Gemeinsame Leitlinien von EFSA, FAO und WHO bezwecken die Harmonisierung von Abschätzungen der ernährungsbedingten Exposition

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben gemeinsam Leitlinien hinsichtlich eines harmonisierten Ansatzes für Warenkorbstudien (Total Diet Studies – TDS) veröffentlicht. Die Organisationen kommen zu dem Schluss, dass TDS, zusammen mit anderen Programmen zur Ernährungsüberwachung, ein wirksames Instrument darstellen, um die ernährungsbedingte Bevölkerungsexposition sowohl gegenüber schädlichen als auch nützlichen chemischen Stoffen in der Gesamternährung abzuschätzen. In den Leitlinien werden allgemeine Grundsätze für die internationale Harmonisierung von TDS-Methoden vorgeschlagen. Würden diese in Europa angewandt, stünden vergleichbare Daten zur ernährungsbedingten Exposition gegenüber chemischen Stoffen zur Verfügung.

Zuverlässige und detaillierte Daten über das Vorkommen chemischer Stoffe (z. B. Nährstoffe, Rückstände, Kontaminanten[1]) in der Nahrung sind, in Kombination mit Lebensmittelverzehrsdaten, unerlässlich für Expositionsabschätzungen, auf die sich die wissenschaftliche Beratung zu möglichen Risiken in der Nahrungskette stützen soll. Die verwendeten Daten über das Vorkommen chemischer Stoffe stammen oft aus offiziellen Lebensmittelkontrollen, wohingegen die Gesamtabschätzung der ernährungsbedingten Bevölkerungsexposition gegenüber chemischen Stoffen eine repräsentative und harmonisierte Datenerhebung erfordert. Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Vertretern der EFSA, FAO, WHO und EU-Mitgliedstaaten hat sich einen Überblick über den neuesten Stand der Wissenschaft verschafft und gemeinsame Leitlinien für einen Ansatz erarbeitet, der für solche Expositionsabschätzungen geeignet ist: die Warenkorbmethode (Total Diet Studies – TDS). Die Leitlinien beinhalten Grundsätze zur Durchführung einer solchen Studie, einschließlich der Planungsphase, der Ergebnissammlung, der Berechnungen zur Expositionsabschätzung sowie der Berichterstattung der Ergebnisse.

Im Rahmen einer Warenkorbstudie werden Lebensmittel ausgewählt und zusammengestellt, die die Gesamternährung einer Bevölkerung repräsentieren. Diese Lebensmittel werden so zubereitet, wie sie üblicherweise verzehrt werden, und in repräsentative Lebensmittelgruppen eingeteilt, bevor sie auf ihre Schadstoffwerte bzw. ihren Nährstoffgehalt hin analysiert werden. Die Ergebnisse werden dann mit den Lebensmittelverzehrsdaten korreliert, wodurch es Wissenschaftlern möglich ist, die Konzentration eines jeden chemischen Stoffs zu berechnen, der als Bestandteil der typischen Ernährung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe aufgenommen wird. Dieser Ansatz eignet sich besonders für die Abschätzung der chronischen Exposition gegenüber chemischen Stoffen durch die Nahrung[2]. Er ist sehr effizient bei der Einschätzung weit verbreiteter chemischer Stoffe, jedoch weniger geeignet für den Nachweis von chemischen Stoffen, die nur regional, saisonal oder in bestimmten Nahrungsmitteln vorkommen.

Während Lebensmittelkontrollen und andere Überwachungsmaßnahmen das Vorkommen chemischer Stoffe in einzelnen Nahrungsmitteln erfassen, bilden TDS eine Grundlage für die Berechnung der Gesamtgehalte chemischer Stoffe in den von einer Bevölkerung verzehrten Lebensmitteln und ermöglichen die Einschätzung der Gesamtfolgen für die öffentliche Gesundheit. Die Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass sich der TDS-Ansatz hervorragend in Ergänzung zu bestehenden Programmen der Lebensmittelüberwachung und -kontrolle bzw. als wirksames Instrument für vorläufige Screenings einsetzen ließe. Zusammen können diese Ansätze Sachverständigen dabei helfen, die relative Bedeutung einzelner Lebensmittel als Quellen chemischer Stoffe in der Gesamternährung zu ermitteln. TDS können auch zu Screening-Zwecken verwendet werden, um eine begrenzte Anzahl von Proben aus weit gefassten Lebensmittelgruppen zu analysieren, wodurch nützliche Anhaltspunkte zur Bestimmung künftiger Prioritäten für eine detaillierte Datenerhebung gewonnen werden.
TDS werden bereits von mehreren Ländern durchgeführt[3], und es steht eine Fülle von Daten zur Verfügung. Die Harmonisierung der TDS-Methodik würde jedoch eine internationale Vergleichbarkeit von Ergebnissen ermöglichen und die Abschätzung der lebensmittelbedingten Exposition gegenüber chemischen Stoffen in mehreren Ländern und Regionen zugleich unterstützen. Auf europäischer Ebene würden TDS wichtige Informationen über die EU-weite Exposition gegenüber chemischen Stoffen durch die Ernährung liefern und dabei helfen, die Auswirkungen von EU-Maßnahmen im Zeitverlauf zu verfolgen.

In den kommenden Jahren wird die Generaldirektion Forschung und Entwicklung der Europäischen Kommission ein gesamteuropäisches Pilotprojekt finanzieren, um die Datenerhebung zu harmonisieren, typische Nahrungsmittel der Gesamternährung zu ermitteln und die Aufnahme chemischer Kontaminanten durch den Verzehr dieser Lebensmittel zu bewerten.

Notes to editors

Im Januar 2010 wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von EFSA, FAO, WHO und EU-Mitgliedstaaten gebildet, die sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft in Bezug auf Warenkorbstudien verschaffte (weltweit und mit besonderem Schwerpunkt auf Aktivitäten in Europa) sowie ein Leitliniendokument für einen harmonisierten TDS-Ansatz erarbeitete.

Im Rahmen einer Warenkorbstudie (TDS) werden Lebensmittel ausgewählt, zusammengestellt und analysiert, die allgemein verzehrt und im Einzelhandel zum Kauf angeboten werden. Die Nahrungsmittel werden wie für den Verzehr zubereitet, die zubereiteten Speisen in repräsentative Lebensmittelgruppen eingeteilt und dann auf schädliche und/oder nützliche chemische Stoffe hin analysiert. TDS sind so gestaltet, dass sie die gesamte Ernährung abdecken und die Mengen aller relevanten chemischen Stoffe messen, die die Einwohner eines Landes im Laufe ihres Lebens aufnehmen. Dabei werden niedrige, durchschnittliche und hohe Verzehrsswerte verwendet, je nachdem, wie es für den jeweils zu bewertenden Stoff angemessen ist.

[1] Die meisten chemischen Stoffe in Lebensmitteln lassen sich in eine der folgenden Gruppen einteilen:
• chemische Stoffe, die Nahrungsmitteln absichtlich hinzugefügt werden (z. B. Konservierungs- und Farbstoffe);
• chemische Rückstände von Stoffen, die auf anderen Stufen der Lebensmittelproduktionskette bewusst eingesetzt werden (z. B. Rückstände von Pestiziden und Tierarzneimitteln);
• Kontaminanten aus der Umwelt (z. B. Schwermetalle und Dioxine);
• natürlich vorkommende Kontaminanten (z. B. Mykotoxine und Alkaloide);
• Kontaminanten, die während der Lebensmittelverarbeitung entstehen (z. B. Furane und Acrylamide) oder von Lebensmittelverpackungen bzw. anderen Kontaktmaterialien in Nahrungsmittel übergehen (z. B. Phthalate und Bisphenol A);
• Nährstoffe, die als nützlich oder notwendig erachtet werden (z. B. Mikronährstoffe wie Vitamine und Eisen).
[2] Durchschnittliche tägliche Exposition über die gesamte Lebenszeit (WHO)
[3] Anfang 2011 waren weltweit mindesten 33 Länder in der Durchführung von TDS begriffen.

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