Schadstoffkonzentrationen von nicht-dioxinähnlichen PCB in Lebens - und Futtermitteln nehmen ab - weitere Anstrengungen erforderlich, um mögliche Gefahren für die menschliche Gesundheit zu mindern | Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Direkt zum Inhalt

Schadstoffkonzentrationen von nicht-dioxinähnlichen PCB in Lebens - und Futtermitteln nehmen ab - weitere Anstrengungen erforderlich, um mögliche Gefahren für die menschliche Gesundheit zu mindern

Das Wissenschaftliche Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ein Gutachten über nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (NDL-PCB) in Lebens- und Futtermitteln veröffentlicht. Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind ein Gemisch aus einzelnen chemischen Stoffen, die sich aufgrund ihrer biochemischen und toxikologischen Eigenschaften in zwei unterschiedliche Gruppen unterteilen lassen: die dioxinähnlichen PCB (DL-PCB) und die nicht-dioxinähnlichen PCB (NDL-PCB). Die Belastung des Menschen mit NDL-PCB erfolgt zu mehr als 90% durch Lebensmittel. Obwohl die Konzentrationen von NDL-PCB in Lebensmitteln allmählich abgenommen haben, seit die Europäische Union in den 1980er Jahren Umweltschutzvorschriften über die Verwendung und Entsorgung von PCB erlassen hat, gilt die Belastung bei Menschen mit NDL-PCB als nach wie vor hoch. Deshalb kam das CONTAM-Gremium der EFSA in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass weitere Anstrengungen unternommen werden sollten, um die Konzentrationen von NDL-PCB in Lebens- und Futtermitteln zu senken.

Anschließend an Risikobewertungen von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB in der Lebensmittel- und Futtermittelkette, die bereits früher von Wissenschaftlichen Ausschüssen* der EU durchgeführt wurden, hat die Europäische Kommission das CONTAM-Gremium der EFSA beauftragt, eine Bewertung von NDL-PCB in der Lebens- und Futtermittelkette vorzunehmen. Obwohl die Produktion und Verwendung von PCB** in den meisten Ländern seit den 1980er Jahren eingestellt worden ist, gibt es nach wie vor große Mengen in elektrischen Anlagen, Kunststoffprodukten und Baustoffen. Aufgrund ihrer Persistenz in der Umwelt sind in der Vergangenheit freigesetzte PCB auch heute noch nachweisbar. NDL-PCB und DL-PCB reichern sich zusammen in der Nahrungskette an. Sie lagern sich im Fettgewebe ein und es dauert sehr lange, bis sie den Körper wieder velassen haben. Deshalb finden sich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs, vor allem in Fleischfressern und Raubfischen, höhere Konzentrationen als in Obst und Gemüse. NDL-PCB reichern sich im Allgemeinen hauptsächlich im Fettgewebe des menschlichen Körpers durch Nahrungsaufnahme an (90% der Belastung bei Menschen lässt sich auf Nahrungsaufnahme zurückführen). NDL-PCB finden sich oft auch in erheblichen Konzentrationen in der Muttermilch. Die Konzentrationen von NDL-PCB in Lebensmitteln und auch in der Muttermilch haben jedoch vor allem aufgrund des Verbots ihrer Anwendung in neu hergestellten Produkten in Umweltschutzmaßnahmen der 1980er in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen.

Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass NDL-PCB weder genotoxisch noch karzinogen sind. Verschiedene gesundheitsschädliche Wirkungen, wie z.B. neurologische Störungen und Entwicklungsstörungen sowie Immundefekte, sind mit PCB-Belastung in Verbindung gebracht worden. Diese Wirkungen werden jedoch auch von den weitaus potenteren dioxinähnlichen Substanzen verursacht, die häufig neben den NDL-PCBs bestehen, weshalb es schwierig ist, den genauen Anteil der NDL-PCB-Exposition zu bestimmen.

Die durchschnittliche tägliche Aufnahmemenge von Gesamt-NDL-PCB bei Erwachsenen in Europa wird auf Werte zwischen 10 und 45 ng/kg KG (Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht) geschätzt, während bei Kleinkindern höhere Aufnahmemengen zu beobachten sind. In bestimmten Bevölkerungsgruppen, die stärker belasteten Lebensmitteln ausgesetzt sind, wie z.B. Ostseefischern, kann es zu höheren Belastungen kommen. Die geschätzte NDL-PCB-Aufnahme von gestillten Säuglingen könnte um bis zu zwei Größenordnungen höher als die Erwachsener sein. Da jedoch die Vorteile des Stillens nach wie vor größer sind als die möglichen Nebenwirkungen von NDL-PCB bei Säuglingen, rät die EFSA nicht dazu, die bisherigen Empfehlung zu stillen zu ändern.

Dr. Josef Schlatter, Vorsitzender des CONTAM-Gremiums, erklärte: “Die aktuelle ernährungsbedingte Lebenszeitexposition des Menschen ist weiterhin erheblich und die gesundheitlichen Langzeitwirkungen von NDL-PCB, insbesondere bei stark belasteten und anfälligen Bevölkerungsgruppen, sind schwer zu bewerten. Das Gremium gelangte deshalb zu der Schlussfolgerung, dass weitere Anstrengungen unternommen werden sollten, um die Konzentrationen von NDL-PCB in Lebens- und Futtermitteln zu senken.”

Notes to editors

Die Toxizität von dioxinähnlichen PCB (DL-PCB) ist weitaus höher als die von NDL-PCB und wird deshalb als bedenklicher für die Lebensmittelsicherheit eingestuft. NDL-PCB kommen zusammen mit DL-PCB vor, und dies erschwert es, die tatsächlichen toxikologischen Wirkungen von NDL-PCB allein zu bestimmen, da die Ergebnisse von Toxizitätstests bereits durch kleinste Mengen (0,1 % oder weniger) von DL-PCB beeinflusst werden könnten. Deshalb sollten die Daten über die Belastung mit NDL-PCB mit Vorsicht interpretiert werden.

Obwohl die geltenden Rechtsvorschriften der EU, die Höchstwerte für andere persistente organische Schadstoffe in Lebensmitteln (wie z.B. Dioxine und DL-PCB) festsetzen, zur Gesamtverringerung von NDL-PCB in Lebensmitteln beitragen, kam das Gremium zu dem Schluss, dass eine besondere Anstrengung unternommen werden sollte, um die Konzentrationen von NDL-PCB in Lebensmitteln zu senken durch anhaltende Kontrolle ihrer Freisetzung in die Umwelt.

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