Xylella fastidiosa

Xylella fastidiosa ist ein durch Vektoren übertragener bakterieller Pflanzenschädling, der mit schweren Erkrankungen einer Vielzahl von Pflanzen im Zusammenhang steht. Bei Weinreben verursacht er die Pierce-Krankheit, die ein großes Problem für Weinerzeuger in den USA und Südamerika darstellt. Im Oktober 2013 wurde X. fastidiosa auf Olivenbäumen im süditalienischen Apulien entdeckt – der erstmalige Nachweis des Bakteriums in der Europäischen Union. Seither wurde der Erreger auch aus Korsika und der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur gemeldet.

Es wurden Kontrollmaßnahmen ergriffen, um eine weitere Ausbreitung des Bakteriums zu verhindern.

Zahlreiche Pflanzensaft saugende Insektenarten sind als Vektoren des Bakteriums bekannt. Außerdem verfügt X. fastidiosa über ein weites Wirtsspektrum, das eine Vielzahl verbreiteter Kultur- und Wildpflanzen umfasst.

Die EFSA hat sich unlängst mit einer Reihe von Fragen im Zusammenhang mit der Rolle von X. fastidiosa beim anhaltenden Olivensterben im süditalienischen Apulien befasst. So veröffentlichte die Behörde etwa im März einen Bericht des Nationalen Forschungsrats Italiens zum Wirtsspektrum von X. fastidiosa CoDiRO, der bestätigte, dass CoDiRO zum Absterben von Olivenbäumen führt.

Im August gelangten die Sachverständigen der EFSA zu dem Schluss, dass es derzeit keine wissenschaftlichen Hinweise auf das Vorkommen mehrerer Arten von X. fastidiosa in Apulien gibt. Im Anschluss bewerten sie neue Erkenntnisse zu Vitis (Weinrebe), Citrus, Quercus ilex (Steineiche) und Phoenix roebelenii (Zwerg-Dattelpalme) im Hinblick auf deren Kategorisierung als Wirtspflanzen von Xylella fastidiosa.

2016

Im Februar nimmt die EFSA eine Aktualisierung ihrer Wirtspflanzen-Datenbank vor und ergänzt sie um 44 neue Arten. Die Mehrzahl der neuen Arten (70%) wurde in Süditalien (Apulien), Korsika und Südfrankreich (Provence-Alpes-Côte d'Azur) identifiziert.

Im folgenden Monat veröffentlicht die Behörde einen Bericht des Nationalen Forschungsrats Italiens zum Wirtsspektrum von X. fastidiosa CoDiRO, der bestätigt, dass CoDiRO zum Absterben von Olivenbäumen führt.

Im April gelangt die EFSA zu der Schlussfolgerung, dass die in Apulien durchgeführten Forschungen zeigen, dass bestimmte Behandlungen die von X. fastidiosa verursachten Krankheitssymptome zwar verringern, den Erreger jedoch nicht aus infizierten Pflanzen eliminieren.

Im August gelangen die Sachverständigen der EFSA zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise auf das Vorkommen mehrerer Arten von X. fastidiosa in Apulien gibt. Im Anschluss bewerten sie neue Erkenntnisse zu Vitis (Weinrebe), Citrus, Quercus ilex (Steineiche) und Phoenix roebelenii (Zwerg-Dattelpalme) im Hinblick auf deren Kategorisierung als Wirtspflanzen von Xylella fastidiosa.

 

2015

Im Januar veröffentlicht die EFSA eine vollständige Schädlingsrisikobewertung sowie eine Evaluierung von Risikominderungsmaßnahmen für X. fastidiosa in der EU. Das wissenschaftliche Gutachten enthält ein Verzeichnis der Wirtspflanzen und Vektoren des Bakteriums in Europa. Im März veröffentlicht die EFSA einen Bericht zur Kategorisierung von zur Anpflanzung bestimmten Pflanzen, ausgenommen Saatgut, hinsichtlich des mit ihnen assoziierten Risikos der Einschleppung von X. fastidiosa.

Im April reagiert die EFSA auf die Behauptung einer italienischen Nichtregierungsorganisation, dass diverse Pilzarten – und nicht X. fastidiosa – die primäre Ursache des Olivensterbens in Apulien seien. Die EFSA gelangt zu der Schlussfolgerung, dass es keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf gibt, dass tracheomykotische Pilze die primäre Ursache des Olivensterbens in Apulien sind.

Ein im September veröffentlichtes Wissenschaftliches Gutachten der EFSA besagt, dass die Heißwasserbehandlung – bei der ruhende Pflanzen und Pflanzenteile für 45 Minuten in 50°C heißes Wasser eingetaucht werden – eine zuverlässige Methode zur Kontrolle von X. fastidiosa bei ruhendem Rebpflanzmaterial ist.

Im November nehmen über 100 Wissenschaftler aus aller Welt an einem von der EFSA ausgerichteten Workshop teil, um die wichtigsten Wissenslücken zu ermitteln und Forschungsschwerpunkte in Bezug auf X. fastidiosa zu erörtern. Im selben Monat bewertet die EFSA die Ergebnisse aktueller Studien und Experimente, die in Apulien durchgeführt werden, und kommt zu dem Schluss, dass die Weinrebe nicht als potenzieller Wirt von X. fastidiosa ausgeschlossen werden kann.

2014

Nach Veröffentlichung der EFSA-Empfehlungen erlässt die Europäische Kommission im Februar Sofortmaßnahmen, um der weiteren Einschleppung und Ausbreitung des Organismus in der EU zu begegnen. Diese Maßnahmen werden im Mai und Oktober 2015 nochmals verschärft.

2013

Im Oktober wird Xylella fastidiosa auf Olivenbäumen in der süditalienischen Provinz Lecce (Apulien) entdeckt. Dies ist der erste in der Europäischen Union gemeldete Ausbruch von X. fastidiosa unter Feldbedingungen. Im November leistet die EFSA der Europäischen Kommission dringende wissenschaftliche Beratung und technische Hilfe zu X. fastidiosa.

Was hat die EFSA bereits in diesem Bereich unternommen?

Xylella fastidiosa ist ein pflanzenpathogenes Bakterium, das im Oktober 2013 in Olivenbäumen in der Provinz Lecce in der italienischen Region Apulien nachgewiesen wurde; dabei handelte es sich um den ersten Ausbruch unter Feldbedingungen in der Europäischen Union. Die Europäische Kommission ersuchte die EFSA um dringende wissenschaftliche und technische Unterstützung im Zusammenhang mit dem Auftreten von X. fastidiosa. Im November 2013 veröffentlichte die EFSA eine entsprechende Stellungnahme; diese enthielt einen Überblick über das Wirtsspektrum und die Vektoren des Erregers, die Pfade seiner Einschleppung und Ausbreitung sowie mögliche Maßnahmen zur Risikobegrenzung. Darauf folgte im Januar 2015 eine umfassende Bewertung der von X. fastidiosa ausgehenden Risiken für die Pflanzengesundheit in der EU, wobei auch mögliche Maßnahmen zur Risikobegrenzung ermittelt und bewertet wurden. Nähere Informationen über weitere von der EFSA durchgeführte Arbeiten zu X. fastidiosa finden Sie unter der Rubrik Meilensteine auf dieser Seite.

Was waren die Hauptergebnisse der von der EFSA durchgeführten Risikobewertung?

Das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit gelangte in ihrem Gutachten vom Januar 2015 zu dem Schluss, dass X. fastidiosa ein erhebliches Risiko für das EU-Gebiet darstellt, da die Wirtspflanzen und Vektoren des Bakteriums in der gesamten EU vorkommen und es Regionen mit günstigen Umweltbedingungen gibt. Ausbrüche dieses Erregers führten in der Vergangenheit zu schweren Verlusten bei Zitrusfrüchten in Südamerika und bei Weintrauben in Nordamerika.

X. fastidiosa hat ein äußerst breites Wirtsspektrum, zu dem auch zahlreiche in Europa angebaute Kulturpflanzen und hier verbreitete Pflanzenarten gehören. Der Schadorganismus könnte in Europa mehrere Kulturpflanzen befallen, darunter Citrus, Weinrebe und Steinobst (Mandel, Pfirsich, Pflaume), aber auch Baumarten und Zierpflanzen wie Eiche, Ahorn, Platane und Oleander.

Der in Olivenbäumen in der süditalienischen Provinz Lecce nachgewiesene X. fastidiosa-Stamm ist sehr homogen und mit einer Variante identisch, die Oleander in Costa Rica infiziert. In der Provinz Lecce wird X. fastidiosa mit dem schnellen Absterben von Olivenbäumen, dem sogenannten Olive Quick Decline Syndrome, in Verbindung gebracht. Untersuchungen zufolge sind Olivenbäume mit entsprechenden Symptomen in der Regel von einem Komplex von Schadorganismen und Krankheitserregern befallen, darunter X. fastidiosa, mehrere Pilzarten der Gattungen Phaeoacremonium und Phaemoniella sowie Zeuzera pyrina (Blausieb). Bisher hat der apulische Stamm von X. fastidiosa folgende Pflanzen befallen: Oliven, Mandel, Kirsche, Rosmarin, Oleander, Myrte, Stechpalmen-Kreuzdorn (Rhamnus alaternus), Pfriemenginster (Spartium junceum), Australischer Rosmarin (Westringia fruticosa), Myrtenblättrige Kreuzblume (Polygala myrtifolia), Weidenblatt-Akazie (Acacia saligna), Kleines Immergrün (Vinca minor) und Rosafarbene Catharante (Catharanthus roseus, auch Madagaskar-Immergrün).

Als potenzielle Vektoren von X. fastidiosa kommen alle Insekten in Europa in Betracht, die sich vom Saft des Xylems ernähren. Mitglieder der Insektenfamilien Cicadellidae, Aphrophoridae und Cercopidae fungieren in Nord- und Südamerika als Vektoren und sollten daher auch in Europa als potenzielle Vektoren berücksichtigt werden. In der italienischen Provinz Lecce wurde die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) als Vektor ermittelt.

Die beiden wichtigsten Pfade der Einschleppung von X. fastidiosa in zuvor nicht befallene Gebiete sind der Handel mit infizierten Pflanzen, die zum Anpflanzen bestimmt sind, sowie infektiöse Insekten in Pflanzensendungen.

Was kann über mögliche Maßnahmen zur Risikominderung gesagt werden?

Die EFSA gelangte zu dem Schluss, dass eine Ausrottung von X. fastidiosa – d.h. dessen vollständige Entfernung aus einem Ausbruchsgebiet – wenig Erfolg versprechend ist in Gebieten, in denen sich der Schädling großflächig angesiedelt hat, und zwar aufgrund seines breiten Spektrums an Wirtspflanzen und als Vektoren dienenden Insektenarten. In der apulischen Provinz Lecce hat sich X. fastidiosa bereits auf Zehntausenden von Hektar angesiedelt.

Allerdings könnte der kombinierte Einsatz verschiedener Eindämmungsmaßnahmen – wie die Unterbindung der Verbringung infizierter Pflanzen bzw. infektiöser Vektorinsekten, die Entfernung infizierter Pflanzen, die Bekämpfung von Vektorinsekten und das Management der umgebenden Vegetation – dazu beitragen, die Ausbreitung des Schädlings über die Provinz Lecce hinaus in benachbarte Gebiete oder andere EU-Regionen zu verhindern bzw. zu verlangsamen.

Welche Empfehlungen sprach das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit aus?

Das Gremium empfahl die Fortsetzung und Intensivierung von Forschungsaktivitäten im Hinblick auf das Wirtsspektrum, die Epidemiologie und die Bekämpfung des apulischen Ausbruchs von X. fastidiosa. Auf Grundlage der dadurch gewonnenen Erkenntnisse könnten bestehende Unsicherheiten erheblich reduziert und eingehendere Bewertungen des Risikos sowie der Maßnahmen zur Risikobegrenzung in Bezug auf den apulischen X. fastidiosa-Stamm vorgenommen werden.

Was ist die Aufgabe der EFSA in diesem Zusammenhang?

Das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit leistet unabhängige wissenschaftliche Beratung zu den von Pflanzenschädlingen ausgehenden Risiken für Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse bzw. die biologische Vielfalt in der EU. Das Gremium untersucht und bewertet solche Risiken im Hinblick auf den Schutz und die Sicherheit der Lebensmittelkette.

Das Gremium unternimmt Risikobewertungen – auf Grundlage der verfügbaren wissenschaftlichen Informationen und Daten – und erstellt davon ausgehend wissenschaftliche Gutachten und Empfehlungen für Risikomanager der EU-Mitgliedstaaten oder der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments.

Sind weitere Arbeiten im Gange?

Die EFSA kommt allen Ersuchen der Europäischen Kommission um wissenschaftliche Beratung zu diesem Thema nach und ist jederzeit bereit, etwaige weitere Fragen zu beantworten. Die Bekämpfung der Bedrohung für Europas Pflanzen und Umwelt durch Xylella fastidiosa zählt zu unseren prioritären Aufgaben.

Die EFSA unterhält und aktualisiert eine Datenbank derjenigen Pflanzenarten, die als Wirtspflanzen für X. fastidiosa gemeldet werden. Darüber hinaus fördert die Behörde mittels Fremdvergabe zwei Forschungsvorhaben, die zur Verringerung der bei der Risikobewertung identifizierten Unsicherheiten beitragen sollen.

Im Rahmen eines größeren von der EFSA geförderten Projekts, das eine Bestandsaufnahme mathematischer Modelle zur Vorhersage der Ausbreitung gebietsfremder Pflanzenschädlinge in der EU liefern soll, erforscht das britische Zentrum für Ökologie und Hydrologie (Centre for Ecology and Hydrology  – CEH) die mögliche Anwendung eines Modells zur Abschätzung der potenziellen Ausbreitung von X. fastidiosa über das Ausbruchsgebiet in der Provinz Lecce hinaus. Dieses Modell könnte weiterentwickelt werden, sobald die Ergebnisse der epidemiologischen Untersuchungen zu X. fastidiosa in Apulien vorliegen. Die betreffende Studie wurde im April 2015 auf der Website der EFSA veröffentlicht.

Ein von der EFSA gefördertes und dem Nationalen Forschungsrat Italiens (Consiglio Nazionale delle Ricerche – CNR) in Bari koordiniertes Pilotprojekt befasst sich derzeit mit der Erforschung des Wirtsspektrums des apulischen X. fastidiosa-Stamms. Der Abschluss dieses Projekts und die Veröffentlichung der Ergebnisse auf der EFSA-Website sind noch vor Ende des Jahres 2015 vorgesehen.

Das EFSA-Gremium für Pflanzengesundheit hat darüber hinaus ein Wissenschaftliches Gutachten zum Einsatz der Heißwasserbehandlung gegen X. fastidiosa bei Weinreben veröffentlicht. Das Gremium gelangt darin zu dem Schluss, dass die Behandlung – die erfolgreich angewandt wird, um die Phytoplasma-Krankheit flavescence dorée („Goldgelbe Vergilbung“) aus ruhendem Rebpflanzmaterial zu eliminieren – auch gegen X. fastidiosa bei Weinreben wirksam ist.