EFSA überprüft zwei Veröffentlichungen zur Sicherheit von künstlichen Süßstoffen

In einer heute veröffentlichten Erklärung gelangt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Schluss, dass zwei neue Veröffentlichungen zur Sicherheit von künstlichen Süßstoffen, nämlich eine Karzinogenitätsstudie an Mäusen (Soffritti et al., 2010[1]) und eine epidemiologische Studie über die Verbindung zwischen der Aufnahme von künstlich gesüßten Softdrinks und erhöhtem Auftreten von Frühgeburten (Halldorsson et al., 2010[2]), keinen Anlass geben, die früheren Sicherheitsbewertungen von Aspartam bzw. anderen derzeit in der Europäischen Union zugelassenen Süßstoffen erneut zu prüfen. Die Überprüfung dieser Studien durch die EFSA erfolgte in Zusammenarbeit mit der französischen Behörde für Ernährung und Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses)[3]. Bei seiner Plenarsitzung am 1./2. März 2011 wird das Gremium der EFSA für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS) die Erklärung der Behörde sowie den etwaigen Bedarf an zusätzlicher Arbeit in Bezug auf diese Studien erörtern. Die EFSA wird die wissenschaftliche Literatur weiterhin verfolgen, um neue wissenschaftliche Belege für Süßstoffe zu ermitteln, die auf ein mögliches Risiko für die menschliche Gesundheit hinweisen oder sich anderweitig auf die Sicherheitsbewertung dieser Lebensmittelzusatzstoffe auswirken könnten.

Auf Ersuchen der Europäischen Kommission um technische Hilfe überprüfte die EFSA die Veröffentlichung von Soffritti et al. (2010) über eine Langzeitkarzinogenitätsstudie an Mäusen, die über das Futter dem künstlichen Süßstoff Aspartam ausgesetzt wurden. Die Wissenschaftler der EFSA gelangten zu dem Schluss, dass es anhand der Daten der Veröffentlichung nicht möglich ist, die Gültigkeit und den statistischen Ansatz der Studie zu bewerten und deren Ergebnisse zu interpretieren. Im Hinblick auf das Studiendesign wies die EFSA darauf hin, dass experimentelle Studien, die über die gesamte Lebenszeit von Tieren ausgeführt werden, zu falschen Schlüssen führen können. Zum Beispiel seien ältere Tiere krankheitsanfälliger, und wenn eine Karzinogenitätsstudie an Mäusen über die empfohlenen 104 Wochen hinaus verlängert werde, können altersbedingte pathologische Veränderungen (wie etwa spontane Tumoren) auftreten, was wiederum die Auswertung von durch Stoffzusammensetzungen bedingten Auswirkungen beeinträchtigen könne.

Die EFSA stellte fest, dass bei Schweizer Mäusen, die für diese Studie herangezogen worden waren, bekanntermaßen häufig spontane hepatische und pulmonale Tumoren auftreten und sich das verstärkte Auftreten dieser Tumoren, von dem in der Studie berichtet wird, im historischen Laborkontrollbereich für diese Tumoren bei diesen Mäusen bewegt. Zudem erachten Toxikologen hepatische, durch non-genotoxische[4] Stoffe wie Aspartam induzierte Tumoren bei Mäusen nicht als relevant für die Bewertung des Risikos für den Menschen. Alles in allem gelangte die EFSA zu dem Schluss, dass die Erkenntnisse in Soffritti et al. (2010) keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege darstellen, um eine erneute Prüfung der früheren Bewertungen der EFSA zu Aspartam, bei denen die fehlende Genotoxizität und Karzinogenität von Aspartam festgestellt worden war, zu rechtfertigen.

Die EFSA bewertete darüber hinaus die Veröffentlichung von Halldorsson et al. (2010) über Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass die tägliche Aufnahme von künstlich gesüßten Softdrinks mit einem erhöhten Risiko von Frühgeburten einhergehen kann. Die EFSA gelangte zu dem Schluss, dass die Studie keine Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Verzehr künstlich gesüßter Softdrinks und Frühgeburten liefere und zusätzliche Studien erforderlich seien, um eine solche Verbindung, wie sie von den Autoren dargelegt wird, zu bestätigen bzw. zu verwerfen. Da sich die von den Autoren festgestellte Verbindung primär auf medizinisch induzierte Frühgeburten beziehe, betonte die EFSA, dass Faktoren wie die medizinische Vorgeschichte und die Kriterien, auf denen sich medizinische Entscheidungen zur Einleitung von Geburten stützen, weiter untersucht werden sollten. Nach Empfehlung der EFSA sollten in künftigen Studien auch andere wichtige Einflussfaktoren geprüft werden, wie etwa die Exposition gegenüber anderen Stoffen in der Ernährung, die Auswirkungen auf die Schwangerschaft haben könnten. 

 

Notes to editors

Die EFSA überprüft die Sicherheit von Süßstoffen und Aspartam regelmäßig. Im März 2009 gelangte das ANS-Gremium zu dem Schluss, dass die derzeit verfügbaren Belege, einschließlich der im Jahr 2007 veröffentlichten ERF-Studie, nicht auf ein genotoxisches bzw. karzinogenes Potenzial von Aspartam hinweisen und deshalb kein Anlass besteht, die früher festgelegte zulässige tägliche Aufnahmemenge für Aspartam von 40 mg/kg Körpergewicht zu ändern. Ein früheres Gutachten , das der ersten Studie der Europäischen Ramazzini-Stiftung folgte, wurde vom ehemaligen AFC-Gremium im Jahr 2006 angenommen.

Die EFSA hat das komplette Datenmaterial der Studie von Soffritti et al., 2010 angefordert und wird sich mit den Autoren treffen, um das Studiendesign und die Ergebnisse zu besprechen.

[1] Soffritti M. et al., Aspartame administered in feed, beginning prenatally through life span, induces cancers of the liver and lung in male Swiss mice. Am. J. Ind. Med. 2010, 53, 1197-1206.
[2] Halldorsson T.I. et al., Intake of artificially sweetened soft drinks and risk of preterm delivery: a prospective cohort study in 59,334 Danish pregnant women. Am. J. Clin. Nutr. 2010, 92, 626-33.
[3] Weitere Informationen über die von Anses eingeleitete Arbeit
[4] Genotoxische Stoffe sind Stoffe, welche die DNA, das genetische Zellmaterial, schädigen können.

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