Zoonosenbericht von EFSA und ECDC zeigt im fünften Jahr in Folge rückläufige Salmonelleninfektionen bei Menschen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ihren Jahresbericht 2009 über Zoonosen[1] und lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in der Europäischen Union veröffentlicht. Der Bericht zeigt, dass die Fälle von Salmonella-Infektionen bei Menschen 2009 um 17 % abnahmen und damit bereits im fünften Jahr in Folge rückläufig sind. Der Bericht zeigt außerdem, dass zwischen 2008 und 2009 die Anzahl der mit Salmonella-Bakterien[2] infizierten Legehennenbestände um 9 % abnahm.

Campylobacteriose war nach wie vor die am häufigsten gemeldete zoonotische Erkrankung bei Menschen; es zeigte sich ein leichter Anstieg auf 198 252 Fälle im Jahr 2009 verglichen mit 190 566 Fällen im Jahr 2008 (+4 %). Bei Lebensmitteln wurden Campylobacter-Bakterien, die Durchfall und Fieber verursachen können, hauptsächlich in rohem Geflügelfleisch nachgewiesen. Bei lebenden Tieren fand man die Bakterien in Geflügel, Schweinen und Rindern.

Die Abnahme der Fälle von Salmonella-Infektionen bei Menschen ist ein großer Erfolg und zeigt, dass die von den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission ergriffenen Bekämpfungsmaßnahmen wirken. Die EFSA wird in Zusammenarbeit mit ihren Partnern weiterhin sämtliche Anstrengungen zur Verringerung aller zoonotischen Erkrankungen in der EU unterstützen“, so Hubert Deluyker, Leiter des Direktorats „Wissenschaftliche Zusammenarbeit und Unterstützung“ der EFSA.

Andrea Ammon, Leiterin des Referats „Überwachung“ des ECDC, fügt hinzu: „Die Einbeziehung von Informationen über Lebensmittel und Tiere bei der Überwachung von Krankheiten des Menschen liefert außerordentlich wertvolle Hinweise, die es der Europäischen Kommission ermöglichen, in ganz Europa gezielt effektive Bekämpfungsmaßnahmen zu ergreifen. Das ECDC wird weiterhin intensiv mit allen Partnern zusammenarbeiten, um das Auftreten dieser Krankheiten zu verringern.

Dem Bericht zufolge sind die Reduktionsziele[3], die von der Europäischen Kommission festgesetzt wurden, um die Verbreitung von Salmonella-Bakterien in Geflügel, Eiern[4] und Hühnerfleisch zu verringern, wahrscheinlich die Hauptgründe für den Rückgang der Infektionen bei Menschen. Der Bericht stellt fest, dass im Jahr 2009 17 Mitgliedstaaten ihre Salmonella-Reduktionsziele für Legehennen[5] erreichten und dass der Anteil der Legehennenbestände in der EU, die mit den zu reduzierenden Salmonella-Arten infiziert sind, weiter rückläufig war (3,2 % im Jahr 2009 verglichen mit 3,5 % im Jahr 2008).

Auf Infektionen mit Salmonella-Bakterien, die am zweithäufigsten gemeldete zoonotische Infektion beim Menschen, entfielen im Jahr 2009 108 614 Erkrankungsfälle bei Menschen, verglichen mit 131 468 Fällen im Jahr 2008. Die durch Salmonellen hervorgerufene Erkrankung, die Salmonellose, führt gewöhnlich zu Fieber, Durchfall und Bauchkrämpfen und kann bei besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie Kindern und älteren Menschen, in Einzelfällen eine Krankenhausbehandlung erforderlich machen. Salmonella-Bakterien waren auch nach wie vor die häufigste Ursache von lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen und wurden am häufigsten in Hühner-, Puten- und Schweinefleisch nachgewiesen.

Der Bericht gibt auch einen Überblick über andere lebensmittelbedingte Erkrankungen. Listeria-Infektionen bei Menschen nahmen mit 1 645 bestätigten Fällen 2009 im Vergleich zum Jahr 2008 um 19 % zu. Listeria-Infektionen sind mit einer hohen Letalitätsrate verbunden[6], wobei hauptsächlich besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel ältere Menschen, betroffen sind. Nach Schätzungen des Berichts starben 2009 in der EU etwa 270 Menschen an Listeriose – eine Letalitätsrate von 17 % bezogen auf die Gesamtzahl der Listeriose-Erkrankungen im selben Zeitraum. Bei den Lebensmitteln, in denen Listerien nachgewiesen wurden, handelte es sich um einige Arten von verzehrfertigen Lebensmitteln wie Räucherfisch, hitzebehandelte Fleischerzeugnisse und Käse[7].

Verotoxigene Escherichia coli (VTEC) waren im Jahr 2009 für 3 573 Erkrankungsfälle bei Menschen verantwortlich, was einem leichten Anstieg gegenüber 2008 entspricht. Bei Tieren und Lebensmitteln wurden VTEC-Bakterien vor allem in Rindern und Rindfleisch gemeldet. Die Zahl der Infektionen mit Yersinia enterocolitica bei Menschen sank 2009 auf 7 595 Fälle. Dieses Bakterium wird hauptsächlich bei Schweinen und in Schweinefleisch nachgewiesen.

Dem Bericht zufolge wurden 2009 in der EU 5 550 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche registriert, von denen 48 964 Menschen betroffen waren und die zu 46 Todesfällen führten. Die am häufigsten gemeldeten Ursachen dieser lebensmittelbedingten Ausbrüche waren Salmonellen (31 % aller Ausbrüche), Viren (19 %) und bakterielle Toxine (10 %). Die Hauptquellen der Ausbrüche waren Eier und Eiprodukte, Mischmahlzeiten und Büfetts sowie Schweinefleisch und daraus hergestellte Erzeugnisse.

Der Bericht berücksichtigt 14 zoonotische Krankheiten, darunter Q-Fieber, Brucellose, Rindertuberkulose, Tollwut und die beiden parasitären Zoonosen Trichinellose und Echinokokkose. Der vollständige Bericht mit Daten zu den einzelnen Ländern und Anhängen ist auf den Websites der EFSA und des ECDC verfügbar. 

Kürzlich veröffentlichte Mitteilung der Europäischen Kommission über Ziele zur Reduzierung von Salmonellen:

Notes to editors

Zoonosen sind Infektionen und Krankheiten, die direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können, zum Beispiel durch Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder Kontakt mit infizierten Tieren. Der Grad der Schwere dieser Krankheiten beim Menschen reicht von leichten Symptomen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen. Um das Auftreten von Zoonosen zu verhindern, ist es wichtig, die Tiere und Lebensmittel zu identifizieren, die die Hauptquellen für Infektionen darstellen. Zu diesem Zweck werden aus allen EU-Mitgliedstaaten Informationen zusammengetragen und analysiert, um die Gesundheit des Menschen zu schützen. 

Im Jahr 2009 stellten 27 EU-Mitgliedstaaten und 4 Nicht-EU-Länder der Europäischen Kommission, der EFSA und dem ECDC Informationen zum Auftreten von Zoonosen und Zoonosenerregern zur Verfügung. Mit Unterstützung durch das „Zoonoses Collaboration Centre“ (Zentrum für Zusammenarbeit im Bereich Zoonosen) in Kopenhagen wurden diese Daten von der EFSA und dem ECDC gemeinsam analysiert und die Ergebnisse im Jahresbericht veröffentlicht.

Um die Sicherheit von Lebensmitteln zu gewährleisten, müssen auch die Verbraucher ihren Teil dazu beitragen. Es empfiehlt sich, bei der Zubereitung von Speisen hygienische Grundregeln zu beachten und Lebensmittel gründlich durchzugaren. Weitere Informationen enthalten die Empfehlungen „Fünf Schlüssel zu sicheren Lebensmitteln“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

[1] Zoonosen sind Infektionen und Krankheiten, die direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können, zum Beispiel durch Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder Kontakt mit infizierten Tieren.
[2] Dies betraf vor allem Salmonella enteritidis und S. typhimurium, die Stämme, von denen Menschen am häufigsten betroffen sind und auf die die Bekämpfungsprogramme der EU ausgerichtet sind.
[3] Gemäß Verordnung (EG) Nr. 2160/2003 zielen diese Bekämpfungsprogramme darauf ab, die in den Verordnungen (EG) Nr. 1003/2005, Nr. 1168/2006 und Nr. 646/2007 festgelegten Reduktionsziele für die folgenden Salmonella-Arten zu erreichen: S. enteritidis, S. typhimurium, S. infantis, S. virchow und S. hadar in Zuchtbeständen sowie S. enteritidis, S. typhimurium in Legehennenbeständen und bei Masthühnern.
[4] Eier gelten als wichtigste Quelle von Salmonella-Infektionen bei Menschen.
[5] Außerdem erreichte eine Gruppe von 18 Mitgliedstaaten ihre Salmonella-Reduktionsziele für zur Fleischerzeugung gezüchtete Hühner (Masthühner) und eine weitere Gruppe von 18 Mitgliedstaaten ihre Reduktionsziele für Hühner, die zu Zuchtzwecken gehalten werden (Zuchthühner). 9 Mitgliedstaaten erreichten ihre Reduktionsziele für alle drei Hühnerarten (Legehennen, Masthühner und Zuchthühner), während 11 Mitgliedstaaten ihre Ziele für Zuchthühnerbestände und Legehennen erreichten.
[6] Die Letalitätsrate ist das Verhältnis der Anzahl der an einer bestimmten Krankheit Verstorbenen (Todesfälle) zur Anzahl der an dieser Krankheit Erkrankten (Erkrankungen).
[7] Listeria-Bakterien haben zwar eine geringe Infektiosität, können sich aber sogar bei niedrigen Temperaturen vermehren, weshalb sie auch in gekühlten Lebensmitteln wachsen können.

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