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EFSA bewertet Bedrohung durch den Kiefernfadenwurm

Die EFSA ist zu dem Schluss gelangt, dass die Mittelmeerkiefer, eine in Portugal und Spanien weitverbreitete Baumart, weiterhin als potenzieller Wirt für den Kiefernfadenwurm anzusehen ist. Zur Bewertung der von diesem Schädling ausgehenden Bedrohung für europäische Bäume bedarf es dem EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit zufolge weiterer Forschung.

Die Schlussfolgerungen sind Teil eines wissenschaftlichen Gutachtens zu dem pflanzengesundheitlichen Risiko, das mit einigen Nadelbaumarten hinsichtlich der Ausbreitung des Kiefernfadenwurms (Bursaphelenchus xylophilus, auch Kiefernholznematode) in Verbindung gebracht wird. Hierbei handelt es sich um einen in Nordamerika und Fernost vorkommenden Schadorganismus, der erhebliche Schäden verursachen kann. In Europa ist dieses Problem weitgehend auf das portugiesische Festland beschränkt, wo 1999 erstmals ein Kiefernfadenwurmbefall gemeldet wurde und seither Notmaßnahmen greifen, die eine weitere Ausbreitung verhindern sollen[1].

Der Fadenwurm ist Auslöser der Kiefernwelke, die zum plötzlichen Absterben der betroffenen Bäume führt. Zum Schädlingsbefall kommt es durch bestimmte Käfer, die die Fadenwürmer auf anfällige Nadelhölzer übertragen, wo sie über die beim Reifungsfraß bzw. der Eiablage der Käfer entstehenden kleinen Wunden ins Holz eindringen.

Die Kommission ersuchte das Gremium für Pflanzengesundheit konkret, das mit der Mittelmeerkiefer (Pinus pinea, auch Pinie) verbundene Risiko abzuklären, nachdem Portugal und Spanien beantragt hatten, diese Art Untergliederung der Gattung, eine Gruppe eng verwandter und ähnlicher aussehender Organismen; z.B. steht im Falle des Homo sapiens (Mensch) der zweite Teil des Namens (sapiens) für die Art aus der EU-Liste von Pflanzen, die als anfällig für den Fadenwurm gelten, zu streichen. Außerdem wurde das Gremium aufgefordert, sich mit Pflanzen der zur Familie der Zypressengewächse gehörenden Gattungen Chamaecyparis, Cryptomeria und Juniperus zu befassen, die nicht auf der EU-Liste anfälliger Pflanzen stehen[2].

Zu P. pinea führte das Gremium eine umfassende Literaturrecherche durch und setzte sich kritisch mit einer von Portugal vorgelegten Risikobewertung Spezialgebiet der angewandten Wissenschaften, in dem wissenschaftliche Daten und Studien ausgewertet werden, um die mit bestimmten Gefahren einhergehenden Risiken zu beurteilen. Dies umfasst vier Schritte: Gefahrenidentifizierung, Gefahrencharakterisierung, Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung auseinander. Es wies die im portugiesischen Dossier aufgestellte Behauptung, P. pinea sei keine Wirtspflanze Pflanze, auf der ein Schädling lebt oder von der dieser sich ernährt für den Kiefernfadenwurm, zurück und wies darauf hin, dass die in die Studie einbezogene Anzahl an Bäumen der Art P. pinea zu gering sei, um solch eine Schlussfolgerung zu ziehen, und dass die Ergebnisse nicht auf andere Gebiete in Portugal übertragen werden können. Außerdem führte das Gremium Nachweise dafür an, dass auch andere Nadelbäume in Nordamerika von dem Kiefernfadenwurm befallen werden, aber über viele Jahre symptomfrei bleiben können.

In Bezug auf den als Vektor Träger eines krankheitsverursachenden Agens, der diesen von einem infizierten auf ein nicht infiziertes Individuum bzw. dessen Nahrung oder Umwelt überträgt; z.B. Mücken, die den Malaria-Erreger übertragen dienenden Käfer Monochamus galloprovincialis (aus der Familie der Bockkäfer) berichtete die portugiesische Studie von einem Experiment, bei dem P. pinea eine relative geringe Eiablagerate im Vergleich zu der anfälligen Spezies Pinus pinaster (See- oder Strandkiefer) zeigte. Das EFSA-Gremium wies jedoch darauf hin, dass eine Eiablage auf P. pinea dennoch möglich ist, und kam ferner zu dem Schluss, dass das Ergebnis des Experiments nicht auf Wälder mit unterschiedlichen Baumartenzusammensetzungen und Umweltbedingungen übertragen werden könne.

Weiterhin stellte das Gremium fest, dass M. galloprovincialis eine sehr hohe geografische Verbreitung aufweist und lokale Populationen hinsichtlich des Wirts nicht unbedingt die gleichen Präferenzen wie die in Portugal vorkommenden Käfer haben müssen. Aus Italien z.B. wurde von Angriffen dieses Käfers auf P. pinea berichtet.

Insgesamt erachtete das Gremium das Risiko einer Ausbreitung des Kiefernfadenwurms durch P. pinea und das Holz dieser Pflanze als gering, solange die entsprechenden Handelsvolumina klein sind; es betonte allerdings, dass diese Einschätzung aufgrund mangelnder Daten zu den Wechselwirkungen zwischen Vektorkäfer, Fadenwurm und P. pinea höchst unsicher ist.

Das Gremium kam zu dem Schluss, dass die verfügbaren Informationen zu Chamaecyparis, Cryptomeria und Juniperus nahelegen, dass diese Arten nicht an Kiefernwelke erkranken und keine guten Wirte für den Kiefernfadenwurm sind. Die Sachverständigen betonten jedoch auch hier den Mangel Fehlen eines notwendigen Faktors, beispielsweise in der Ernährung oder der Umwelt, das sich schädlich auf das Wachstum eines Organismus auswirkt an Daten zu der Wechselwirkung zwischen Fadenwurm, Käfer und Pflanze, der es erschwert, konkrete Aussagen zum Risiko zu treffen.

Dem Gremium zufolge bedarf es weiterer Forschung – insbesondere zum Zusammenhang zwischen dem Kiefernfadenwurm, seinem Vektorkäfer und den Pflanzen Chamaecyparis, Cryptomeria, Juniperus und P. pinea. Es schlägt Untersuchungen vor zur Überlebensfähigkeit des Fadenwurms auf in Kulturen gewachsenen Bäumen, die gegen den Schädling geimpft wurden.

[1] Die Europäische Kommission hat den Mitgliedstaaten Maßnahmen gegen Nadelgehölze auferlegt, die als anfällig für den Fadenwurm gelten und die Ausbreitung des Schädlings durch den Transport befallener Pflanzen oder unbehandelter Pflanzenerzeugnisse begünstigen könnten.
[2] P. pinea wird wegen ihrer essbaren Samen, der Pinienkerne, großflächig angebaut. Das Holz findet als leichtes Bauholz, für Behälter und als Holzstoff zur Herstellung von Zellstoff und Papier Verwendung. Die Rinde wird in Pflanzenwachstumsmedien eingesetzt, und die Zapfen können als Mulchmaterial in Gärtnereien und Baumschulen kommerziell verwertet werden. P. pinea wird häufig auch als Zierpflanze, zum Schutz von Böden sowie landwirtschaftlicher Kulturpflanzen in Küstennähe angepflanzt. Chamaecyparis und Cryptomeria werden in Europa als Zier- und Gartenpflanzen geschätzt. Pflanzen der Gattung Anerkannte Kategorisierung eng verwandter Arten von Organismen. Die Gattung ist der erste Teil des lateinischen Namens einer Art, z.B. Homo Sapiens (Mensch) ist Teil der Gattung HomoJuniperus sind in Europa und der nördlichen Hemisphäre weit verbreitet.

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