Öffentliche Konsultation zu PFAS: Erläuterung des Entwurfs der Stellungnahme

Perfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, bilden eine Gruppe künstlich hergestellter Chemikalien, zu der Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluorooctansulfonat (PFOS), Perfluornonansäure (PFNA), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und viele weitere Substanzen gehören. PFAS werden seit den 1940er Jahren in einer Vielzahl von Branchen weltweit hergestellt und eingesetzt. Bestimmte PFAS, wie etwa PFOA und PFOS, PFNA und PFHxS, bauen sich in der Umwelt bzw. im menschlichen Körper nicht ab und können sich im Laufe der Zeit akkumulieren. Eine Exposition gegenüber PFAS kann zu unerwünschten Wirkungen auf die Gesundheit führen. Der Mensch kann PFAS auf unterschiedliche Weise ausgesetzt sein, zum Beispiel durch Nahrungsmittel. Nahrungsmittel können durch kontaminierte Böden und Wasser, die zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden, durch die Konzentration dieser Stoffe in Tieren über Futter und Wasser, durch Lebensmittelverpackungen, die PFAS enthalten, oder Anlagen, die während der Lebensmittelverarbeitung PFAS enthielten, kontaminiert werden.

Prof. Dr. Tanja Schwerdtle ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe, die dem Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) der EFSA half, ihren Entwurf der Stellungnahme zu PFAS zu erstellen, der sich noch bis zum 20. April 2020 in der öffentlichen Konsultation befindet.

Könnten Sie kurz die Arbeit beschreiben, die Sie geleistet haben? Was sind die wichtigsten Punkte?

Wir haben eine gruppenbezogene zulässige wöchentliche Aufnahmemenge (TWI; aus dem Englischen: Tolerable Weekly Intake) für die vier Haupt-PFAS, die im Körper akkumulieren, vorgeschlagen, die am stärksten exponierten Bevölkerungsgruppen identifiziert und die kritische Wirkung im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber PFAS bei Tier und Mensch identifiziert. Wir haben auch die Nahrungsmittel identifiziert, die am meisten zur Exposition gegenüber diesen vier PFAS beitragen – Trinkwasser, Fisch, Obst und Eier sowie daraus hergestellte Erzeugnisse.

Warum legten die Experten eine gruppenbezogene TWI statt individueller TWI fest?

In unserer vorherigen Stellungnahme aus dem Jahr 2018 legten wir zwei TWI, eine für PFOS und eine für PFOA, fest. In diesem neuen Entwurf der Stellungnahme beurteilten wir erneut diese zwei TWI unter Berücksichtigung der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in der Zwischenzeit verfügbar geworden sind, einschließlich zu anderen PFAS als jener, die 2018 beurteilt wurden. Hierzu berücksichtigten wir die „Mixtox“-Leitlinien der EFSA, die im letzten Jahr veröffentlicht wurden und uns Methoden und Instrumenten lieferten, um die kombinierte Exposition gegenüber mehreren Chemikalien zu beurteilen. Als Ergebnis legten wir beruhend auf den beim Menschen beobachteten Wirkungen eine einzige gruppenbezogene TWI von 8 ng/kg Körpergewicht pro Woche für PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS fest.

Warum haben die Experten die kritische Wirkung geändert – von den Auswirkungen auf Cholesterin bis hin zu der verminderten Reaktion des Immunsystems auf Impfungen?

In ihrer Stellungnahme von 2018 erachtete die EFSA einen Anstieg des Cholesterins als kritische Wirkung bei Erwachsenen, da dieser mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem weit verbreiteten Problem der öffentlichen Gesundheit, in Verbindung gebracht wird.

In der Zwischenzeit wurden neue Daten zu den Wirkungen von PFAS bei Mensch und Tier verfügbar und neue wissenschaftliche Studien wurden veröffentlicht, die den direkten Zusammenhang zwischen einer Exposition gegenüber PFAS und erhöhten Cholesterinspiegeln infrage stellen. Dies ist nicht der Fall bei Wirkungen im Sinne einer verminderten Reaktion des Immunsystems auf Impfungen, was auch in der vorherigen Beurteilung als eine wichtige Wirkung identifiziert wurde. Die vorgeschlagene neue TWI bildet außerdem einen Schutz vor anderen möglichen Wirkungen auf die Gesundheit, wie etwa den Anstieg des Cholesterins im Blut.

Welche Gruppen weisen die höchste Exposition auf? Bietet diese TWI auch einen Schutz für Säuglinge?

Säuglinge, Kleinkinder und andere Kinder weisen gemäß der Expositionsbeurteilung der EFSA die höchste Exposition auf. Schwangerschaft und Stillen sind die Hauptverursacher für die Exposition bei Säuglingen. Die neue TWI wurde so festgelegt, dass sie Säuglinge vor einer hohen Exposition schützt.

Was sind aktuelle Wissenslücken und bei welchen Aspekten erhoffen Sie sich, mehr Feedback während der öffentlichen Konsultation zu erhalten?

Wir sind bei allen Aspekten unserer Stellungnahme daran interessiert und würden es willkommen heißen, Feedback zu erhalten. Insbesondere wäre es hilfreich, für eine große Bandbreite an Nahrungsmittelgruppen mehr Daten über deren Auftreten zu erhalten, die mithilfe empfindlicherer Analysemethoden erhoben wurden und es ermöglichen, PFAS in niedrigen Konzentrationen nachweisen zu können. Wir würden auch mehr Informationen zu den relativen Wirkstärken der vier von uns beurteilten PFAS, aber auch anderer in Nahrungsmitteln nachgewiesenen Stoffe willkommen heißen.

Wie können verschiedene Parteien zur endgültigen Stellungnahme beitragen?

Der wissenschaftliche Gutachtenentwurf ist zur öffentlichen Konsultation bis zum 20. April 2020 offen und dies ist eine gute Möglichkeit, Feedback und Kommentare zu senden. Darüber hinaus organisiert die EFSA am 12. März einen technischen Trilog in Brüssel, der für jeden zugänglich ist. Bei diesem Treffen wird die EFSA den Ansatz erklären, den wir für den Entwurf der Stellungnahme verfolgt haben, und wir werden alle Fragen von Teilnehmern beantworten. Sie sind herzlich eingeladen, sich mit einzubringen!

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