Opiumalkaloide in Mohnsamen: Bewertung aktualisiert

Die EFSA hat ihre Risikobewertung von Opiumalkaloiden in Mohnsamen aktualisiert und dabei viele ihrer früheren Ergebnisse bestätigt, einschließlich der Menge dieser Substanzen, die unbedenklich verzehrt werden kann. Mit dem jüngsten Gutachten wird auch die Evidenzbasis verbreitert, die bei der Berechnung des möglichen Verbraucherrisikos zu berücksichtigen ist.

Die vorherige Bewertung der EFSA, die 2011 veröffentlicht wurde, ergab eine unbedenkliche Aufnahmemenge – oder akute Referenzdosis (ARfD) – von 10 μg pro Kilogramm (kg) Körpergewicht, wobei der Morphingehalt von Mohnsamen zugrunde gelegt wurde.

Die Europäische Kommission ersuchte die EFSA um eine Aktualisierung des Gutachtens unter Berücksichtigung neuer Daten zum Alkaloidgehalt von Mohnsamen, die der EFSA seit 2011 übermittelt wurden.

Das neue Guachten bestätigt die unbedenkliche Aufnahmemenge von 10 μg/kg Körpergewicht, diesmal jedoch als „Gruppen-ARfD“, die neben Morphin auch den Codeingehalt von Mohnsamen bei der Berechnung der ernährungsbedingten Exposition berücksichtigt.

Dies ist auf neue Daten zurückzuführen, die zeigen, dass in einigen Proben von Mohnsamen auf dem europäischen Markt die Codeinkonzentration wesentlich höher sein kann als die von Morphin.

Die unbedenkliche Aufnahmemenge kann bei Verbrauchern, die große Mengen oder Lebensmittel mit unverarbeiteten Mohnsamen verzehren, überschritten werden. Aufgrund der geringen Daten zum Vorkommen von Alkaloiden in mohnsamenhaltigen Lebensmitteln verweist das EFSA-Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette auf Unsicherheiten bei der Expositionabsschätzung.

Das Gremium stellt ferner fest, dass bestimmte Schritte der Lebensmittelverarbeitung, wie Waschen, Wärmebehandlung oder Mahlen, den Alkaloidgehalt von Mohnsamen um 25 bis 100% verringern können.

Datenlücken

Die Bewertung berücksichtigte auch Daten zu anderen in Mohnsamen enthaltenen Alkaloiden – Thebain, Oripavin, Noscapin und Papaverin. Für diese Substanzen konnte keine vollständige Risikobewertung durchgeführt werden; das EFSA-Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette wies allerdings darauf hin, dass die lebensmittelbedingte Exposition gegenüber Thebain ein Gesundheitsrisiko darstellen könnte. Um dies zu klären, sind weitere Daten erforderlich, insbesondere zur Toxizität von Thebain.

Was ist eine akute Referenzdosis?

Eine akute Referenzdosis (Acute Reference Dose – ARfD) ist die geschätzte Menge einer Substanz in Lebensmitteln, meist ausgedrückt in Bezug auf das Körpergewicht (als mg/kg oder μg/kg Körpergewicht), die in einem Zeitraum von 24 Stunden oder weniger ohne erkennbares Gesundheitsrisiko für den Verbraucher aufgenommen werden kann.

Kurz und bündig: Opiumalkaloide in Mohn

  • Mohnsamen werden aus Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen. Der Latex (Milchsaft) des Schlafmohns enthält bis zu 80 Alkaloide, darunter Morphin und Codein, die seit Generationen zur Behandlung schwerer Schmerzen eingesetzt werden, aber auch missbraucht werden können.
  • Die Samen werden als Lebensmittel und zur Herstellung von Speiseöl verwendet.
  • In einigen mittel- und osteuropäischen Ländern werden Mohnsamen traditionell in Brot, feinen Backwaren und Desserts verwendet.
  • Mohnsamen enthalten normalerweise keine Opiumalkaloide, können jedoch durch Schädlingsbefall und während der Ernte mit Opiumalkaloiden kontaminiert werden.
  • Zwar liegen nur wenige Berichte über nachteilige Wirkungen durch den Verzehr von Mohnsamen in Lebensmitteln vor; es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass solche Reaktionen nicht doch hin und wieder auftreten. Morphinartige Wirkungen wurden bei Menschen bereits nach dem Verzehr einer einzigen Portion einer Mahlzeit, die mit Opiumalkaloiden kontaminierte Mohnsamen enthielt, beobachtet.
  • Schwangere, Säuglinge, Menschen über 75 Jahren und Personen, die krankheitsbedingt unter beeinträchtigter Atemfunktion leiden, reagieren mitunter empfindlicher auf Nebenwirkungen von Morphin.
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