EFSA bewertet das TSE-Risiko durch Milch von Kleinwiederkäuern
In einem heute veröffentlichten Gutachten bewertet das Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ) der EFSA das Risiko für Mensch und Tier im Hinblick auf Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSE) durch Verzehr von Milch und Milchprodukten von Schafen und Ziegen. Das Gremium gelangt zu der Auffassung, dass der Verzehr von Milch und Milchprodukten von Herden, die von klassischer Scrapie betroffen sind (aufgrund des Vorhandenseins von infizierten Tieren, die keinerlei klinische Anzeichen aufweisen) — und in geringerem Maße von Schafen und Ziegen im Allgemeinen —, eine Exposition Konzentration oder Menge eines bestimmten Stoffs, die von einem Menschen, einer Population oder einem Ökosystem mit einer bestimmten Häufigkeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg aufgenommen wird von Tieren und Menschen gegenüber den genannten TSE-Erregern bewirken kann. Da es sich bei klassischer Scrapie um eine Tierkrankheit handelt, die sich nicht als die menschliche Gesundheit beeinträchtigend erwiesen hat, sind diese Erkenntnisse mehr für die Tiere von Bedeutung als für den Menschen.
Die Studie wurde durchgeführt, nachdem die Europäische Kommission die EFSA ersucht hatte, ein Gutachten über einen wissenschaftlichen Aufsatz von Konold u. a.[1] zu erstellen, der am 8. April 2008 in der Fachzeitschrift BMC Veterinary Research erschienen war und die Schlussfolgerung enthält, dass Scrapie über die Milch auf genetisch anfällige und beeinflussbare Lämmer übertragen werden kann. Die Kommission hatte die EFSA außerdem gebeten, gegebenenfalls die bestehende Risikobewertung Spezialgebiet der angewandten Wissenschaften, in dem wissenschaftliche Daten und Studien ausgewertet werden, um die mit bestimmten Gefahren einhergehenden Risiken zu beurteilen. Dies umfasst vier Schritte: Gefahrenidentifizierung, Gefahrencharakterisierung, Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung zur Exposition von Menschen und Tieren in Bezug auf TSE durch Milch und Milchprodukte von Schafen und Ziegen zu erneuern.
Mit dem Gutachten wird die frühere Stellungnahme der EFSA[2] aktualisiert, der zufolge Milch von Kleinwiederkäuern wahrscheinlich kein TSE-Expositionsrisiko darstellt, sofern die Milch von klinisch gesunden Tieren stammt. „Diese neuen Erkenntnisse haben Auswirkungen auf die Tiergesundheit. In Bezug auf eine mögliche menschliche Exposition sollten wir bedenken, dass — mit Ausnahme von BSE — für TSE bei Tieren keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen festgestellt wurden”, erläuterte Professor Dan Collins, Vorsitzender des BIOHAZ-Gremiums. Die Frage, ob Menschen durch in Schafen und Ziegen auftretende TSE-Erreger beeinträchtigt werden können, war zuvor bereits eingehend von der EFSA bewertet worden[3].
Das BIOHAZ-Gremium der EFSA hat festgestellt, dass die Milch von Mutterschafen, die zwar Träger von klassischer Scrapie, aber asymptomatisch und augenscheinlich gesund sind, die betreffenden TSE-Erreger enthalten kann. Das Gremium weist darauf hin, dass sowohl die Häufigkeit des Auftretens von Scrapie als auch die Produktion von Milch von Schafen und Ziegen zwischen den Mitgliedstaaten erheblich variiert; dasselbe gilt für das potentielle Expositionsrisiko.
Das BIOHAZ-Gremium der EFSA hat auch das Expositionsrisiko gegenüber atypischer Scrapie und BSE untersucht. Jedoch befand das Gremium in Bezug auf Schafe und Ziegen, dass keine Informationen über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein dieser TSE-Erreger in der Milch infizierter Tiere verfügbar sind. Bislang wurde nur in einem einzelnen Fall eine natürliche BSE-Infektion bei einer Ziege festgestellt, jedoch kein einziger Fall bei Schafen.
Das Gremium empfiehlt, weitere wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen, um das Gefährdungspotential durch den Verzehr von Milch, insbesondere im Hinblick auf atypische Scrapie und BSE, zu bewerten und um zu untersuchen, was mit den betreffenden TSE-Erregern geschieht, wenn die Milch von befallenen Schaf- und Ziegenherden für den Verzehr in Form von Milch oder Milchprodukten verarbeitet wird.
Die französische Lebensmittelbehörde wird ein Gutachten zu den möglichen Auswirkungen des Vorliegens neuer wissenschaftlicher Daten zur Übertragung von klassischer Scrapie über die Milch auf die Gesundheit von Menschen und Tieren veröffentlichen. EFSA und Afssa haben sich gegenseitig über ihre laufenden Arbeiten und die Schlussfolgerungen der unabhängigen Risikobewertungen auf dem Laufenden gehalten.
Die Frage des Risikos für Menschen durch TSE bei Schafen und Ziegen ist bereits detailliert von der EFSA bewertet worden. Das BIOHAZ-Gremium kam im März 2007 zu der Schlussfolgerung, dass es keinen Beweis für einen epidemiologischen oder molekularen Zusammenhang zwischen klassischer und/oder atypischer Scrapie und TSE beim Menschen gibt. Der BSE-Erreger ist der einzige TSE-Erreger, der als zoonotisch festgestellt worden ist, d.h., der von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen werden kann.
Zu weiteren Informationen siehe:
- Opinion of the Scientific Panel on biological hazards (BIOHAZ) on certain aspects related to the risk of Transmissible Spongiform Encephalopathies (TSEs) in ovine and caprine animals , The EFSA Journal 466, 1 – 10,
- Scientific and technical clarification in the interpretation and consideration of some facets of the conclusions of its Opinion of 8 March 2007 on certain aspects related to the risk of Transmissible Spongiform Encephalopathies (TSEs) in ovine and caprine animals (Wissenschaftliche und technische Klarstellung der Interpretation und Betrachtung einiger Punkte der Schlussfolgerungen des Gutachtens vom 8. März 2007 zu bestimmten Aspekten im Zusammenhang mit dem Risiko Transmissibler Spongiformer Enzephalopathien (TSE) bei Schafen und Ziegen), The EFSA Journal 626, 1 – 11.
[1] Konold, T., Moore, S. J., Bellworthy, S. J. und Simmons, H. A. 2008. Evidence of scrapie transmission via milk. BMC Vet Res 4. 1, 14.
[2] Vorläufige Empfehlung der EFSA bezüglich der Gesundheitsrisiken von Ziegenmilch und daraus hergestellten Produkten im Hinblick auf BSE/TSE .
[3] Für weitere Informationen siehe unten die Hinweise für Herausgeber und die Links zu früheren Empfehlungen und Gutachten der EFSA.
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