Vektorübertragene Krankheiten

Einleitung

Ein Vektor ist ein lebender Organismus, der Krankheitserreger von einem infizierten Tier auf einen Menschen oder ein anderes Tier überträgt. Bei Vektoren handelt es sich häufig um Arthropoden (Gliederfüßer), z. B. Stechmücken, Zecken, Fliegen, Flöhe und Läuse.
Vektoren können Infektionskrankheiten aktiv oder passiv übertragen:

  • Biologische Vektoren, wie Stechmücken und Zecken können Träger von Krankheitserregern sein, die sich in ihren Körpern vermehren und – üblicherweise durch Bisse – auf neue Wirte übertragen werden.
  • Mechanische Vektoren, wie Fliegen, können Infektionserreger auf sich tragen und diese über Körperkontakt weitergeben.

Erkrankungen, die über Vektoren übertragen werden, bezeichnet man als vektorübertragene Krankheiten. Bei vielen vektorübertragenen Krankheiten handelt es sich um Zoonosen, also Erkrankungen, die direkt oder indirekt zwischen Tier und Mensch übertragen werden können. Hierzu zählen beispielsweise Lyme-Borreliose, Zeckenenzephalitis, West-Nil-Virus, Leishmaniose und Krim-Kongo-Fieber.
Viele vektorübertragene Erkrankungen gelten als neu auftretende Infektionskrankheiten in der Europäischen Union, d. h.:

  • eine Krankheit, die in einer Population zum ersten Mal auftritt oder
  • bereits zuvor aufgetreten sein kann, aber deren Häufigkeit (Inzidenz) bzw. geografische Verbreitung rasch zugenommen hat.

Einige Vektoren sind in der Lage, beträchtliche Entfernungen zurückzulegen. Dies kann sich auf das Ausbreitungsgebiet von vektorübertragenen Zoonosen auswirken. Die Einschleppung von Vektoren in neue Gebiete kann beispielsweise erfolgen durch:

  • Tourismus und internationalen Handel;
  • Tiertransporte, z.B. von Nutztieren;
  • Zugvögel;
  • sich ändernde landwirtschaftliche Verfahren
  • oder Wind.

Andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle bei der Ansiedlung von Vektoren in neuen Gebieten spielen, wie etwa die klimatischen Verhältnisse.

Storymaps

Die EFSA hat 36 interaktive Storymaps veröffentlicht, die auf anschauliche Weise Informationen über vektorübertragene Krankheiten vermitteln – von ihrer geografischen Verbreitung über das Risiko ihrer Einschleppung in die EU bis zu Präventions- und Kontrollmaßnahmen. Die Storymaps wurden im Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens entwickelt, das Risikomanager bei der Priorisierung von Kontrollmaßnahmen unterstützen soll.

Das von Experten entwickelte Tool zur Durchführung der Risikobewertungen (Mintrisk) ist öffentlich zugänglich, so dass jeder die Daten und Informationen sehen kann, die von den Sachverständigen verwendet wurden, um zu ihren Schlussfolgerungen zu gelangen. Die Storymaps werden zurzeit überarbeitet, und die neuen aktualisierten Fassungen werden bis Ende 2021 vorliegen.

 

 36 mapas narrativos interactivos

Wenn Sie Kommentare zu den Storymaps haben, richten Sie diese bitte an: vbd [at] efsa.europa.eu

Rolle

Die EFSA und ihr Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz bieten unabhängige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung zu Aspekten vektorübertragener Zoonosen, die die Gesundheit von Mensch und Tier betreffen. Die EFSA überwacht und analysiert die Lage in Bezug auf Zoonosen, zoonotische Mikroorganismen, Antibiotikaresistenzen, mikrobiologische Kontaminanten sowie lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in ganz Europa.

Die EFSA arbeitet eng mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zusammen, mit dem es Informationen über aktuelle und künftige Projekte zu Vektoren und vektorübertragenen Zoonosen austauscht.

Basierend auf den von den EU-Mitgliedstaaten erfassten Daten erstellen die EFSA und das ECDC jährliche EU-Kurzberichte zu vektorübertragenen Zoonosen bei Tieren sowie lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen, die durch solche Mikroorganismen ausgelöst werden.

VectorNet

VectorNet ist eine gemeinsame Initiative von EFSA und ECDC, die im Mai 2014 gestartet wurde und sich nun in ihrer zweiten Phase befindet (2019-2023). VectorNet unterstützt die Erfassung von Daten zu Vektoren und Krankheitserregern in Vektoren, die die Gesundheit von Mensch und Tier betreffen.

Das ECDC und die EFSA führen über ein Netzwerk human- und veterinärmedizinischer Sachverständiger und Einrichtungen eine gemeinsame Datenbank, in der das Vorkommen und die Verbreitung von Vektoren und Krankheitserregern in Vektoren in Europa und im Mittelmeerraum erfasst werden.

Darüber hinaus bietet das Projekt dem ECDC und der EFSA wissenschaftliche Ad-hoc-Beratung zu fachlichen Fragen in Bezug auf die Vektorüberwachung und vektorübertragene Krankheiten bei Menschen und Tieren.

Das Projekt wird zur Verbesserung der Abwehrbereitschaft und der Reaktion auf vektorübertragene Krankheiten in der Europäischen Union beitragen. Abonnieren Sie unseren Newsletter, der Sie laufend über die jüngsten Aktivitäten im Rahmen von VectorNet informiert.

Karten Vektoren

Die Datenbank im Rahmen des VectorNet-Projekts von ECDC und EFSA bietet Informationen über die europäische Verbreitung verschiedener Arten von Stechmücken, Zecken, Sandfliegen und Gnitzen, die Vektoren von Krankheitserregern sein können, welche die Gesundheit von Mensch oder Tier betreffen. Die Karten basieren auf bestätigten (veröffentlichten und unveröffentlichten) Daten, die von Experten bereitgestellt wurden, stellen jedoch nicht den offiziellen Standpunkt der Länder dar.

Karten Stechmücken Die Karten zeigen die aktuelle bekannte Verbreitung verschiedener invasiver und heimischer Stechmückenarten in Europa auf „regionaler“ Verwaltungsebene (NUTS3).
Karten Zecken

Die Karten zeigen die aktuelle bekannte Verbreitung verschiedener Zeckenarten in Europa auf „regionaler“ Verwaltungsebene (NUTS3).

Karten Sandfliegen

Die Karten zeigen die aktuelle bekannte Verbreitung verschiedener Sandfliegenarten in Europa auf „regionaler“ Verwaltungsebene (NUTS3).

Karten Gnitzen

Die Karten zeigen die aktuelle bekannte Verbreitung verschiedener Gnitzenarten in Europa auf „regionaler“ Verwaltungsebene (NUTS3).

Bitte kontaktieren Sie vectornet [at] ecdc.europa.eu, falls Sie einschlägige Informationen zu den Vektorenverbreitungskarten haben.

EU-Rechtsrahmen

Gemäß den EU-Rechtsvorschriften besteht für viele Infektionskrankheiten eine Meldepflicht der Mitgliedstaaten an die zuständigen nationalen Behörden bzw. die Europäische Kommission. Die Krankheitsbekämpfung erfolgt mittels verschiedener Kontroll-, Tilgungs- und Präventionsmaßnahmen. Die EU-Politik im Bereich übertragbare Krankheiten konzentriert sich auf die Überwachung, Früherkennung und schnelle Reaktion.

Seit 1999 besteht ein EU-Netzwerk für die epidemiologische Überwachung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten. Die Überwachung seitens der EU erstreckt sich auf eine Reihe wichtiger vektorübertragener Zoonosen, wie Malaria, das West-Nil-Virus und Gelbfieber. Darüber hinaus verfügt das ECDC über ein Sonderprogramm zu neu auftretenden und vektorübertragenen Krankheiten.

Im Bereich der Tiergesundheit besteht ein Schlüsselelement der gemeinschaftlichen Tiergesundheitspolitik in der Früherkennung von Bedrohungen durch gebietsfremde, neue und neu auftretende Krankheiten.