Süßungsmittel

Bei Süßungsmitteln handelt es sich um Lebensmittelzusatzstoffe, die Verwendung finden:

  • um Lebensmitteln einen süßen Geschmack zu verleihen
  • als Tafelsüßstoff

Wie alle Lebensmittelzusatzstoffe sind Süßstoffe regulierte Substanzen, die vor der Marktzulassung einer Sicherheitsbewertung unterzogen werden. In der Europäischen Union (EU) wird die Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen durch die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den Europäischen Rat reguliert; insbesondere entscheiden die Kommission und die Mitgliedstaaten darüber, welche Zusatzstoffe in welchen Mengen in Lebensmitteln verwendet werden können. Sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe sind auf der Liste der Inhaltsstoffe auf den Verpackungen von Lebensmitteln anzugeben; auf dem Etikett muss sowohl die Funktion des Zusatzstoffs im fertigen Lebensmittel (z.B. Süßungsmittel) als auch die konkrete verwendete Substanz mit der entsprechenden E-Nummer bzw. dem Namen (etwa E 954 für „Saccharin“) angegeben werden

Abgeschlossene Arbeiten

Das Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS-Gremium) der EFSA nimmt Risikobewertungen vor und leistet wissenschaftliche Beratung zu Lebensmittelzusatzstoffen, die als Süßungsmittel verwendet werden. Das Gremium für diätetische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA-Gremium) der EFSA ist zuständig für die Überprüfung der wissenschaftlichen Absicherung gesundheitsbezogener Angaben in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln und mutmaßlichen positiven Auswirkungen für Verbraucher.

Aspartam

Aspartam (E 951) ist ein kalorienarmes, intensives künstliches Süßungsmittel. In Europa ist es für die Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff in verschiedenen Lebensmitteln sowie als Tafelsüßstoff zugelassen. Im Mai 2011 wurde die EFSA von der Europäischen Kommission ersucht, die vollständige Neubewertung der Sicherheit von Aspartam, die ursprünglich für 2020 vorgesehen war, vorzuziehen. Die EFSA hat das Mandat angenommen und führte Anfang 2013 eine öffentliche Konsultation über ihren diesbezüglichen Entwurf eines wissenschaftlichen Gutachtens durch. Die Veröffentlichung der ersten vollständigen Risikobewertung von Aspartam durch die Behörde ist für November 2013 geplant. Weitere Informationen hierzu sind unter dem Thema Aspartam zu finden:

Advantam

Advantam ist ein intensives künstliches Süßungsmittel, das durch chemische Synthese aus Isovanillin und Aspartam gewonnen wird. Die chemischen Eigenschaften des Advantam-Moleküls unterscheiden sich von denen Aspartams. Je nach Art seiner Verwendung kann Advantam hunderte, mitunter sogar tausende Mal süßer sein als Zucker oder andere intensive Süßungsmittel. Für die Verwendung in aromatisierten Getränken würde beispielsweise 50-mal weniger Advantam als Aspartam benötigt.

Im Juni 2010 erhielt die EFSA ein Ersuchen zur Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens über die Sicherheit von Advantam als Lebensmittelzusatzstoff für die Verwendung in mehreren Lebensmittelkategorien. Nach einer vorläufigen Bewertung der vom Antragsteller vorgelegten Daten befanden Sachverständige des ANS-Gremiums der EFSA im Jahr 2011, dass weitere Informationen zur Toxikokinetik (also dazu, was mit einem chemischen Stoff geschieht, nachdem er in den Körper gelangt) sowie zur Immuntoxizität (mögliche das Immunsystem beeinträchtigende Wirkungen) von Advantam erforderlich waren.

Nach Bewertung der vom Antragsteller eingereichten zusätzlichen Daten gelangten die Sachverständigen der EFSA im Juli 2013 zu dem Schluss, dass Advantam und seine Metaboliten weder genotoxisch noch karzinogen sind und bei den vorgesehenen Verwendungen und Verwendungsmengen als Süßungsmittel keinen Anlass zu Sicherheitsbedenken für Verbraucher geben. Entsprechend der vom Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) 2013 festgelegten zulässigen täglichen Aufnahmemenge legte das ANS-Gremium einen ADI-Wert von 5 mg/kg KG/Tag fest. Die konservativen Schätzungen des Gremiums hinsichtlich der Advantam-Exposition bei den vorgesehenen Verwendungsmengen in Lebensmitteln unter Annahme hoher Verzehrsmengen bei Erwachsenen und Kindern liegen erheblich unter dem ADI-Wert.

Nach Veröffentlichung des wissenschaftlichen Gutachtens der EFSA obliegt es den EU-Entscheidungsträgern (Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten) zu entscheiden, ob Advantam für die Verwendung als Süßungsmittel in der EU zugelassen wird oder nicht.

Steviolglycoside

Bei Steviolglycosiden (E 960) handelt es sich um Steviolglycosidgemische, die als Süßungsmittel Verwendung finden und aus den Blättern der Stevia-Pflanze extrahiert werden. Dieses Süßungsmittel ist bis zu 300-mal süßer als Zucker, hat aber so gut wie keine Wirkung auf den Blutzuckerspiegel. Es wird daher von einigen als attraktiver Zuckerersatz angesehen.

In einem im April 2010 veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten gelangte das ANS-Gremium zu dem Schluss, dass Steviolglycoside weder genotoxisch noch karzinogen sind, und legte – entsprechend der 2008 erteilten Empfehlung des Gemeinsamen FAO/WHO-Sachverständigenausschusses für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) – einen ADI-Wert von 4 mg/kg KG/Tag fest. Allerdings wies das Gremium darauf hin, dass dieser ADI-Wert sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern überschritten werden könnte, wenn dieses Süßungsmittel in den von den Antragstellern vorgeschlagenen Höchstmengen verwendet würde.

Auf ein Ersuchen der Europäischen Kommission vom Januar 2011 hin überprüfte die EFSA auf Grundlage der von den Antragstellern vorgeschlagenen geänderten Verwendungsmengen ihre frühere Abschätzung der Verbraucherexposition gegenüber diesem Süßungsmittel. Das ANS-Gremium kam zu dem Schluss, dass die neuen Expositionsschätzwerte zwar geringfügig niedriger lagen als die im Gutachten des Gremiums vom April 2010 berücksichtigten Werte; dennoch bestünde die Möglichkeit, dass Erwachsene und Kinder mit einem hohem Konsum an Lebensmitteln, die Steviolglycoside enthalten, den vom Gremium festgelegten ADI-Wert überschreiten, wenn das Süßungsmittel in den vorgeschlagenen Höchstmengen verwendet würde.

Im November 2011 erließ die Kommission die Verordnung (EU) Nr. 1131/2011, mit der die Verwendung von Steviolglycosiden als Süßungsmittel in Lebensmitteln genehmigt wurde. Der Lebensmittelzusatzstoff erhielt die Nummer „E 960“ und wurde der offiziellen EU-Liste zulässiger Lebensmittelzusatzstoffe hinzugefügt. In Anbetracht dessen, dass der ADI-Wert dem EFSA-Gutachten zufolge bei hohen Verzehrsmengen überschritten werden könnte, wird die Kommission die EFSA gegebenenfalls um eine erneute, verfeinerte Expositionsabschätzung ersuchen, bei der die tatsächliche Verwendung von Steviolglycosiden in den verschiedenen Unterkategorien von Lebensmitteln, für die das Süßungsmittel genehmigt ist, berücksichtigt werden wird, sobald diese Daten vorliegen.

Gesundheitsbezogene Angaben in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln

Im Jahr 2011 bewertete das NDA-Gremium der EFSA die Absicherung von Angaben in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln und bestimmten vorgeschlagenen gesundheitsfördernden Wirkungen. Das Gremium gelangte zu dem Schluss, dass ausreichende wissenschaftliche Hinweise zur Untermauerung von Angaben vorliegen, denen zufolge intensive Süßungsmittel – wie alle Zuckerersatzstoffe – einen geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels nach Mahlzeiten zur Folge haben sowie die Zahnmineralisierung erhalten, indem sie die Zahndemineralisierung verringern, wenn sie jeweils anstelle von Zuckern verzehrt werden. Die Sachverständigen der EFSA konnten hingegen keinen eindeutigen Kausalzusammenhang zur Absicherung von Angaben feststellen, denen zufolge intensive Süßungsmittel bei Verwendung als Zuckerersatz einen normalen Blutzuckerspiegel erhalten oder ein normales Körpergewicht erhalten bzw. das Körpergewicht normalisieren.

Die EFSA hat drei Hauptaufgaben im Bereich der Risikobewertung von Süßungsmitteln:

  • die Sicherheitsbewertung neuer Süßungsmittel, bevor diese für die Verwendung in der EU zugelassen werden können
  • die Neubewertung aller bereits vor dem 20. Januar 2009 zugelassenen Süßungsmittel in der EU
  • die Beantwortung von Ad-hoc-Ersuchen der Europäischen Kommission um Überprüfung bestimmter Süßungsmittel angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder veränderter Verwendungsbedingungen

Im Rahmen ihrer Sicherheitsbewertungen von Lebensmittelzusatzstoffen legt die EFSA, wenn möglich (d.h., wenn genügend Informationen vorliegen), für jeden Lebensmittelzusatzstoff bzw. jede Gruppe von Zusatzstoffen mit ähnlichen Eigenschaften eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) fest. Beim ADI-Wert handelt es sich um die Menge eines Stoffs, die ein Mensch lebenslang täglich zu sich nehmen kann, ohne dass ein nennenswertes Risiko für seine Gesundheit besteht. ADI-Werte werden gewöhnlich in Milligramm oder Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (mg/kg oder μg/kg KG/Tag) angegeben. Bei der Neubewertung von früher zugelassenen Zusatzstoffen kann die EFSA, nach Auswertung aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, einen bestehenden ADI-Wert bestätigen, ändern oder sogar zurückziehen.

Im Bereich der gesundheitsbezogenen Angaben bewertete die EFSA zudem einige Angaben hinsichtlich eines gesundheitlichen Nutzens für Verbraucher in Zusammenhang mit intensiven Süßungsmitteln.

Sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe müssen vor ihrer Genehmigung durch die EU-Risikomanager (Europäische Kommission, Mitgliedstaaten und Europäisches Parlament) einer Sicherheitsbewertung seitens der EFSA unterzogen werden. Mit der Verordnung (EG) Nr. 1331/2008 wurde ein einheitliches Zulassungsverfahren für Lebensmittelzusatzstoffe, Lebensmittelenzyme und Aromastoffe eingeführt. Die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe, die im Januar 2010 in Kraft trat, legte eine Liste der in der EU genehmigten Lebensmittelzusatzstoffe fest. Diese Gemeinschaftsliste – in der die Bezeichnungen der Lebensmittelzusatzstoffe und ihre E-Nummern, die Lebensmittel, in denen sie zum Einsatz kommen dürfen, sowie ihre Verwendungsbedingungen aufgeführt sind – wurde in der Verordnung (EU) Nr. 1129/2011 veröffentlicht und trat am 1. Juni 2013 in Kraft.

Laut Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 muss die EFSA alle Lebensmittelzusatzstoffe, die vor dem 20. Januar 2009 zur Verwendung in der EU genehmigt wurden, einer neuen Risikobewertung unterziehen. In der Verordnung (EU) Nr. 257/2010 wird ein Programm zur Neubewertung zugelassener Lebensmittelzusatzstoffe aufgestellt; Details hierzu finden sich in Anhang II der Verordnung. Die Fristen für die Neubewertungen variieren je nach Stoffgruppe. Da Süßungsmittel zuletzt vor 2009 bewertet wurden, stellen sie die letzte Gruppe der bis 2020 neu zu bewertenden Lebensmittelzusatzstoffe dar. Der Zeitplan kann angepasst werden, sollten Sicherheitsbedenken für einen bestimmten Zusatzstoff aufkommen und/oder neue wissenschaftliche Daten vorliegen, die eine neuerliche Überprüfung vor der vereinbarten Frist erfordern. Alle nach früheren Rechtsvorschriften (Richtlinie 94/35/EG über Süßungsmittel) genehmigten Süßstoffe sind bis zum Abschluss ihrer Überprüfung zulässig.

Der Zeitplan für die Neubewertung von Lebensmittelzusatzstoffen ist unter dem Thema Lebensmittelzusatzstoffe näher aufgeführt.

Gesundheitsbezogene Angaben

Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 legt harmonisierte, EU-weit geltende Regeln für die Verwendung gesundheits- oder nährstoffbezogener Angaben zu Lebensmitteln auf der Grundlage von Nährstoffprofilen fest. Nach diesen Rechtsvorschriften ist die EFSA für die Überprüfung der wissenschaftlichen Absicherung der beantragten Angaben zuständig. Die wissenschaftliche Beratung seitens der EFSA dient der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten als Grundlage bei ihrer Entscheidung hinsichtlich der Genehmigung besagter Angaben.

Completed work
E.g., 07/30/2016
E.g., 07/30/2016

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