EFSA untersucht Risiken für die öffentliche Gesundheit durch Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs

Webnachricht
8 Januar 2013

Die EFSA hat die erste in Europa durchgeführte wissenschaftliche Bewertung zu Risiken für die öffentliche Gesundheit durch Pathogene veröffentlicht, mit denen Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs kontaminiert sein können. Das wissenschaftliche Gutachten vergleicht den Anteil der im Zeitraum 2007 bis 2011 in Europa gemeldeten Ausbrüche lebensmittelbedingter Krankheiten bei Menschen durch Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs mit dem Anteil der Ausbrüche, der auf Lebensmittel tierischen Ursprungs zurückzuführen ist. Die Sachverständigen der EFSA ermittelten außerdem Kombinationen von Lebensmitteln und Pathogenen, die häufig mit lebensmittelbedingten Krankheiten durch Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs in Verbindung stehen, und stufte deren Risiko ein.

Zu den Lebensmitteln nicht tierischen Ursprungs zählt eine breite Palette von Obst, Gemüse, Salaten, Samen, Nüssen, Getreiden, Kräutern und Gewürzen. Diese sind ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Laut dem heute vom Gremium für biologische Gefahren veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten sind Lebensmittel tierischen Ursprungs auch weiterhin die Ursache für die Mehrheit aller dokumentierten und gemeldeten Ausbrüche (90%). Die Anzahl der Ausbrüche, Erkrankungen bei Menschen und Krankenhausaufenthalte im Zusammenhang mit Lebensmitteln nicht tierischen Ursprungs ist jedoch innerhalb des untersuchten Zeitraums gestiegen.

Ausbrüche im Zusammenhang mit dieser Art von Lebensmitteln gehen tendenziell mit mehr Erkrankungen bei Menschen einher, sind dabei aber in Bezug auf die Zahl der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gewöhnlich weniger schwerwiegend als dies bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs der Fall ist. Betrachtet man die Tendenzen im Zeitraum 2007 bis 2011, zeigt sich, dass Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs mit 10% der Ausbrüche, 26% der Erkrankungen bei Menschen, 35% der Krankenhausaufenthalte und 46% der Todesfälle in Zusammenhang standen. Hierbei sind allerdings die schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen des auf Sprossen zurückzuführenden Ausbruchs von Shiga-Toxin produzierenden Escherichia coli (STEC) im Jahr 2011 zu berücksichtigen. Schließt man die Daten zu diesem großen Ausbruch aus, gehen 5% aller Todesfälle im Zusammenhang mit gemeldeten Ausbrüchen lebensmittelbedingter Krankheiten auf Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs zurück.

Entwicklung eines Modells für die Risikoeinstufung

Das Gremium hat ein Modell entwickelt, das Risikomanager bei der Einstufung von Risiken durch lebensmittelbedingte Krankheiten unterstützen soll, deren Ursache in Verbindung mit Lebensmitteln nicht tierischen Ursprungs steht. Die am höchsten eingestufte Kombination von Lebensmitteln und Pathogenen (Viren, Bakterien oder Parasiten) im untersuchten Zeitraum waren Salmonellen und roh verzehrte Blattgemüse, gefolgt von den nachstehenden Kombinationen, die jeweils gleich eingestuft wurden: Salmonellen und Zwiebel- oder Stängelgemüse (z.B. Spargel, Zwiebeln, Knoblauch etc.), Salmonellen und Tomaten, Salmonellen und Melonen sowie pathogene E. coli und frische Schoten, Hülsenfrüchte oder Getreide.

Wie bei allen Modellen ist die sich daraus ergebende Analyse in Bezug auf die untersuchten Daten gewissen Beschränkungen unterworfen.

Das Gremium nutzte in den Mitgliedstaaten erhobene Überwachungsdaten zu Zoonosen, die Aufschluss über die Anzahl und den Schweregrad von Ausbrüchen lebensmittelbedingter Krankheiten in sämtlichen Mitgliedstaaten gaben.

Es ist jedoch möglich, dass die Bedeutung einiger Kombinationen überbewertet wurde und weitere Lebensmittel/Pathogen-Kombinationen ermittelt werden, sollten in Zukunft neue EU-Überwachungsdaten zur Verfügung stehen. Im Rahmen des Modells wird vermutlich auch der Stellenwert eher sporadisch auftretender Krankheiten zu gering eingeschätzt, beispielsweise von Erkrankungen, die auf Listeria monocytogenes oder Campylobacter zurückzuführen sind.

Das wissenschaftliche Gutachten der EFSA empfiehlt für die Datenerhebung die Einführung einer harmonisierten Terminologie zur Kategorisierung von Lebensmitteln sowie die Sammlung zusätzlicher Informationen über die Zubereitung, Verarbeitung und Lagerung einzelner Lebensmittel.

Nächste Schritte

Im Jahr 2013 wird die EFSA maßgebliche Faktoren der Risiken analysieren, die von den im Rahmen des wissenschaftlichen Gutachtens ermittelten Lebensmittel/Pathogen-Kombinationen ausgehen, und ggf. auch Möglichkeiten zur Minderung dieser Risiken sowie mikrobiologische Kriterien bestimmter Lebensmittel/Pathogen-Kombinationen untersuchen.


Hinweise für die Redaktion:

Das für dieses Gutachten verwendete Modell zur Risikoeinstufung wurde von einem Modell der US-Bundesbehörde zur Lebens- und Arzneimittelüberwachung (FDA) abgeleitet. Es basiert auf sieben Kriterien: der Stärke des Zusammenhangs zwischen Lebensmittel und Pathogen, der Inzidenzrate von Erkrankungen, der Krankheitsbelastung, der Dosis-Wirkungsbeziehung, dem Verzehr, der Prävalenz der Kontaminierung und dem Pathogen-Wachstumspotenzial während der Haltbarkeitsdauer. Anhand dieser sieben Kriterien hat das Gremium die Gruppen von Lebensmittel/Pathogen-Kombinationen mit der höchsten Risikoeinstufung ermittelt.

Das heute veröffentlichte Gutachten ergänzt das frühere Gutachten des Gremiums für biologische Gefahren, das im Oktober 2011 verabschiedet wurde und die Risiken untersucht, die von Shiga-Toxin produzierenden Escherichia coli (STEC) und anderen pathogenen Bakterien ausgehen, die Samen zur Zucht von Sprossen sowie vorgekeimte Samen befallen können. Nach dem großen STEC-Ausbruch im Frühjahr und Sommer 2011 war die EFSA um wissenschaftliche Beratung ersucht worden. Dieser Ausbruch wurde durch den seltenen, virulenten STEC-Stamm O104:H4 verursacht und hat gezeigt, dass Lebensmittel nicht tierischen Ursprungs große Ausbrüche lebensmittelbedingter Krankheiten auslösen können.

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Medienstelle der EFSA
Tel. +39 0521 036 149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu