Vektorübertragene Krankheiten

Einleitung

Ein Vektor ist ein lebender Organismus, der Krankheitserreger von einem infizierten Tier auf einen Menschen oder ein anderes Tier überträgt. Bei Vektoren handelt es sich häufig um Arthropoden (Gliederfüßer), z.B. Stechmücken, Zecken, Fliegen, Flöhe oder Läuse. Vektoren können Infektionskrankheiten entweder aktiv oder passiv übertragen:

  • Biologische Vektoren, wie Stechmücken und Zecken, können Träger von Krankheitserregern sein, die sich in ihren Körpern vermehren und auf neue Wirte, üblicherweise durch Bisse, übertragen werden können.
  • Mechanische Vektoren, wie Fliegen, können Infektionserreger auf sich tragen und diese über Körperkontakt weitergeben.

Erkrankungen, die über Vektoren übertragen werden, bezeichnet man als vektorübertragene Krankheiten. Bei vielen vektorübertragenen Krankheiten handelt es sich um Zoonosen, also Erkrankungen, die direkt oder indirekt zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Hierzu zählen beispielsweise Lyme-Borreliose, Zeckenenzephalitis, West-Nil-Virus, Leishmaniose und Krim-Kongo-Fieber.
Viele vektorübertragene Erkrankungen gelten als neu auftretende Infektionskrankheiten in der Europäischen Union, d.h.:

  • eine Krankheit, die in einer Population zum ersten Mal auftritt oder
  • bereits zuvor aufgetreten sein kann, aber deren Häufigkeit (Inzidenz) bzw. geografische Verbreitung rasch zugenommen hat.

Einige Vektoren sind in der Lage, beträchtliche Entfernungen zurückzulegen. Dies kann sich auf das Ausbreitungsgebiet von vektorübertragenen Zoonosen auswirken. Die Einschleppung von Vektoren in neue Gebiete kann beispielsweise erfolgen durch:

  • Tourismus und internationalen Handel,
  • Tiertransporte, z.B. von Nutztieren,
  • Zugvögel,
  • sich ändernde landwirtschaftliche Verfahren,
  • oder Wind.

Andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle bei der kurz- und langfristigen Ansiedlung von Vektoren in neuen Gebieten spielen, wie etwa die klimatischen Verhältnisse.

Aktuelles

Im Juni 2018 veröffentlichten EFSA und ECDC ein Dokument zu Stichprobenstrategien für Stechmücken, Sandmücken, Gnitzen und Zecken in ganz Europa. Es enthält praktische Hinweise zur Sammlung von Informationen über die geografische Verteilung von Vektoren, die Krankheiten verursachen können, und bietet Fachkräften im Veterinär- und Gesundheitswesen Einblicke in die verschiedenen Erhebungsstrategien, die hierbei verfolgt werden können.

Storymaps

Die EFSA hat 36 interaktive Storymaps veröffentlicht, die auf anschauliche Weise Informationen über vektorübertragene Krankheiten vermitteln – von ihrer geografischen Verbreitung über das Risiko ihrer Einschleppung in die EU bis zu Präventions- und Kontrollmaßnahmen.

Die Storymaps wurden im Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens entwickelt, das Risikomanager bei der Priorisierung von Kontrollmaßnahmen unterstützen soll.

Das von Experten entwickelte Tool zur Durchführung der Risikobewertungen (Mintrisk) ist öffentlich zugänglich, so dass jeder die Daten und Informationen sehen kann, die von den Sachverständigen verwendet wurden, um zu ihren Schlussfolgerungen zu gelangen.

Wenn Sie Kommentare zu den Storymaps haben, richten Sie diese bitte an: vbd [at] efsa.europa.eu

EU-Rechtsrahmen

Gemäß den EU-Rechtsvorschriften besteht für viele Infektionskrankheiten eine Meldepflicht der Mitgliedstaaten an die zuständigen nationalen Behörden bzw. die Europäische Kommission. Die Krankheitsbekämpfung erfolgt mittels verschiedener Kontroll- und Präventionsmaßnahmen. Da Krankheiten keine Grenzen kennen und sich schnell ausbreiten können, konzentriert sich die EU-Politik im Bereich übertragbare Krankheiten auf die Überwachung und Früherkennung sowie eine schnelle Reaktion.

Seit 1999 besteht ein EU-Netzwerk für die epidemiologische Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten, das die Kooperation der Mitgliedstaaten sowie deren Koordination untereinander fördern soll. Die Überwachung seitens der EU erstreckt sich auf eine Reihe wichtiger vektorübertragener Zoonosen, wie Malaria, das West-Nil-Virus und Gelbfieber. Darüber hinaus verfügt das ECDC über ein Sonderprogramm zu neu auftretenden und vektorübertragenen Krankheiten, das zur Verbesserung der EU-weiten Bereitschaft und Reaktionsfähigkeit beiträgt.

Ein integriertes Projekt der Kommission befasst sich schwerpunktmäßig mit neu auftretenden Krankheiten in einem sich wandelnden europäischen Umfeld und zielt darauf ab, die europäischen Ökosysteme und Umweltbedingungen, die Einfluss auf die Verbreitung von Krankheitserregern haben können, zu identifizieren und katalogisieren. Das zunächst von 2005 bis 2010 durchgeführte Projekt wurde für den Zeitraum 2011-2014 verlängert.

Im Bereich der Tiergesundheit besteht ein Schlüsselelement der gemeinschaftlichen Tiergesundheitspolitik in der Früherkennung von Bedrohungen durch gebietsfremde, neue und neu auftretende Krankheiten.

Rolle

Die EFSA bietet unabhängige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung zu Aspekten vektorübertragener Zoonosen, die die Gesundheit von Mensch und Tier betreffen. Aufgabe des EFSA-Gremiums für Tiergesundheit und Tierschutz in diesem Bereich ist es, Risikomanagern wissenschaftliche Beratung zu tiergesundheitlichen Aspekten vektorübertragener Zoonosen zur Verfügung zu stellen. Die EFSA überwacht und analysiert die Lage in Bezug auf Zoonosen, zoonotische Mikroorganismen, Antibiotikaresistenzen, mikrobiologische Kontaminanten sowie lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in der gesamten EU.

Die EFSA arbeitet hierbei eng mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zusammen, mit dem es Informationen über aktuelle und künftige Projekte zu Vektoren und vektorübertragenen Zoonosen austauscht. Diese Kooperation soll zur Entwicklung einer gemeinsamen Datenbank zu Vektoren und vektorübertragenen Zoonosen führen.

Arbeiten der EFSA in Bezug auf vektorübertragene Zoonosen umfassen u.a. einen Überblick über die geografische Verbreitung von Zecken und durch Zecken übertragbaren Krankheitserregern in Europa und im Mittelmeerraum sowie eine spezifische Bewertung der Rolle von Zecken als Vektoren des Krim-Kongo-Fieber-Virus.

Basierend auf den von den EU-Mitgliedstaaten erfassten Daten erstellt die EFSA in Zusammenarbeit mit dem EDCD jährliche EU-Kurzberichte zu vektorübertragenen Zoonosen bei Tieren sowie lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, die durch solche Mikroorganismen ausgelöst werden.