Glyphosat

Glyphosat ist ein Wirkstoff, der breiten Einsatz in Pflanzenschutzmitteln findet. Auf Glyphosat basierende Pflanzenschutzmittel – d.h. Formulierungen, die Glyphosat und weitere chemische Stoffe enthalten – werden in Landwirtschaft und Gartenbau vor allem zur Bekämpfung von Unkräutern verwendet, die mit Kulturpflanzen konkurrieren. Die Ausbringung erfolgt in der Regel vor der Aussaat und zur Sikkation (Trocknung) vor der Ernte, was die Pflanzen schneller und gleichmäßiger reifen lässt.

Im September 2017 erschienen in Teilen der europäischen Presse Artikel, die Zweifel an der Integrität der EU-Bewertung von Glyphosat äußerten, insbesondere am Inhalt des von der deutschen Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR) erstellten und an die EFSA übermittelten Bewertungsberichts. Die EFSA antwortete darauf mit einer Stellungnahme, in der sie die Robustheit der EU-Bewertung verteidigte und erklärte, dass die Vorwürfe auf einem Missverständnis des Peer-Review-Verfahrens beruhten.

Am 6. Juli 2017 verfassten die EFSA und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) auf Ersuchen der Europäischen Kommission eine Antwort auf ein Schreiben von Professor Christopher Portier an Präsident Juncker, das sich auf die Bewertung der Karzinogenität von Glyphosat bezog.

Am 8. Juni 2017 veröffentlichte die EFSA eine Stellungnahme bezüglich der EU-Bewertung von Glyphosat nach Vorwürfen im Zusammenhang mit den sogenannten „Monsanto-Papieren“. Die von der Europäischen Kommission angeforderte Stellungnahme beschreibt den EU-Rechtsrahmen zur Einreichung frei zugänglicher wissenschaftlicher Literatur für die Bewertung von Wirkstoffen und erläutert, wie diese Literatur von EU-Mitgliedstaaten und Sachverständigen der EFSA während des Peer-Review-Verfahrens berücksichtigt wird.

Bereits im Mai 2017 hatte die EFSA eine Stellungnahme herausgegeben, die viele der Erläuterungen enthielt, welche die Behörde veröffentlichte, um zur Debatte über Glyphosat sowie zum besseren Verständnis seiner Bewertung auf EU-Ebene beizutragen.

Seit 2003 ist die EFSA auf EU-Ebene für das Peer-Review von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln zuständig. Diese Aufgabe wird vom Referat Pestizide der EFSA gemäß den in den Rechtsvorschriften festgelegten Verfahren und entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Standards und Methoden durchgeführt. Die EFSA arbeitet dabei eng mit wissenschaftlichen Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten zusammen.

Generell erfolgt die Bewertung von Wirkstoffen im Rahmen eines mehrstufigen Verfahrens:

  1. Der Hersteller des Wirkstoffs legt einem zuvor benannten Bericht erstattenden Mitgliedstaat einen Antrag auf Zulassung eines Wirkstoffs vor, zusammen mit den entsprechenden Unterlagen (Dossier).

List of available summary dossiers and applications

  1. Für jeden Stoff wird zunächst von dem Bericht erstattenden Mitgliedstaat ein vorläufiger Risikobewertungsbericht erstellt.

List of available rapporteur Member State assessment reports  

List of available rapporteur Member State assessment Reports (veröffentlicht vor dem 22. September 2014)

  1. Die Risikobewertung des Bericht erstattenden Mitgliedstaats wird von der EFSA zusammen mit allen Mitgliedstaaten einem Peer-Review unterzogen.
  2. Die EFSA verfasst eine Schlussfolgerung bezüglich des Wirkstoffs.
  3. Die Europäische Kommission trifft eine gesetzgeberische Entscheidung über die Aufnahme des Stoffs in die gemeinschaftliche Liste der genehmigten Wirkstoffe.

Die EFSA ist auch für das EU-Peer-Review von Anträgen auf Erneuerung der Genehmigung von Wirkstoffen zuständig. Wirkstoffe werden in der Regel für einen Zeitraum von 10 Jahren genehmigt, nach dessen Ablauf Antragsteller eine Verlängerung der Genehmigung beantragen können. Der entsprechende Antrag wird einem Bericht erstattenden Mitgliedstaat vorgelegt, der eine erste Evaluierung vornimmt und einen vorläufigen Bewertungsbericht zur Erneuerung (Renewal Assessment Report – RAR) erstellt. Dieser wird dann von der EFSA, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten, einem Peer-Review unterzogen.

Darüber hinaus leistet die EFSA wissenschaftliche Unterstützung bei der Bewertung von Anträgen, die „Grundstoffe“ betreffen. Bei Grundstoffen handelt es sich, allgemein gesprochen, um Wirkstoffe, die zwar nicht in erster Linie als Pflanzenschutzmittel verwendet werden, aber von Nutzen für den Pflanzenschutz sein können. Die Kriterien für ihre Genehmigung sind in der Rahmenverordnung festgelegt.

Schließlich nimmt die EFSA auch wissenschaftlich Stellung zu Bestätigungsdaten. Eine Genehmigung kann vorbehaltlich der Vorlage zusätzlicher bestätigender Informationen erteilt werden, wenn sich während der Bewertung neuer Datenbedarf ergibt oder neue wissenschaftliche bzw. technische Erkenntnisse vorliegen.

Das Ergebnis des Peer-Reviews und/oder sonstiger Konsultationsverfahren wird in den Schlussfolgerungen und technischen Berichten der EFSA präsentiert.