Nanotechnologie

Die Nanotechnologie ist ein Fachgebiet der angewandten Wissenschaften und Technologien, das sich mit der gezielten Beeinflussung von Materie auf atomarer und molekularer Ebene, normalerweise im Bereich von unter 100 Nanometern, befasst. Nanomaterialien können ganz andere physikalische und chemische Eigenschaften aufweisen als dieselben Stoffe in normalen Abmessungen, z. B. eine erhöhte chemische Reaktivität aufgrund der größeren spezifischen Oberfläche.

Nanotechnologien ermöglichen die Modifikation und Steuerung der Aufnahme von Lebensmittelinhaltsstoffen auf molekularer Ebene. Nanotechnologische Erzeugnisse könnten in der Zukunft einen erheblichen Einfluss auf den Lebens- und Futtermittelsektor haben, da sie potenziell Vorteile für Industrie und Verbraucher bieten. Dennoch dürfen mögliche Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt erforschen und entwickeln derzeit Anwendungen auf Gebieten wie etwa der Beeinflussung der mechanischen und sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln – z. B. um deren Geschmack oder Beschaffenheit zu verändern – sowie der Veränderung des Nährwerts. Die Nanotechnologie kann aber auch bei der Lebensmittelverpackung eingesetzt werden, beispielsweise um Lebensmittel besser zu schützen oder um zu erkennen, wie frisch ein Lebensmittel ist. Die spezifischen Eigenschaften und Merkmale von Nanomaterialien müssen auf sämtliche potenziellen Gesundheitsrisiken hin untersucht werden.

Abgeschlossene Arbeiten

Im März 2009 veröffentlichte der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA, der sich aus den Vorsitzenden der einzelnen Gremien der EFSA zusammensetzt, ein wissenschaftliches Gutachten zu Nanowissenschaft und Nanotechnologie im Hinblick auf die Lebens- und Futtermittelsicherheit. Ein Leitliniendokument für die Bewertung potenzieller Risiken bei der Anwendung von Nanotechnologien in bestimmten Lebensmittelbereichen folgte im Mai 2011. Es enthält praktische Empfehlungen zur Bewertung industrieller Anwendungen von technisch hergestellten Nanomaterialien (engineered nanomaterials – ENM) in Lebensmittelzusatzstoffen, Enzymen, Aromastoffen, Lebensmittelkontaktmaterialien, neuartigen Lebensmitteln (Novel Food), Nahrungsergänzungsmitteln, Futtermittelzusatzstoffen und Pestiziden.

Beide Veröffentlichungen erfolgten auf Ersuchen der Europäischen Kommission. Bei Erstellung der endgültigen Fassung berücksichtigte die EFSA die im Rahmen öffentlicher Konsultationen erhaltenen Rückmeldungen.

Die Gremien der EFSA berücksichtigen auch die Sicherheit spezifischer Nanomaterialien, z. B. im Bereich der Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmittelkontaktmaterialien.

Seit 2006 verfolgt die EFSA im Rahmen ihres Aufgabenbereichs – der Bereitstellung unabhängiger wissenschaftlicher Beratung und technischer Unterstützung für Risikomanager – die Entwicklungen in der Nanotechnologie und überprüft kontinuierlich den aktuellen Kenntnisstand und die neuesten Entwicklungen in der Nanotechnologie im Hinblick auf Futter- und Lebensmittel.

Die Europäische Union hat sich für einen „integrierten, sicheren und verantwortungsvollen Ansatz“ bei der Entwicklung von Nanotechnologien entschieden. Dies umfasst:

  • die Überarbeitung und Anpassung der EU-Rechtsvorschriften
  • die Überwachung der Sicherheit
  • den Dialog mit nationalen Behörden, Interessengruppen und Bürgern

Was ist Nanotechnologie?

Nanotechnologien verwenden Stoffe, die in sehr kleinen Volumina vorliegen. Ein Nanometer (nm) ist ein Milliardstel Meter (der Begriff ist von dem griechischen Wort nanos, Zwerg, abgeleitet). Chemische Stoffe werden im Allgemeinen als Nanomaterialien betrachtet, wenn sie eine Größe von etwa 100 nm oder kleiner aufweisen.

Weshalb werden Stoffe in Nanoform eingesetzt?

Sehr kleine chemische Stoffe können andere Eigenschaften als Stoffe mit anderen Partikelgrößen aufweisen. Dies kann neue Möglichkeiten für die Herstellung von Produkten wie Medikamenten, Kosmetik und Lebensmitteln bieten, bei der das geänderte Verhalten genutzt werden kann. Dieses gegenüber größeren chemischen Stoffen veränderte Verhalten kann jedoch auch mögliche Risiken bergen.

Wie wird Nanotechnologie eingesetzt?

Nanotechnologie weist eine Reihe von konkreten oder potenziellen Einsatzmöglichkeiten auf. Beispielsweise sind Sonnenschutzmittel auf dem Markt, die durch den Einsatz nanopartikulärer chemischer Stoffe transparent statt opak wirken und dennoch einen Schutz vor UV-Strahlen bieten. Im Lebensmittelbereich können nanopartikuläre Stoffe eingesetzt werden, um die Lebensmittelverpackung zu verbessern oder den Nährwert eines Produktes zu erhöhen.

Warum ist die EFSA in diesem Bereich tätig?

Aufgrund der Eigenschaften und Merkmale, die bei anderen Partikelgrößen von Stoffen nicht zu beobachten sind, können Stoffe in Nanoform Risiken beinhalten. Der Einsatz nanopartikulärer Stoffe bietet zwar potenziell nützliche Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile, es müssen jedoch auch mögliche Risiken berücksichtigt werden. In deren Bewertung in Bezug auf die Lebensmittelkette besteht die Aufgabe der EFSA. Die EFSA bietet unabhängige wissenschaftliche Beratung für Risikomanager in Europa zur Entscheidungsfindung über geeignete Maßnahmen für den Verbraucherschutz.

Was ist die Aufgabe der EFSA?

Die EFSA wurde von der Europäischen Union ersucht, ein Gutachten zu den potenziellen Risiken, die von der Nanowissenschaft und der Nanotechnologie für die Futter- und Lebensmittelsicherheit ausgehen, zu erstellen. Der Gutachtenentwurf konzentriert sich auf Nanomaterialien, die hergestellt und absichtlich in die Lebensmittelkette eingeführt werden. Zudem befasst er sich ausführlich mit den Konzepten für die Bewertung einschlägiger Risiken – spezielle Anwendungen technisch hergestellter Nanomaterialien (Engineered Nano Materials, ENM) als solche werden demnach nicht bewertet. Der Gutachtenentwurf dient als Orientierungshilfe für Antragsteller, welche Daten für die Durchführung spezieller Risikobewertungen künftig bereitzustellen sind.

Welchen Inhalt hat der Gutachtenentwurf?

Der Gutachtenentwurf gelangt zu den folgenden wichtigen Schlussfolgerungen:
  • Die bewährten internationalen Risikobewertungskonzepte, die derzeit bei chemischen Stoffen in Nicht-Nanoform zur Anwendung kommen, lassen sich auch bei technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) anwenden.
  • Derzeit ist es nicht möglich, wissenschaftliche Daten zu Stoffen in Nicht-Nanoform zufriedenstellend zu extrapolieren und sie auf Stoffe in Nanoform anzuwenden. Folglich müssen bei der Beurteilung ihrer Sicherheit von Fall zu Fall besondere Risikobewertungen durchgeführt werden, die sich auf die speziellen Daten einschlägiger, auf die jeweilige Anwendung zugeschnittener Sicherheitsprüfungen stützen.
  • Mögliche Risiken sind durch die besonderen Eigenschaften von ENM bedingt, die teilweise auf die geringe Partikelgröße und die große Oberfläche zurückzuführen sind. Die geringe Partikelgröße führt zu einer höheren körperinternen Mobilität, als sie Stoffe mit größeren Abmessungen besitzen, und die große Oberfläche erhöht die Reaktivität.
  • Zusätzliche Einschränkungen und Unsicherheiten ergeben sich insbesondere im Zusammenhang mit der Charakterisierung, dem Nachweis und der Messung von technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) in Lebensmitteln, Futtermitteln oder im Körper. Auch zur Absorption, Verteilung, Exkretion und zum Metabolismus sowie zur Toxizität von technisch hergestellten Nanomaterialien (ENM) liegen nur in beschränktem Umfang Daten vor.

Was steht als Nächstes an?

Die EFSA führt bis zum 1. Dezember 2008 eine Konsultation zum Entwurf des Gutachtens durch. Nach Abschluss wird der Entwurf erneut vom Wissenschaftlichen Ausschuss der EFSA erörtert. Nach seiner Fertigstellung wird das EFSA-Gutachten der Europäischen Kommission dabei helfen, geeignete Maßnahmen zu ermitteln, geltende Rechtsvorschriften zu bewerten und den Gegenstand eventueller weiterer EFSA-Gutachten aus diesem Bereich zu bestimmen.

Sind derzeit Lebensmittelprodukte auf dem Markt, in denen Stoffe in Nanoform eingesetzt werden?

Für die Zulassung von in Europa verkauften Produkten sind die Europäische Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten zuständig. Die EFSA hat keine Informationen über die sich auf dem Markt befindlichen Produkte, da dies nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Die Technologie für einige Anwendungen ist jedoch vorhanden und möglicherweise sind Produkte von außerhalb Europas auf dem Markt, die Stoffe in Nanoform entweder im Produkt oder in seiner Verpackung enthalten.

Besteht ein regulatorischer Rahmen für Nanotechnologie?

Die Regulierung liegt nicht im Aufgabenbereich der EFSA, die unabhängige wissenschaftliche Beratung für Risikomanager bietet. Es liegt in der Zuständigkeit von Risikomanagern, unter Berücksichtigung der Gutachten der EFSA über geeignete Maßnahmen zu entscheiden und geltende Rechtsvorschriften zu bewerten - Information der EG über Regelungsaspekte bei Nanomaterialien

Wie kann ich mich an der Konsultation beteiligen?

Beiträge zu der Konsultation können über die EFSA-Website übermittelt werden. EFSA würde insbesondere zusätzliche zu berücksichtigende Studien oder Daten begrüßen.