Aflatoxine in Lebensmitteln

Einleitung

Aflatoxin

Aflatoxine sind Mykotoxine, die von zwei Schimmelpilzarten der Gattung Aspergillus gebildet werden, die vor allem in Regionen mit feucht-warmem Klima anzutreffen sind. Da Aflatoxine nachweislich genotoxisch und karzinogen wirken, sollte ihre Aufnahme über Lebensmittel so niedrig wie möglich gehalten werden. Aflatoxine können aufgrund eines vor oder nach der Ernte auftretenden Pilzbefalls bei Erdnüssen, Baumnüssen, Mais, Reis, Feigen und anderen getrockneten Früchten, Gewürzen, rohen pflanzlichen Ölen und Kakaobohnen auftreten. In der Natur kommen verschiedene Arten von Aflatoxinen vor. Aflatoxin B1 ist die in Lebensmitteln am häufigsten zu findende Art und zählt zu den am stärksten genotoxisch und karzinogen wirkenden Aflatoxinen. Es wird von den Schimmelpilzarten Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus gebildet. Aflatoxin M1 ist ein Hauptmetabolit von Aflatoxin B1 bei Menschen und Tieren, der in Milch von Tieren enthalten sein kann, deren Futter mit Aflatoxin B1 kontaminmiert war.

Aktuelles

Im Februar 2018 verabschiedet das EFSA-Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) eine Stellungnahme zu den möglichen Auswirkungen einer Anhebung der zuläsigen Aflatoxinhöchstgehalte in Erdnüssen und daraus hergestellten Erzeugnissen auf die menschliche Gesundheit. Unter Berücksichtigung des vom Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) im Jahr 2016 abgeschätzten Krebspotenzials schätzte das Gremium, dass eine Anhebung des Höchstgehalts das Risiko aflatoxinbedingter Krebserkrankungen für Verbraucher von Erdnüssen und daraus hergestellten Erzeugnissen um einen Faktor von 1,6 bis 1,8 erhöhen könnte.

Angesichts der in einigen Lebensmitteln aus europäischen Ländern beobachteten erhöhten Aflatoxinkonzentrationen empfahl das Gremium, eine vollständige Risikobewertung vorzunehmen. Die letzte vollständige Risikobewertung durch das CONTAM-Gremium wurde 2007 durchgeführt.

Meilensteine

2017 – Die EFSA besucht ihre italienischen Partner und diskutiert das Thema Klimawandel und Aflatoxine sowie andere Mykotoxine. Außerdem präsentiert die EFSA ein Video zum Thema „Mykotoxine und Klimawandel“, in dem aufgezeigt wird, wie sich Veränderungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Kohlendioxidproduktion auf das Verhalten von Pilzen und folglich auf die Mykotoxinerzeugung auswirken. Das Video geht auch auf die italienische Forschung ein.

2013 – Die EFSA veröffentlicht einen Technischen Bericht über die Aflatoxine B1, B2, G1 und G2 in Getreide und daraus gewonnenen Lebensmitteln.

2012 – Forscher der Universität Piacenza bringen ein EFSA-Projekt über die mögliche Zunahme von Aflatoxin B1 in Getreide in der EU infolge des Klimawandels zum Abschluss. Die Forscher nutzten Daten zu Aflatoxin B1, um Vorhersagemodelle zu entwickeln, Szenarien zu ermitteln und Karten zu erstellen, die das mögliche Ausmaß der zukünftigen Kontamination von Getreidepflanzen aufzeigen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für künftige Arbeiten der EFSA in diesem Bereich und bieten Anhaltspunkte für mögliche neue, in Folge des Klimawandels auftretende Lebensmittelkontaminationen durch Aflatoxine.

2009 – Die EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über die Auswirkungen einer Anhebung des zulässigen Höchstwerts für Aflatoxine von 4 µg/kg auf 10 µg/kg für Baumnüsse außer Mandeln, Haselnüssen und Pistazien (also z.B. für Paranüsse und Cashewnüsse) auf die öffentliche Gesundheit. Die Sachverständigen kommen zu dem Ergebnis, dass es sich nicht nachteilig auf die öffentliche Gesundheit auswirken würde, sollten die Höchstwerte für Aflatoxine für alle Baumnüsse von 4 µg/kg auf 8 oder 10 µg/kg angehoben werden. Die EFSA-Sachverständigen wiederholen jedoch auch ihre frühere Schlussfolgerung, dass es wichtig ist, die Zahl der auf den Markt gelangenden hochgradig belasteten Lebensmittel zu verringern.

2007 – Die EFSA bewertet die Möglichkeit einer potenziellen Erhöhung der Gesundheitsrisiken für Verbraucher, sollten höhere Gehalte an Aflatoxinen für Mandeln, Haselnüsse und Pistazien zugelassen werden. Eine Anhebung des aktuellen EU-Höchstwerts für Aflatoxine von 4 µg/kg auf 8 oder 10 µg/kg der drei genannten Nussarten hätte nur geringe Auswirkungen auf die geschätzte lebensmittelbedingte Exposition, das Krebsrisiko und den errechneten Margin of Exposure (MOE-Wert). Das Gremium gelangt ferner zu dem Schluss, dass aufgrund der genotoxischen und karzinogenen Wirkung von Aflatoxinen deren Aufnahme aus allen Lebensmittelquellen so niedrig gehalten werden sollte, wie dies vernünftigerweise möglich ist.

2004 – Das CONTAM-Gremium der EFSA verabschiedet ein Gutachten zu Aflatoxin B1 als unerwünschte Substanz in der Tiernahrung. Das Gremium gelangt zu dem Schluss, dass die aktuellen Höchstwerte für Aflatoxin B1 bei Futtermitteln nicht nur angemessenen Schutz der Zieltierarten vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen bieten, sondern auch eine unerwünscht hohe Konzentration des Metaboliten Aflatoxin M1 in Milch verhindern. Im Rahmen seiner Empfehlungen unterstützt das Gremium die Überwachung im Hinblick auf das Vorhandensein von Aflatoxin B1 in eingeführten Futtermitteln sowie von Aflatoxin M1 in Molkereimilch.

Rolle

Die EFSA leistet wissenschaftliche Beratung zu Aflatoxinen und führt Risikobewertungen durch, mit deren Hilfe EU-Risikomanager die Notwendigkeit von Regulierungsmaßnahmen in Bezug auf die Sicherheit von mit Aflatoxin kontaminierten Lebens- und Futtermitteln besser beurteilen können. Der Aufgabenbereich der EFSA umfasst insbesondere:

  • die Bewertung der Toxizität von Aflatoxinen für Mensch und Tier unter Berücksichtigung aller einschlägigen vorliegenden toxikologischen Daten;
  • die Abschätzung der Exposition von Mensch und Tier mithilfe von Daten zum Vorkommen von Aflatoxinen, insbesondere Überwachungsdaten aus den EU-Mitgliedstaaten;
  • die Berücksichtigung der Exposition von bestimmten Bevölkerungsgruppen, z.B. Säuglingen und Kindern bzw. Personen, die sich auf bestimmte Weise ernähren;
  • die Berücksichtigung der Exposition von verschiedenen Tierarten wie Nutztieren, Haustieren und Fischen;
  • die Erarbeitung von Forschungsempfehlungen hinsichtlich der Erhebung weiterer Daten zu Aflatoxinen, die noch aussagekräftigere Risikobewertungen ermöglichen.

EU-Rechtsrahmen

EU-Rechtsvorschriften schützen die Verbraucher durch:

  • die Festsetzung von Höchstgehalten für Aflatoxine in Lebens- und Futtermitteln, um sicherzustellen, dass sie der Gesundheit von Mensch und Tier nicht schaden;
  • die Vorgabe, Mykotoxinwerte so niedrig zu halten, wie dies nach empfohlenen guten landwirtschaftlichen, Lagerungs- und Verarbeitungspraktiken vernünftigerweise erreichbar ist.

Höchstgehalte für Aflatoxine und bestimmte andere Kontaminanten in Lebensmitteln sind in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 und nachfolgenden Ergänzungen festgelegt. Bestimmungen über Probenahme- und Analysemethoden für die amtliche Kontrolle von Aflatoxinen wurden mit der Verordnung (EG) Nr. 401/2006 eingeführt.

Richtlinie 2002/32/EG legt die Höchstgehalte für Schadstoffe, einschließlich Aflatoxine, in Futtermitteln fest. Aufgrund beträchtlicher jährlicher Schwankungen und der begrenzten Übertragung von Fusarientoxinen und Ochratoxin A von Futter- auf Lebensmittel beschreibt die Empfehlung 2006/576/EG für diese Aflatoxine einen zweistufiger Ansatz.