Gemeinsamer Bericht von EFSA und ECDC: Resistente Bakterien bleiben ein bedeutendes Problem, das über Tiere und Lebensmittel auch den Menschen betreffen kann

Pressemitteilung
16 Mai 2013

Der dritte gemeinsame Bericht von EFSA und ECDC zur Antibiotikaresistenz bei Zoonose-Bakterien, die Menschen, Tiere und Lebensmittel befallen können, zeigt, dass weiterhin Resistenzen gegen eine Reihe von antimikrobiellen Substanzen bei Salmonella und Campylobacter bestehen. Diese Bakterien sind die Hauptursache für lebensmittelbedingte Infektionen in der Europäischen Union (EU). Die Co-Resistenz (kombinierte Resistenz) gegenüber zwei antimikrobiellen Substanzen von entscheidender Bedeutung bleibt hingegen gering. Der Bericht beruht auf Daten, die von EU-Mitgliedstaaten für das Jahr 2011 erhoben wurden.

Ein Großteil der bei Menschen, bei zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren und in Lebensmitteln nachgewiesenen Campylobacter-Bakterien, welche die Hauptursache für lebensmittelbedingte Krankheiten in der EU darstellen, war resistent gegenüber Ciprofloxacin, einer antimikrobiellen Substanz von großer Bedeutung, wohingegen eine geringe Resistenz gegenüber Erythromycin, einer weiteren sehr bedeutenden antimikrobiellen Substanz, festgestellt wurde. Die Co-Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen von entscheidender Bedeutung war in der gesamten EU niedrig, was zeigt, dass bei schweren Infektionen durch besagte Bakterien bislang immer noch Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Ferner wurde eine hohe Resistenz gegenüber häufig verwendeten Antibiotika festgestellt.

Im Hinblick auf Salmonella war die Multidrug-Resistenz (die Resistenz gegenüber mindestens drei verschiedene Klassen von antimikrobiellen Substanzen) in der gesamten EU hoch. Es stellte sich heraus, dass bei Menschen ein Großteil der Salmonella-Bakterien gegen die üblicherweise eingesetzten Antibiotika resistent ist, was auch für Tiere, insbesondere Schweine und Puten, gilt. Bei aus Geflügel gewonnenen Isolaten wurde zudem eine hohe Resistenz gegenüber Ciprofloxacin beobachtet. Bei Salmonella aus Menschen, zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tieren und Lebensmitteln lagen hingegen nur geringe Co-Resistenzen gegen antimikrobielle Substanzen von entscheidender Bedeutung vor.

„Wenn wir nicht eine Reihe antimikrobieller Substanzen verlieren wollen, die uns heute eine wirksame Behandlung von bakteriellen Infektionen beim Menschen ermöglichen, sind gemeinsame Anstrengungen in der EU, einschließlich der Mitgliedstaaten, Angehöriger der Gesundheitsberufe, der Industrie, Landwirte und vieler anderer nötig“, so Bernhard Url, Direktor für Risikobewertung und wissenschaftliche Unterstützung der EFSA.

Der Direktor des ECDC, Dr. Marc Sprenger, fügte hinzu: „Die harmonisierte Überwachung von Antibiotikaresistenzen in an Menschen und Tieren gewonnenen Isolaten kann uns als Grundlage für wirksame Maßnahmen dienen, die die weitere Ausbreitung von Resistenzen gegen antimikrobielle Substanzen bei Menschen verhindern. Damit sich die Daten in der gesamten EU leichter vergleichen lassen, wird das ECDC die EU-Mitgliedstaaten weiterhin dazu anhalten, die von EUCAST (dem Europäischen Ausschuss für die Untersuchung auf Antibiotikaempfindlichkeit) herausgegebenen Methoden und Richtlinien zu verwenden. Außerdem wird das ECDC nach wie vor den Europäischen Antibiotikatag (European Antibiotic Awareness Day) koordinieren – eine EU-weite Gesundheitsinitiative, die sowohl eine Plattform als auch Unterstützung für nationale Kampagnen zum umsichtigen Einsatz von Antibiotika bei Menschen bietet.“

Multidrug-Resistenz, Co-Resistenz und Resistenz gegen die üblicherweise verwendeten Antibiotika müssen sorgfältig überwacht werden. Resistenzen gegen antimikrobielle Substanzen stellen eine ernstzunehmende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, da sie zu steigenden Gesundheitskosten, längeren Krankenhausaufenthalten, Behandlungsversagen und mitunter sogar zum Tod führen.


Hinweise für die Redaktion:

  • Bei antimikrobiellen Substanzen, einschließlich Antibiotika, handelt es sich um Stoffe, die zur Behandlung eines breiten Spektrums unterschiedlicher Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier eingesetzt werden. Sie töten Mikroorganismen (z.B. Bakterien), die Infektionen hervorrufen, ab bzw. hemmen deren Wachstum. Zu einer Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen kommt es, wenn ein Mikroorganismus gegen eine antimikrobielle Substanz resistent wird, für die er zuvor empfänglich war. Resistenzen gegen antimikrobielle Substanzen stellen eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar, weil dadurch Behandlungen mit Antibiotika unwirksam werden können.
  • Einige antimikrobielle Substanzen werden von der Weltgesundheitsorganisation als von entscheidender Bedeutung für die Behandlung schwerwiegender Infektionen beim Menschen definiert: Hierzu gehören Ciprofloxacin und Cefotaxim gegen Salmonellose (Salmonella-Infektion) sowie Ciprofloxacin und Erythromycin gegen Campylobakteriose (Campylobacter-Infektion). Die antimikrobiellen Substanzen, die man zur Behandlung einer Reihe von Infektionskrankheiten bei zur Lebensmittelproduktion genutzten Tieren einsetzt, können dieselben bzw. ähnliche sein wie sie bei Menschen verwendet werden. So können Bakterien mit einer Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen von entscheidender Bedeutung über Tiere auch auf den Menschen übertragen werden.
  • Der gemeinsame EFSA/ECDC-Bericht für das Jahr 2011 ist der erste, der Multidrug-Resistenz und Co-Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen analysiert, und dies sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Man definiert Bakterien als multiresistent, wenn sie gegen mindestens drei verschiedene Klassen von Antibiotika resistent sind. Im vorliegenden Bericht bezeichnet Co-Resistenz eine kombinierte Resistenz gegen zwei spezifische antimikrobielle Substanzen von entscheidender Bedeutung.
  • EFSA und ECDC haben die von 26 EU-Mitgliedstaaten und drei EFTA-Ländern für 2011 vorgelegten Daten zur Antibiotikaresistenz ausgewertet. Bereits seit 2004 analysiert die EFSA Resistenzen von bei Tieren und in Lebensmitteln nachgewiesenen Zoonose-Bakterien gegen antimikrobielle Substanzen. Zwischen den bei Menschen und in Lebensmitteln bzw. bei Tieren nachgewiesenen Antibiotikaresistenzen, auf die der Bericht eingeht, kann kein direkter Vergleich angestellt werden, da zum Teil unterschiedliche Definitionen für Resistenz verwendet werden.
  • In ihrem 2011 vorgelegten Aktionsplan zur Abwehr der steigenden Gefahr der Antibiotikaresistenz nennt die Europäische Kommission wichtige Bereiche von vorrangiger Bedeutung, darunter die verbesserte Überwachung von Resistenzen gegenüber antimikrobielle Substanzen, zu der dieser Bericht einen entscheidenden Beitrag leistet.

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