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Laut EFSA könnten Schädlinge eine Gefahr für französische Bananenerzeuger in Übersee darstellen

Das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit (PLH) hat 15 wissenschaftliche Gutachten über Bananenpflanzenschädlinge verabschiedet. Auf Ersuchen der Europäischen Kommission beurteilte die EFSA die Risiken durch Bananenschädlinge für die bananenerzeugenden französischen Überseedepartements Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique und Réunion. Auf der Grundlage von Unterlagen der französischen Behörden und zusätzlicher wissenschaftlicher und technischer Daten gelangte das Gremium zu dem Schluss, dass die meisten untersuchten Schädlinge eine Bedrohung für die Lebensmittelerzeugung in diesen Überseedepartements darstellen könnten und für die Aufnahme Menge eines Stoffs (z.B. eines Nährstoff oder einer Chemikalie), der von einem Menschen oder einem Tier über die Nahrung aufgenommen wird in das EU-Verzeichnis der Schadorganismen in Betracht gezogen werden sollten1. Dies würde bedeuten, dass diese Schädlinge dadurch den EU-Pflanzenschutzmaßnahmen unterliegen könnten. Die vom Gremium untersuchten Organismen verursachen Berichten zufolge Schäden in Bananenkulturen in verschiedenen Teilen Süd- und Mittelamerikas, Asiens und Afrikas.

Einer der vom Gremium untersuchten Schädlinge war das Banana Bunchy Top Virus (BBTV), die Ursache einer der gefährlichsten Bananenpflanzenkrankheiten. Weltweit ist BBTV die mit Abstand gravierendste Viruserkrankung der Bananen und kann verheerende Auswirkungen auf Kulturen haben. Mit BBTV infizierte Pflanzen sind leicht zu erkennen, weil sich ihre Blätter einrollen und aufrichten. Vor allem aber tragen die betroffenen Pflanzen nur kleine und deformierte oder überhaupt keine Früchte. Das BBTV wird durch ein Insekt, die Bananenblattlaus, oder durch infiziertes Pflanzmaterial2 übertragen, das häufig von Bananenpflanzern eingeführt wird, um neue Plantagen anzulegen. Das BBTV ist zurzeit in zahlreichen asiatischen und afrikanischen Ländern sowie in Ozeanien und Hawaii verbreitet. Das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit hält das mit BBTV verbundene Pflanzengesundheitsrisiko für äußerst hoch. Nach Ansicht des Gremiums besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in die französischen Überseedepartements, in denen es derzeit nicht vorkommt, eindringen und sich dort ansiedeln und ausbreiten könnte. Wenn dies der Fall wäre, würde es schwere Schäden in den dortigen Bananenplantagen verursachen.

Auf dasselbe Ersuchen der Europäischen Kommission hin beschäftigte sich die EFSA auch mit der Gefährdung der in den französischen Überseedepartements angebauten Zitrusfrüchte durch andere Schädlinge. Die wissenschaftlichen Gutachten zu Zitrusschädlingen werden zurzeit vom Gremium für Pflanzengesundheit abgeschlossen und sollen im Mai veröffentlicht werden.

1 Richtlinie 2000/29/EG des Rates vom 8. Mai 2000 über Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse, ABl. L 169, 10.7.2000, 112 pp.
2 Bananenpflanzmaterial umfasst Vitropflanzen, Schößlinge und Kormusstücke (das Kormus oder Rhizom ist der verzweigte Stamm Subtyp eines Mikroorganismus, der durch seine genetische Zusammensetzung definiert ist; im Falle von Escherichia coli O157 beispielsweise bezieht sich der Teil „O157“ des Namens auf den Stamm der Bananenpflanze im Boden. Ein Schößling ist ein Austrieb einer vegetativen Knospe am Bananenkormus). Vitropflanzen werden durch Mikrovermehrung erzeugt, das heißt die schnelle Vermehrung von Stammpflanzenmaterial zur Erzeugung einer großen Zahl von Jungpflanzen mit modernen Methoden der Pflanzengewebekultur.

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