Endokrine Disruptoren
Endokrine Disruptoren sind Chemikalien, die Einfluss auf die Hormonaktivität nehmen und sowohl bei Menschen als auch bei Wildtieren Beeinträchtigungen verursachen können.
Hormone werden vom endokrinen System, einem Netzwerk von Organen und Drüsen wie der Schilddrüse, produziert und reguliert.
Hormone sind für unser Wachstum, unsere Entwicklung, unsere Fortpflanzung, unseren Stoffwechsel und viele andere Körperfunktionen unverzichtbar.
Endokrin aktive Substanzen können natürliche Hormone imitieren oder blockieren, den Hormonspiegel verändern oder sich daraus auswirken, wie Hormone im Körper hergestellt, transportiert oder abgebaut werden.
Dass ein Stoff dem endokrinen System interagiert, bedeutet nicht automatisch, dass er schädlich ist.
Menschen und Tiere verfügen über natürliche Mechanismen, die dazu beitragen, den Hormonspiegel im Gleichgewicht zu halten.
Auf diese Weise gleicht unser Körper bestimmte hormonelle Störungen aus, bevor es zu schädlichen Auswirkungen kommt.
Die Wissenschaft unterscheidet zwischen endokrin aktiven Substanzen, die mit Hormonen interagieren können, und endokrinen Disruptoren, die durch diese Interaktion zu Beeinträchtigungen der Gesundheit führen.
Endokrin aktive SubstanzChemischer Stoff, der in Wechselwirkung mit dem endokrinen System (Hormonsystem) des Körpers treten kann
- interagiert mit dem Hormonsystem.
Endokriner DisruptorStoff, der das endokrine System (Hormonsystem) beeinträchtigt und zu negativen Auswirkungen für Organismen und/oder deren Nachkommen führt
- interagiert mit dem Hormonsystem und führt zu Beeinträchtigungen.
Menschen und Tiere können mit diesen Stoffen über Lebensmittel und andere Quellen (etwa Trinkwasser, Kosmetika oder Haushaltsprodukte) in Berührung kommen.
Einige endokrin aktive Substanzen kommen in der Natur vor. Beispiele hierfür sind als Phytoöstrogene bekannte Pflanzeninhaltsstoffe in Lebensmitteln wie Soja und Leinsamen.
Andere endokrin aktive Substanzen werden von Menschen hergestellt. Beispiele hierfür sind Umweltschadstoffe wie Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) sowie bestimmte Pestizide.
Einige Arzneimittel sind speziell für eine Wirkung auf das endokrine System konzipiert.
So wirken beispielsweise Antibabypillen auf den Hormonhaushalt ein, während in manchen Arzneimitteln Schilddrüsenhormone ersetzen, die die Regulierung des Energiehaushalts sowie das Wachstum und die Entwicklung des Körpers unterstützen.
Die Wissenschaft forscht zu endokrinen Disruptoren, da sich durch eine ExpositionKonzentration oder Menge eines bestimmten Stoffs, die von einem Menschen, einer Population oder einem Ökosystem mit einer bestimmten Häufigkeit über einen bestimmten Zeitraum hinweg aufgenommen wird gegenüber diesen Stoffen das Risiko gesundheitsschädlicher Auswirkungen erhöhen kann. Diese können entweder kurz nach der Exposition, später im Leben oder in bestimmten Fällen auch in Folgegenerationen auftreten.
Meilensteine
2026
März
Die EFSA veröffentlicht einen externen wissenschaftlichen Bericht über die Entwicklung eines Netzwerks zu Adverse Outcome Pathways (Pfade zu nachteiligen Auswirkungen) für Endpunkte der Reproduktionstoxizität, das die Identifizierung endokriner Disruptoren unterstützen soll.
2025
Dezember
Die EFSA veröffentlicht eine Stellungnahme, in der die Anwendung neuer Methoden und die Interpretation von Veränderungen in der Schilddrüsenhistologie bei der Bewertung potenzieller schilddrüsenvermittelter endokriner Störungen bei Amphibien erläutert werden.
November
Die EFSA veröffentlicht einen Fachbericht über die Ergebnisse der Peer-Review-Sitzung zu Pestiziden zu allgemeinen wiederkehrenden Fragen der Säugetier- und ÖkotoxikologieLehre der schädlichen Auswirkungen von Stoffen, insbesondere Chemikalien, in Bezug auf die Umwelt und die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit endokrinen Disruptoren.
2023
Die EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über die Entwicklung von Adverse Outcome Pathways (Pfade zu nachteiligen Auswirkungen), die für Adenokarzinome des Uterus relevant sind.
2021
Die EFSA veröffentlicht einen Anhang zu den Leitlinien für die Verwendung neuartiger Methodiken (NAM) für Amphibien in der Prüfstrategie: Einsatz des XETA im Rahmen der Bewertungsstrategie gemäß den Leitlinien der ECHA und der EFSA.
2020
Die EFSA veröffentlicht einen Fachbericht über die Ergebnisse der Peer-Review-Sitzung zu Pestiziden zu allgemeinen wiederkehrenden Fragen der Säugetier-Toxikologie, unter anderem im Zusammenhang mit endokrinen Disruptoren.
Die EFSA richtet eine Arbeitsgruppe zu endokrinen Disruptoren ein, um die Bewertung endokrinschädlicher Eigenschaften von Pestizidwirkstoffen bei Menschen und Nichtzielorganismen zu unterstützen.
2018
Wissenschaftliche Kriterien zur Bestimmung endokrinschädlicher Eigenschaften in Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten treten in Kraft.
Die EFSA und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlichen Leitlinien zur Identifizierung von Stoffen mit endokrinschädlichen Eigenschaften in Pestiziden und Bioziden.
2017
Die EFSA und die ECHA leiten eine öffentliche Konsultation zu ihrem Leitlinienentwurf zur Identifizierung von Stoffen mit endokrinschädlichen Eigenschaften in Pestiziden und Bioziden ein.
2016
Die EFSA und die ECHA veröffentlichen eine Kurzdarstellung ihrer in Ausarbeitung befindlichen Leitlinien zur Identifizierung von Stoffen mit endokrinschädlichen Eigenschaften in Pestiziden und Bioziden.
2014
Die Europäische Kommission leitet eine Online-Konsultation zur Festlegung von Kriterien für endokrine Disruptoren in Pestiziden und Bioziden ein.
2013
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA veröffentlicht ein wissenschaftliches Gutachten über die Gefahrenbewertung von endokrinen Disruptoren.
2012
Die Europäische Kommission ersucht die EFSA, die Wissenschaftlichen Ausschüsse der Kommission, die EMA und die ECHA um wissenschaftliche Beratung zur Bewertung und Prüfung von endokrin aktiven Substanzen.
2010
Der Wissenschaftliche Ausschuss der EFSA richtet mit Unterstützung des EFSA-Beirats der zuständigen nationalen Behörden eine Taskforce für endokrin aktive Substanzen ein, um den aktuellen Stand in Bezug auf endokrin aktive Substanzen zu klären und Empfehlungen auszusprechen.
Rolle der EFSA
Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten mögliche Schäden durch Stoffe in Lebensmitteln und in der Umwelt und berücksichtigen gegebenenfalls die endokrine Wirkung auf Menschen und/oder Tiere.
Bei Pestiziden wird ermittelt, ob ein Wirkstoff die wissenschaftlichen Kriterien für die Einstufung als endokriner Disruptor erfüllt.
Bei unseren Bewertungen von Pestiziden werden auch endokrinschädliche Wirkungen auf Wildtiere berücksichtigt, wobei der Schwerpunkt in erster Linie auf Säugetieren, Fischen und Amphibien liegt.
Diese Gruppen wird Vorrang eingeräumt, da für sie mehr wissenschaftliche Erkenntnisse und validierte Prüfmethoden vorliegen als für andere Tiere.
Unsere Bewertungen fließen in Entscheidungen der Europäischen Kommission und der EU-Mitgliedstaaten, die den Einsatz von Pestiziden und anderen chemischen Stoffen in der Lebensmittelkette regulieren, ein.
Wir unterstützen zudem die Entwicklung harmonisierter Ansätze für die RisikobewertungSpezialgebiet der angewandten Wissenschaften, in dem wissenschaftliche Daten und Studien ausgewertet werden, um die mit bestimmten Gefahren einhergehenden Risiken zu beurteilen. Dies umfasst vier Schritte: Gefahrenidentifizierung, Gefahrencharakterisierung, Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung von endokrin aktiven Substanzen sowie zuverlässiger Prüfmethoden.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) identifizieren und bewerten endokrine Disruptoren sowie andere chemische Stoffe wie beispielsweise Biozide.
EU-Rechtsrahmen
Pestizide
- Die Verordnung EG 1107/2009 enthält Vorschriften für die Zulassung und das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln in der EU.
- In der Verordnung (EU) 2018/605 sind wissenschaftliche Kriterien für die Bestimmung endokrinschädlicher Eigenschaften von Pflanzenschutzmitteln festgelegt.
- Pestizide, die als endokrine Disruptoren identifiziert wurden und Menschen oder Nichtzielorganismen schaden könnten, können in der EU in der Regel nicht zugelassen werden.
- Die Zulassung wird jedoch nicht verweigert, wenn die Exposition unter den Verwendungsbedingungen vernachlässigbar ist oder der betreffende Stoff zur Bekämpfung einer ernsten, nicht durch andere verfügbare Mittel – einschließlich nicht chemischer Methoden – abzuwehrenden GefahrStoff oder Aktivität, der/die das Potenzial besitzt, in Lebewesen oder Umgebungen schädliche Wirkungen hervorzurufen für die Pflanzengesundheit als notwendig erachtet wird.