Neuartige Lebensmittel

Einleitung

Ständig gelangen neue Arten von Lebensmitteln auf unseren Tisch. Die fortschreitende Globalisierung, eine zunehmende ethnische Vielfalt und die Suche nach neuen Nährstoffquellen sind die wichtigsten Triebkräfte hierfür.

Die Idee hinter dem Begriff „neuartige Lebensmittel“ (Novel Food) ist nichts Neues. Im Laufe der Geschichte haben immer wieder neue Lebensmittel, Lebensmittelzutaten oder Verfahren der Lebensmittelerzeugung aus allen Ecken der Welt ihren Weg nach Europa gefunden. Bananen, Tomaten, Pasta, tropische Früchte, Mais, Reis, eine Vielfalt verschiedenster Gewürze – alle kamen ursprünglich als neuartige Lebensmittel nach Europa. Unter den jüngsten Neuankömmlingen finden sich Chia-Samen, Lebensmittel auf Algenbasis, die Baobab-Frucht und Physalis (auch Andenkirsche oder Kapstachelbeere genannt).

EU-Rechtsvorschriften zufolge gilt jedes Lebensmittel, das vor Mai 1997 nicht in „nennenswertem“ Umfang verzehrt wurde, als neuartiges Lebensmittel. Diese Kategorie umfasst neue Lebensmittel, Lebensmittel aus neuen Quellen, in Lebensmitteln verwendete neue Stoffe sowie neue Verfahren und Technologien zur Lebensmittelerzeugung. Beispiele sind an Omega-3-Fettsäuren reiches Krill-Öl als neue Lebensmittelquelle, Phytosterine bzw. Pflanzensterole als neue Stoffe oder die Nanotechnologie als neues Verfahren der Lebensmittelerzeugung.

Traditionelle Lebensmittel sind eine Untergruppe neuartiger Lebensmittel und umfassen Lebensmittel, die irgendwo außerhalb Europas traditionell verzehrt werden.

Am 10. November 2016 veröffentlichte die EFSA zwei Leitliniendokumente zu neuartigen bzw. traditionellen Lebensmitteln und folgte damit auf die neue europäische Verordnung über neuartige Lebensmittel. Mit der Verordnung, die im November 2015 verabschiedet wurde und im Januar 2018 in Kraft trat, wurde ein zentrales Bewertungs- und Zulassungsverfahren eingeführt.

Diesem zufolge entscheiden EU-Risikomanager darüber, ob neue Lebensmittel auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden können. In einigen Fällen mögen sie es für notwendig halten, solche Lebensmittel zuvor einer wissenschaftlichen Risikobewertung durch die EFSA zu unterziehen, um die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten.

In den Leitlinien der EFSA wird ausführlich erläutert, welche Art von Informationen Antragsteller zur Verfügung stellen müssen, wenn eine Risikobewertung verlangt wird, und wie diese Informationen der EFSA vorzulegen sind.

Neuartige und traditionelle Lebensmittel: Leitlinien liegen vor

Guidance on the preparation and presentation of the notification and application for authorisation of traditional foods from third countries in the context of Regulation (EU) 2015/2283

Guidance on the preparation and presentation of an application for authorisation of a novel food in the context of Regulation (EU) 2015/2283

Den Interessengruppen kam bei der Gestaltung dieser Leitlinien eine wichtige Rolle zu. Während einer zweimonatigen öffentlichen Konsultation und einem im gleichen Zeitraum organisierten Treffen hatten sie die Möglichkeit, der EFSA ihre Kommentare und Rückmeldungen zukommen zu lassen.

Neuartige und herkömmliche Lebensmittel – EFSA informiert Interessengruppen über Leitlinienentwürfe

Outcome of a public consultation on the draft guidance on the preparation and presentation of an application for authorisation of a novel food in the context of Regulation (EU) 2015/2283

Outcome of a public consultation on the draft guidance on the preparation and presentation of the notification and application for authorisation of traditional foods from third countries in the context of Regulation (EU) 2015/2283

 

Das Europäische Parlament und der Rat verabschiedeten im November 2015 eine neue Verordnung, mit der die Verordnung (EG) Nr. 258/97 aufgehoben wurde. Mit der neuen Verordnung wurde ein zentrales Bewertungs- und Zulassungsverfahren eingeführt, das den gesamten Prozess effizienter macht.

Seit dem 1. Januar 2018 ist die Europäische Kommission für die Zulassung neuartiger Lebensmittel zuständig und kann im Rahmen dieses Verfahrens die EFSA ersuchen, eine wissenschaftliche Risikobewertung durchzuführen, um die Sicherheit betreffender Lebensmittel festzustellen.

Für die Mitteilung traditioneller Lebensmittel aus Drittländern vereinfacht die neue Verordnung das Zulassungsverfahren, indem sie den Nachweis der sicheren Verwendung in mindestens einem Land außerhalb der EU für einen Zeitraum von 25 Jahren verlangt. Eine entsprechende Mitteilung ist der Europäischen Kommission zu übermitteln, die diese dann an alle Mitgliedstaaten und die EFSA weitleitet. Innerhalb von vier Monaten nach Erhalt einer gültigen Mitteilung können ein Mitgliedstaat oder die EFSA Einspruch gegen das Inverkehrbringen des betreffenden traditionellen Lebensmittels einlegen.

Mit Inkrafttreten der neuen EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel im Januar 2018 wurde der Prozess der wissenschaftlichen Risikobewertung zu Anträgen für neuartige Lebensmittel zentralisiert. Alle von der Europäischen Kommission angeforderten Risikobewertungen hinsichtlich der Sicherheit eines neuartigen Lebensmittels werden seither von der EFSA durchgeführt.

Neuartige Lebensmittel (Novel Food)

Die Sicherheitsbewertung durch die EFSA erfolgt auf Grundlage von Unterlagen, die von den Antragstellern zur Verfügung gestellt werden. Die Antragsunterlagen (Dossiers) sollten Daten enthalten über die kompositorischen, ernährungsphysiologischen, toxikologischen und allergenen Eigenschaften des neuartigen Lebensmittels sowie Informationen zu den jeweiligen Herstellungsverfahren und vorgeschlagenen Verwendungen und Verwendungsmengen. Siehe Leitlinien

Traditionelle Lebensmittel

Traditionelle Lebensmittel sind eine Untergruppe neuartiger Lebensmittel. Ihre sichere Verwendung wird von der EFSA, parallel zu den Mitgliedstaaten, auf Grundlage der von Antragstellern zur Verfügung gestellten Informationen bewertet. Diese müssen die sichere Verwendung des traditionellen Lebensmittels in mindestens einem Land außerhalb der EU für einen Zeitraum von mindestens 25 Jahren nachweisen. Siehe Leitlinien

Die Entscheidung, ob ein Lebensmittel als neuartiges oder traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland gilt, obliegt nicht der EFSA, sondern liegt in der Verantwortung der EU-Risikomanager. Ebenso entscheiden die Risikomanager, ob – und unter welchen Verwendungsbedingungen – ein neuartiges Lebensmittel bzw. ein traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden darf. Siehe Europäische Kommission