Chemische Stoffe in Lebensmitteln

Chemische Stoffe sind die Grundbausteine für alles in der Welt. Sämtliche Lebewesen – einschließlich Menschen, Tiere und Pflanzen – bestehen aus ihnen. Auch unsere Lebensmittel setzen sich aus chemischen Stoffen zusammen. Diese sind in der Regel unschädlich und oftmals sogar erwünscht – so etwa Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine, Fette und Ballaststoffe, die ebenfalls aus chemischen Verbindungen bestehen. Viele von ihnen kommen natürlich vor und tragen zu einer ausgewogenen Ernährung sowie einem abgerundeten Esserlebnis bei.

Chemische Stoffe können jedoch eine Vielzahl toxikologischer Eigenschaften haben, von denen sich einige auf Mensch und Tier auswirken können. Meist sind diese nicht schädlich, sofern wir ihnen nicht für lange Zeit und in hohen Dosen ausgesetzt sind. Wissenschaftler tragen zum Schutz gegen potenziell schädliche Wirkungen bei, indem sie sichere Grenzwerte ermitteln. Diese wissenschaftliche Beratung dient als Informationsgrundlage für Entscheidungsträger, welche die Verwendung chemischer Stoffe in Lebensmitteln regulieren bzw. versuchen, deren Vorkommen in der Lebensmittelkette zu begrenzen.

Chemische Stoffe spielen eine wichtige Rolle in der Lebensmittelproduktion und bei der Konservierung von Lebensmitteln. Lebensmittelzusatzstoffe können zum Beispiel die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern oder Lebensmitteln ein ansprechenderes Aussehen verleihen, wie im Falle von Lebensmittelfarbstoffen. Aromastoffe sollen Lebensmittel schmackhafter machen. Nahrungsergänzungsmittel werden als Nährstoffquellen eingesetzt.

Lebensmittelverpackungen und -behältnisse wie Flaschen, Becher und Teller, welche die Handhabung und den Transport von Lebensmitteln erleichtern sollen, können chemische Verbindungen wie Kunststoffe enthalten, aus denen Bestandteile in Lebensmittel übergehen können. Andere chemische Stoffe können eingesetzt werden, um Erkrankungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren oder Kulturpflanzen zu bekämpfen, oder finden sich mitunter in Lebensmitteln infolge von Herstellungsprozessen wie Erhitzen und Kochen oder aufgrund von Behandlungen zur Dekontamination.

Einige Pflanzen und Pilze produzieren natürliche Giftstoffe, die Kulturpflanzen kontaminieren und bedenklich für die Gesundheit von Mensch und Tier sein können. Menschen können sowohl natürlich vorkommenden als auch künstlich hergestellten chemischen Verbindungen ausgesetzt sein, die in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt vorhanden sind, wie etwa im Boden, im Wasser und in der Luft. Hierzu gehören zum Beispiel industrielle Schadstoffe wie Dioxine und PCB. Eine Reihe von Metallen kann auf natürliche Weise oder infolge menschlicher Aktivitäten in der Umwelt vorkommen.

Die EFSA unternimmt Risikobewertungen zu einer Vielzahl unterschiedlicher Stoffe, einschließlich solcher, die Lebens- und Futtermitteln bewusst beigefügt werden; chemischer Rückstände, die infolge von Produktion, Vertrieb, Verpackung oder Zubereitung in Lebens- und Futtermitteln vorkommen können; sowie Stoffen, die durch Kontakt mit der Umwelt vorhanden sein könnten.

Regulierte Lebensmittelzutaten

Einige chemische Stoffe werden Lebensmitteln aus unterschiedlichen technischen Gründen beigefügt, etwa um sie schmackhafter, haltbarer oder nährreicher zu machen.

Rückstände in der Lebensmittelkette

Mitunter befinden sich aufgrund von Verfahren zur Lebensmittelerzeugung und -zubereitung unbeabsichtigter Weise Spuren chemischer Stoffe in Lebensmitteln, wie etwa Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Zusatzstoffe, die in der Tierernährung eingesetzt werden. Geringe Spuren von chemischen Stoffen aus Verpackungen und anderen Lebensmittelkontaktmaterialien können ebenfalls unabsichtlich in Lebensmittel gelangen.

Kontaminanten in Lebens- und Futtermitteln

Natürlich vorkommende chemische Verbindungen wie Metalle und Nitrate sind in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt zu finden, z.B. im Boden, im Wasser und in der Atmosphäre. Aufgrund ihres Vorhandenseins in der Umwelt – infolge von menschlichen Aktivitäten wie Landwirtschaft und Industrie, durch Autoabgase oder bedingt durch Verfahren der Lebensmittelproduktion wie das Erhitzen bei hohen Temperaturen – können sie auch als Rückstände in Lebensmitteln vorkommen. Menschen können solchen Schadstoffen über die Umwelt oder die Aufnahme von belasteten Lebensmitteln bzw. kontaminiertem Wasser ausgesetzt sein.

Mitunter befinden sich aufgrund von Verfahren zur Lebensmittelerzeugung und -zubereitung unbeabsichtigter Weise Spuren chemischer Stoffe in Lebensmitteln, wie etwa Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Zusatzstoffe, die in der Tierernährung eingesetzt werden. Geringe Spuren von chemischen Stoffen aus Verpackungen und anderen Lebensmittelkontaktmaterialien können ebenfalls unabsichtlich in Lebensmittel gelangen.

Die EFSA leistet EU-Risikomanagern (Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten) wissenschaftliche Beratung in Form von Risikobewertungen sowie sonstige technische Unterstützung im Zusammenhang mit chemischen Stoffen in Lebens- und Futtermitteln. Die Risikomanager berücksichtigen die wissenschaftliche Beratung der EFSA zusammen mit anderen Faktoren, wenn sie über die Sicherheit dieser Stoffe für die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Umwelt befinden.

  • Genehmigung für das Inverkehrbringen von chemischen Stoffen, die in der Lebensmittelkette verwendet werden. Bevor chemische Stoffe in der EU zur Verwendung in Lebens- und Futtermitteln zugelassen werden können, führt die EFSA strenge Risikobewertungen durch, um zu ermitteln, welche Stoffe sicher und in welchen Konzentrationen verwendet werden können.
  • Risikobewertungen werden auch in Bezug auf Kontaminanten unternommen, die als möglicherweise bedenklich für die Gesundheit von Mensch und/oder Tier erachtet werden. Risikomanager können Maßnahmen ergreifen, um die Exposition von Menschen und Tieren gegenüber solchen Stoffen zu begrenzen, wenn die EFSA auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen hinweist.

1. Warum sind chemische Stoffe in Lebensmitteln enthalten?

Alle Nahrungsmittel, sämtliche lebende Materie und sogar unser Körper selbst bestehen aus chemischen Verbindungen. Viele chemische Substanzen in Lebensmitteln kommen in der Natur vor, und auch Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette, Ballaststoffe und eine Vielzahl weiterer Elemente und Verbindungen zählen dazu. 

Chemische Stoffe spielen eine wichtige Rolle in der Lebensmittelproduktion und bei der Konservierung von Lebensmitteln. Lebensmittelzusatzstoffe können zum Beispiel die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängern oder Lebensmitteln ein ansprechenderes Aussehen verleihen, wie im Fall von Lebensmittelfarbstoffen. Aromastoffe sollen Lebensmittel schmackhafter machen. Lebensmittelverpackungen und -behältnisse wie Flaschen, Becher und Teller enthalten chemische Verbindungen wie Kunststoffe, aus denen Bestandteile in die Lebensmittel übergehen können. Andere Chemikalien wiederum können zur Bekämpfung von Krankheiten bei Nutztieren oder Feldfrüchten verwendet werden.

Alle chemischen Stoffe, die zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen werden, müssen zuvor einer eingehenden Risikobewertung unterzogen werden, um sicherzugehen, dass sie unbedenklich sind. Die mögliche Wirkung solcher Substanzen auf unsere Gesundheit und Sicherheit hängt davon ab, wie stark wir ihnen ausgesetzt sind, zum Beispiel über die Lebensmittel, die wir essen, oder andere Expositionsquellen in der Umwelt. Deshalb führen Genehmigungsbehörden strenge Risikobewertungen aller chemischen Stoffe durch, die zur Verwendung in Lebensmitteln vorgeschlagen werden, um festzustellen, welche Substanzen in welchen Mengen verwendet werden können. So wird gewährleistet, dass die Verwendung chemischer Stoffe in Lebensmitteln oder auf Feldfrüchten (z. B. Pestizide) keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt hat.

Menschen können sowohl natürlich vorkommenden als auch künstlich hergestellten chemischen Verbindungen ausgesetzt sein, die in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt vorhanden sind, wie etwa im Boden, im Wasser und in der Luft. Hierzu gehören zum Beispiel Umweltschadstoffe wie Dioxine und PCB. Die Ansammlung solcher Stoffe im Körper kann mit der Zeit zu gesundheitsschädlichen Wirkungen führen. Deshalb beurteilen Risikobewertungsbehörden wie die EFSA mögliche negative gesundheitliche Auswirkungen durch die Exposition gegenüber solchen Umweltchemikalien, die auch in Lebensmitteln vorkommen können. 

2. Welche Rolle spielt die EFSA bei der Bewertung der Sicherheit von chemischen Stoffen in Lebensmitteln?

In der Europäischen Union besteht ein solides Genehmigungssystem, um die Verbraucher vor möglichen Risiken durch chemische Stoffe in Lebensmitteln zu schützen.

Die EFSA spielt eine wichtige Rolle in diesem System. Als Risikobewerter leistet sie unabhängige wissenschaftliche Beratung, um die Risikomanager (EU-Organe und Mitgliedstaaten) dabei zu unterstützen, angemessene rechtliche Rahmenbedingungen für Genehmigungsverfahren zu schaffen und Entscheidungen zum Schutz der Verbraucher zu treffen. Bei diesen Entscheidungen kann es sich um eine neue oder geänderte europäische Gesetzgebung bezüglich der Sicherheit von Lebens- oder Futtermitteln handeln bzw. um die Frage, ob regulierte Substanzen wie Pestizide und Lebensmittelzusatzstoffe genehmigt werden, und, wenn ja, in welchen Lebensmitteln und Feldfrüchten sowie in welchen Mengen.

Eine Reihe von wissenschaftlichen Gremien der EFSA, die aus Sachverständigen aus ganz Europa zusammengesetzt sind, und mehrere EFSA-Referate sind an der Risikobewertung von chemischen Stoffen in Lebensmitteln beteiligt. Sie sind für die Risikobewertungsaktivitäten der EFSA verantwortlich, wozu auch die Erstellung wissenschaftlicher Gutachten auf Ersuchen von Risikomanagern oder in Eigeninitiative gehört.

  • Das ANS-Gremium befasst sich mit Fragen der Sicherheit der Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen, Nährstoffquellen und anderen Substanzen, die Lebensmitteln absichtlich zugesetzt werden, mit Ausnahme von Aromastoffen und Enzymen.
  • Das CEF-Gremium befasst sich mit Fragen der Sicherheit der Verwendung von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzymen, Aromastoffen und Verarbeitungshilfsstoffen und darüber hinaus mit Fragen, die die die Sicherheit von Verfahren betreffen.
  • Das FEEDAP-Gremium befasst sich mit Zusatzstoffen und Erzeugnissen/Substanzen in der Tiernahrung.
  • Das PPR-Gremium befasst sich mit Pflanzenschutzmitteln (gemeinhin als Pestizide bezeichnet) und ihren Rückständen.
  • Zusätzlich ist das PRAPeR-Referat für das EU-Peer-Review der Risikobewertung von Wirkstoffen, die in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden, verantwortlich und befasst sich mit Aufgaben, die die Festsetzung von Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Levels – MRL) für diese Produkte betreffen.
  • Das CONTAM-Gremium leistet wissenschaftliche Beratung zu Kontaminanten, unerwünschten Substanzen und Rückständen von nicht zugelassenen Stoffen in der Nahrungskette, die von den anderen Gremien nicht abgedeckt werden.

3. Wie bewertet die EFSA die Sicherheit von chemischen Stoffen in Lebensmitteln?

Die Beratung der EFSA dient als Informationsgrundlage für die politischen Entscheidungen der Risikomanager – weshalb die EFSA einen Großteil ihrer Tätigkeit als Reaktion auf Beratungsersuche der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments und der EU-Mitgliedstaaten durchführt. Sie kann aber auch eigene wissenschaftliche Aktivitäten in die Wege leiten. 

Die Hauptaufgabe der EFSA besteht darin, wissenschaftliche Risikobewertungen zu möglichen Gefahren im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette, einschließlich potenzieller Risiken, die von chemischen Stoffen in Lebensmitteln ausgehen, durchzuführen. Das Beurteilungsstadium ist der Hauptteil der Risikobewertung und wird von wissenschaftlichen Experten durchgeführt, die damit beauftragt werden, Gutachten zu bestimmten Fragestellungen zu erstellen. Ihre Arbeit beinhaltet die Überprüfung der einschlägigen Daten einschließlich der Ergebnisse von Studien mit Versuchstieren und, soweit möglich, Beobachtungen bei Menschen. In Bezug auf regulierte Substanzen prüfen Experten die von der Industrie eingereichten Anträge (wie etwa der Lebens- oder Futtermittelhersteller). Diese Anträge müssen gemäß den Datenanforderungen erstellt werden, die in den Leitfäden der EFSA über die von den EFSA-Gremien zu verwendenden Risikobewertungsmethoden festgelegt sind. Bei der Prüfung von Anträgen der Industrie bewerten die Experten alle verfügbaren Informationen und Daten, um zu bestimmen, ob und in welchen Mengen der betreffende Stoff ein Risiko für die Gesundheit von Mensch und Tier und gegebenenfalls für die Umwelt darstellen kann. 

4. Was bedeutet die zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert)?

Die zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) ist die Menge einer bestimmten Substanz (zum Beispiel eines Lebensmittelzusatzstoffs oder eines Pestizidrückstands) in Lebensmitteln bzw. im Trinkwasser, die ohne ein nennenswertes Gesundheitsrisiko lebenslang täglich aufgenommen werden kann. 

ADI-Werte sind auf das Körpergewicht bezogen und werden gewöhnlich in Milligramm (der Substanz) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag angegeben.

ADI-Werte stützen sich auf eine wissenschaftliche Überprüfung sämtlicher bis dato verfügbarer toxikologischer Daten zu einer bestimmten chemischen Substanz, einschließlich Langzeituntersuchungen an Tieren, um den NOAEL-Wert (No Observed Adverse Effect Level) zu bestimmen. Dies ist die höchste beobachtete oder experimentell festgestellte Konzentration bzw. Menge einer Substanz, die keine nachweisbare negative Auswirkung in der exponierten Population verursacht.

Der NOAEL-Wert wird durch einen Sicherheitsfaktor von üblicherweise 100 reduziert (was einen ADI-Wert von 1 Prozent des NOAEL-Werts ergibt), um die Unterschiede zwischen Versuchstieren und Menschen (Faktor 10) sowie mögliche Unterschiede in der Empfindlichkeit zwischen Menschen (weiterer Faktor von 10) zu berücksichtigen.

Vereinzelte Überschreitungen des ADI-Werts sind an sich nicht besorgniserregend, da der ADI-Wert die lebenslange tägliche Exposition gegenüber einer Substanz berücksichtigt. 

5. Ist die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI-Wert) dasselbe wie der ADI-Wert?

Die beiden Werte sind einander ähnlich, bedeuten jedoch nicht dasselbe. ADI-Werte betreffen chemische Stoffe, die einem Erzeugnis oder einer Zutat absichtlich zugesetzt werden oder auf Lebensmitteln nachweisbar sind, zum Beispiel nachdem Feldfrüchte mit Pestiziden oder Fungiziden behandelt wurden. Eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake – TDI-Wert) ist hingegen ein Schätzwert der Menge eines chemischen Schadstoffs, dem wir durch Umweltbelastung ausgesetzt sein können und der, wenn er sich in Lebensmitteln befindet, lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass ein wesentliches Gesundheitsrisiko besteht. Die Exposition gegenüber solchen Schadstoffen ist zwar nicht wünschenswert, jedoch unter Umständen nicht zu vermeiden, da einige Schadstoffe infolge von Umweltverschmutzungen in Lebensmitteln auftreten können (z. B. Blei, Dioxine usw.). 

Dieser Wert kann auch als tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI-Wert) einer Substanz ausgedrückt werden. 

6. Wie kann die EFSA sichergehen, dass sie bei der Durchführung ihrer Risikobewertungen die besten wissenschaftlichen Methoden verwendet?

Die EFSA verwendet bei ihren Risikobewertungen international anerkannte Methoden, um dazu beizutragen, die Gesundheit von Verbrauchern und Tieren sowie die Umwelt zu schützen. 

Die EFSA hat einen umfassenden Bestand an bewährten Methoden und Verfahren der Risikobewertung entwickelt, um die Experten ihres Wissenschaftlichen Ausschusses und ihrer wissenschaftlichen Gremien anzuleiten und um sicherzustellen, dass die Gutachten der EFSA den höchsten wissenschaftlichen Anforderungen genügen.

Der Wissenschaftliche Ausschuss ist für die allgemeine Koordinierung verantwortlich, um die Kohärenz der von den wissenschaftlichen Gremien erstellten wissenschaftlichen Gutachten zu gewährleisten. Er konzentriert sich auf die Entwicklung harmonisierter Methoden für die Risikobewertung in Bereichen, in denen noch keine EU-weit gültigen Verfahren festgelegt wurden.

Der Wissenschaftliche Ausschuss hat ferner Leitlinien für die EFSA und ihre Gremien in Bezug auf die Transparenz ihrer Risikobewertungen festgelegt. Im Interesse der Transparenz müssen die Risikobewertungen der EFSA verständlich sein und standardisierte Verfahren und Begriffe verwenden. Neben anderen Anforderungen müssen auch sämtliche verwendeten Daten, die Datenquellen, deren Qualität und Relevanz sowie die Annahmen der Experten bei der Analyse der Daten dokumentiert werden. Wichtig ist außerdem, dass in den Risikobewertungen klar angegeben wird, was bekannt ist und was nicht, wobei wissenschaftlich unsichere Bereiche sowie Lücken in den Daten oder der Erkenntnisgrundlage hervorgehoben werden sollten.

Da die Wissenschaft nicht still steht, ist die EFSA bestrebt, ihre bewährten Methoden der Risikobewertung kontinuierlich weiterzuentwickeln, und erarbeitet weitere Leitlinien, Empfehlungen und Verfahren, um ihre Vorgehensweisen ständig zu verbessern. 

7. Bewertet die EFSA Lebensmittelzusatzstoffe wie zum Beispiel Lebensmittelfarbstoffe?

Gemäß einer Verordnung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2008 müssen alle Lebensmittelzusatzstoffe einer Sicherheitsbewertung durch die EFSA unterzogen werden, bevor sie von EU-Risikomanagern genehmigt werden können. Die gleiche Verordnung schreibt außerdem vor, dass die EFSA alle Lebensmittelzusatzstoffe, die vor dem 20. Januar 2009 für die Verwendung in der EU genehmigt wurden, mit den neuesten Risikobewertungsmethoden neu bewerten muss. Die Kommission hat Fristen für die Neubewertung verschiedener Gruppen von Zusatzstoffen, wie etwa Lebensmittelfarbstoffe, Süßungsmittel und Konservierungsstoffe, festgesetzt. Die Frist für alle diese Neubewertungen ist der 31. Dezember 2020. Zahlreiche Neubewertungen sind jedoch bereits abgeschlossen. 

Die EFSA muss mitunter auch auf Ad-hoc-Ersuchen der Europäischen Kommission reagieren und bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe in Anbetracht neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder veränderter Verwendungsbedingungen neu bewerten bzw. die Priorität der Bewertungen neu festlegen.

Im Jahr 2007 bewertete die EFSA zum Beispiel die Wirkung von Gemischen bestimmter Lebensmittelfarbstoffe und des Konservierungsstoffs Natriumbenzoat auf das Verhalten von Kindern, nachdem Forscher an der Universität Southampton im Vereinigten Königreich eine entsprechende Studie veröffentlicht hatten. Die Wissenschaftler der EFSA gelangten mit Unterstützung von Experten für Verhalten, Kinderpsychiatrie, Allergien und Statistik zu dem Schluss, dass die Studie begrenzte Belege dafür lieferte, dass die untersuchten Zusatzstoffgemische eine geringfügige Auswirkung auf die Aktivität und Aufmerksamkeit einiger Kinder hatten. 

In einem anderen Fall änderte die EFSA die bestehenden ADI-Werte für eine Gruppe von vier Zuckerkulören und setzte einen ADI-Gesamtwert für alle vier fest. Das zuständige Gremium untersuchte auch die Sicherheit einiger Nebenprodukte, die bei der Herstellung dieser Farbstoffe entstehen, und empfahl, ihre Konzentrationen in Zuckerkulören so niedrig wie technisch möglich zu halten.

8. Hat sich die EFSA in letzter Zeit mit künstlichen Süßstoffen befasst?

Die EFSA bewertet auch die Sicherheit künstlicher Süßungsmittel.

Im Dezember 2013 veröffentlichte die Behörde ihre vollständige Risikobewertung zu Aspartam.

Das ANS-Gremium befasste sich vor kurzem auch mit Steviolglykosiden. Dies sind Süßstoffe, die aus den Blättern der Steviapflanze extrahiert werden. In einem im April 2010 veröffentlichten Gutachten gelangte das Gremium zu dem Schluss, dass diese Stoffe weder genotoxisch (das Erbgut in den Zellen des Körpers schädigend) noch karzinogen (krebserregend) sind, und legte einen ADI-Wert von 4 mg pro kg Körpergewicht pro Tag fest. Auf Ersuchen der Europäischen Kommission überprüfte die EFSA ihre frühere Bewertung der Verbraucherexposition gegenüber diesen Süßungsmitteln auf der Grundlage geänderter Verwendungsmengen, die von den Antragstellern vorgeschlagen wurden. Im Januar 2011 gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass die überarbeiteten Expositionsschätzungen zwar etwas niedriger als im Gutachten vom April 2010 sind, Erwachsene und Kinder mit hohem Konsum von Lebensmitteln, die die betreffenden Süßungsmittel enthalten, jedoch nach wie vor den vom Gremium festgelegten ADI-Wert überschreiten können, wenn die Süßungsmittel in den von den Antragstellern angegebenen Höchstmengen verwendet werden.

9. Sind die in Lebensmitteln verwendeten Aromastoffe unbedenklich?

Aromastoffe werden seit langem sicher eingesetzt und in vergleichsweise geringen Mengen verwendet, sodass die Verbraucherexposition relativ niedrig ist. 

Der rechtliche Rahmen für Lebensmittelaromen ist EU-weit harmonisiert, und die Risikobewertungen der EFSA unterstützen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Erstellung einer Liste der Aromastoffe, die in der EU verwendet werden dürfen.

Im Jahr 2010 schloss das Gremium für Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, Enzyme, Aromastoffe und Verarbeitungshilfsstoffe (CEF-Gremium) die erste Phase einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung von 2 067 in der EU verwendeten Aromastoffen ab. 

10. Hat das CEF-Gremium Bedenken in Bezug auf Aromastoffe geäußert?

Das CEF-Gremium stellte fest, dass die Mehrzahl der Aromastoffe (1 667) keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken gibt. Für ungefähr 400 Substanzen hat die EFSA bei den Herstellern weitere Daten angefordert. Deren Bewertung wurde zurückgestellt, und die EFSA wird diese Substanzen erneut beurteilen, sobald die erforderlichen Daten eingehen. 

2009 hat das Gremium auch die erstmalige Überprüfung der Sicherheit von 11 in der EU verwendeten Raucharomen abgeschlossen. Zwei der Raucharomen gaben keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken. Bei acht anderen konnten die Sachverständigen Bedenken hinsichtlich einer möglichen Genotoxizität (Schädigung des genetischen Materials in den Zellen) anhand der verfügbaren Daten allerdings nicht ausräumen, und die Sicherheit von einem weiteren Raucharoma konnte aufgrund fehlender geeigneter Daten nicht bewertet werden.

Auf der Grundlage der Arbeiten der EFSA wird die Europäische Kommission eine Liste von Raucharomaprodukten erstellen, die zur Verwendung in Lebensmitteln zugelassen sind. 

11. Hat eine Bewertung jemals dazu geführt, dass ein Lebensmittelzusatzstoff vom Markt genommen wurde?

Ja, die Empfehlung der EFSA kann zu einem Verbot führen. Im Jahr 2007 beispielweise gaben die Sachverständigen der EFSA zu bedenken, dass der Lebensmittelfarbstoff Rot 2G (E 128) – der in bestimmten Frühstückswürsten und Burger-Fleisch zulässig war – Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken geliefert hat, da er bei Tieren für karzinogen und genotoxisch befunden wurde. Innerhalb eines Monats, nachdem die Empfehlung der EFSA angenommen wurde, haben die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten die Verwendung dieses Farbstoffs in Lebensmitteln ausgesetzt.

12. Beurteilt die EFSA die Sicherheit von Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen?

Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sind alle Materialien und Artikel, die für den Kontakt mit Lebensmitteln vorgesehen sind, wie Verpackungen und Behälter, Küchengeräte, Besteck und Geschirr. Die Sicherheit dieser Materialien muss bewertet werden, da Moleküle aus diesen Materialien in Lebensmittel übergehen können. 

Ein prominentes Beispiel ist Bisphenol A (BPA). BPA ist eine chemische Verbindung, die hauptsächlich zusammen mit anderen chemischen Substanzen zur Herstellung von Kunststoffen und Harzen verwendet wird, die bei der Produktion von Lebensmittelbehältern zum Einsatz kommen, wie Mehrweg-Getränkeflaschen, Geschirr (Teller und Becher) und Vorratsbehälter.

Die EFSA hat ihre Empfehlung zu BPA im September 2010 aktualisiert. Nach eingehender und umfassender Prüfung der neuesten wissenschaftlichen Literatur und Studien zur Toxizität von BPA in geringen Dosen kamen die Wissenschaftler des CEF-Gremiums der EFSA zu dem Schluss, dass keinerlei neue Erkenntnisse erlangt werden konnten, die dazu Anlass geben, den gegenwärtigen, von der EFSA in einem Gutachten aus dem Jahr 2006 empfohlenen und in einem weiteren Gutachten aus dem Jahr 2008 bestätigten Wert der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI-Wert) für BPA von 0,05 mg/kg Körpergewicht abzuändern. Das Gremium stellte außerdem fest, dass die derzeit verfügbaren Daten keine überzeugenden Nachweise für eine Toxizität von BPA im Hinblick auf neurologisch bedingte Verhaltensstörungen liefern.

Ein Gremiumsmitglied brachte eine Minderheitsauffassung zum Ausdruck, der zufolge einige neuere Studien auf Ungewissheiten bezüglich gesundheitsschädlicher Wirkungen unterhalb der Mengen hinweisen, die zur Bestimmung des aktuellen TDI-Werts herangezogen wurden. Obwohl das Gremiumsmitglied sich der allgemeinen Auffassung der restlichen Gremiumsmitglieder anschloss, dass diese Studien nicht als Grundlage für die Festlegung eines niedrigeren TDI-Werts dienen können, empfahl der Sachverständige, den aktuellen TDI-Wert in einen vorläufigen umzuwandeln.

Angesichts der wissenschaftlichen Unsicherheiten und um die Exposition von Kleinkindern gegenüber BPA weiter zu verringern, hielt die Europäische Kommission es für notwendig und angebracht, die Herstellung von BPA-haltigen Säuglingsflaschen aus Kunststoff ab 1. März 2011 zu verbieten.

Nach einer ersten Auswertung neuerer Veröffentlichungen im Rahmen der kontinuierlichen Sichtung wissenschaftlicher Literatur durch die EFSA veröffentlichte das CEF-Gremium im November 2011 eine Stellungnahme, in der bestätigt wird, dass das Gremium nach weiterer Auswertung jüngster Studien sowie neuester Daten aus Studien mit Niedrigdosen, die derzeit in den USA durchgeführt werden und 2012 zur Verfügung stehen sollen, sein Gutachten überprüfen wird.

13. Wie werden Verbraucher gegen die möglichen schädlichen Auswirkungen von Pestiziden und ihren Rückständen geschützt?

Die EU-Gesetzgebung zum Schutz von Verbrauchern, Anwendern (z. B. Landwirte) und Tieren sowie der Umwelt vor schädlichen Wirkungen durch Pestizide und ihre Rückstände hat eine lange Geschichte. 

Seit August 2002 ist die EFSA für das EU-Peer-Review der Risikobewertungen von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln zuständig.

Für jede Substanz wird eine vorläufige anfängliche Risikobewertung von Sachverständigen in einem Mitgliedstaat vorgenommen. Für diese Bewertung erfolgt dann eine Überprüfung durch Experten der EFSA (Peer Review). Dies geschieht in Kooperation mit allen Mitgliedstaaten, um die höchstmöglichen Standards zu gewährleisten.

Die EFSA formuliert dann Schlussfolgerungen, die das Ergebnis des Peer-Review-Verfahrens zusammenfassen; diese werden der Europäischen Kommission übermittelt.

Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten treffen eine Entscheidung darüber, ob ein Wirkstoff in die Liste der in der EU zugelassenen Wirkstoffe aufgenommen werden soll oder nicht.

Die EFSA ist außerdem für das Vorschlagen von Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Levels – MRL) für Pestizide zuständig. 

14. Was sind Rückstandshöchstmengen (MRL)?

Verbraucher sind Pestiziden ausgesetzt, da sich geringe Mengen auf geernteten Feldfrüchten befinden können. Diese Mengen werden als Pestizidrückstände bezeichnet.

Rückstandshöchstmengen (Maximum Residue Levels – MRL) sind die Obergrenzen von Pestizidrückständen, die in/auf Nahrungs- oder Futtermitteln gesetzlich zulässig sind. Diese müssen für alle Verbraucher sicher sein und werden so niedrig wie möglich festgesetzt, um gefährdete Verbraucher wie Kinder zu schützen. Rückstandshöchstmengen basieren auf guter Landwirtschaftspraxis, d. h. der geringstmöglichen Menge von Pestiziden, die erforderlich ist, um die Feldfrüchte zu schützen.

Rückstandshöchstmengen werden für eine Vielzahl von Nahrungsmitteltypen festgelegt – etwa für Obst und Gemüse oder auch tierische Produkte wie Milch –, und sie beziehen sich gewöhnlich auf das Produkt in der Form, in der es auf den Markt gelangt.

Die MRL-Werte werden einer ständigen Überprüfung unterzogen. Werden neue Daten bekannt, die auf ein mögliches Risiko hindeuten, können die Werte herabgesetzt werden, um die Exposition von Anwendern, Verbrauchern und/oder der Umwelt zu schützen. 

15. Wie sieht die Situation in Europa im Hinblick auf Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln aus?

Die Mitgliedstaaten kontrollieren die Einhaltung der Rückstandshöchstmengen von Pestiziden in Nahrungs- und Futtermitteln und legen die Ergebnisse der Kommission und der EFSA vor. Die EFSA erstellt dann einen Jahresbericht, der eine Übersicht über die in der gesamten EU beobachteten Pestizidrückstände liefert, und bewertet die Exposition von Verbrauchern durch die Nahrung. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für Entscheidungsträger, möglicherweise neue oder geänderte Maßnahmen im Rahmen des Risikomanagements in Betracht zu ziehen.

Im letzten Bericht (basierend auf den Zahlen von 2008) wurde festgestellt, dass 96,5 % der Proben innerhalb der MRL-Grenzen lagen. Die Mehrzahl der verbleibenden 3,5 % der Proben, die die MRL-Grenzen überschritten, wurde in Nahrungsmitteln gefunden, die in die EU importiert wurden. Insgesamt wurden über 70 000 Proben von nahezu 200 verschiedenen Arten von Nahrungsmitteln auf Pestizidrückstände untersucht. 

16. Berücksichtigt die EFSA mögliche Risiken durch die Exposition gegenüber Gemischen aus chemischen Stoffen – gelegentlich als „Cocktail-Effekte“ bezeichnet?

Ja, die EFSA arbeitet an einer Verfeinerung der Bewertungsmethoden zur Beurteilung möglicher Risiken durch die gleichzeitige Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen in der Nahrung. Die EFSA arbeitet mit Zulassungsbehörden, Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern in Europa und weltweit daran, die Methoden zur Bewertung dieser Arten von Risiken zu verbessern. Mit diesen Methoden bekommen Risikobewerter neue Werkzeuge an die Hand, um mögliche kombinierte Wirkungen zu beurteilen, die sich aus der Exposition gegenüber mehreren chemischen Stoffen ergeben.

Im Bereich der Pestizide befasst sich die Arbeit der EFSA mit Gruppen von Pestiziden, die eine ähnliche chemische Struktur und Wirkungsweise haben, um festzustellen, ob ihr Einfluss auf die Gesundheit des Menschen eher kollektiv als auf individueller Basis beurteilt werden sollte. Im Rahmen der laufenden Arbeit in diesem Bereich wählte das EFSA-Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR) einige Pestizide aus der Gruppe der Triazolfungizide aus, um mögliche Methoden für die Bewertung der kumulativen Wirkungen aus der Exposition durch Nahrungsmittel zu testen. 

Darüber hinaus betreibt die EFSA ähnliche Forschungsarbeiten für andere Chemikalien, die sich in Nahrungsmitteln finden, wie Lebensmittelzusatzstoffe, Kontaminanten und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

17. Untersucht die EFSA die Belastung von Lebensmitteln durch Umweltschadstoffe?

Natürlich vorkommende chemische Verbindungen wie Metalle und Nitrate sind in verschiedenen Konzentrationen in der Umwelt zu finden, z. B. im Boden, im Wasser und in der Atmosphäre. Aufgrund ihres Vorhandenseins in der Umwelt – infolge von menschlichen Aktivitäten wie Landwirtschaft und Industrie, durch Autoabgase oder Kontamination während der Lebensmittelverarbeitung und -lagerung – können sie auch als Rückstände in Lebensmitteln vorkommen. Menschen können ihnen über die Umwelt oder durch die Aufnahme von belasteten Nahrungsmitteln bzw. kontaminiertem Wasser ausgesetzt sein. Die Ansammlung von Schadstoffen im Körper kann mit der Zeit zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

2009 führte das CONTAM-Gremium der EFSA eine Risikobewertung von Cadmium in Nahrungsmitteln durch und legte eine zulässige wöchentliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake – TWI) von 2,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht (µg/kg KG) fest. Lebensmittel sind für die nicht rauchende Allgemeinbevölkerung die Hauptquelle für eine Cadmiumexposition. Cadmium ist ein Metall, das über die Wurzeln von Pflanzen in essbare Blätter, Früchte und Samen aufgenommen werden oder sich im Gewebe von Tieren ansammeln kann, das für den menschlichen Verzehr vorgesehen ist.

2011 bestätigte das CONTAM-Gremium seine früheren Schlussfolgerungen im Hinblick auf den TWI-Wert für Cadmium. Die Sachverständigen bestätigten erneut, dass, auch wenn nachteilige Wirkungen bei Menschen aufgrund der derzeitigen Nahrungsexposition unwahrscheinlich sind, eine Notwendigkeit bestehe, die Cadmiumexposition der Gesamtbevölkerung zu reduzieren. 

Die EFSA hat ferner Empfehlungen zu Nitraten in Gemüse ausgesprochen. Nitrat ist eine natürlich vorkommende Verbindung in Gemüse, dessen Verzehr erheblich zur Nitratexposition durch die Nahrung beitragen kann. 

Das CONTAM-Gremium der EFSA veröffentlichte 2010 eine Erklärung zu möglichen akuten gesundheitlichen Auswirkungen von Nitrat bei Säuglingen und Kleinkindern, die Spinat und Kopfsalat konsumieren. Das Gremium kam zu dem Schluss, dass die Nitratkonzentration in diesen Gemüsen für die meisten Kinder keinen Anlass zu gesundheitlichen Bedenken gibt. Es stellte jedoch auch fest, dass Säuglinge und Kinder im Alter von 1–3 Jahren, die große Mengen Spinat mit hohen Nitratkonzentrationen konsumieren, mitunter eine Aufnahmemenge erreichen können, bei der das Risiko einer Methämoglobinämie (oder „Blausucht des Neugeborenen“, einer Störung, bei der die Sauerstoffzufuhr zum Körper reduziert wird) nicht ausgeschlossen werden kann. 

18. Was geschieht, wenn Bedenken hinsichtlich einer unvorhergesehenen chemischen Schadstoffbelastung in der Nahrungskette bestehen?

Wird ein neues Risiko im Zusammenhang mit der Lebensmittelkette festgestellt – wie etwa bei den jüngsten Fällen von mit Dioxin belastetem Schweinefleisch oder Melamin, das in verschiedenen Lebensmitteln festgestellt wurde –, müssen Wissenschaftler ohne Zeitverzug beurteilen, wer dem Risiko ausgesetzt ist, über welche Lebensmittel dies geschieht, und wie hoch die Gehalte sind. Dies soll eine rasche und zuverlässige Risikobeurteilung gewährleisten und Risikomanagern dabei helfen, angemessene Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher zu ergreifen.

Im Dezember 2008 beispielsweise stellte die EFSA der Europäischen Kommission nach der Entdeckung von dioxinbelastetem irischen Schweinefleisch dringliche wissenschaftliche und technische Unterstützung im Hinblick auf Risiken für die menschliche Gesundheit zur Verfügung.

Dank der Beratung durch die EFSA konnten die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten Bedingungen anordnen, die Nahrungsmittel erfüllen müssen, um wieder auf den Markt gebracht werden zu dürfen. Eine so rasche Reaktion zeigt, welchen Nutzen die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten, der EFSA und der Europäischen Kommission sowohl für die Verbraucher als auch für die Industrie haben kann.

Ebenfalls im Jahr 2008, nach der Entdeckung von mit Melamin verunreinigtem Milchpulver in China, ersuchte die Europäische Kommission die EFSA um dringliche wissenschaftliche Beratung zu den Risiken für die menschliche Gesundheit durch das mögliche Vorliegen von Melamin in Lebensmitteln wie Schokolade und Keksen.

Die Empfehlung der EFSA wurde in weniger als fünf Arbeitstagen bereitgestellt und half der Europäischen Kommission, Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher zu ergreifen, einschließlich eines Verbots aller Produkte für Säuglinge und Kleinkinder, die aus China stammende Milch enthielten.

Für weitere Informationen zu dringlichen Ersuchen um wissenschaftliche Beratung siehe: 

19. Wie stellt die EFSA die Unabhängigkeit ihrer wissenschaftlichen Beratung sicher?

Die Richtlinien der EFSA für Interessenerklärungen (Declarations of Interest – DoI) gehören zu den strengsten, die weltweit in Kraft sind. Die EFSA wendet eine Reihe von soliden internen Mechanismen und Verfahren an, um die Unabhängigkeit der wissenschaftlichen Arbeit ihrer Sachverständigen sicher zu stellen. Alle Sachverständigen sind verpflichtet, für jedes EFSA-Gremium, in dem sie tätig sind, eine jährliche Interessenerklärung abzugeben und diese gegebenenfalls zu aktualisieren. Die EFSA ist sich gleichsam bewusst, dass wissenschaftliche Expertenkenntnisse von hoher Qualität naturgemäß auf vorheriger Erfahrung basieren. Sie erkennt außerdem an, dass aus dem Vorhandensein eines Interesses nicht notwendigerweise das Vorliegen eines Interessenkonflikts abzuleiten ist. 

Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Ausschusses, der wissenschaftlichen Gremien und ihrer Arbeitsgruppen sowie sonstige externe Sachverständige, die zur Arbeit der EFSA beitragen, werden nach objektiven und transparenten Kriterien aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz und Fachkenntnisse ausgewählt. Im Rahmen des Auswahlverfahrens werden auch die von den Bewerbern eingereichten Interessenerklärungen geprüft. Darüber hinaus überprüfen unabhängige externe Bewerter die Beurteilungen der Bewerbungen um Mitgliedschaft in einem wissenschaftlichen Gremium, um einen kohärenten Auswahlprozess zu gewährleisten.

Die Gutachten der EFSA sind das Ergebnis von kollektiven Beratungen, bei denen alle Mitglieder gleiches Mitspracherecht haben. Die Sachverständigen können als Einzelne keinen unangemessenen Einfluss auf die Entscheidungen des Gremiums nehmen; Minderheitsansichten werden aufgezeichnet.