Pestizide: Pilotbewertungen zu kumulativen Risiken nähern sich dem Abschluss

Die EFSA steht kurz vor der Fertigstellung zweier wegweisender Bewertungen zu Risiken für Verbraucher, die von mehreren Pestiziden ausgehen.

Die Pilotbewertungen – die sich mit den kumulativen Auswirkungen der lebensmittelbedingten Pestizidexposition auf Schilddrüse und Nervensystem des Menschen befassen – werden voraussichtlich bis Ende des Jahres zum Abschluss gelangen.

Ermöglicht wurden sie durch das Monte Carlo Risk Assessment (MCRA) Tool, eine Software, die vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM) der Niederlande – in enger Zusammenarbeit mit Biometris, einer Abteilung des Universitäts- und Forschungszentrums Wageningen – entwickelt wurde.

Im Rahmen einer bestehenden Partnerschaft zwischen EFSA und RIVM wurde das Tool für die Bewertung der kumulativen Exposition gegenüber Pestiziden angepasst.

Wie geht es weiter?

Die Software wird nun weiterentwickelt und um ein Datenmodell ergänzt, das, wenn es völlig ausgereift ist, alle Informationen enthalten wird, die zur Durchführung vollständiger kumulativer Risikobewertungen erforderlich sind. Ein Vorschlag für das Datenmodell wurde heute veröffentlicht.

Luc Mohimont vom EFSA-Referat Pestizide erklärte: „Die Zusammenarbeit zwischen EFSA und RIVM macht weiterhin gute Fortschritte. Der Vorschlag für das Datenmodell ist ein weiterer großer Schritt in Richtung unseres Ziels, kumulative Risiken bei der regulatorische Bewertung von Pestiziden einzubeziehen.“

Er fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass die Datenbank innerhalb der nächsten drei Jahre steht und die notwendigen Informationen enthält, so dass von diesem Zeitpunkt an Risikobewerter auf EU- und nationaler Ebene in der Lage sind, diese anspruchsvollen Bewertungen durchzuführen.“

Was ist ein Datenmodell?

Ein Datenmodell beschreibt die logischen Beziehungen und Flüsse zwischen verschiedenen Datenelementen. Es definiert auch, wie Daten gespeichert und abgerufen werden. Ein Datenmodell ist entscheidend für den Aufbau einer Datenbank standardisierter, kompatibler Daten.

Hintergrund

Die Substanzen, deren Auswirkungen auf Schilddrüse und Nervensystem zu berücksichtigen sind, wurden von Sachverständigen der EFSA im Bereich Pestizide anhand einer speziell entwickelten Methode für die Einordnung von Pestiziden in „kumulative Bewertungsgruppen“ (Cumulative Assessment Groups – CAGs) ermittelt. In den kommenden Jahren sollen CAGs auch für andere Organe, Gewebe und Systeme definiert werden, um Auswirkungen etwa auf Leber, Nieren, Augen, Fortpflanzung und Entwicklung zu bewerten.

Die Methode beruht auf der Annahme, dass Pestizide mit den gleichen spezifischen Auswirkungen eine kumulative Toxizität entwickeln können – selbst wenn sie nicht über ähnliche Wirkungsweisen verfügen.

Die EU-Verordnung über Rückstandshöchstgehalte (Maximum Residue Levels – MRLs) von Pestiziden in Lebensmitteln sieht vor, dass bei Entscheidungen über MRLs auch kumulative Effekte von Pestiziden berücksichtigt werden sollen, falls und wenn Methoden zur Bewertung solcher Effekte verfügbar werden. Darüber hinaus besagt die Verordnung über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln, dass Pestizide keine schädlichen Wirkungen – einschließlich kumulativer Effekte - auf den Menschen haben dürfen.

Medienkontakte

Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-mail: Press@efsa.europa.eu