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Die EFSA veröffentlicht Gutachten über den Schutz von Tieren während des Transports

Das Wissenschaftliche Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW Gremium) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit hat heute ein Gutachten über den Schutz der Tiere während des Transports veröffentlicht. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass eine Vielzahl von transportbedingten Stressoren in großem Maße zum schlechten Zustand der Tiere beitragen, insbesondere bei solchen Tierarten, die nicht an Menschen gewöhnt sind. Stressfaktoren erhöhen auch die Infektionsanfälligkeit der transportierten Tiere und die Weitergabe von infektiösen Erregern von bereits infizierten Tieren. Eine wichtige Maßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten infolge des Transports besteht in einem hohen Gesundheitsstatus in der Urspungspopulation. Genaue Inspektionen der Tiere werden auch deshalb gefordert, um die transportfähigen Tiere auszuwählen. Ist ein Transport erforderlich, sollten die Stress erzeugenden Bedingungen und die Transportdauer auf ein Mindestmaß reduziert werden. Transporte von Tieren, die nicht an den Kontakt mit Menschen gewöhnt sind, sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Alle am Transport der Tiere beteiligten Personen sollten gut ausgebildet sein, da eine angemessene Ausbildung sich außerordentlich positiv auf das Wohlbefinden der Tiere auswirkt. In seinem Gutachten gibt das AHAW Gremium sowohl allgemeine als auch von der Tierart abhängige Empfehlungen zum Schutz der Gesundheit und des Wohlbefindens von Tieren während des Transports.

Der Bericht des Wissenschaftlichen Ausschusses der EU für Tiergesundheit und Tierschutz "The welfare of animals during transport"1 [Der Schutz von Tieren während des Transports], der am 11. März 2002 angenommen wurde, beschäftigte sich insbesondere mit dem Transport von Pferden, Schweinen, Schafen und Rindern. Der Bericht und das Gutachten der EFSA gehen dagegen auf alle anderen häufig transportierten Tierarten ein. Dazu gehören: Geflügelarten, Laufvögel (Vögel, die nicht fliegen können, z. B. Strauße), Rehe, Rentiere, Kaninchen, Fische, Hunde, Katzen, Nagetiere, Primaten, exotische und wilde Tiere. Das AHAW Gremium hat die allgemeinen Grundsätze, die für alle bzw. die meisten Tierarten gelten, und den Schutz bestimmter Tierarten während des Transports berücksichtigt.

Professor Philippe Vannier, Vorsitzender des AHAW Gremiums , äußerte sich zum Gutachten wie folgt: "Der schlechte Zustand transportierter Tiere wird von Stress erzeugenden Bedingungen, denen die Tiere während des Ver- und Entladens ausgesetzt sind, und durch Infektions- und andere Krankheiten verursacht, die sich in dieser Situation verschlimmern können. Es ist wichtig, einen hohen Gesundheitsstatus der transportierten Tiere zu gewährleisten und alle Stress erzeugenden Bedingungen im Interesse der Gesundheit und des Wohlbefindens der Tiere auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die gemeinsame und multi-disziplinäre Erfahrung des AHAW Panels war besonders wichtig, um so ein komplexes und sensibles Thema zu behandeln und um angemessene Empfehlungen vorzuschlagen, wobei alle verfügbaren wissenschaftlichen Daten berücksichtigt wurden.“

Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen des AHAW Gremiums lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Viele der im Zusammenhang mit Tiertransporten auftretenden Stressfaktoren tragen in großem Maße zum schlechten Zustand der transportierten Tiere bei und erhöhen das Infektions- und Krankheitsrisiko. Veränderungen im Umfeld der Tiere (z. B. Futter, Kontakt zu Menschen, Verladebedingungen, Platz...) können bei den transportierten Tieren Stress auslösen. Alle Stress erzeugenden Bedingungen sollten auf ein Mindestmaß reduziert werden, insbesondere bei Tieren, die durch den Kontakt zu Menschen erheblich gestört und nicht an den Transport gewöhnt sind (z. B. wild gefangene Tiere, erwachsene Laufvögel, Rehböcke).
  • Die schlechte Behandlung der Tiere während des Ver- und Entladens oder unangemessenes Fahrverhalten haben verheerende Auswirkungen auf das Wohlbefinden der transportierten Tiere. Zur Reduzierung dieser Probleme sollten die Betreuer der Tiere entsprechend ausgebildet werden, und eine entsprechende Bezahlung sollte sie zu einem angemessenen Umgang mit den Tieren anspornen.
  • Durch den Transport von Säugetieren, Vögeln und Fischen können sowohl Tierkrankheiten als auch zoonotische Krankheiten verbreitet werden. Eine wichtige Maßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten infolge des Transports besteht darin, nur transportfähige Tiere auszuwählen. Wichtig sind die klinische Untersuchung vor dem Transport und Biosicherheitsmaßnahmen, einschließlich der Reinigung und Desinfektion der Transportfahrzeuge und Transporteinrichtungen.
  • Ferner sollte die Praxis unterbunden werden, Märkte für Schlachttiere abzuhalten, da dies die Transportdauer und den Kontakt mit infektiösen Erregern erhöhen würde. Die Tiere sollten an den Aufenthaltspunkten nicht entladen werden, da dies den Stress und die Infektionsgefahr erhöht. Beim Transport sollten die Tiere sorgsam verladen werden, die Besatzdichte und Deckenhöhe des Laderaums sollte ihrem normalen Bewegungsbedürfnis und ihrer Ruheposition gerecht werden. Der Kontakt zwischen den transportierten Tieren und anderen Tieren sollte auf ein Mindestmaß beschränkt sein, es ist ratsam, Isolierungsmaßnahmen auf den Bauernhöfen oder nach dem Transport eine Quarantäne zu verhängen.
  • Transportunfähige Tiere, z. B. weibliche Vögel, die während des Transports ein Ei legen könnten, und Säugetiere in den letzten Tagen vor ihrer Niederkunft, sollten nicht transportiert werden.
  • Zwar wird Mortalität häufig als ein Indikator der Transportbedingungen betrachtet, insbesondere bei Geflügelarten, jedoch ist dies als Maßstab für das Wohlbefinden der Tiere denkbar ungeeignet, da die Tiere vor ihrem Tod mitunter große Schmerzen und Qualen erlitten haben.

Kontakt

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