EFSA-Bericht über Listerien-Werte bei bestimmten verzehrfertigen Lebensmitteln

Pressemitteilung
27 Juni 2013

Der heute veröffentlichte erste Teil der EFSA-Analyse einer EU-weiten Grundlagenerhebung zu Listeria monocytogenes liefert wertvolle Einblicke hinsichtlich des Vorkommens dieser Bakterien in bestimmten verzehrfertigen Lebensmitteln (Fisch, Wurstwaren und Weichkäse).[1] Der Anteil der Lebensmittelproben, bei denen der lebensmittelrechtliche Grenzwert überschritten wurden, war gering. Angesichts der Beliebtheit dieser Lebensmittel und der gravierenden Folgen, die eine Listerien-Infektion (Listeriose) für die menschliche Gesundheit haben kann, ist jedoch insgesamt Wachsamkeit im Hinblick auf das mögliche Vorkommen dieser Bakterien in Lebensmitteln geboten. Zur Vermeidung von Listeriosen enthalten die EU-Rechtsvorschriften spezifische Auflagen für Lebensmittelunternehmer, darunter die Befolgung guter Herstellungspraxis, die Umsetzung geeigneter Lebensmittelhygieneprogramme sowie wirksame Temperaturkontrollen entlang der gesamten Lebensmittelkette. Die Sachverständigen betonten die Bedeutung solcher Maßnahmen sowie einer korrekten Lagerung der betreffenden Lebensmittel bei niedriger Kühlschranktemperatur auch zu Hause.

Listeriose tritt zwar selten auf, nimmt aber oft einen schweren Verlauf, der stationärer Behandlung bedarf und mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden ist. In der EU wurden für 2011 etwa 1.470 Krankheitsfälle beim Menschen gemeldet, wobei die Sterblichkeitsrate 12,7% betrug.[2] Eine Listeriose geht in der Regel auf den Verzehr von Lebensmitteln zurück, die das Bakterium Listeria monocytogenes enthalten, beispielsweise Fisch, Wurstwaren oder Weichkäse. Verzehrfertige Lebensmittel sind eine häufige Ursache für Listeria-Infektionen, da ihre lange Haltbarkeitsdauer das Bakterienwachstum begünstigt und sie üblicherweise ohne vorheriges Erhitzen verzehrt werden.

Die mit einer Listeriose einhergehenden gesundheitlichen Auswirkungen reichen von leichten grippeartigen Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, bis hin zu schweren Infektionen, beispielsweise einer Hirnhautentzündung, sowie anderen potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen. Zu den Personengruppen, die für Listeria-Infektionen anfälliger sind, gehören Ältere, Schwangere, Neugeborene sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Der Bericht der EFSA zeigt, dass in 10,3% der Fisch-, 2,1% der Fleisch- und in 0,5% der Käseproben, die in Supermärkten und Geschäften genommen wurden, Listeria monocytogenes enthalten war. Der lebensmittelrechtliche EU-Grenzwert (100 Bakterien pro Gramm) wurde hingegen nur bei 1,7% der Fisch-, 0,4% der Fleisch- und 0,06% der Käseproben überschritten.

Die Sachverständigen der EFSA empfehlen für den Lebensmittelbereich das Befolgen guter Hygienepraxis entlang der gesamten Produktions-, Vertriebs- und Lagerungskette. Verbrauchern wird geraten, die Kühlschranktemperatur zu Hause niedrig zu halten, um das potenzielle Wachstum von möglicherweise in verzehrfertigen Lebensmitteln enthaltenen Listeria-Bakterien zu begrenzen.

Im zweiten Teil der Studie, der voraussichtlich im nächsten Jahr abgeschlossen wird, befasst sich die EFSA mit Risikofaktoren für das Vorkommen von Listeria monocytogenes in den betroffenen Lebensmittelkategorien sowie mit Faktoren, die das Bakterienwachstum in Fisch begünstigen.


Hinweise für die Redaktion:

  • Verzehrfertige Lebensmittel sind vom Hersteller für den unmittelbaren menschlichen Verzehr bestimmt, ohne dass sie erhitzt oder anderweitig verarbeitet werden müssen.
  • Die nationalen Lebensmittelbehörden in der EU bieten Verbrauchern praktische Hinweise zur Lebensmittel- und Küchenhygiene und raten generell, die Kühlschranktemperatur zwischen 0°C und 5°C zu halten. Dies entspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (siehe Fünf Schlüssel zu sicheren Lebensmitteln).

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu


[1] Die Erhebung zur Prävalenz von Listeria in bestimmten verzehrfertigen Lebensmitteln wurde von Januar 2010 bis Januar 2012 in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen durchgeführt. Dabei wurde das Vorkommen von Listeria monocytogenes in verzehrfertigen Fischprodukten (verpackter, heiß oder kalt geräucherter oder Graved-Fisch), verpackten wärmebehandelten Fleischerzeugnissen (beispielsweise in Scheiben geschnittener gekochter Schinken, gegarte Hähnchenbrust, Wurstwaren oder Pasteten) sowie Weich- und halbfestem Schnittkäse untersucht. Die EFSA wertete insgesamt die Ergebnisse von 13.088 Proben aus, die in Supermärkten und Geschäften in der gesamten EU genommen wurden. Die Erhebung diente der Untersuchung der Prävalenz und Konzentration von Listerien in verzehrfertigen Lebensmitteln auf EU-Ebene, wobei die Ergebnisse nicht zwangsläufig repräsentativ für die jeweilige Situation in jedem einzelnen Land sind.
[2] Diese Zahl entstammt dem EU-Kurzbericht über Entwicklungstendenzen und Ursachen von Zoonosen, Zoonoseerregern und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen im Jahr 2011 („Trends and Sources of Zoonoses, Zoonotic Agents and Food-borne Outbreaks in 2011“). Von 2008 bis 2011 war auf EU-Ebene keine statistisch signifikante Zu- oder Abnahme bestätigter Listeriose-Fälle bei Menschen zu beobachten. Den zum Zeitpunkt der Planung der Studie vorliegenden EU-Kurzberichten zufolge nahm die Zahl der Meldungen von Listeriose-Fällen zwischen 2002 und 2006 zu.