GMO-Gremium der EFSA antwortet auf die Anfrage der Europäischen Kommission um Stellungnahme zum GV-Reis LLRICE601
Das Gremium für gentechnisch veränderte Organismen (GMO-Gremium) hat die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zum GV-Reis LLRICE601 ausgewertet. Der heute abgegebenen Stellungnahme des Gremiums zufolge liegen nicht genügend Daten vor, um eine vollständige Risikobewertung Spezialgebiet der angewandten Wissenschaften, in dem wissenschaftliche Daten und Studien ausgewertet werden, um die mit bestimmten Gefahren einhergehenden Risiken zu beurteilen. Dies umfasst vier Schritte: Gefahrenidentifizierung, Gefahrencharakterisierung, Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung in Übereinstimmung mit den GV-Leitlinien der EFSA durchzuführen. Auf der Grundlage der verfügbaren Daten über die molekularen Eigenschaften, die Zusammensetzung und das toxikologische Profil eines neu eingeschleusten Proteins ist das Gremium der Ansicht, dass der Verzehr von importiertem Langkornreis, der Spuren von LLRICE601 enthält, wahrscheinlich kein unmittelbares Sicherheitsrisiko für Menschen oder Tiere darstellt. Die Stellungnahme des Gremiums wird nun an die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten weitergeleitet, die für Risikomanagementmaßnahmen in Bezug auf LLRICE601 zuständig sind.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde von der Europäischen Kommission gebeten, eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Sicherheit des GV-Langkornreis LLRICE601, der in den Vereinigten Staaten (US) unabsichtlich freigesetzt und in die Europäische Union (EU) exportiert wurde, abzugeben. Die EFSA wurde gebeten, die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zu prüfen und die Europäische Kommission darüber zu informieren, ob diese Daten ausreichen, um eine Sicherheitsbewertung gemäß den EU-Rechtsvorschriften durchzuführen. Das Gremium für gentechnisch veränderte Organismen der EFSA trat am 13. und 14. September 2006 zusammen, um sich mit der Anfrage der Europäischen Kommission zu befassen und die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zur LLRICE601-Frage zu prüfen. Das EFSA-Gremium berücksichtigte alle einschlägigen wissenschaftlichen Informationen einschließlich der Daten von Bayer Crop Science (dem Unternehmen, das LLRICE601 entwickelte), vorhandenen wissenschaftlichen Daten über einen sehr ähnlichen GV-Reisstamm sowie von den US-Behörden durchgeführten Risikobewertungen.
Das GMO-Gremium der EFSA gab eine Stellungnahme ab, derzufolge die verfügbaren Daten nicht ausreichen, um die Sicherheit von LLRICE601 gemäß der EFSA-Leitlinien für die Risikobewertung zu bewerten, und die EFSA sich nicht in der Lage sieht, eine vollständige Risikobewertung durchzuführen. Auf der Grundlage der verfügbaren wissenschaftlichen Daten gelangte das GMO-Gremium der EFSA jedoch zu den folgenden Schlussfolgerungen:
- Das Datenmaterial weist auf das Vorhandensein des neu eingeschleusten Proteins PAT hin. Das GMO-Gremium der EFSA hat früher bereits andere PAT-Proteine bewertet und festgestellt, dass diese keine Gesundheitsgefahr darstellen.
- Der LLRICE601 unterscheidet sich zwar hinsichtlich seiner Morphologie, agronomischen Leistung und Zusammensetzung nicht wesentlich von konventionellem Reis (abgesehen vom PAT-Protein), doch es mangelt gegenwärtig an Daten, um diese Annahme zu bestätigen.
- Der Grad der Exposition Konzentration oder Menge eines bestimmten Stoffs, die von einem Menschen, einer Population oder einem Ökosystem mit einer bestimmten Häufigkeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg aufgenommen wird von LLRICE601 in den EU-Mitgliedstaaten ist anhand der vorgelegten Daten nicht genau abschätzbar, und man weiß nur wenig über die Menge an LLRICE601 in dem im Handel erhältlichen Reis. US-Daten legen jedoch nahe, dass der Gehalt an unabsichtlich vorhandenem LLRICE601 gering ist.
- Auf der Grundlage der verfügbaren Daten ist das GMO-Gremium der EFSA der Ansicht, dass der Verzehr von importiertem Langkornreis, der Spuren von LLRICE601 enthält, wahrscheinlich kein unmittelbares Sicherheitsrisiko für Menschen oder Tiere darstellt.
Die EFSA prüft zurzeit einen Zulassungsantrag für einen ähnlichen GV-Reis von Bayer Crop Science, LLRICE62 (http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/588.htm)
In Mittel- oder Kurzkornreis konnte LLRICE601 bisher nicht festgestellt werden.
- Den vollständigen Text der Stellungnahme finden Sie unter:
http://www.efsa.europa.eu/de/gmo/gmoscdocs.htm - Weitere Informationen über Maßnahmen zum Risikomanagement Management von Risiken, die im Rahmen der Risikobewertung ermittelt wurden. Dies umfasst die Planung, Umsetzung und Evaluierung aller resultierenden Maßnahmen, die zum Schutz von Verbrauchern, Tieren und der Umwelt ergriffen werden finden Sie unter: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_06_1120
[1] http://www.efsa.europa.eu/de/gmo/gmoguidance.htm
[2]PAT (Phosphinothricin-Acetyltransferase) ist ein Protein Molekül, das sich aus komplexen Ketten von Aminosäuren (Eiweißbausteinen) zusammensetzt, das eine Toleranz gegenüber der phytotoxischen Aktivität von Glufosinatammonium, dem wirksamen Bestandteil des Herbizids Liberty ®, verleiht.
[3]Die EFSA führt zurzeit eine Risikobewertung für einen GV-Reis von Bayer Crop Science (LLRICE62) durch, der dem LLRICE601 sehr ähnlich ist.
[4]Dieser Typ von GV-Reis war nicht für kommerzielle Vermarktungszwecke in den USA und der EU bestimmt, weshalb das Unternehmen die erforderlichen umfassenden wissenschaftlichen Daten, die gemäß den EU-Rechtsvorschriften für einen GV-Zulassungsantrag vorgesehen sind, nicht zusammengestellt hat.
[5]US-Reiserzeuger schätzen den Gehalt an LLRICE601 auf unter 0,1%.
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