosenbericht „One Health 2018“ der EFSA und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist die Campylobakteriose die am häufigsten gemeldete Zoonose in der EU. Im Jahr 2018 meldeten die Mitgliedstaaten 246 571 Fälle. Das häufigste Vorkommen wurde in Hühnerfleisch (37,5 %) und Putenfleisch (28,2 %) festgestellt.
2020 haben Sachverständige der EFSA die Möglichkeiten für Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben in Bezug auf Campylobacter bei Masthähnchen aktualisiert und überprüft.
Die Rolle der EFSA
Um Verbraucher vor dieser Gefahr für die öffentliche Gesundheit zu schützen, verfolgt die EU einen integrierten Ansatz im Bereich der Lebensmittelsicherheit, vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Dieser Ansatz umfasst Maßnahmen sowohl zur Risikobewertung als auch zum Risikomanagement und schließt alle maßgeblichen Akteure mit ein: EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, die EFSA und das ECDC. Unterstützt wird der Ansatz durch eine zeitnahe und effektive Risikokommunikation.
Die EFSA übernimmt eine wichtige Rolle beim Schutz der Verbraucher vor dieser Bedrohung der öffentlichen Gesundheit, indem sie unabhängige wissenschaftliche Unterstützung und Beratung im Hinblick auf diejenigen Aspekte im Zusammenhang mit Campylobacter bietet, die die Lebensmittelsicherheit betreffen.
Sie sammelt und analysiert Daten im Hinblick auf die Prävalenz von Campylobacter, bewertet die von der Bakterie ausgehenden Risiken und berät im Hinblick auf Kontroll- und Eindämmungsoptionen.
Die EFSA wird durch ihr Netzwerk für die Datenüberwachung zu Zoonosen unterstützt, ein europaweit tätiges Netzwerk aus nationalen Vertretern und internationalen Organisationen, das die EFSA bei der Erhebung und gemeinsamen Nutzung von Informationen zu Zoonosen in ihren jeweiligen Ländern unterstützt.
Jährliche Überwachung von Campylobacter bei Tieren und in Lebensmitteln
EU-weit werden Daten über das Vorkommen von Campylobacter in der Lebensmittelkette sowie die Prävalenz von Infektionen bei Tieren und Menschen erhoben und in den jährlichen EU-Kurzberichten, die von der EFSA und dem ECDC erstellt werden, ausgewertet. Die Überwachungsdaten dienen zusammen mit anderen Informationen der Bewertung des Fortschritts, den die EU-Mitgliedstaaten bei der Eindämmung der Bakterie erzielt haben.
EU-weite Erhebungen zur Prävalenz von Campylobacter
Die EFSA führt Grundlagenerhebungen über die Prävalenz von Campylobacter bei zur Lebensmittelerzeugung gehaltenen Tieren (z. B. Hühnern) sowie über die Risikofaktoren durch, die zur Prävalenz von Campylobacter in Tierpopulationen beitragen. Die Befunde werden von Risikobewertern, wie etwa dem Gremium für biologische Gefahren der EFSA, zur Risikoabschätzung verwendet und dienen Risikomanagern zur Festlegung möglicher Kontrollmaßnahmen und/oder Reduktionsziele.
Risikobewertungen und Empfehlungen
Das Gremium für biologische Gefahren der EFSA gibt auf Ersuchen von Risikomanagern bzw. in Eigeninitiative wissenschaftliche Empfehlungen zu Kontrollmaßnahmen ab. Im Rahmen ihrer Bewertungen hat die EFSA unter anderem festgestellt, dass sich durch das Erreichen der festgelegten Reduktionsziele für Campylobacter in den Hühnerbeständen der EU das Risiko einer Übertragung auf den Menschen erheblich verringern ließe.
EU-Rechtsrahmen
Die Überwachung und Kontrolle lebensmittelbedingter Erkrankungen, die Anforderungen an die Lebensmittelhygiene sowie die Kriterien für die Lebensmittelsicherheit sind durch EU-Recht geregelt. Näheres zum regulatorischen Rahmen finden Sie unter dem Thema lebensmittelbedingte Zoonosen.
Meilensteine
2020 Sachverständige der EFSA aktualisieren und überprüfen die Möglichkeiten für Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben in Bezug auf Campylobacter bei Masthähnchen. Sie ermitteln die wirksamsten Optionen und wägen die Vor- und Nachteile jeder Maßnahme ab.
2015 Sachverständige der EFSA kommen in ihrem wissenschaftlichen Gutachten zu den Risiken für die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit Rohmilch in der EU zu dem Schluss, dass Rohmilch eine Quelle für schädliche Bakterien sein kann – in erster Linie für Campylobacter, Salmonella und Shiga-Toxin bildende Escherichia coli (STEC).
2011 Die EFSA berät im Hinblick auf die Reduzierung von Campylobacter in Hühnerfleisch. Die Empfehlungen beinhalten Maßnahmen vor der Schlachtung, die das Risiko für die öffentliche Gesundheit um 50 % verringern könnten, Maßnahmen bei der Fleischproduktion, die das Risiko für die öffentliche Gesundheit um mindestens 90 % senken könnten, sowie eine Einschätzung der Wirksamkeit im Falle des Erreichens der festgelegten Reduktionsziele.
2010 Die EFSA veröffentlicht eine Bewertung der Faktoren, die zur Ausbreitung von Campylobacter bei lebenden Hühnern und Schlachtkörpern von Hühnern in der EU beitragen können. Die Sachverständigen empfehlen, dass Kontrollprogramme auf einem integrierten Ansatz basieren sollten, der sowohl die Hühnerzuchtbetriebe als auch den Schlachtvorgang einbezieht. Zudem könnten weitere Studien auf nationaler Ebene eine bessere Identifizierung der Risikofaktoren für Infektionen mit Campylobacter in den jeweiligen Ländern ermöglichen.
2010 Die EFSA berät im Hinblick auf das Ausmaß, in dem Fleisch von Masthähnchen (Hühnern) zu Campylobakteriose-Fällen beim Menschen beiträgt. Die Sachverständigen kommen zu dem Schluss, dass Handhabung, Verarbeitung und Verzehr von Masthähnchenfleisch in der EU für 20-30 % der Campylobakteriose-Fälle beim Menschen direkt verantwortlich sein könnten.
2007 Die Taskforce „Datenerhebung zu Zoonosen“ der EFSA schlägt ein koordiniertes EU-weites Überwachungsprogramm für Campylobacter in Hühnerfleisch vor.
2005 Die EFSA veröffentlicht ein Gutachten zu Campylobacter bei Tieren und in Lebensmitteln, in dem Geflügelfleisch als eine der Hauptquellen der Campylobakteriose genannt wird.
