Wohlergehen von Amerikanischen Nerzen, Rotfüchsen, Polarfüchsen, Marderhunden und Chinchillas, die zur Pelzgewinnung gehalten werden
Haftungsausschluss
- Die vorliegende Zusammenfassung in vereinfachter Sprache ist eine leicht verständliche Darstellung des Gutachtens der EFSA zum Wohlergehen von Amerikanischen Nerzen, Rotfüchsen, Polarfüchsen, Marderhunden und Chinchillas, die zur Pelzgewinnung gehalten werden. Das vollständige Gutachten der EFSA finden Sie hier.
- Zweck dieser Zusammenfassung in vereinfachter Sprache ist es, die Transparenz zu erhöhen und interessierte Kreise über die Arbeit der EFSA zu diesem Thema zu informieren, indem die wichtigsten Ergebnisse in vereinfachter Sprache vorgestellt werden
Hintergrund des wissenschaftlichen Gutachtens
- Dieses wissenschaftliche Gutachten befasst sich mit dem Wohlergehen von fünf Tierarten, die für die Pelzproduktion gehalten werden: Amerikanischer Nerz, Rotfüchse, Polarfüchse, Marderhund und Chinchilla.
- Derzeit ist das Wohlergehen von Tieren, die zur Pelzproduktion in der EU gehalten werden, durch die allgemeine Tierschutzrichtlinie 98/58/EG geregelt. Es gibt keine spezifischen EU-Rechtsvorschriften für die Pelztierhaltung, mit Ausnahme der (rechtlich nicht bindenden) Empfehlung des Europarats von 1999 über Pelztiere.
Welche Aufgabe wurde der EFSA übertragen?
Die Europäische Kommission beauftragte die EFSA mit einem unabhängigen wissenschaftlichen Gutachten über das Wohlergehen von Pelztieren in der EU, insbesondere zu folgenden Punkten:
- Ermittlung der wichtigsten Auswirkungen auf das Wohlergehen sowie der damit verbundenen Gefahren für jede der oben genannten Arten,
- Bewertung, ob diese Auswirkungen auf das Wohlergehen unter den derzeitigen Haltungsbedingungen verhindert bzw. deutlich reduziert werden können.
Dieser Auftrag wurde im Anschluss an die Zusage der Europäischen Kommission erteilt, auf die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Fur Free Europe“ zu reagieren. In dieser wird ein Verbot der Pelztierzucht und des Verkaufs von Pelzprodukten in der EU gefordert.
Wie ist die EFSA bei dieser Arbeit vorgegangen (und welche Daten wurden herangezogen)?
Zur Erfüllung des Auftrags hat die EFSA
- einen technischen Bericht erstellt, in dem die Biologie der Arten sowie die Haltungssysteme und landwirtschaftlichen Praktiken für Pelztiere beschrieben werden;
- auf der Grundlage des technischen Berichts und ihrer eigenen Leitlinien für die Bewertung von Tierschutzrisiken die wichtigsten Auswirkungen auf das Wohlergehen für jede Tierart unter Berücksichtigung des geschätzten Schweregrads, der Dauer und der Häufigkeit während der verschiedenen Lebensphasen ermittelt,
- Möglichkeiten untersucht, diese Auswirkungen auf das Wohlergehen innerhalb des derzeitigen Systems zu verhindern oder erheblich zu reduzieren, wobei der Schwerpunkt auf den Abmessungen und Merkmalen der in der Pelzproduktion verwendeten Käfige lag.
Zu diesem Zweck hat die EFSA Daten aus folgenden Quellen erhoben:
- von Fachkollegen begutachtete wissenschaftliche Literatur, die bis Anfang 2025 veröffentlicht wurde,
- vier öffentliche Aufforderungen zur Stellungnahme,
- technische Anhörungen mit Sachverständigen und interessierten Kreisen,
- Vor-Ort-Besuche.
Welche Ergebnisse wurden erzielt und welche Auswirkungen hatten diese?
Nachstehend sind die wichtigsten Auswirkungen auf das Wohlergehen aufgeführt, die von der EFSA sowohl insgesamt als auch für jede Art ermittelt wurden.
Wichtigste Erkenntnisse zum Tierschutz von Pelztieren
- Für alle fünf Arten haben die Größe und Gestaltung der in der aktuellen Pelzproduktion verwendeten Käfige die größten Auswirkungen auf das Wohlergehen. Diese schränken die Bewegungsfreiheit der Tiere ein und hindern sie daran, nach Futter zu suchen oder umherzustreifen. Ebenso können sie zu sensorischer Unter- oder Überreizung führen, beispielsweise wenn es keinen Unterschlupf gibt, in den sich das Tier bei Bedarf zurückziehen kann.
- Die meisten dieser negativen Auswirkungen auf das Wohlergehen können im derzeitigen System der Pelzproduktion nicht signifikant reduziert werden, da die Käfige zu klein sind, um stimulierende Elemente darin unterzubringen. Beispiele hierfür sind Reize, die zur Nahrungssuche und Erkundung anregen, wie eine Wurfkiste, ein Unterschlupf oder offenes Wasser, je nach Art.
- Zu den Auswirkungen auf das Wohlergehen, die im Rahmen des derzeitigen Systems der Pelzproduktion erheblich reduziert oder vermieden werden können, gehören insbesondere diejenigen, die mit unzureichender Fütterung und Ernährung zusammenhängen. Diese können bei allen fünf Arten verringert werden, indem die Fütterung umgestellt, kaubare Gegenstände wie Knochen für Füchse oder Heu für Chinchillas bereitgestellt und auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet wird.
Artenspezifische Bedenken
- Werden Amerikanische Nerze in Gruppen von mehr als zwei Tieren gehalten, können sie sich bei Kämpfen Verletzungen zuziehen. Dies kann verringert werden, indem junge Nerze bis zum Spätherbst in gleichgeschlechtlichen Paaren gehalten und anschließend einzeln untergebracht werden. Diese Auswirkungen auf das Wohlergehen können darüber hinaus verbessert werden, indem mehr Platz zur Verfügung gestellt und die Käfige mit stimulierenden Elementen ausgestattet werden. Dazu zählen beispielsweise Objekte oder Reize, die das Erkundungs- und Fressverhalten anregen, sowie der Zugang zu offenem Wasser.
- Polarfüchse, Rotfüchse und Marderhunde leiden häufig unter Problemen mit den Beinen und Pfoten. Diese können durch gezielte Zucht, Gewichtsmanagement, mehr Platz und verschiedene Bodenbeläge deutlich verringert werden.
- Rotfüchse können unter Gruppenstress leiden, wenn sie in unmittelbarer Nähe zu ihren Käfignachbarn gehalten werden. Es ist nicht bekannt, ob das Anbringen eines Wurfkastens oder einer Rückzugsmöglichkeit ausreicht, um diese Auswirkungen auf das Wohlergehen deutlich zu reduzieren.
- Marderhunde sind im derzeitigen System wahrscheinlich einer Reizüberflutung ausgesetzt. Zu den Lösungen, um dies zu reduzieren, gehören die Bereitstellung von Wurfkästen über das ganze Jahr, die regelmäßige Reinigung von Dung sowie eine sorgfältige und zurückhaltende Behandlung.
- Chinchillas müssen ihr Fell reinigen und geraten in Stress, wenn sie sich bedroht fühlen, beispielsweise wenn sich ein Mensch in ihrer Nähe aufhält. Dies kann minimiert werden, indem man ihnen täglich ein Sandbad ermöglicht und ihnen einen Unterschlupf zum Verstecken bietet.
Welche Einschränkungen/Unsicherheiten gab es?
Da derzeit keine alternativen Gehege für die Pelztierhaltung genutzt werden, lagen nur wenige oder gar keine Informationen dazu vor. Darüber hinaus gibt es generell nur begrenzte Kenntnisse über Marderhunde und Chinchillas. Aufgrund dieses Mangels an Informationen war die EFSA nur eingeschränkt in der Lage, Verbesserungen des Tierschutzes in Bezug auf neue und unterschiedliche Haltungssysteme vorzuschlagen.
Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen?
- Mit dem derzeitigen System können bei allen untersuchten Tierarten nur begrenzte Verbesserungen des Tierschutzes erreicht werden.
- Um die Auswirkungen auf das Wohlergehen deutlich zu verringern, muss das derzeitige Käfigsystem durch Gehege ersetzt werden, die den Tieren mehr Platz und eine anregende Umgebung bieten. Dies würde das Wohlergehen dieser Arten erheblich verbessern und es den Tieren erleichtern, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Sie könnten sich beispielsweise bewegen, nach Nahrung suchen und umherstreifen.
- Es sind weitere Erkenntnisse erforderlich, um die Auswirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen zu messen und das Tierwohl erheblich zu verbessern.
Referenz
Wohlergehen von Amerikanischen Nerzen, Rotfüchsen, Polarfüchsen, Marderhunden und Chinchillas, die zur Pelzgewinnung gehalten werden.