Aflatoxine in Lebensmitteln

Aflatoxine sind Mykotoxine, die von zwei Schimmelpilzarten der Gattung Aspergillus gebildet werden, die besonders in Regionen mit warmem und feuchtem Klima anzutreffen sind. Aufgrund der bekannten genotoxischen und karzinogenen Eigenschaften der Aflatoxine sollte ihre Aufnahme über Lebensmittel soweit wie nur möglich minimiert werden.

Aflatoxine können aufgrund eines vor oder nach der Ernte auftretenden Pilzbefalls bei Erdnüssen, Baumnüssen, Mais, Reis, Feigen und anderen getrockneten Früchten, Gewürzen, rohen pflanzlichen Ölen und Kakaobohnen auftreten.

Verschiedene Arten von Aflatoxinen kommen in der Natur vor. Aflatoxin B1 ist die in Lebensmitteln am häufigsten vorkommende Art und gehört zu den am stärksten genotoxisch und karzinogen wirkenden Aflatoxinen. Es entsteht durch die Schimmelpilzarten Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus. Aflatoxin M1 ist ein Hauptmetabolit von Aflatoxin B1 bei Menschen und Tieren, der in der Milch von Tieren vorkommen kann, denen mit Aflatoxin B1 verunreinigtes Futter verabreicht wurde.

EU-Rechtsrahmen

Die Europäische Union führte entsprechende Maßnahmen durch, um das Auftreten von Aflatoxinen bei verschiedenen Lebensmitteln zu minimieren. In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 wurden Höchstwerte für Aflatoxine festgelegt. Erzeugnisse, bei denen die Höchstwerte überschritten werden, dürfen in der EU nicht in Verkehr gebracht werden. In der Richtlinie 2002/32/EG sind Höchstwerte für Aflatoxin B1 in Futtermitteln festgelegt worden.

Die Probenahmeverfahren und Analysemethoden bei der offiziellen Kontrolle auf Mykotoxine, darunter Aflatoxine, sind in der Verordnung (EG) Nr. 401/2006 der Kommission festgelegt. So wird sichergestellt, dass in der gesamten EU von den zuständigen Behörden einheitliche Probenahmekriterien für die Kontrolle des Mykotoxingehalts von Lebensmitteln auf die Erzeugnisse angewendet werden und dass bestimmte Leistungskriterien, z. B. in Bezug auf Wiederfindungsrate und Präzision, eingehalten werden.

Im Jahr 2008 wurde im Codex Alimentarius ein Höchstwert für Aflatoxine von 10 µg/kg bei verzehrfertigen Mandeln, Haselnüssen und Pistazien festgelegt, der höher ist als der in der EU zurzeit gültige Wert (4 µg/kg Aflatoxine). Derzeit finden zwischen der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten Gespräche über die Angleichung der Rechtsvorschriften der EU zu diesen Arten von Nüssen an die Entscheidung des Codex Alimentarius statt. Darüber hinaus finden Gespräche über eine Angleichung der neuen vorgeschlagenen Höchstwerte für alle Arten von Baumnüssen statt.

Die Arbeiten der EFSA

Im Jahr 2007 hat das Wissenschaftliche Gremium der EFSA zu Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) den Risikomanagern die benötigte wissenschaftliche Grundlage zur Verfügung gestellt, um über den Vorschlag des Codex Alimentarius zur Festlegung von Höchstwerten für Aflatoxine bei verzehrfertigen Mandeln, Haselnüssen und Pistazien entscheiden zu können, die höher sind als die derzeitig in Europa gültigen Werte.

In einem im Januar 2007 verabschiedeten Gutachten zieht das CONTAM-Gremium die Schlussfolgerung, dass eine Erhöhung des aktuellen Höchstwerts in der EU von 4 µg/kg Aflatoxine auf 8 oder 10 µg/kg Aflatoxine bei diesen drei Nussarten nur geringe Auswirkungen auf die erwartete Aufnahme über die Ernährung, das Krebsrisiko und den errechneten MOE-Wert (Margin of Exposure) hätte. Das Gremium gelangte ferner zu der Folgerung, dass die Aufnahme von Aflatoxinen aus allen Lebensmittelquellen aufgrund der genotoxischen und karzinogenen Wirkung von Aflatoxinen so niedrig gehalten werden sollte wie dies sinnvollerweise möglich ist.
Darüber hinaus zeigen die Daten, dass eine Verringerung der Gesamtexposition gegenüber Aflatoxinen durch die Reduzierung der Anzahl hochgradig belasteter Lebensmittel, die auf den Markt gelangen, möglich wäre und durch die Verringerung der Belastung durch andere Nahrungsquellen als Mandeln, Haselnüsse und Pistazien.

Im Juni 2009 bat die Europäische Kommission die EFSA, die Auswirkungen einer Erhöhung des Höchstwerts für Aflatoxine von 4 µg/kg auf 10 µg/kg für Baumnüsse außer Mandeln, Haselnüssen und Pistazien (also z. B. für Paranüsse und Cashewnüsse) auf die öffentliche Gesundheit zu bewerten. Eine solche Maßnahme würde die Durchsetzung der Höchstwerte erleichtern, und zwar besonders bei Nussmischungen.

Das Gremium ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine nachteiligen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit entstehen würden, wenn die Höchstwerte für Aflatoxine für alle Baumnüsse von 4 µg/kg auf 8 oder 10 µg/kg angehoben werden würden. Allerdings wiederholte das Gremium seine vorherigen Schlussfolgerungen zur Bedeutung einer Verringerung der Anzahl hochgradig belasteter Lebensmittel, die auf den Markt gelangen.

Damit eine Einschätzung der Aufnahme durch den Menschen im Rahmen dieser zwei Bewertungen möglich ist, berücksichtigte die EFSA die im Jahr 2006 von 20 Mitgliedstaaten und anderen Ländern eingereichten Daten zum Vorkommen sowie die Daten zum Lebensmittelverbrauch, die den „GEMS/Food Consumption Clusters Diets“ der Weltgesundheitsorganisation entnommen werden konnten und die auf Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen beruhen.

Im Juni 2009 hat die EFSA einen Aufruf zum Einreichen von Vorschlägen zur Untersuchung des möglichen Anstiegs von Aflatoxin B1 in Getreide in der Europäischen Union als Folge des Klimawandels veröffentlicht. Das Projekt dient dem Erheben und der Analyse von Daten zu Aflatoxin B1, um Modell für Vorhersagen auszuarbeiten, Szenarien festzulegen und Karten zu erstellen, auf denen mögliche zukünftige Kontaminierungen von Getreidepflanzen kenntlich gemacht werden. Die Ergebnisse werden allen zukünftigen Arbeiten der EFSA in diesem Bereich dienen und unionsweit als Indikator in Bezug auf mögliche neue, in Folge des Klimawandels auftretende Kontaminierungen von Lebensmitteln durch Mykotoxine fungieren. 

Tierernährung

Im Jahr 2004 verabschiedete das CONTAM-Gremium der EFSA ferner eine Stellungnahme zu Aflatoxin B1 als unerwünschter Substanz in der Tierernährung. Die Kommission hatte die EFSA gebeten, die Aufnahmemengen für Aflatoxin B1 für Milchtiere, insbesondere Milchkühe, zu bestimmen, ab denen das Futter zu einer unannehmbaren Belastung der Milch durch Aflatoxin M1 führen würde. Das CONTAM-Gremium kam zu der Schlussfolgerung, dass die derzeitigen Höchstwerte für Aflatoxin B1 bei Futtermitteln nicht nur einen angemessenen Schutz der Zieltierarten vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen bieten, sondern auch verhindern, dass eine unerwünscht hohe Konzentration des Metaboliten Aflatoxin M1 in der Milch auftritt. Im Rahmen seiner Empfehlungen unterstützte das Gremium eine Überwachung des Auftretens von Aflatoxin B1 in eingeführten Futtermitteln und von Aflatoxin M1 bei Molkereimilch.