Kommunikationsmethodik ein Durchbruch für die Sozialwissenschaften bei der EFSA

Der neue Ansatz der EFSA zur Vermittlung wissenschaftlicher Unsicherheiten wurde ermöglicht durch die Verschmelzung des Fachwissens von Sozialwissenschaftlern, Naturwissenschaftlern und Kommunikationsspezialisten. Das Wissen der Experten um sozialwissenschaftliche Forschungen zum Verständnis der Menschen von Unsicherheiten und ihrer Fähigkeit, dieses im Zusammenhang mit Fragen der Lebensmittelsicherheit anzuwenden, war von entscheidender Bedeutung für die Erarbeitung dieser neuen Kommunikationsmethodik.

Die Leitlinien der EFSA zur Vermittlung von Unsicherheit bei der wissenschaftlichen Bewertung bieten einen strukturierten Ansatz, um Informationen zu Unsicherheiten im Rahmen von Bewertungen der Lebensmittelsicherheit auf verschiedene Zielgruppen in ganz Europa abzustimmen. Die Leitlinien sind in erster Linie für Wissenschaftsvermittler der EFSA gedacht und ergänzen die 2018 vom Wissenschaftlichen Ausschuss der Behörde verabschiedeten technischeren Leitlinien zur Unsicherheitsanalyse bei der wissenschaftlichen Bewertung.

Sie sind auch vor dem Bestreben der EFSA zu sehen, verstärkt sozialwissenschaftliche Erkenntnisse in ihre Arbeit mit einzubeziehen, sowohl um die Kommunikation zu komplexen wissenschaftlichen Themen zu unterstützen als auch um Bewertungen in einem breiteren Kontext zu betrachten, insbesondere in Bereichen von öffentlichem Interesse. Wir haben vier der Verfasser der Leitlinien zu diesem Meilenstein und zur Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen „Sozialwissenschaftlern“ und „Naturwissenschaften“ für die EFSA befragt.

Die Leitlinien: Empfehlungen für Praxis und zukünftige Forschung

Laura Maxim ist Sozialforscherin und arbeitet zu Unsicherheit und Chemikalienpolitik. Sie erklärte: „Meines Wissens sind dies die ersten praxisnahen Leitlinien zur Vermittlung von Unsicherheit, die je erstellt wurden. Sie gehen über die bisher von anderen Behörden und akademischen Kreisen vorgeschlagenen Allgemeinheiten hinaus und bieten spezifische Lösungen für reale Situationen, mit denen die Kommunikationsverantwortlichen der EFSA sich auseinanderzusetzen haben.“

Michael Siegrist, Psychologie-Professor mit Schwerpunkt auf Verbraucherverhalten, stimmt dem zu, schlägt jedoch einen zurückhaltenderen Ton an: „Unser Versuch, evidenzbasierte Empfehlungen zur Vermittlung von Unsicherheit zu formulieren, ist eine wichtige Errungenschaft. Zu vielen der praktischen Fragen, die sich uns stellten, liegen jedoch keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Ich kann mir vorstellen, auf einige dieser Fragen in meiner künftigen Forschung einzugehen.“

Auch Laura Maxim sieht Möglichkeiten, auf den gemachten Erfahrungen in ihrer wissenschaftlichen Arbeit aufzubauen. „Die Erfahrungen und in der Praxis aufkommenden Fragen der EFSA können, wie wir bei der Erstellung der Leitlinien gesehen haben, eine beeindruckende Liste an weiterem Forschungsbedarf liefern. Dies gibt Forschern Impulse, was ich persönlich äußerst stimulierend finde“, so Maxim weiter.

Enger Austausch mit „naturwissenschaftlichen“ Sachverständigen der EFSA

Andy Hart ist Biologe und spezialisiert auf Methoden und Instrumente für die Unsicherheitsanalyse, mit langjähriger Erfahrung als Sachverständiger bei der EFSA. Er erklärte: „Unsere Arbeit bestätigt, dass gut durchdachte sozialwissenschaftliche Studien wertvolle Informationen darüber liefern können, wie Menschen potenziell komplexe wissenschaftliche Konzepte oder Ausdrücke zur Vermittlung von Unsicherheit verstehen.“

Die EFSA schult ihre Wissenschaftler – externe Sachverständige und Mitarbeiter – in der Anwendung der Leitlinien des Wissenschaftlichen Ausschusses. „Ich werde die Ergebnisse unserer Arbeit in zukünftige Kurse einbeziehen, in denen es um die Vermittlung von Unsicherheit geht, und die Leitlinien zur weiteren Lektüre empfehlen“, so Hart weiter.

„Der Austausch mit Naturwissenschaftlern hilft, wie in allen interdisziplinären Wissenschaftlergruppen, Barrieren abzubauen“, erklärte Laura Maxim. „Die Zeit ist begrenzt, und so müssen alle offen sein und ihr Wissen auf verständliche Weise mit den anderen teilen. Dies zwingt uns auch, verständlich zu schreiben, was wiederum den Lesern der Leitlinien in Form klarerer Botschaften zugutekommt.“

Das „Soziale“ in die Regulierungswissenschaft einbinden

Haben die Sozialwissenschaften eine Zukunft bei der EFSA? Michael Siegrist glaubt, dass dem so ist. „Für fast alle bedeutenden Probleme der heutigen Gesellschaft bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Naturwissenschaftlern, um Lösungsansätze zu finden. Wir können Einblicke dazu geben, wie Menschen Entscheidungen treffen und wie Informationen präsentiert werden sollten, damit Menschen fundierte Entscheidungen treffen können.“

Andy Hart stimmt dem zu: „Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und Kompetenzen sind von wesentlicher Bedeutung, um abzuschätzen, wie die Bürger auf Maßnahmen wie Ernährungsempfehlungen reagieren.“ In Bezug auf die Verantwortlichkeiten politischer Entscheidungsträger der EU und in den Mitgliedstaaten, mit denen die EFSA eng zusammenarbeitet, fügt er hinzu: „Dies kann sich auf die Wirkung verschiedener Risikomanagementoptionen auswirken.“

Anwendbarkeit der Leitlinien - was denken Kommunikationsspezialisten?

Anthony Smith arbeitet im Kommunikationsreferat der EFSA im Bereich der Inhaltsproduktion. Er erklärt: „Unsere Kommunikationsaktivitäten begleiten die Arbeit unserer wissenschaftlichen Sachverständigen. Da sie die Leitlinien schrittweise umsetzen, werden auch wir uns die Zeit nehmen, um die Änderungen allmählich in unsere Arbeitsabläufe zu integrieren.“

„Doch selbst das wird die Art und Weise, in der wir Wissenschaft kommunizieren, nicht so tief greifend verändern wie es beispielsweise Social Media und neue Technologien tun. Dennoch sind die Leitlinien ein innovatives und praktisches Instrument, das uns erlaubt, den Grad des Vertrauens unserer Wissenschaftler in ihre Schlussfolgerungen und die zugrunde liegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse transparenter darzustellen.“

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