Pestizide: Interessenvertreter diskutieren epidemiologische Studien

Paris
18. Februar 2015

Rund 50 Vertreter aus Wissenschaft und Industrie, von Aufsichtsbehörden und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie sonstigen interessierten Gruppen nahmen an einer erfolgreichen Wissenschaftsveranstaltung teil, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) organisiert wurde, um die Verwendung epidemiologischer Studien sowie Wege zu deren Einbeziehung bei der Risikobewertung von Pestiziden zu erörtern. 

Die in Paris stattfindende Konferenz wurde von José Tarazona, Leiter des Referats Pestizide der EFSA, eröffnet. In seinem Eröffnungsvortrag erklärte er, dass die EFSA vor kurzem mit der Arbeit an einem wichtigen Projekt zur Verwendung epidemiologischer Studien bei der Risikobewertung von Pestiziden begonnen hat und zu Beginn ihrer Überlegungen gerne die Ansichten der Interessengruppen hierzu einholen möchte. „Diese Studien sind ein wesentlicher Bestandteil des regulatorischen Verfahrens für die Zulassung bzw. Zulassungsverlängerung von Pestizidwirkstoffen. Die Herausforderung für uns alle besteht darin, sowohl die Qualität als auch die Verwendung epidemiologischer Studien bei der Risikobewertung zu verbessern“, so Tarazona.

Karin Nienstedt, die als Vertreterin der Europäischen Union anwesend war, sagte, der Workshop sei eine gute Gelegenheit, um eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und sich damit zu befassen, wie solche Studien im regulatorischen Kontext am besten eingesetzt werden könnten. Im Anschluss eröffnete Lars Niemann vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die erste Plenumssektion und betonte in seinem Beitrag, dass epidemiologische Studien ein weit komplexeres Umfeld wiederspiegeln als tierexperimentelle Studien, die unter kontrollierten Laborbedingungen durchgeführt werden, und dass es für die Aufsichtsbehörden einen Schritt nach vorne bedeuten würde, wenn mehr Klarheit in diesem Bereich geschaffen würde. „Das Fenster kann sauber oder schmutzig sein. Hoffentlich können wir mit dieser Konferenz für klarere Sicht sorgen“, so Niemann.

In weiteren Beiträgen erfuhren die Anwesenden über derzeit laufende Aktivitäten zur Epidemiologie von Pestiziden, darunter in Präsentationen der EFSA, der französischen Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES) und anderer Einrichtungen innerhalb und außerhalb Europas sowie von Vertretern des Europäischen Pflanzenschutzverbandes (ECPA) und NGOs. Anschließend verteilten sich die Teilnehmer auf kleinere Gruppen zur eingehenden Diskussion einzelner Aspekte.

Hintergrund

In den vergangenen Jahren ist in der frei zugänglichen Fachliteratur eine Fülle an epidemiologischen Studien erschienen, die Zusammenhänge zwischen einer Pestizidexposition und möglichen Folgen für die menschliche Gesundheit untersuchen. Im Jahr 2013 veröffentlichte die EFSA den Bericht einer systematischen Auswertung von Studien, die zwischen 2006 und 2012 publiziert wurden und einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen einer Exposition gegenüber Pestiziden und gesundheitlichen Folgen aufzeigen, darunter Leberkrebs, Brustkrebs, Typ-II-Diabetes, Leukämie bei Kindern und Parkinson. Dieser Befund entsprach den Ergebnissen eines Berichts des Nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung Frankreichs (INSERM).

Der EFSA-Bericht verwies jedoch auf eine Reihe methodischer Einschränkungen bezüglich der epidemiologischen Studien, wie etwa eine erhebliche Heterogenität der Daten, mangelnde Abschätzungen der direkten Exposition und die Verwendung generischer Pestizid-Definitionen. Dies erschwert es im Hinblick auf die Mehrzahl der untersuchten gesundheitlichen Folgen, eindeutige Schlussfolgerungen über mögliche Zusammenhänge zu ziehen. Das Vorliegen aussagekräftigerer, statistisch fundierter Studien, die exakte Daten über die tatsächliche Exposition liefern, würde die Regulierung von Pflanzenschutzmitteln in der Europäischen Union in hohem Maße unterstützen.

Ein ausführlicher Bericht über die Veranstaltung wird zu gegebener Zeit auf der Website der EFSA veröffentlicht werden.

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