Aspartam

Aspartam

Aspartam ist ein kalorienarmes, intensives künstliches Süßungsmittel. Es handelt sich um ein weißes, geruchloses Pulver, das etwa 200-mal süßer ist als Zucker. In Europa ist Aspartam für die Verwendung als Tafelsüßstoff sowie als Lebensmittelzusatzstoff in Nahrungsmitteln zugelassen – etwa in Getränken, Desserts, Süßwaren, Milchprodukten, Kaugummi, kalorienreduzierten Produkten und Erzeugnissen zur Gewichtskontrolle.

Das Süßungsmittel Aspartam und seine Abbauprodukte sind seit mehr als 30 Jahren Gegenstand umfassender Untersuchungen, darunter Tierversuchsstudien, klinische Studien, Verzehrstudien, epidemiologische Studien und Überwachungsstudien nach dem Inverkehrbringen. Aufgrund eingehender Sicherheitsbewertungen gilt Aspartam als unbedenklich für den menschlichen Verzehr und ist hierfür in zahlreichen Ländern seit vielen Jahren zugelassen.

In der Europäischen Union (EU) müssen Lebensmittel, die Aspartam enthalten, als solche gekennzeichnet sein, indem entweder die Bezeichnung ‚Aspartam‘ oder die entsprechende E-Nummer (E 951) auf der Verpackung angegeben wird.

Die Rolle der EFSA

Die Hauptaufgabe der EFSA im Zusammenhang mit der Sicherheitsbewertung von Aspartam besteht darin, auf Ersuchen der Risikomanager um wissenschaftliche Beratung zu antworten und kontinuierlich die wissenschaftliche Fachliteratur, die einen Einfluss auf die Beurteilung der Unbedenklichkeit dieses Stoffs haben könnte, zu sichten und auszuwerten. Im Rahmen des Programms zur Neubewertung aller vor dem 20. Januar 2009 zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe bis zum Jahr 2020 muss die EFSA auch die Unbedenklichkeit von Aspartam erneut überprüfen. Diese Neubewertung, deren Abschluss ursprünglich für spätestens 2020 vorgesehen war, wurde auf Ersuchen der Europäischen Kommission auf 2013 vorgezogen.

Im Rahmen ihrer Sicherheitsbewertungen von Lebensmittelzusatzstoffen legt die EFSA, wenn möglich (d.h. wenn genügend wissenschaftliche Daten vorliegen), eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) für jeden Stoff fest. Bei der zulässigen täglichen Aufnahmemenge handelt es sich um die Menge eines Stoffs, die ein Mensch lebenslang täglich zu sich nehmen kann, ohne dass ein nennenswertes Risiko für die Gesundheit besteht. ADI-Werte werden gewöhnlich in Milligramm (der Substanz) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag angegeben. Der ADI-Wert kann sich auf einen bestimmten Zusatzstoff oder eine Gruppe von Zusatzstoffen mit ähnlichen Eigenschaften beziehen. Bei der Neubewertung von in der Vergangenheit zugelassenen Zusatzstoffen kann die EFSA, nach Auswertung aller verfügbaren wisenschaftlichen Erkenntnisse, einen bestehenden ADI-Wert entweder bestätigen oder abändern.

EU-Rechtsrahmen

Bei Aspartam handelt es sich um einen Lebensmittelzusatzstoff. Die maßgeblichen EU-Rechtsvorschriften sind unter dem Thema Lebensmittelzusatzstoffe näher aufgeführt.

In den achtziger Jahren wurde Aspartam in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten für die Verwendung in Lebensmitteln und als Tafelsüßstoff zugelassen. Die europäischen Rechtsvorschriften zur einheitlichen Regelung der Verwendung von Aspartam in Lebensmitteln wurden 1994 eingeführt – nach eingehenden Unbedenklichkeitsprüfungen durch den Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss (SCF) in den Jahren 1984 und 1988. Weitere Auswertungen von Daten zu Aspartam wurden in den Jahren 1997 und 2002 vom SCF unternommen.

Aktivitäten der EFSA

Seit 2002 hat die EFSA die Unbedenklichkeit von Aspartam regelmäßig überprüft, und ihre wissenschaftlichen Gremien haben mehrere Gutachten zu dem Süßstoff erstellt. Aktuell wird diese Aufgabe vom Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS) wahrgenommen.

Jüngste Aktivitäten

Im Dezember 2013 veröffentlichte die EFSA ihre erste vollständige Risikobewertung zu Aspartam. Das Gutachten gelangte zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte für die allgemeine Bevölkerung (einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren) unbedenklich sind.

Die derzeitige zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) von 40 mg/kg Körpergewicht/Tag wurde für die allgemeine Bevölkerung als ausreichend schützend angesehen, wobei die Verbraucherexposition weit unter diesem Wert liegt. Allerdings gilt besagter ADI-Wert nicht für Patienten, die an der Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) leiden, da diese Personen sich strikt an eine Diät halten müssen, die arm an Phenylalanin (einer als Bestandteil von Proteinen in vielen Lebensmitteln vorkommenden Aminosäure) ist.

Die während der öffentlichen Konsultation eingegangenen Stellungnahmen zum Gutachtenentwurf sowie die Antworten der EFSA auf diese wurden ebenfalls veröffentlicht. 

Frühere Meilensteine

Vom 8. Januar bis 15. Februar 2013 führte die EFSA eine öffentliche Online-Konsultation über ihren Entwurf eines wissenschaftlichen Gutachtens zur Sicherheit von Aspartam durch. Sämtliche Interessenvertreter und interessierten Dritten waren dabei aufgerufen, ihre Stellungnahmen zu besagtem Gutachtenentwurf abzugeben. Im Rahmen dieses wichtigen Prozesses sowie angesichts der Verpflichtung der Behörde zur aktiven Einbeziehung ihrer Interessengruppen hielt die EFSA zudem eine Sitzung mit interessierten Dritten ab, auf der der Gutachtenentwurf sowie die Rückmeldungen aus der öffentlichen Online-Konsultation erörtert wurden. Im Zuge der Online-Konsultation gingen bei der EFSA über 200 Stellungnahmen ein, mit denen die Behörde sich befassen und dabei auch die wichtigsten Erkenntnisse aus dem umfassenden und konstruktiven Austausch mit Interessengruppen in Betracht ziehen wird, der im Rahmen der nachbereitenden Sitzung stattfand. Durch diesen Prozess wurde sichergestellt, dass vor Abschluss des Gutachtens nichts unversucht blieb, um ein breitestmögliches Spektrum an wissenschaftlichen Ansichten und Informationen zu berücksichtigen.

Im Mai 2013 sind die EFSA und die Europäische Kommission übereingekommen, den Zeitrahmen für die von der Behörde vorgenommene vollständige Neubewertung von Aspartam zu verlängern, damit ausreichend Zeit zur Verfügung steht, um Rückmeldungen – einschließlich neuer Informationen aus der zum Gutachtenentwurf durchgeführten öffentlichen Konsultation – zu berücksichtigen und darauf einzugehen.

Im Mai 2011 wurde die EFSA von der Europäischen Kommission ersucht, die vollständige Neubewertung der Sicherheit von Aspartam (E 951) vorzuziehen. Die Überprüfung dieses Süßungsmittels, deren Abschluss ursprünglich für 2020 vorgesehen war, ist Teil der systematischen Neubewertung aller in der Europäischen Union vor dem 20. Januar 2009 zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe, welche gemäß Verordnung (EU) Nr. 257/2010 erfolgt.

Die EFSA hat das Mandat angenommen und in diesem Zusammenhang einen öffentlichen Aufruf zur Einreichung wissenschaftlicher Daten sowie eine eingehende Auswertung der einschlägigen Literatur durchgeführt. Im Zuge dieses Aufrufs zur Einreichung von Daten, der am 30. September 2011 endete, erhielt die EFSA Zugang zu zahlreichen veröffentlichten wie unveröffentlichten wissenschaftlichen Studien und Datensätzen. In Bekräftigung ihrer Verpflichtung zu Offenheit und Transparenz hat die Behörde das vollständige Verzeichnis dieser wissenschaftlichen Studien veröffentlicht und darüber hinaus auch zuvor unveröffentlichte wissenschaftliche Daten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, darunter die 112 Originalunterlagen zu Aspartam, die in den frühen achtziger Jahren zur Untermauerung des Antrags auf Zulassung von Aspartam in Europa eingereicht wurden.

Das ANS-Gremium hat Anfang 2012 mit seiner Risikobewertung von Aspartam begonnen. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Beratungen befand das Gremium, dass zu wenig Daten zu 5-Benzyl-3,6-dioxo-2-piperazinessigsäure (Diketopiperazin – DKP) und anderen potenziellen Abbauprodukten vorlagen, die sich aus Aspartam in Lebensmitteln und Getränken bilden können, wenn diese unter bestimmten Bedingungen gelagert werden. Die EFSA startete daher einen zusätzlichen Aufruf zur Einreichung von Daten zu DKP und anderen Abbauprodukten von Aspartam.


Im Jahr 2006 bewertete das damalige EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe, Aromastoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (AFC) eine Langzeitstudie zur Karzinogenität von Aspartam, die von der im italienischen Bologna ansässigen Europäischen Ramazzini-Stiftung (ERF) durchgeführt und deren Ergebnisse von Soffritti et al. 2005 bzw. 2006 veröffentlicht wurden. Auf Grundlage aller aus der ERF-Studie hervorgehenden Erkenntnisse sowie anderer aktueller Untersuchungen und früherer Bewertungen kam das AFC-Gremium zu dem Schluss, dass es nicht notwendig sei, den in der Vergangenheit festgesetzten ADI-Wert für Aspartam von 40 mg/kg Körpergewicht abzuändern.

Im Jahr 2010 wurden zwei Studien zu möglichen Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Konsum künstlicher Süßstoffe veröffentlicht: zum einen eine von der ERF durchgeführte Karzinogenitätsstudie an Mäusen, die über das Futter Aspartam ausgesetzt wurden (Soffritti et al.); zum anderen eine epidemiologische Studie über den Zusammenhang zwischen der Aufnahme künstlich gesüßter Softdrinks und einem erhöhten Auftreten von Frühgeburten (Halldorsson et al.). In einer im Februar 2011 veröffentlichten Stellungnahme gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass die beiden Studien keinen Anlass geben, die früheren Sicherheitsbewertungen von Aspartam bzw. anderen derzeit in der EU zugelassenen Süßstoffen erneut zu prüfen. Die Überprüfung dieser Studien durch die EFSA erfolgte in Zusammenarbeit mit der französischen Behörde für Ernährung und Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses), die ebenfalls Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet durchführt.

Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten

In Anbetracht der trotz der durchgeführten Risikobewertungen anhaltenden Bedenken der Öffentlichkeit in Bezug auf Aspartam kam der Beirat der EFSA, der sich aus Vertretern der nationalen Lebensmittelsicherheitsbehörden zusammensetzt, im Jahr 2007 überein, eine Reihe von Treffen nationaler, von den Mitgliedstaaten benannter Experten mit einschlägigem wissenschaftlichem Fachwissen im Zusammenhang mit Aspartam zu veranstalten. Die Sachverständigen sichteten die gesamte veröffentlichte wissenschaftliche Literatur und berücksichtigten auch zusätzliche Erkenntnisse und wissenschaftliche Publikationen, welche die EFSA im Rahmen eines Aufrufs zum Einreichen von Daten im Jahr 2008 erhalten hatte. Im Jahr 2010 wurde ein aus diesen Treffen hervorgehender Bericht vorgestellt und zusammen mit den Stellungnahmen von Interessengruppen, die im Zuge einer öffentlichen Konsultation eingegangen waren, veröffentlicht.

Die nationalen Sachverständigen gelangten zu dem Schluss, dass keine neuen Erkenntnisse gewonnen wurden, die eine Überprüfung der früheren Gutachten der EFSA und des SCF nahe legten, räumten jedoch auch ein, dass in der Öffentlichkeit nach wie vor große Vorbehalte in Bezug auf Aspartam bestehen. Ein Großteil der zum Ausdruck gebrachten Bedenken geht auf vereinzelte Berichte über gesundheitsschädliche Wirkungen zurück. Die EFSA und die nationalen Sachverständigen haben erhebliche Anstrengungen unternommen und viel Zeit und beträchtliche Mittel aufgewendet, um diese Einzelfallberichte zu bewerten. Es stellte sich jedoch heraus, dass die in diesen Berichten enthaltenen Daten nur sehr begrenzt verwendbar sind und keine aussagekräftige Analyse ermöglichen.

 

Letzte Aktualisierung: 10 Dezember 2013