Apfelschnecke stellt ernsthafte Bedrohung für südeuropäische Feuchtgebiete dar

Die Apfelschnecke könnte massive Folgen für die biologische Vielfalt haben, sollte sie sich in den Süßwasserfeuchtgebieten Südeuropas ansiedeln. Es besteht ein hohes Risiko für Amphibien und bestimmte bereits bedrohte Spezies sowie für die Vielfalt einheimischer Arten und Lebensräume. Ein Eindringen der Schnecken könnte auch die Ökosystemleistungen der betroffenen Feuchtgebiete, wie die Versorgung mit qualitativ einwandfreiem Süßwasser oder die Regulierung von Schädlingen und Krankheiten, gefährden. Dies sind einige der Schlussfolgerungen einer von der EFSA durchgeführten Umweltverträglichkeitsprüfung bezüglich der Apfelschnecken der Gattung Pomacea.

Im Jahr 2010 waren Apfelschnecken in Reisfelder im spanischen Ebro-Delta eingedrungen. Bis dahin kamen die Schnecken in der EU nicht in der freien Natur vor und fielen nicht unter die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Ungeachtet der in den Reisfeldern ergriffenen Maßnahmen zur Kontrolle und Ausrottung der Schnecken breitet sich der Befall im Ebro-Delta weiter aus, und Pomacea wird nun als Bedrohung für die Süßwasserfeuchtgebiete in Südeuropa angesehen.

Bei der Umweltverträglichkeitsprüfung der EFSA kamen erstmals ihre Leitlinien zur Umweltrisikobewertung von Pflanzenschädlingen (Guidance on the Environmental Risk Assessment (ERA) of Plant Pests) zur Anwendung, deren Schwerpunkt auf möglichen Risiken für die biologische Vielfalt und die Ökosystemleistungen liegt. Das Gremium für Pflanzengesundheit führte zwei Risikobewertungen durch: eine für einen kurzen Zeitraum (fünf Jahre) und eine weitere für einen längeren Zeitraum (30 Jahre).

Bezüglich der biologischen Vielfalt kommt das Gremium zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Im Hinblick auf die genetische Vielfalt und die Vielfalt einheimischer Arten besteht sowohl kurzfristig als auch langfristig ein hohes Risiko.
  • Bezüglich der einheimischen Lebensräume ist das Risiko kurzfristig sehr hoch und langfristig hoch.
  • Im Hinblick auf die bedrohten Spezies und Lebensräume mit einem hohen Erhaltungswert ist das Risiko sowohl kurzfristig als auch langfristig sehr hoch.
  • Das Gesamtrisiko für die biologische Vielfalt ist kurzfristig sehr hoch und langfristig hoch.

Bezüglich der Ökosystemleistungen kommt das Gremium zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Im Hinblick auf genetische Ressourcen, Klimaregulierung, Regulierung von Schädlingen und Krankheiten sowie die Bestäubung ist das Risiko kurz- und langfristig mäßig.
  • Das Risiko hinsichtlich der Bereitstellung von Nahrung ist kurzfristig mäßig und langfristig hoch.
  • Bezüglich der Regulierung von Wasserhaushalt und Erosion besteht sowohl kurzfristig als auch langfristig ein hohes Risiko.
  • Das Risiko im Hinblick auf die Bereitstellung von Süßwasser ist sowohl kurz- als auch langfristig sehr hoch.
  • In Bezug auf Nährstoffkreislauf, Photosynthese und Primärproduktion von Makrophyten (siehe unten) ist das Risiko kurzfristig sehr hoch und langfristig hoch.
  • Das Gesamtrisiko ist im Hinblick auf die Ökosystemleistungen sowohl kurz- als auch langfristig hoch.

In einigen Fällen ist die langfristige Bedrohung geringer als die kurzfristige, weil man davon ausgeht, dass mit der Zeit für Pomacea ungenießbare Makrophyten sowie natürliche Feinde der Apfelschnecke auftreten werden.

Was sind Ökosystemleistungen?

Menschen ziehen vielfältigen Nutzen aus Ökosystemen. Diese Nutzenvorteile werden alle zusammen als Ökosystemleistungen bezeichnet, ein Konzept, das in den frühen 2000ern durch die Jahrtausendstudie zur Bewertung der Ökosysteme (Millennium Ecosystem Assessment) Verbreitung fand. Im Rahmen dieser Bewertung wurden die Ökosystemleistungen in vier weit gefasste Kategorien unterteilt: Versorgungsleistungen, beispielsweise die Bereitstellung von Nahrung und Wasser; Regulierungsleistungen, etwa in Bezug auf Klima und Krankheiten; Unterstützungsleistungen (Basisleistungen), wie der Nährstoffkreislauf und die Bestäubung von Kulturpflanzen; sowie kulturelle Leistungen, beispielsweise der Freizeitwert. Auf die letztgenannte Kategorie wurde bei der Bewertung durch das Gremium nicht eingegangen, da diese nicht in dessen Aufgabenbereich fällt.

Warum sind Makrophyten so wichtig?

Apfelschnecken ernähren sich bevorzugt von Makrophyten. Hierbei handelt es sich um Wasserpflanzen, die eine Schlüsselrolle im Nährstoffkreislauf spielen, da sie als natürliche „Biofilter“ die Wasserqualität in Süßwasserökosystemen gewährleisten. Die Pflanzen tun dies, indem sie das Phytoplankton-Wachstum begrenzen und so die Entwicklung toxischer Algenblüten verhindern. Makrophyten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Assimilierung von Stickstoff, Phosphor und Schwermetallen sowie der Aufrechterhaltung des pH-Gleichgewichts im Wasser.

Eine starke Reduzierung von Makrophyten hat zur Folge, dass die genannten Funktionen wesentlich beeinträchtigt werden. Dies kann sich schwerwiegend auf das Überleben von Fischen, wie Karpfen, Hecht und Schleie, auswirken, die sich von Makrophyten und den in ihnen siedelnden winzigen wirbellosen Tieren ernähren. Ebenfalls bedroht sind Greifvögel wie der Eisvogel und der Fischadler.

Eine verstärkte Produktion von Phytoplankton kann auch den pH-Wert des Wassers auf für Fische und Amphibien toxische Werte anheben sowie – aufgrund der sich zersetzenden Pflanzenreste – den Sauerstoffgehalt verringern, was zu erhöhtem Fischsterben und einer verminderten Reproduktion führen kann. Zudem ist es wahrscheinlich, dass Apfelschnecken sich direkt von Amphibieneiern und wirbellosen Wassertieren wie Würmern ernähren.

 

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