EFSA-Sachverständigengruppe befasst sich mit Semicarbazid: für Schlussfolgerungen ist es noch zu früh
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde von der Industrie darüber in Kenntnis gesetzt, dass wissenschaftlichen Analysen zufolge vermutlich Semicarbazid (SEM) in Kunststoffdichtungen, die für Verschlüsse von Gläsern verwendet werden, sowie in verpackten Lebensmitteln gefunden wurde. Diese Dichtungen werden für Glasverpackungen zahlreicher Lebensmittel (Fruchtsäfte, Marmeladen und Konfitüren, Honig, Babynahrung, eingelegtes und eingemachtes Gemüse, Mayonnaise, Senf, Soßen und Ketchup) verwendet.
Nach den bisher durchgeführten Untersuchungen ist das Vorkommen von SEM (vorausgesetzt es entstand nicht im Zuge der Laboranalysen) vermutlich auf Azodicarbonamid zurückzuführen, ein seit vielen Jahren häufig verwendetes Treibmittel. Infolge der Mitteilung der Industrie hat das Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe, Aromastoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, für den 24. Juli eine Sachverständigengruppe einberufen, die sich eingehender mit dieser Frage befassen soll.
Bei ihrem ersten Treffen kam die Sachverständigengruppe zu dem Schluss, dass es angesichts der Ungewissheiten sowohl in Bezug auf die analytischen als auch toxikologischen Aspekte verfrüht sei, Empfehlungen hinsichtlich der Risikoeinschätzung zu geben, da die Arbeiten noch in Planung bzw. noch nicht abgeschlossen seien.
Die Industrie wird weitere Untersuchungen in Betracht ziehen, um das Vorkommen von SEM ggf. zu bestätigen und um festzulegen, in welchem Umfang die möglichen Risiken begrenzt werden können.
Die EFSA wird ihrerseits kurzfristige genotoxische Untersuchen einleiten, da die vorliegenden Daten nach Auffassung der Sachverständigengruppe für Schlussfolgerungen noch nicht ausreichen. Die EFSA wird die Öffentlichkeit über den Fortgang der Untersuchungen sowie über die Einschätzungen der Sachverständigengruppe angesichts dieser Ergebnisse informieren.