Pflanzengesundheit

Einleitung

Die Einschleppung und Verbreitung von Schädlingen — wie Pilzen, Bakterien, Viren und Insekten — stellt für Feld- und Gartenfrüchte, die natürliche Vegetation sowie Landschaftspflanzen eine schwerwiegende Bedrohung dar, die weitreichende Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umweltschutz haben kann. Dabei erfolgt die Einschleppung von Pflanzenschädlingen in zuvor nicht befallene Gebiete häufig durch Pflanzenimporte.

In Europa basieren Schutzmaßnahmen gegen die Einschleppung neuer Pflanzenschädlinge auf der behördlichen Überwachung der Verbringung von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen. Die Bewertung der Wahrscheinlichkeit, dass Pflanzenschädlinge in ein Gebiet eingeschleppt werden und sich dort anschließend verbreiten, sowie die Beurteilung der potenziellen Folgen sind wertvolle Hilfen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich geeigneter Schutzmaßnahmen. Die wichtigste Aufgabe des Gremiums für Pflanzengesundheit (PLH-Gremium) der EFSA ist die Überprüfung der Schadorganismus-Risikobewertungen aus EU-Mitgliedstaaten oder Drittländern, wobei das Gremium auf ein breit gefächertes Fachwissen und die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen kann, um wissenschaftliche Empfehlungen für die Europäische Kommission auszusprechen.

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29. Oktober 2019 bis 30. Oktober 2019
Ajaccio, Corsica
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Rolle der EFSA

Das PLH-Gremium nahm seine Arbeit im Sommer 2006 auf. Auf Ersuchen der Europäischen Kommission prüft das PLH-Gremium, ob ein bestimmter Pflanzenschädling für die Aufnahme in die EU-Listen der Schadorganismen in Betracht gezogen werden sollte. Das Gremium prüft dies, indem es Schädlingskategorisierungen und/oder Schadorganismus-Risikobewertungen durchführt oder in einigen Fällen Schadorganismus-Risikobewertungen Dritter beurteilt.

Seit Einführung des neuen Pflanzengesundheitsrechts im Jahr 2016 (siehe EU-Rechtsrahmen) hat die EFSA eine Reihe miteinander verbundener Projekte in Angriff genommen, um die Europäische Kommission in ihren Bemühungen zu unterstützen, das EU-Gebiet vor Pflanzenschädlingen und -krankheiten zu schützen, und um den Mitgliedstaaten bei der Vorbereitung auf künftige Bedrohungen für die Pflanzengesundheit zu helfen.

Hierzu zählen:

  • Strategische Früherkennung (Horizon Scanning) neuer Schädlinge durch Beobachtung der Medien und der wissenschaftlichen Literatur. Die EFSA überprüft in Zusammenarbeit mit der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) und den Mitgliedstaaten regelmäßig wissenschaftliche und andere einschlägige Veröffentlichungen sowie die Medien, um neue, entstehende oder wiederkehrende Schädlinge zu ermitteln, die für das Gebiet der EU von Belang sein könnten. Die EFSA erstellt einen monatlichen Newsletter über die wichtigsten Berichte, den sie den Kommissionsdienststellen und den Pflanzenschutzbehörden in den Mitgliedstaaten übermittelt.
  • Erstellung eines „Toolkits“ für die Überwachung von Pflanzenschädlingen‚ das Leitlinien für die Erhebung, Factsheets und statistische Instrumente umfasst, mit denen die Mitgliedstaaten bei der Überwachung von Pflanzenschädlingen in ihrem Hoheitsgebiet unterstützt und die Überwachungsmethoden in der gesamten EU vereinheitlicht werden sollen. In den Jahren 2018, 2019 und 2020 werden Erhebungskarten erstellt, und die EFSA organisiert gemeinsam mit den Mitgliedstaaten Workshops zu bestimmten Schädlingen.
  • Zusammenarbeit mit dem JRC, um die Aufstellung einer Liste von prioritären Quarantäneschädlingen für die EU gemäß den Vorschriften des Pflanzengesundheitsrechts zu unterstützen. Schädlinge werden entsprechend den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen, die sie in der EU haben können, als Prioritäten aufgeführt. Das JRC entwickelt derzeit ein Modell für die Erstellung der Liste anhand von Daten und Folgenabschätzungen der EFSA zu Kulturpflanzen, Wäldern und Landschaftspflanzen in der EU.
  • Risikobewertungen für hochriskante Pflanzenarten. Die Europäische Kommission hat gemäß dem Pflanzengesundheitsrecht eine Liste von Pflanzen mit hohem Risiko erstellt, deren Einfuhr in die EU verboten ist. Die EFSA wird die aufgeführten Pflanzen bewerten, damit die Kommission entscheiden kann, ob sie verboten bleiben oder von der Liste gestrichen werden sollten. Vor Beginn dieser Arbeit im Jahr 2019 veröffentlichte die EFSA einen Bericht, in dem die Informationen aufgeführt sind, die Drittländer vorlegen müssen, wenn das Verbot einer Pflanze oder eines Pflanzenerzeugnisses abgelehnt wird, und im Anschluss daran einen Leitfaden zur Erläuterung der Methodik, die die EFSA bei der Durchführung der Bewertungen verwenden wird.

Das PLH-Gremium wendet bei seiner Arbeit eine quantitative Risikomethode an. Ein aktuelles Beispiel ist die Schädlingsrisikobewertung für das EU-Gebiet des Herbst-Heerwurms Spodoptera frugiperda, eines südamerikanischen Insekts, das sich in den letzten zwei Jahren rasch in Afrika südlich der Sahara ausgebreitet hat und sich nun in Asien verbreitet.

EU-Rechtsrahmen

Mit der Richtlinie 2000/29/EG des Rates wurden Maßnahmen zum Schutz der Europäischen Union (EU) gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse eingeführt. Sie enthält Listen von Schadorganismen, die die Pflanzengesundheit in der EU gefährden. Die Richtlinie 2000/29/EG wurde durch die Verordnung (EU) 2016/2031 (das Pflanzengesundheitsrecht) ersetzt, die im Dezember 2016 in Kraft trat und ab dem 14. Dezember 2019 gelten wird.

Die neue Verordnung wurde nach einer umfassenden Überprüfung durch die Europäische Kommission im Jahr 2013 mit dem Ziel ausgearbeitet, den Schutz der EU vor Pflanzenschädlingen zu stärken. Sie zielt auch darauf ab, einen sicheren Handel zu gewährleisten und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit von Kulturen und Wäldern abzumildern.

Weitere Informationen

Europäische Kommission: Pflanzengesundheit und Biosicherheit