Lebensmittelzusatzstoffe

Lebensmittelzusatzstoffe sind Substanzen, die Lebensmitteln absichtlich zugesetzt werden, um bestimmte technologische Funktionen zu erfüllen, z.B. um Lebensmittel zu färben, zu süßen oder zu konservieren. In der Europäischen Union (EU) sind alle Lebensmittelzusatzstoffe mit E-Nummern gekennzeichnet, und sie sind immer auf den Verpackungen der Lebensmittel, in denen sie verwendet werden, auf der Liste der Inhaltsstoffe anzugeben. Auf dem Etikett muss sowohl die Funktion des Zusatzstoffs im fertigen Lebensmittel (z.B. Farbstoff, Konservierungsmittel etc.) als auch die spezifische verwendete Substanz mit entsprechender E-Nummer oder dem Namen (z.B. E415 oder Xanthangummi) aufgeführt sein. Die Zusatzstoffe, die am häufigsten auf Lebensmitteletiketten zu finden sind, sind Antioxidationsmittel (zur Vorbeugung gegen ein Verderben der Lebensmittel infolge von Oxidation), Farbstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren, Gelier- und Verdickungsmittel, Konservierungsmittel und Süßungsmittel.

Die Rolle der EFSA

Die EFSA hat drei Hauptaufgaben im Bereich der Lebensmittelzusatzstoffe:

  • die Sicherheitsbewertung von neuen Lebensmittelzusatzstoffen oder vorgeschlagenen neuen Verwendungen von vorhandenen Lebensmittelzusatzstoffen, bevor diese für die Verwendung in der EU zugelassen werden können;
  • die Neubewertung aller bereits vor dem 20. Januar 2009 zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe in der EU;
  • die Beantwortung von Ad-hoc-Ersuchen der Europäischen Kommission um Überprüfung bestimmter Lebensmittelzusatzstoffe angesichts neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder veränderter Verwendungsbedingungen.

Im Rahmen ihrer Sicherheitsbewertungen von Lebensmittelzusatzstoffen legt die EFSA, wenn möglich (d.h., wenn genügend Informationen vorliegen), für jede einzelne Substanz eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) fest. Beim ADI-Wert handelt es sich um die Menge eines Stoffs, die ein Mensch lebenslang täglich zu sich nehmen kann, ohne dass ein nennenswertes Risiko für seine Gesundheit besteht. ADI-Werte werden gewöhnlich in Milligramm (der Substanz) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag (mg/kg KG/Tag) angegeben. Der ADI-Wert kann sich auf einen bestimmten Zusatzstoff oder eine Gruppe von Zusatzstoffen mit ähnlichen Eigenschaften beziehen. Bei der Neubewertung von früher zugelassenen Zusatzstoffen kann die EFSA, nach Auswertung aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, einen bestehenden ADI-Wert entweder bestätigen oder abändern.

EU-Rechtsrahmen

Aktivitäten der EFSA

Die Aufgaben der EFSA im Bereich der Lebensmittelzusatzstoffe werden vom Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS) wahrgenommen. Die Sicherheitsbewertungen des Gremiums beruhen auf einer Überprüfung aller verfügbaren, einschlägigen wissenschaftlichen Studien und Daten zur Toxizität sowie zur Exposition des Menschen, aus denen das Gremium seine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Unbedenklichkeit der jeweiligen Substanz zieht.

Neue Lebensmittelzusatzstoffe

Für die Zulassung eines neuen Lebensmittelzusatzstoffs oder vorgeschlagener neuer Verwendungen von bestehenden Zusatzstoffen ist bei der Europäischen Kommission ein formeller Antrag nebst Dossier einzureichen, in dem die vorgesehenen Verwendungszwecke sowie wissenschaftliche Daten zur Sicherheit des Stoffs aufgeführt sind. Wird der Antrag angenommen, ersucht die Kommission die EFSA formell um ein wissenschaftliches Gutachten zur Sicherheit des betreffenden Stoffs für die vorgesehenen Verwendungszwecke.

Gemäß Verordnung (EG) Nr. 1331/2008 verabschiedete das ANS-Gremium im Juli 2009 eine Stellungnahme mit Angabe der Art der Daten, die von der Industrie im Zusammenhang mit der Sicherheitsbewertung von Lebensmittelzusatzstoffen vorzulegen sind. Im Juni 2012 verabschiedete das ANS-Gremium neue Leitlinien für die Einreichung von Anträgen auf Zulassung von Lebensmittelzusatzstoffen, die die wissenschaftlichen Fortschritte und neuesten Grundsätze im Bereich der Risikobewertung widerspiegeln. Dieses Dokument ersetzt die Leitlinien, die ursprünglich 2001 vom früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss (SCF) der Europäischen Kommission verfasst und von den Gremien der EFSA für die Verwendung im Rahmen ihrer Risikobewertungen bestätigt wurden.

Die EFSA entwickelte ein spezielles Tool zur Expositionsabschätzung, das „Modell zur Aufnahme von Lebensmittelzusatzstoffen“ (Food additives intake model – FAIM), um Antragstellern bei der Berechnung angenommener Expositionen gegenüber Lebensmittelzusatzstoffen und ihren Nebenprodukten Hilfestellung zu leisten und die Einreichung von Daten in diesem Zusammenhang zu harmonisieren.

Sobald ein Ersuchen um ein Gutachten von der EFSA angenommen wurde, wird es in das Register der Anfragen (Registry of Questions) aufgenommen. Dort kann sein Bearbeitungsstatus einschließlich des Eingangsdatums und des voraussichtlichen Zeitpunkts der Fertigstellung und Verabschiedung eingesehen werden.

Neubewertung von Lebensmittelzusatzstoffen, die vor dem 20. Januar 2009 zugelassen wurden

Bei ihrer Neubewertung von früher zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffen muss die EFSA die gesamte einschlägige wissenschaftliche Literatur sowie, falls erforderlich, die ursprüngliche wissenschaftliche Bewertung berücksichtigen und kann auch einen Aufruf zur Einreichung von Daten veröffentlichen. Auf Grundlage der von der Kommission in Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 257/2010 festgesetzten Fristen hat das ANS-Gremium ein Strategiepapier für die Fertigstellung dieser Arbeit innerhalb der vorgegebenen Fristen verabschiedet.

In seinem Strategiepapier hat das Gremium folgende Kriterien für die zeitliche Planung der Neubewertung der verschiedenen Lebensmittelzusatzstoffe festgelegt:

  • die Prioritäten, die im Programm zur Neubewertung der Verordnung (EU) Nr. 257/2010 gesetzt wurden;
  • das Vorliegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder technischer Informationen seit der letzten Bewertung, die Auswirkungen auf die Sicherheitsbewertung eines Lebensmittelzusatzstoffs haben könnten;
  • die Zeit, die seit der letzten Bewertung eines Lebensmittelzusatzstoffs durch den SCF oder die EFSA vergangen ist;
  • Fälle, in denen kein ADI-Wert festgelegt werden konnte oder vom SCF ein vorläufiger ADI-Wert festgelegt wurde oder die Grundlage für den vom SCF festgelegten ADI-Wert unklar war.

Im Mai 2014 verabschiedete das ANS-Gremium eine Stellungnahme zur Festlegung der von ihm verwendeten Kriterien bei der Risikobewertung bestimmter Lebensmittelzusatzstoffe im Rahmen des Neubewertungsprogramms.

Re-evaluation of food additives: tentative work programme 2014-2015 (0.1 Mb)

Wichtigste laufende Arbeiten

Die Arbeiten der EFSA zu Lebensmittelzusatzstoffen, die als Farbstoffe verwendet werden, und zum Süßstoff Aspartam werden ausführlich gesondert dargestellt:

Laufende Arbeiten im Bereich der Lebensmittelzusatzstoffe:

Letzte Aktualisierung: 25 Juli 2014