Pflanzengesundheit

Einleitung

Die Einschleppung und Verbreitung von Schädlingen — wie Pilzen, Bakterien, Viren und Insekten — stellt für Feld- und Gartenfrüchte eine schwerwiegende Bedrohung dar, die weitreichende Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umweltschutz haben kann. Dabei erfolgt die Einschleppung von Pflanzenschädlingen in zuvor nicht befallene Gebiete häufig durch Pflanzenimporte.

In Europa basieren Schutzmaßnahmen gegen die Einschleppung neuer Pflanzenschädlinge auf der behördlichen Überwachung der Verbringung von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen. Die Bewertung der Wahrscheinlichkeit, dass Pflanzenschädlinge in ein Gebiet eingeschleppt werden und sich dort anschließend verbreiten, sowie die Beurteilung der potenziellen Folgen sind wertvolle Hilfen bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich geeigneter Schutzmaßnahmen. Die wichtigste Aufgabe des Gremiums für Pflanzengesundheit (PLH-Gremium) der EFSA ist die Überprüfung der Schadorganismus-Risikobewertungen aus EU-Mitgliedstaaten oder Drittländern, wobei das Gremium auf ein breit gefächertes Fachwissen und die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen kann, um wissenschaftliche Empfehlungen für die Europäische Kommission auszusprechen.

EU-Rechtsrahmen

Maßnahmen zum Schutz der Gemeinschaft bzw. der EU gegen die Einschleppung und Ausbreitung von Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse wurden durch die Richtlinie 2000/29/EG („Pflanzengesundheits-Richtlinie“) festgelegt. Die Richtlinie enthält eine Liste über Schadorganismen, die eine Bedrohung für die Pflanzengesundheit in der EU darstellen.

Rolle und laufende Arbeiten der EFSA

Das PLH-Gremium nahm seine Arbeit im Sommer 2006 auf. Auf Ersuchen der Europäischen Kommission bewertet das Gremium, ob ein bestimmter Pflanzenschädling in die EU-Liste über Schadorganismen aufgenommen werden soll. Der erste Schritt jeder Bewertung ist die Auswertung der Schadorganismus-Risikobewertung, die von dem Land eingereicht wurde, das die Maßnahme im Sinne der Pflanzengesundheits-Richtlinie oder Änderungen dieser Richtlinie beantragt.

So schloss das Gremium im Frühjahr 2008 die Auswertung von Schadorganismus-Risikobewertungen für 30 Schädlinge ab, die Bananen - und Zitruspflanzen in den französischen Überseedepartements befallen. Die von den französischen Behörden durchgeführten Risikobewertungen wurden der Europäischen Kommission vorgelegt, die wiederum die EFSA um deren Bewertung bat. Mit einer solchen Auswertung verfügt die Europäische Kommission über die wissenschaftliche Grundlage, mit der die Rechtsvorschriften zur Pflanzengesundheit in den französischen Überseedepartements an die EU-Gesetzgebung zur Pflanzengesundheit angepasst werden können.

Die EFSA wertet auch Unterlagen zu durch Pflanzenschädlinge bestehenden Risiken aus, die der Kommission von Handelspartnern der EU vorgelegt werden. Im Januar 2009 veröffentlichte die EFSA ein Gutachten zu Guignardia citricarpa , einem Pilz, der die Schwarzfleckenkrankheit auf Zitrusfrüchten (citrus black spot – CBS) verursacht.

Die EFSA hat ein wissenschaftliches Gutachten über die vom Vereinigten Königreich vorgelegte Schadorganismus-Risikobewertung zum Eichenprozessionsspinner veröffentlicht. Die Kommission hatte das PLH-Gremium um die Prüfung gebeten, ob die britische Bewertung auf die gesamte EU ausgedehnt werden soll.

Im Januar 2010 hat das PLH-Gremium der EFSA ein Leitliniendokument verabschiedet, in dem Leitprinzipien zum Verfahren und Methoden zur Bewertung von Pflanzenschädlingen enthalten sind. Das Dokument wird zur Entwicklung eines harmonisierten Rahmens bei der Pflanzenschädlingsbewertung im Rahmen der EFSA beitragen.

Das PLH-Gremium beschäftigt sich in erster Linie mit der Auswertung von Schadorganismus-Risikobewertungen, die von den Mitgliedstaaten oder anderen Seiten erstellt wurden. Diese Unterlagen liegen in der Regel in verschiedenen Formaten vor, auch Methoden und Detaillierungsgrund sind unterschiedlich. Um die Auswertung zu erleichtern und Einheitlichkeit und Klarheit zu gewährleisten, legt das PLH-Gremium der EFSA derzeit letzte Hand an ein Leitliniendokument zur Auswertung dieser Schadorganismus-Risikobewertungen.

Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten

Zur Stärkung der Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten und zur Förderung der Entwicklung von Methoden zur Risikobewertung der Pflanzengesundheit hat die EFSA gemäß Artikel 36 der EFSA-Gründungsverordnung mehrere Projekte in Gang gesetzt. Hierzu gehören die Erstellung eines Verzeichnisses über Datenquellen und eine umfassende Analyse verschiedener Modelle zur Schadorganismus-Risikobewertung.

Im Oktober 2008 organisierte die EFSA eine Sondersitzung der Sachverständigen für Pflanzengesundheit des Beirats. Hier wurde u. a. diskutiert, welche Daten für die Schadorganismus-Risikobewertungen erforderlich sind, und Meinungen zur Harmonisierung der Methoden zur Schadorganismus-Risikobewertung ausgetauscht.

Im Jahr 2007 bildete das wissenschaftliche Kolloquium zur Schadorganismus-Risikobewertung ein Forum zur Diskussion der verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze bei der Risikobewertung und möglicher gemeinsamer Anstrengungen der EU-Mitgliedstaaten, Drittländer und internationaler Organisationen, harmonisierte Ansätze weiterzuentwickeln.

Weitere Informationen:

Pflanzengesundheit — Europäische Kommission, GD „Gesundheit und Verbraucher“

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