RNAi-Bericht: EFSA bereitet sich auf nächste GVO-Generation vor
Die EFSA hielt im Juni 2014 einen internationalen wissenschaftlichen Workshop ab, um potenzielle Risiken bezüglich der auf Ribonukleinsäure-Interferenz (RNAi) basierenden genetischen Veränderung von Pflanzen zu erörtern und spezifische Fragen im Hinblick auf deren Risikobewertung zu ermitteln. Themen, die während des Workshops eingehend diskutiert wurden, waren die molekularbiologischen Grundlagen des RNAi-Mechanismus, derzeitige und künftige Anwendungen von RNAi-basierten genetisch veränderten Pflanzen sowie Aspekte der Risikobewertung. Der Workshop-Bericht, der auch Zusammenfassungen der Präsentationen und Diskussionen enthält, ist nun auf der EFSA-Website zugänglich.
An dem Workshop beteiligten sich mehr als 100 Wissenschaftler und Risikobewertungsexperten aus Hochschulen, Risikobewertungsstellen, Nichtregierungsorganisationen und dem Privatsektor. Zwei Tage lang tauschten Spezialisten aus vier Kontinenten ihr Fachwissen aus, diskutierten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur RNAi in Pflanzen, Säugetieren und Wirbellosen, befassten sich mit aktuellen und zukünftigen RNAi-Anwendungen und betrachteten Gesichtspunkte der Risikobewertung vor dem Hintergrund der sich in Entwicklung befindenden Technologie.
Die Ribonukleinsäure (RNS, engl.: RNA) fungiert als körpereigener Bote, indem sie genetische Informationen an den Ort einer Zelle bringt, an dem Proteine – wichtige Bausteine des Lebens – gebildet werden. Bei der RNAi handelt es sich um einen natürlichen Prozess, durch den der beschriebene Vorgang bei Tieren und Pflanzen verlangsamt oder völlig unterbunden wird. In den späten 1990er Jahren entdeckten Wissenschaftler, wie man diesen Mechanismus nutzen kann, um den Fluss genetischer Informationen zu kontrollieren.
Elisabeth Waigmann, die die Arbeit der EFSA im Bereich genetisch veränderte Organismen (GVO) leitet, unterstreicht die Bedeutung eines solchen internationalen Workshops zu diesem anspruchsvollen Thema für die wissenschaftliche Gemeinschaft.
EW: Die EFSA hat diese Veranstaltung als vorausschauende Maßnahme organisiert, um besser einschätzen zu können, inwiefern die Technologie sich auf den derzeitigen Ansatz der Behörde bei der Risikobewertung von GVO auswirken wird. Im Rahmen der Diskussionen brachten die Teilnehmer relevante Aspekte bezüglich der Technologie bzw. deren Implikationen für die Risikobewertung zur Sprache, mit denen sich die EFSA eingehend auseinandersetzen wird. Für diese konstruktiven Beiträge möchte ich den Teilnehmern danken.
Zum EFSA-Team von Wissenschaftlern, die an dem Workshop teilnahmen, zählten auch Mitglieder des GMO-Gremiums. Professor Patrick du Jardin und Dr. Salvatore Arpaia leiteten die Diskussionen über spezifische Themen der Risikobewertung. Zur Tragweite der RNAi-Technologie und zum Stellenwert des internationalen Workshops äußerten sie sich wie folgt.
F: Warum ist die Entwicklung von RNAi von so großer Bedeutung?
SA: RNAi ist ein wichtiger biologischer Mechanismus, der künftig wahrscheinlich häufig eingesetzt werden wird, um Schädlingsresistenzen in der nächsten Generation von genetisch veränderten (GV) Pflanzen zu erzielen.
PdJ: Bisher umfasste die Übertragung neuer Merkmale auf Pflanzen mittels Gentechnik hauptsächlich die Expression neuer, durch sogenannte Transgene codierter Proteine. Um diese neu exprimierten Proteine drehen sich viele Fragen hinsichtlich der potenziellen Risiken für Gesundheit und Umwelt, und der gegenwärtige Risikobewertungsrahmen könnte durch andere Ansätze der genetischen Veränderung, wie RNAi, vor eine Herausforderung gestellt werden. Beim RNAi-Ansatz, werden kleine RNAs – keine Proteine – aus einem Stück DNA gewonnen, das in Pflanzenchromosomen eingebracht wird; diese RNAs sollen die Expression von Zielgenen in Pflanzen oder auch Pflanzenschädlingen unterdrücken.
Welche Herausforderungen ergeben sich im Zusammenhang mit RNAi für die Risikobewertung?
PDJ: RNAi wirft neue Fragen im Hinblick auf die Risikobewertung auf. Zum Beispiel wie genau diese kleinen RNAs aus dem eingebrachten DNA-Stück gewonnen werden, wie sie in die Pflanze und wieder hinaus gelangen, und wie stabil sie in den verschiedenen Kompartimenten der Pflanze sowie in der Umwelt sind.
SA: Die Wirkungsweise der RNAi-Technologie wird komplexe Fragen für Risikobewerter wie auch Risikomanager aufwerfen.
F: Was sind die wichtigsten Ergebnisse des Workshops?
PdJ: Der Workshop bot eine noch nie dagewesene Gelegenheit, um die Kluft zwischen den besten wissenschaftlichen Erkenntnissen in diesem Bereich und der aktuellen Praxis der GVO-Risikobewertung zu überbrücken. Neue Problemfelder und mögliche Grenzen der gegenwärtigen Risikobewertung von GV-Pflanzen wurden während der Veranstaltung ebenfalls diskutiert.
SA: Der Workshop war eine einzigartige und rechtzeitige Gelegenheit, um von Experten, Aufsichtsbehörden und Unternehmen weltweit zu hören, wie sie sich die Risikobewertung dieser genetisch veränderten Pflanzen vorstellen. Ich denke, die konstruktiven Beiträge der exzellenten Redner und übrigen Teilnehmer haben die Veranstaltung zu einem großen Erfolg gemacht.
Im Hinblick auf die fruchtbaren Diskussionen und wertvollen Einblicke aller Teilnehmer äußert sich Dr. Waigmann positiv über deren Beitrag zum Erfolg sowie mögliche Folgewirkungen der Veranstaltung.
EW: Die Erkenntnisse aus diesem Workshop werden mit einfließen in den Risikobewertungsansatz der Behörde für eine Zukunftstechnologie, die zur Entwicklung der nächsten Generation von GVO führen kann.
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