Berufsbedingte Exposition gegenüber Pestiziden: Aktueller Kenntnisstand und Perspektiven für Schutz und Prävention

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Die französische Behörde für Ernährungssicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben eine gemeinsame Konferenz zum Thema berufsbedingte Exposition gegenüber Pestiziden organisiert. Die zweitägige Veranstaltung, die am 28. und 29. Oktober stattfand, bot Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme der wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen im Bereich Pestizide sowie für Diskussionen über die Herausforderungen und Perspektiven im Hinblick auf Bewertung, Schutz und Prävention. Während der Tagung wurden das jüngste ANSES-Gutachten zur Wirksamkeit der persönlichen Schutzausrüstung für Anwender von Pflanzenschutzmitteln sowie das Leitliniendokument der EFSA zur Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit der Exposition von Anwendern und Arbeitskräften gegenüber Pestiziden vorgestellt. Den Abschluss der Konferenz bildete eine Diskussionsrunde, die sich vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse und Praktiken mit zu ergreifenden Präventivmaßnahmen zur Minimierung der berufsbedingten Exposition gegenüber Pflanzenschutzmitteln befasste.

ANSES und EFSA unternehmen innerhalb des europäischen Regulierungsrahmens für Pflanzenschutzmittel einander ergänzende Risikobewertungsaktivitäten. Daher entstand der Wunsch der beiden Agenturen, eine Konferenz zu organisieren, um einen Überblick über den aktuellen Wissensstand hinsichtlich der berufsbedingten Exposition gegenüber Pestiziden zu gewinnen und gemeinsame Präventionsmaßnahmen zur Verringerung des diesbezüglichen Expositionsrisikos zu planen.

Französische und internationale Wissenschaftler waren eingeladen, über verschiedene Themen zu referieren, wie etwa den Beitrag der Epidemiologie zum Verständnis der gesundheitlichen Auswirkungen von Pestiziden, die verbesserten Kenntnisse hinsichtlich der Pestizidexposition und Bewertungsmethoden sowie den Einfluss technischer und menschlicher Faktoren auf die Höhe der Pestizidexposition.

Vorstellung neuer Studienergebnisse und Arbeiten

Die Konferenz bot außerdem Gelegenheit zur ausführlichen Beschäftigung mit zwei kürzlich veröffentlichten Arbeiten. Die ANSES präsentierte Einzelheiten ihres Gutachtens über die Wirksamkeit der persönlichen Schutzausrüstung (Personal Protective Equipment – PPE). Labortests sowie eine Erhebung zur PPE-Verwendung von Landwirten unter realen Arbeitsbedingungen zeigten, dass die PPE nicht immer getragen wird, da die verfügbare Ausrüstung von den Trägern häufig als unbequem empfunden wird und nicht immer an die besonderen Anforderungen der durchzuführenden Tätigkeiten angepasst ist.

Die EFSA stellte ihr neues Leitliniendokument zur Bewertung der Exposition von Anwendern und Arbeitskräften vor. In dem Dokument wird eine Methodik zur Risikobewertung dargelegt, die Risikobewertern und Antragstellern aus der Industrie als Anleitung bei der Berechnung des Risikos für Personen dienen soll, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit oder räumlichen Nähe zu behandelten Flächen Pestiziden ausgesetzt sind.

Daneben wurden die vorläufigen Ergebnisse der AGRICAN-Kohortenstudie sowie ein Fortschrittsbericht über die Arbeit der von der ANSES eingesetzten Expertengruppe zur Pestizidexposition landwirtschaftlich Beschäftigter präsentiert. Die Expertengruppe hat sich zum Ziel gesetzt, eine Übersicht über die vorliegenden wissenschaftlichen Daten zu bestimmten Expositionssituationen unter realen Arbeitsbedingungen zu erstellen.

Die Konferenz endete mit einer Diskussionsrunde, deren Schwerpunkt auf den Perspektiven für Prävention und Anwenderschutz im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln lag.

Überblick und Perspektiven für die Zukunft

Während der von mehr als 200 Teilnehmern besuchten Konferenz präsentierten Wissenschaftler aus Europa und der ganzen Welt ihre Studien. Dabei betonten sie vor allem die erheblichen Fortschritte, die bei der Beschaffung von Daten zur berufsbedingten Pestizidexposition sowie hinsichtlich des Wissens um Haupteinflussfaktoren und -mechanismen einer solchen Exposition erzielt wurden. Des Weiteren wurde die Bedeutung der Anwendung dieser Forschungserkenntnisse zur Optimierung der Methoden und Modelle, die bei der Bewertung der berufsbedingten Exposition innerhalb eines regulatorischen Rahmens Verwendung finden, hervorgehoben. Es scheinen jedoch weitere Arbeiten erforderlich, um ein besseres Verständnis der Praktiken und damit der Exposition unter realen Arbeitsbedingungen nach dem Inverkehrbringen der Pflanzenschutzmittel zu erlangen.

Neben den Fortschritten beim Verständnis der berufsbedingten Exposition im Hinblick auf eine effektivere Risikobewertung wurden ferner die Gefahrenminderung an der Quelle und die Substitution als Wege zur Prävention diskutiert, die vorrangig erforscht werden sollten.

Am Ende der Tagung waren sich alle Teilnehmer über die Notwendigkeit einig, die Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen zwischen allen an Forschung und Regulierung auf europäischer Ebene Beteiligten fortzuführen. Dies unterstrich auch der Geschäftsführende Direktor der EFSA, Bernhard Url: „Die berufsbedingte Exposition gegenüber Pestiziden stellt die Risikobewerter vor eine Reihe von Herausforderungen. Wie jedoch diese gemeinsame Konferenz gezeigt hat, begegnen wir solchen Herausforderungen weiterhin am besten, indem wir unser Fachwissen bündeln und zusammenarbeiten. Ich freue mich darauf, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kollegen von der ANSES auf diesem und anderen Gebieten auch in Zukunft fortzuführen.“

Marc Mortureux, Generaldirektor der ANSES, teilte diesen Standpunkt: „Wissenschaft kennt keine Grenzen. Die Wahl, mit der EFSA und anderen Lebensmittelsicherheitsbehörden zusammenarbeiten oder nicht, stellt sich schlichtweg nicht. Zusammenarbeit ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine effiziente Risikobewertung und den wirksamen Schutz der Verbraucher.“

Pressekontakt:

ANSES: +33 1 49 77 27 80 – presse [at] anses.frwww.anses.fr@Anses_fr
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