
Tiergesundheit
Tiergesundheit ist ein wesentlicher Teil des Mandats der EFSA. Das Konzept der Tiergesundheit bezieht sich nicht nur auf Tierkrankheiten, sondern auch auf den kritischen Zusammenhang zwischen Tierschutz, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die besondere Stellung der EFSA erlaubt einen integrierten Ansatz im Hinblick auf die Tiergesundheit, da ihr Aufgabenbereich die Sicherheit der gesamten Lebensmittelkette abdeckt. Die an Risikomanager gerichteten wissenschaftlichen Empfehlungen der EFSA berücksichtigen diese eng verknüpften Fachgebiete und beruhen auf den weit gefassten Fachkenntnissen ihrer wissenschaftlichen Experten und auf dem aktuellsten verfügbaren Wissensstand in der Forschung.
Viele Tierkrankheiten können über die Lebensmittelkette oder seltener auf anderen Wegen, zum Beispiel durch direkte Transmission, ein Risiko für den Verbraucher darstellen. Normen für den Tierschutz und die Tierhaltung, einschließlich Futtermittel , Unterbringung und wirtschaftliche Nutzung, können die Prävalenz und die Ausbreitung von durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten beeinflussen .
Bekannte Beispiele sind Salmonella, Bruzellose und BSE, die Lebensmittel kontaminieren und beim Verbraucher Krankheiten verursachen können. Ausbrüche von Tierkrankheiten wie der Blauzungenkrankheit können häufig schwere sozioökonomische und umweltschutzbezogene Konsequenzen haben.
EU-Rahmenwerk
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Maßnahmen der Gemeinschaft auf diesem Gebiet sind in der Tiergesundheitsstrategie für die Europäische Union (2007-2013) niedergelegt, die im September 2007 angenommen wurde. Die Tiergesundheitsstrategie der EU erstreckt sich auf die Gesundheit aller Tiere in der EU, die zur Nahrungsmittelerzeugung, für landwirtschaftliche Zwecke, für Sportzwecke, als Gefährte [Begleiter] des Menschen, zur Unterhaltung und in Zoos gehalten werden, außerdem auf wildlebende Tiere und Tiere, die in der Forschung verwendet werden, sofern die Gefahr besteht, dass sie Krankheiten auf andere Tiere oder auf den Menschen übertragen.
Die EU hat eine Reihe von Kontrollmaßnahmen für spezifische Tierkrankheiten wie Blauzungenkrankheit, Maul- und Klauenseuche und die klassische Schweinepest angenommen. Es gibt außerdem von der EU mitfinanzierte Tilgungs- und Überwachungsprogramme für Krankheiten in der EU wie beispielsweise Tollwut und Bruzellose. Für einige Krankheiten wie TSE/BSE und Vogelgrippe bestehen besondere rechtliche Rahmenbedingungen.
Die EU-Regelungen werden im Austausch mit den Mitgliedstaaten und unter Miteinbeziehung des Ständigen Ausschusses für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit ausgearbeitet. Im Notfall kann die Europäische Kommission jedoch gegebenenfalls Adhoc-Kontrollmaßnahmen ergreifen, um die öffentliche Gesundheit und/oder die Tiergesundheit zu schützen.
Aufgabe und Aktivitäten der EFSA
Das Gremium für Tiergesundheit und Tierschutz (AHAW) der EFSA bietet unabhängige wissenschaftliche Beratung über Tiergesundheit und damit verbundene Lebensmittelsicherheitsaspekte für Risikomanager, einschließlich der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlamentes und der Mitgliedstaaten, zur Verfügung. Dies bezieht sich hauptsächlich auf solche Tiere, die zur Lebensmittelerzeugung genutzt werden, einschließlich Fische, aber auch auf Haustiere und wildlebende Tiere.
Im Oktober 2008 übernahm die EFSA ein Dokument über die Rolle der EFSA bei der Verbesserung der Tiergesundheit in Europa. Es legt die Zielsetzungen der EFSA zur nachhaltigen Unterstützung des integrierten Ansatzes der EFSA im Bereich der Tiergesundheit in Zusammenhang mit der Tiergesundheitsstrategie für die Europäische Union fest. Die Ziele der EFSA sind:
- Bereitstellung der besten wissenschaftlichen Beratung zur richtigen Zeit und auf die angemessenste Art und Weise für Risikomanager.
- Verkürzung des für die wissenschaftliche Beratung erforderlichen Zeitraums durch Ermöglichung eines raschen Datenaustausches zwischen der EFSA und maßgeblichen Partnerorganisationen, einschließlich der Mitgliedstaaten und des Lebensmittel- und Veterinäramtes der Europäischen Kommission und der Referenzlaboratorien der Gemeinschaft.
- Bereitstellung wissenschaftlicher Unterstützung und Analyse für EU-Überwachungsprogramme für Tierkrankheiten Zoonosen und Tierschutz.
- Bereitstellung wissenschaftlicher Unterstützung für die Krisenbereitschaft in der EU.
- Vermeidung unnötiger Meinungsdifferenzen zwischen der EFSA und anderen maßgeblichen Organisationen wie beispielsweise nationalen Behörden.
- Mobilisierung und Koordinierung der wissenschaftlichen Fachkenntnisse in der gesamten EU in Bezug auf Sachverhalte innerhalb des Arbeitsbereiches der EFSA
In Zusammenhang mit den schweren Ausbrüchen der Vogelgrippe in Europa und der globalen Ausbreitung des asiatischen Vogelgrippevirus H5N1 erteilte das AHAW-Gremium wissenschaftliche Beratung zu den Konsequenzen für die Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit, um Risikomanager bei der Einleitung geeigneter Maßnahmen zu unterstützen. Dazu gehörten Empfehlungen zur Rolle von Zugvögeln bei der Ausbreitung der Vogelgrippe unter den Vogelbeständen in der EU und der Impfung heimischen Geflügels.
Das AHAW-Gremium spielte außerdem eine zentrale Rolle bei der Arbeit der EFSA in Verbindung mit der Blauzungenkrankheit und bot wissenschaftliche Beratung für Risikomanager zu Problemkreisen wie Epidemiologie, Überwachung, Transmission und Kontrollmaßnahmen wie Impfung und Anwendung von Insektiziden.
Gemäß den EU-Rechtsvorschriften zu Zoonosen – Krankheiten bzw. Infektionen, die durch Lebensmittel von Tieren auf den Menschen übertragen werden können – überwacht die EFSA, unterstützt von einer aus Experten der Mitgliedstaaten bestehenden Taskforce, die Daten über zoonotische Bakterien und Parasiten aus der gesamten EU. Dies ist eine wesentliche Aufgabe der EFSA im Rahmen ihrer Tätigkeit auf dem Gebiet der lebensmittelbedingten Krankheiten. Die Behörde leistet Risikomanagern zudem wissenschaftliche und technische Unterstützung bei der Überwachung von Zoonosen und Antibiotikaresistenzen in der EU sowie der epidemiologischen Analyse von Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit und der Vogelgrippe.
Das Gremium für biologische Gefahren (BIOHAZ) befasst sich mit Fragen zu biologischen Gefahren im Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit und durch Lebensmittel verursachten Krankheiten. Es ist für die wissenschaftliche Beratung der EFSA zu Aspekten der Tiergesundheit und der öffentlichen Gesundheit in Verbindung mit TSE/BSE zuständig und erstellte eine Reihe von Gutachten zur Unterstützung von Risikomanagemententscheidungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem TSE-Fahrplan der Gemeinschaft. Es gab ferner Gutachten über Themen wie die Lebensmittelsicherheitsaspekte der Aufstallungs- und Haltungssysteme für Schweine und über Möglichkeiten zur Verringerung von Salmonella in der Schweineproduktion ab.
Das Gremium für Zusatzstoffe, Erzeugnisse und Substanzen in der Tierernährung (FEEDAP) bietet wissenschaftliche Beratung zur Unterstützung der Genehmigung für das Inverkehrbringen von Futtermittelzusatzstoffen. Dazu gehört die Beurteilung eines jeden neuen Zusatzstoffes, für den eine Genehmigung beantragt wird, anhand der Bewertung seiner Wirksamkeit und Sicherheit in Bezug auf die Tiergesundheit und die Gesundheit des Menschen sowie auf die Umwelt.
Das Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) befasst sich mit Kontaminanten in der Lebensmittelkette, einschließlich der Kontamination von Tierfuttermitteln durch unerwünschte Stoffe wie Quecksilber und Theobromin.

